Elisabeth Raether

Auch in der Küche kann es nicht schaden, wenn das Selbstbewusstsein ein kleines bisschen größer ist als das Talent.

Die Redakteurin Elisabeth Raether im Zeit Magazin Nr. 36/2018 vom 29. August zum Thema „Hühnchen für Geduldige.“
Foto: m-vg

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Spree Balance, Burg im Spreewald

Hotel Spree Balance

Wer den ganzen Tag durch die romantischen Kanäle des Spreewalds gepaddelt ist, der braucht sicher eine ergiebige Dusche, ein behagliches Bett, herrliche Ruhe und was Leckeres auf dem Teller. Im Hotel Spree Balance am Rande von Burg wird all das geboten, übrigens auch für Nichtpaddler, die sich lieber durch die Kanäle staken lassen. Die Zimmer sind groß und in warmen Farben eingerichtet, die Bäder einladend, die Betten breit, die Matratzen genau richtig hart und im Restaurant gibt es ein reichhaltiges Frühstück. Abends kann man sich einen „Spreewälder Gurkenteller“ mit Griebenschmalzstulle oder ein Meerrettichschnitzel mit Bratkartoffeln gönnen.
DZ ab ca. 130 Euro. Foto: spree balance

Havanna ist blau

Havana-short shadows

Die touristischen Highlights von Havanna hat die deutsche Fotografin Eva-Maria Fahrner-Tutsek gleich links liegen gelassen. Weit musste sie nicht gehen, schon im Stadtteil „La Habana Vieja“, dem alten Havanna, fand sie das Kuba der Kubaner. Für ihren Band „Havana – Short Shadows“ hat sie Szenen des alltäglichen Lebens eingefangen, echte Straßenfotografie eben. Da hängen frisch gewaschene, strahlend weiße Laken in einer Ruine, eine Sonnenblumenverkäuferin hockt auf einem Schemel am Straßenrand, ein vergilbtes Foto von Fidel Castro klebt in einem schmutzigen Schaufenster. Die Bilder sind kommentarlos abgedruckt, nur hinten im Buch findet man Angaben zur Straße oder zum Gebäude der jeweiligen Aufnahme. Ergänzt werden die stillen Bilder von einem kleinen Einführungstext der Fotografin und einem Essay über das Wesen und die Geschichte der Dokumentarfotografie von Fotograf Michael Freeman und einem über das Leben in Havanna des Schriftstellers Leonardo Padura, beide sind ein Muss zum Verständnis der Bilder. Denn Leonardo Padura bekennt: “Mein Havanna klingt nach Musik und alten Autos, es riecht nach Gas und Meer, und seine Farbe ist das Blau.“

Eva-Maria Fahrner-Tutsek: Havana – short shadows, 164 S., Hirmer, 39,90 Euro Foto: Hirmer

Frauen entdecken

Meisterinnen des Lichts

Stimmt schon – erfunden hat die Fotografie ein Mann; der Franzose Louis Daguerre. Und es sind Männer wie August Sander, Henri Cartier-Bresson oder Irving Penn, dank derer das neue Medium längst zu einer international anerkannten Kunstform avanciert ist. Aber dass auch Frauen höchst eindrucksvoll mit der Kamera umgehen konnten und können, belegt nun aufs Schönste und Nachdrücklichste dieser Band: „Meisterinnen des Lichts“ heißt er und das völlig zu Recht, denn die Aufnahmen einer Germaine Krull, Gertrude Käsebier oder Susan Meiselas sind in der Tat überragend. Ingesamt 55 Frauen stellt der Kunsthistoriker Boris Friedewald vor, und wenn man auch ein wenig erstaunt feststellt, dass Diane Airbus ebenso fehlt wie Barbara Klemm und Annie Leibowitz – jede Auswahl hat notwendigerweise Lücken, aber die Entdeckungen, die man in diesem informativen Buch machen kann, wiegen den Mangel durchaus auf.

