Kolumne

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

Über gute Weine – und ein böses Bier

Ungarische Winzer lieferten bereits im 15. Jahrhundert Weine an europäische Kaiser und Könige – und nicht nur den süßen Tokajer. Nach dem zweiten Weltkrieg, während der Diktatur des Proletariats und damit der langen Nacht des Geschmacks in Ost-Europa, rollten die Fässer nach Polen und in die Sowjetunion. Echter Neid konnte bei Kennern nicht aufkommen, denn die staatlichen Kellereien produzierten allein auf Quantität, und obendrein waren die Kenner gar nicht da. Sie kamen erst nach der politischen Wende, 1989, wieder heim. Unter ihnen Tibor Gál www.galtibor.hu , der zuvor für Alexander Baron von Essen in Südafrika das Weingut Capaia aufgebaut und für den toskanischen Marchese Ludovico Antinori den Kultwein Ornellaia kreiert hatte.…

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Hilfe!Hilfe!Hilfe

In den Ländern, in denen sich die Regierungen nicht oder nur unzulänglich um die sozialen Belange ihrer Bürger kümmern, tun das gewöhnlich andere. In Ungarn sind es oft die Familien, und das nicht nur auf dem Land, sondern auch in Budapest. Außerdem kümmern sich kirchliche und private Organisationen. Aber auch die Menschen auf der Straße helfen einander. Selbst bei Kleinigkeiten.
Eine häufige Szene: Ein Mann mit einem Kind auf dem Arm steigt in eine Straßenbahn. Sofort springen zwei Frauen und ein, zwei Knaben auf und bieten ihre Plätze an. Oder: Eine Frau in der U-Bahn kämpft (aussichtslos) mit dem verhedderten breiten Träger ihrer Seitentasche und der Kapuze auf ihrem Rücken. Ein junger Mann hinter ihr fragt, ob er helfen könne, erntet ein glückliches „Jaaa“, bringt die Sache in Ordnung und bekommt einen Dank mit breitem Lächeln.…

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Magenbitter & koschere Geister

Seine Majestät, Kaiser Joseph II. von Österreich, in Personalunion mit sich selber Ungarischer König, hatte wieder einmal zu viel gegessen. Er litt an Völlegefühl. So fragte er seinen jüdisch-ungarischen Leibarzt: „Hams net was dagegen, Zwack?“

Dr. Josef Zwack fiel sogleich die revolutionäre Idee ein – Majestät möge weniger essen –, das aber wagte er nicht zu sagen. Ein anderes Mittel hatte er nicht. Niemand hatte es – bis der Medicus nach längerem Nachdenken sich an die Kräutermixturen seiner seligen Großmutter erinnerte. Und bereits ein Jahr später, 1790, präsentierte er sein bittersüßes Elixier aus insgesamt 40 Wurzeln und Kräutern, dazu 40 Prozent Alkohol. Der Kaiser befand, es sei einzigartig und nannte es Unicum.…

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Jagen auf Ungarisch oder Bitte antreten zum Heldentod

Für Jäger ist Ungarn seit jeher verlockend. Schon vor Jahrhunderten schossen hier die Reichen und Mächtigen (Männer) auf wilde Tiere. Mit Kaiser Franz Josef I., den Esterházis und Batthyányis kam der gesamte europäische Hochadel. Selbst in den dunklen Zeiten des Kommunismus traf sich hier der Geldadel aus dem Westen mit dem politischen Adel aus dem Osten, darunter János Kádár und Erich Honecker. Karl Friedrich Flick erlegte in den 1970er Jahren südlich des Balaton/Plattensees unzählige Wildgänse, während die nach ihm benannte Steueraffäre Westdeutschland erschütterte. Schließlich kaufte Carlo Benetton 2008 bei einem Jagdausflug eines der schönsten Jagdschlösser, früher Eigentum der Adelsfamilie Széchenyi (deren Spross István die Kettenbrücke erträumte).…

Nachrichten aus einem kleinen Land

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Glück sollte man haben. Und zur Krönung ein Schätzchen

Die Familie Blaskovich war vom niederen Adel ohne Titel und züchtete Pferde. (Sie durfte nur ihren Namen anders schreiben, als man ihn aussprach – das war schon etwas Besseres.) Sie hatte auf dem Flachland, 60 Kilometer südöstlich von Budapest ein weiß gekalktes Schlösschen mit hohen Fenstern und zwei Türmchen, die so niedrig waren, dass kein Zimmerchen darunter Platz hatte. Ein Blaskovich sammelte bezahlbare bäuerliche Malerei, ein anderer unbrauchbare hübsche, alte Waffen.

Doch das wichtigste, was sie nicht sammeln mussten: Sie hatten immer Glück.