Boris Friedewald: Meisterinnen des Lichts. 240 S., 230 Abb. Prestel. 22 Euro. Foto: Prestel

Menashe

Menashe (rechts) mit Sohn, Rabbi und Gemeinde

Er schlurft etwas nachlässig durch sein schwieriges Leben: Menashe Lustig ist gerade Witwer geworden, hat permanent Ärger mit seinem Chef im Supermarkt und seine jüdische Gemeinde in Brooklyn und sein Rabbi wollen ihn zwingen, schnell neu zu heiraten, sonst muss sein pfiffiger Sohn Lieven in einer Pflegefamilie aufwachsen. Menashe wehrt sich.

Der stille Film des liberalen Juden Joshua Weinstein, der eigentlich Dokumentarfilmer ist, wurde mit Laiendarstellern gedreht, und der unkonventionelle, witzige Menashe Lustig spielt sich selbst. Ein beklemmender Blick in die völlig fremde Welt einer geschlossenen, jüdisch-orthodoxen Gemeinde im heutigen New York.

Wo der Film wann gezeigt wird finden Sie hier: http://mindjazz-pictures.de/kinotermine/

Foto: Veranstalter

Hamburg: Er ist wieder da! Das Gemälde Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ ist zurück in der Kunsthalle, nachdem es – eine große Ausnahme – nach Berlin ausgeliehen war. Das Bild zählt zu den wichtigsten Werken Deutschlands und sein Maler gilt als hervorragender Vertreter der deutschen Romantik. Das Gemälde ist seit 1970 eine Dauerleihgabe der „Stiftung Hamburger Kunstsammlungen“ an die Kunsthalle.

European University Film Award: Zum dritten Mal wird der Filmpreis vergeben, für den eine Jury aus 49 Spielfilmen und 15 Dokumentarfilmen fünf Beiträge nominiert hat. Das sind die Filme „Foxtrot“, eine Gemeinschaftsproduktion aus Israel, Deutschland, Frankreich und der Schweiz; „Glücklich wie Lazzaro“ aus Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz; „Styx“ aus Deutschland und Österreich; „Tarzans Testicles“ aus Rumänien und Frankreich; „Utoya 22. Juli“ aus Norwegen. Die fünf Filme werden jetzt in 23 Universitäten in 23 Ländern angeschaut und der jeweilige Favorit gekürt. Am 15. Dezember wird der Gewinner in Sevilla verkündet. Ziel dieses Wettbewerbs ist es, die europäische Idee zu verbreiten und Studenten das europäische Kino näher zu bringen.

Helsinki: Die Hauptstadt Finnlands ist gerade mit dem Titel – zusammen mit Lyon – „European Capital of Smart Tourism 2019“ von der Europäischen Kommission ausgezeichnet worden. Damit wird der konsequente Einsatz moderner Technologien in den Bereichen Energie, Mobilität, Stadtplanung, Verwaltung und Kommunikation und deren Vernetzung geehrt, der auch für Nachhaltigkeit in der Stadt sorgt, und sie grün und lebenswert macht.

7. bis 13. 10., Helsinki: Falls Sie nach einem zweiten Grund suchen – der erste siehe oben -, mal nach Helsinki zu fahren, hier ist er: Der „Baltic Herring Market“ findet seit 1743 statt und auch in diesem Jahr gibt es wieder Hering-Verkostungen in verschiedenen Restaurants, eine Paddel-Tour von Fischern direkt von ihren Fischerbooten aus, eine Ruderregatta begleitet von einer Blaskapelle und Vorträge, Diskussionen und Kochshows rund um den Hering und das Meer.

Kartell: „Venice“ heißt der neue Stuhl von Philippe Starck, den er dem Besitzer von Harrys Bar in Venedig gewidmet hat. Das Sitzmöbel ist aus Kunststoff gegossen, in Weiß, Grau, Grün, Rot und Schwarz lieferbar und sieht so selbstverständlich aus, als wäre es schon immer da gewesen.

Intertime: Der Sessel „Kite“ von Designer This Weber wird vollständig von Hand in der Schweiz produziert. Kite ist um 360 Grad drehbar, mit Chrom-, Aluminium- oder Holzfüßen und in mehreren pudrigen Farbtönen lieferbar.

Varier: Genau, den kennt man! Den Sessel „Ekstrem“ gibt es nämlich schon seit 1984, entworfen von dem Norweger Terje Ekstrom, Schreiner, Polsterer und Designer und schnell zur Ikone aufgestiegen. Nun hat der Produzent Varier ihn in fünf neuen Farben vorgestellt.

Torquato: Er erinnert an die Formen der 50er Jahre – der Cocktail-Sessel „Madison“ ist 77 cm hoch, in drei Farben lieferbar und hat Füße aus dunklem Gummibaumholz.

Fritz Hansen: Das Sofa „Plenum“ hat der spanische Designer Jaime Hayon für Hotelhallen, Lounges und Büros entworfen. Als Zwei- oder Dreisitzer und auch als Einzelsessel lieferbar und für diskrete Gespräche oder konzentriertes Arbeiten geeignet.

Venice von Kartell

Kite von Intertime

Ekstrem von Varier

Madison von Torquato

Plenum von Fritz Hansen

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

Roma, Zigeuner, Statistik 2018, Julikas Traum, Menuhin und die Gänseleber:

Hurra, die Zigeuner kommen!

Mein Großvater mütterlicherseits war der Gutsverwalter des Grafen Bethlen in Sesarma, Siebenbürgen. Die schönste Erinnerung an ihre Kindheit war für meine Mutter der regelmäßige Besuch einer Zigeunersippe. Jeweils etwa 20 – 25 Menschen zogen in den baumbeschatteten weiten Gutshof, umgeben von den ebenerdigen weißen Gebäuden, der Ställe und den Behausungen der Bauern.

Vorne marschierte der Zigeuner-Baron, der älteste Mann der Sippe, auf zwei seiner Töchter gestützt, dahinter die Musiker, dann die Frauen und die lärmenden schwarzhaarigen und dunkelhäutigen Kinder. Je nach Jahreszeit wurden Lämmer, Schweine und Hühner geschlachtet, viel Brot gebacken. Jeweils etwa eine Woche lang gab es für alle Essen, Trinken, Musik, Tanz und Spiele. Dann bekam der Baron etwas Geld und die Gruppe zog zum nächsten größeren Gut.

Etwas Statistik: die Roma in Ungarn 2018

In Ungarn leben etwa 800.000 Roma. Die meisten auf dem Land, in tiefer Armut, viele in Waldhütten. Von dort begleiten Großeltern ihre Enkel zu Fuß zur Schule. Die Schulpflicht gilt bis zum 16. Lebensjahr – zumal für die Roma. Für Reiche-Leute-Kinder gibt es Privatschulen. Besonders begehrt sind die konfessionellen. Die Roma sind öfter krank und leben kürzer als die übrige Bevölkerung. Viele arbeiten im staatlichen Arbeitsprogramm für den Minimallohn, den sie voll versteuern müssen. So bleiben ihnen am Ende umgerechnet ca. 300.- Euro im Monat. Kein Wunder, dass die meisten von ihnen ihre Stimmen bei der Parlamentswahl im Frühjahr 2018 für ca. 70.- € an die Regierungspartei verkauften. Sie wurden mit Bussen eingesammelt, in die Wahlbüros gefahren und haben dort unter Aufsicht (das Wahlgesetz erlaubt bei geistig Minderbemittelten eine Wahlhilfe) ihre Stimmen abgegeben.

Julikas Traum von der Verwandtschaft

Die junge Roma Julika hat eine warme Altstimme. Sie singt allein beim Kochen und Putzen, aber auch mit verschiedenen ungarischen und serbischen Roma-Gruppen. Sie träumte lange davon, Indien und damit die Urheimat der Roma zu besuchen. Nach einer erfolgreichen Konzertreihe war sie im Frühling 2018 mit insgesamt sieben Freunden und Freundinnen in Mumbai. „Es war wunderbar!“, sagt sie begeistert. „Alles Zigeuner, genau wie wir.“ Bald aber fiel ihnen auf, dass die Menschen sie fremdelnd ansahen. Endlich wagte Julika in ihrem besten Englisch eine junge Frau zu fragen, was denn an ihnen nicht in Ordnung sei. „Eure Kleidung“, kam die spontane Antwort. „Ihr seht aus, wie indische Männer bei Besprechungen mit Europäern. Oder am Flughafen. Aber selbst da kleiden sich Frauen niemals so.“ Julika und ihre Freunde staunten mit offenen Mündern, die Inderin lachte. Dann führte sie sie zum Markt nebenan, wo sie für wenig Geld leichte, luftige Saris, Hosen und Sandalen kauften. „Da waren wir endlich richtige Inder“, sagte Julika mit ihrer warmen Altstimme. Und lächelte.