Als im Zweiten Weltkrieg versprengte Sowjetsoldaten nach dem Weg zur Hauptstadt fragten, wurden sie mit Brot, Paprikawurst und Aprikosenschnaps bewirtet.…

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Wundervolle Geschäfte – Geld hier, Geld dort, Geld weg

Ungarn hat bislang kaum Flüchtlinge aufgenommen, die Regierung plant es auch für die Zukunft nicht. Die verhältnismäßig wenigen, zumal aus Syrien, die 2015 am Budapester Ostbahnhof kampierten und von Freiwilligen-Organisationen versorgt wurden, haben das Land Richtung Westen verlassen. In der World Press Foto-Ausstellung 2015 waren unter den Ausgezeichneten eine Ungarin und ein Ungar. Ihre dramatischen Bilder von Flüchtlingen an der ungarischen Grenze füllten einen eigenen Saal. Darunter das Foto einer Kleinfamilie, Mutter, Vater, Windelkind im Stacheldraht verhakt.
Andere „illegale Einwanderer“ sitzen heute unter Menschen-unwürdigen Umständen in Sammellagern.
Doch wie durch ein Wunder leben zurzeit mindestens 17.000 „legale Einwanderer“ in Ungarn. Die meisten von ihnen in Budapest, darunter auch ein weltweit gesuchter russischer (Ukrainischer?) Gangster.…

Nachrichten aus einem kleinen Land

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Die „Kleine U-Bahn“ in Budapest und ihre ungewöhnlichen Fahrgäste

Klein ist sie tatsächlich. Die Sitze in den Waggons sind höchstens für schlanke Kinder bequem, die Decke ist so niedrig, dass viele junge Männer im Stehen nur mit gebeugtem Kopf reisen können. Kein Zweifel, die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts waren weniger hoch gewachsen als die Heutigen.
Geplant und errichtet wurde die erste Metro auf dem Kontinent (nach London) für die 1000-Jahr-Feier Ungarns 1896 von der Firma Siemens & Halske. Die Bahn verläuft nur wenige Meter unter dem Asphalt des Andrássy Boulevards. Sie verbindet das Pester Stadtzentrum (Vörösmarty Platz) nahe der Donau mit dem Stadtwäldchen, einem weitläufigen Park. Darin befinden sich ein See zum Rudern (im Sommer) und zum Schlittschuh laufen (im Winter) und das größte Thermalfreibad der Stadt. 

Nachrichten aus einem kleinen Land

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Die Kettenbrücke, die Verliebten und Orbans neue Residenz ganz oben.

Sie ist die älteste der sieben Brücken, die in Budapest die Donau überspannen. Ihr Bau wurde vom Grafen István Széchenyi zu Beginn des 19. Jahrhunderts erträumt, doch als er davon seinem Kaiser Franz Joseph berichtete, wandte der ein, es gäbe ja gar keine Straße, die zur Brücke führte. Széchenyi aber meinte, die werde schon kommen, wenn erst eine Brücke da sein werde. Neben dem Geld, das schließlich der Wiener Bankier Baron György Sina besorgte, gab es allerdings noch eine große Schwierigkeit: Nur wenige Meter vom westlichen Donauufer erhebt sich eine Bergkette. So musste der aus England herbeigerufene Planungs-Ingenieur, William Clark, auch noch gleich einen Durchgang für Menschen und Fuhrwerke mit berechnen. 

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Viel Feind, viel Ehr‘. Zu viel Feind kann unangenehm werden. Die Masche ist so alt, dass sie für denkende Menschen schon ärgerlich ist: Hier ist der Feind, dort ist der Feind! Aber keine Angst, ich rette Euch! Lieblingsfeind des ungarischen Ministerpräsidenten ist der ungarisch stämmige amerikanische Unternehmer Georg Soros (mit dessen Stipendium Viktor Orbán in Oxford studiert hat). Außer Soros gab es aber vor drei Jahren auch noch Hochwasser von Donau und Theiß, wogegen die Nation, mit Orbán an der Spitze, einen siegreichen Kampf führte. Dann kamen die Flüchtlinge. Die staatliche Plakataktion, „Die Einwanderer arbeiten nicht – und sie nehmen uns die Arbeit“, war einleuchtend und erfolgreich. Schließlich haben schon die alten Griechen die Xenophobie erfunden und geübt.…

Bildschirmfoto 2017-03-26 um 11.37.41Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

Badengehen in Budapest.Die Beleuchtung ist spärlich, der Dampf reichlich, der Ort fremd und märchenhaft zugleich. Acht hohe Steinsäulen tragen eine flache Kuppel mit bunten, runden Glassteinen, durch die das Sonnenlicht wie durch Scheinwerfer auf das zitternde Wasser fällt. Aus einem dicken Hahn mit uralter Steinablagerung strömt 36 Grad warmes Quellwasser in das achteckige zentrale Becken. Darin sitzen, liegen und dösen die Badegäste. Oder sie wandeln um die Säulen herum von einem der kleineren Tauchbecken zum anderen, in denen das Wasser zwischen 28 und 42 Grad warm ist. An den meisten Tagen der Woche sind die Besucher Männer (noch vor zehn Jahren war das Bad nur für Herren zugänglich). Sie tragen hinten offene Lendenschürze, die man vom Personal bekommt.…