Yehudi Menuhin, der junge Roma-Geiger und die Gänseleber

Yehudi Menuhin

Der jüdisch-amerikanische Geiger bekam seinen Vornamen (Bedeutung: Judäer, Jude) von seiner Mutter als Rache an der Vermieterin ihrer Wohnung und Nachbarin in New York. Die Frau hielt sich mit ihrer antisemitischen Meinung ganz und gar nicht zurück. Dafür musste sie nun ständig hören: „Judäer hör auf zu brüllen, komm zum Essen“ und ähnliches mehr.

Als erwachsener weltberühmter Geiger mochte Menuhin Ungarn, die Musik, die Zigeuner, wie sie damals hießen, und kam verhältnismäßig oft und besonders gern nach Budapest. Er wohnte immer im Hotel Gellért, mit Blick auf die Donau, und aß auch im Restaurant des Hauses. Neben dem Geiger Roby Lakatos war sein bester Freund, der Zymbal*-Spieler Rácz Aladár, der manchmal (für besondere Gäste) im Speisesaal spielte. Bei einem der Besuche in den 1980-er Jahren, stellte Rácz dem amerikanischen Freund einen unbekannten jungen Roma-Geiger, Horváth Jóska, vor.

Der kam denn auch, wie es sich in Ungarn gehört, zusammen mit der Vorspeise zu Menuhins Tisch. Und spielte. Da geschah etwas, das bis dahin, aber auch danach, in einem ungarischen Restaurant niemals geschah: Nach dem ersten Bissen vom kalten Zander im leichten Zitronenmus hörte der Gast auf zu essen, legte sein Besteck hin, lehnte sich zurück und schloss die Augen. Das sah der Oberkellner (der mir die Geschichte erzählte) und war entsetzt. Er rannte in die Küche und brüllte: „Aufhören mit Menuhins Gänseleber! Eine neue aus der Kühlung holen und warten!“ Dann rannte er wieder in den Speisesaal und gab nach einiger Zeit Joska ein Zeichen mit dem Inhalt: In etwa fünf Minuten aufhören zu spielen!

Die Geschichte ging gut aus. Menuhin verbeugte sich im Sitzen vor dem Jungen Roma, aß den Zander, da war die Gänseleber mit gedünsteten Apfelscheiben gerade fertig.

Und wieder daheim stiftete er ein Stipendium für das Geigentalent, das heute in einem der großen amerikanischen Symphonieorchester spielt.

*Zymbal, ungarisch Cimbalom, ist ein oben offenes Instrument, dessen Seiten mit weichen Stöcken geschlagen werden. Fotos: privat/wikipedia

Gropius Bau, Berlin, noch bis 7.1. 2019.:
Bestandsaufnahme Gurlitt
Ein Kunsthändler im Nationalsozialismus

Es war ein unglaublicher Fund, den die Staatsanwaltschaft 2012 in der Wohnung von Cornelius Gurlitt (1932-2014), dem Sohn und Erben des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895-1956) machte. 1280 Kunstwerke beschlagnahmte man in Gurlitts Münchener Wohnung, später dann noch einmal 220 Werke in Salzburg. In der Ausstellung, die die Bundeskunsthalle in Bonn und das Kunstmuseum Bern zusammen organisiert haben, werden jetzt etwa 250 Werke aus Gurlitts Sammlung gezeigt, die unter dem Verdacht standen, NS-Raubkunst zu sein. Mit dabei sind Bilder von Otto Dix, Marc Chagall, Henri Matisse, Auguste Renoir, Emil Nolde und Max Liebermann, viele davon galten 1937/38 als „entartete Kunst“. Die Ausstellung beschäftigt sich auch mit dem Begriff der Provenienz und dem Schicksal der Vorbesitzer, zum Beispiel von Georges Mandel, geborenem Rothschild, dem das „Porträt einer jungen Frau“ von Thomas Couture zugeordnet werden konnte, oder der Familie Wolffson, die einige Blätter von Adolph von Menzel an Hildebrand Gurlitt verkaufen musste, um 1941 fliehen zu können. Gurlitt erwarb u.a. das Bild „Blick über die Dächer von Schandau“ für 300 Reichsmark und verkaufte es ein Jahr später für 1400 Reichsmark. In sieben Räumen werden die einzelnen Bilder und ihre Provenienz-Forschung detailliert dargestellt und die Familiengeschichten der Besitzer und auch der Familie Gurlitt nacherzählt.

Geöffnet Mi-Mo 10-19 Uhr.
Foto: Otto Griebel (1895–1972): Hippodrom in St. Pauli 1923, Aquarell auf Vorzeichnung mit Grafit auf Velinpapier, 34,8 × 48 cm
Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014, Provenienz in Abklärung / aktuell kein Raubkunstverdacht © Matthias Griebel
Foto: Mick Vincenz © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Lyon ist viel zu groß – mehr als 500 000 Einwohner – , um die Stadt zu Fuß kennen zu lernen. Nur den Altstadt-Kern rund um den riesigen Platz Bellecour auf der Halbinsel zwischen Saone und Rhone sollte man auf einem Spaziergang erkunden. Der Bellecour ist 62 000 qm groß und damit der drittgrößte Platz Frankreichs. In der Mitte des sonst leeren Areals steht ein Reiterstandbild König Ludwig XIV, von den Lyonern nur „das Pferd“ genannt. Im Winter dient der Platz als Eisbahn und für ein Riesenrad, im Sommer finden hier Konzerte, Feste und auch mal Demonstrationen statt.

Place des Jacobins mit Brunnen

Direkt am Platz ist das Tourismusbüro und dort fahren auch die Hop-on-hop-off-Busse ab. Zuerst geht es dann zum Place des Jacobins, der 1556 gebaut und 1856 mit einem kolossalen Brunnen geschmückt wurde. Er gilt als der schönste Platz Lyons und wurde ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Auf den Bänken rundherum trifft man sich abends und schaut den privaten Tanzgruppen zu, die hier auch mal Tango tanzen.

Die Oper von Jean Nouvel

Dann geht es vorbei an der beeindruckenden Oper, deren Fassade von 1826 vor einem Neubau von Jean Nouvel mit tonnenförmigem Dach von 1989 steht, und dem wunderschönen Rathaus von ursprünglich 1646, das nach zwei Bränden im 19. Jahrhundert vollständig restauriert wurde.

Nächste Station: Das Musée des Beaux Arts, das in einem prachtvollen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert einen Überblick über 5000 Jahre Kunstgeschichte gibt. Sehenswert!

Als nächstes steuert der Bus eines der etwa 150 Fassadengemälde an, das „La fresque des Lyonnais“, das 800 qm groß ist und berühmte Menschen aus Lyon zeigt, unter anderem Antoine de Saint-Exupéry, Abbé Pierre und Paul Bocuse.

das Musée des Confluences

Entweder fährt der Bus jetzt durch die schönen Stadtviertel Perrache und Confluence bis zum extravaganten Musée des Confluence , einem Gebäude der Wiener Architektengruppe Coop Himmelb(l)au aus viel Stahl und Glas, dessen Bau zehn Jahre länger dauerte als geplant, und statt 60 Millionen schließlich 300 Millionen Euro gekostet hat. Das Museum möchte „globales Wissen mit Schwerpunkt Naturwissenschaften“ vermitteln.

das Wahrzeichen Lyons: die Kirche Notre Dame de Fourvière

Oder der Bus quert jetzt die Saone und fährt hinauf zur Kirche Notre Dame de Fourvière, die auf dem Platz einer Marienkapelle aus dem Jahre 1168 steht. 1643 gelobte der Rat der Stadt eine alljährliche Prozession zur Kapelle, falls die Stadt von der Pest-Epidemie errettet würde. Und sie wurde gerettet. Auch heute noch steigen die Stadtoberen jeden 8. September den Berg hinauf. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 dann versprachen die Bürger Lyons, die Kirche zu vergrößern und zu verschönern, sollte die Stadt von preußischer Besatzung verschont werden. Schon 1872 legte man den Grundstein für die heutige, prächtige, dreischiffige Wallfahrtskirche mit vier oktogonalen Ecktürmen aus weißem Werkstein. Im Inneren hat man nicht an Friesen, Kapitellen, Gesimsen, Engeln und Heiligenstatuen gespart und die Decken und Wände mit farbigen und goldenen Mosaiken verziert. Die Kirche gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist Wahrzeichen der Stadt Lyon.

Steigen Sie jetzt nicht wieder in den Bus, gehen Sie lieber die steilen, romantischen Treppen hinunter, dann kommen Sie direkt zu den uralten, engen Gassen rund um die Kirche St. Jean, dort kann man herrlich in kleinen Läden shoppen und in einem der vielen ansehnlichen Lokale eine ausgiebige Pause machen.

Denn dann müssen Sie noch ein weiteres Highlight Lyons besuchen: ein Traboule. Nie gehört? Lyon hat mehr als 300 davon. Traboules – vom Lateinischen transambulare gleich hindurchspazieren – sind in der Renaissance gebaute Verbindungsgänge zwischen Gassen, die durch Hinterhöfe und Häuserblocks, über schmale Wendeltreppen und Terrassen führen, nie Sonnenlicht bekommen und ewig schummerig und unheimlich wirken. Diese praktischen Gänge werden von den Einheimischen seit jeher als vor Wind und Wetter geschützte Abkürzungen benutzt, durch die man auch im heißen Sommer Lebensmittel transportieren, durch die man aber auch ganz einfach flüchten konnte – und immer noch kann.

Fotos: CO

Ich habe ein Problem mit dem Begriff Alltagsrassismus. Es geht eher um eine unterschwellige, oft auch gedankenlose Form der Diskriminierung. Ein Beispiel: Ich war kürzlich Speaker auf einer Managerveranstaltung, hatte den Hauptvortrag zu digitalen Geschäftsmodellen zu halten. Ich war also auch entsprechend angezogen. Kurz vor dem Auftritt bin ich noch mal auf die Toilette gegangen – im Waschraum bin ich dann von einem angesprochen worden. “Da fehlt Toilettenpapier.“ Der Mann hat nicht groß reflektiert, dem war einfach klar: Ein Mann mit dieser Hautfarbe in dieser Umgebung – das muss der Toilettenmann sein. Das ist schon maximal herabwürdigend.

Der Gründer und Manager mehrerer Start Ups Richy Ugwu in einem Interview mit dem Stern Nr. 33 vom 9.8.18.  Foto: Linkedin

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in  Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

 

Ponte Sisto, Rom

Die Dachterrasse

Wie der Name schon vermuten lässt, liegt das Hotel in der Gasse gegenüber der gleichnamigen Brücke über den Tiber und so nur zehn Gehminuten vom Ausgehviertel Trastevere entfernt. Die Zimmer sind groß, mit edlen Materialien eingerichtet und haben elegante Bäder. Das Frühstück ist typisch italienisch, also hauptsächlich süß. Absolut großartig aber ist die Dachterrasse, von der man den Petersdom und die Engelsburg wunderbar sehen kann und auf der zum Aperitif in der Dämmerung kleine Häppchen gereicht werden.
DZ ab ca. 130 Euro. Foto: Hotel Ponte Sisto

Irremachende Tapete

Es ist nur ein kleiner, schmaler Band von nicht mal 100 Seiten – je eine auf Deutsch und das englische Original auf der gegenüberliegenden Seite, aber er hat es in sich. Die Geschichte einer Frau, die in ihrem Raum mit der gelben Tapete langsam verrückt wird, wurde 1892 von der Amerikanerin Charlotte Perkins Gilman aufgeschrieben und basiert wohl auf persönlichen Erfahrungen. Eine beklemmende, lesenswerte Geschichte.

Charlotte Perkins Gilman: Die gelbe Tapete, 96 S., Dörlemann, 14 Euro Foto: Dörlemann

 

 

Lesende Kinder

Die Geschichte der Kindererzählungen beginnt lange vor Erfindung des Drucks. Eltern haben ihren Kindern immer schon etwas erzählt oder ihnen vorgesungen. Zu allererst waren das wahrscheinlich Schlaflieder; das wohl älteste erhaltene ist auf einer Keilschrifttafel der Sumerer gefunden worden, das aus der Zeit 2500 vor Christi stammt. Die beiden Briten Roderick Cave und Sara Awad haben für ihre „Geschichte des Kinderbuchs“ Informationen aus aller Welt zusammen getragen und beschäftigen sich mit hundert Kinderbüchern im Einzelnen – mit Bilderbüchern und Erziehungsratgebern, mit Vorlesebüchern und dem ersten Lesestoff für Kleine, Jugendliche und junge Erwachsene. Ihre Auswahl ist natürlich sehr subjektiv, aber man freut sich riesig, wenn man alte Bekannte wieder trifft: Robinson Crusoe und Captain Gulliver, Pu den Bär und Peter Hase, Baloo aus dem Dschungelbuch und Tom Sawyer. Und natürlich sind auch Struwelpeter, Peter Pan, Pippi Langstrumpf, Emil und seine Detektive, Max und Moritz, der kleine Prinz und nicht zuletzt Harry Potter mit dabei. Ein herrliches Schmökerbuch mit unendlich vielen Fakten und vielen Abbildungen, das Lust macht, mal wieder das eigene Lieblingsbuch aus der Kindheit hervorzuholen.

Roderick Cave, Sara Ayad: Die Geschichte des KInderbuches in 100 Büchern, 272 S., Gerstenberg, 34 Euro. Foto: Gerstenberg

 


 

Die vier Bücherfreundinnen

Book Club:

Vier lesefreudige Freundinnen im besten Alter, gespielt von Jane Fonda (81), Diane Keaton (72), Candice Bergen (72) und Mary Steenburgen (65), besprechen seit vielen Jahren Bücher miteinander, die sie gelesen haben. Als es dann um den Sado-Maso-Bestseller „Fifty Shades of Grey“ geht, verändert sich das (Liebes)Leben der vier grundlegend – nicht zuletzt, weil die männlichen Parts von bewährten Alt-Stars wie Andy Garcia, Don Johnson, Ed Begley Jr. und Craig T. Nelson gespielt werden. Schön, sie alle mal wieder zu sehen. Die flotte Komödie hat ihren Kinostart am 12. September.

Foto: Veranstalter

7. bis 16. September, Berlin: Die Kunstwoche der Kommunalen Galerien Berlin  – kurz KGB – findet diesmal in 30 Galerien in 12 Bezirken statt. Mit dabei sind Berliner und internationale Künstler, die in der Hauptstadt leben. Auf insgesamt 10 000 Quadratmetern werden Ausstellungen, Performances, Lesungen und Filme präsentiert. Am 9.9. gibt es Bustouren zwischen den Galerien, am 12. findet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kultur in nervösen Zeiten – Zum Umgang mit (Rechts-) Populismus im Kontext von Kunst und Kultur“ statt, und am 15. wird im Ballhaus Berlin die legendäre Nacht der Künstler/innen-Bands gefeiert. Ein ausführliches Programm findet man hier: www.kgberlin.net. Fotos: Hersteller

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com  

 

                                  

Ungarische Sommerschauer

Die Ungarn trinken
Eine nagelneue repräsentative Umfrage des Ungarischen Statistik-Amtes, Abteilung Lebensmittel-Verbrauch, ergab geradezu Revolutionäres: Die Ungarn trinken in der Sommerhitze wesentlich mehr als im Herbst oder Winter!

 Dies wurde auch von Herstellern und Händlern bestätigt. Seien es Wasser, Milch, Wein – oder Schnaps. Allerdings ist die Verifikation des Verbrauches an hochprozentigen Alkoholika schwierig. Ja ungenau. Denn bereits die erste Orbán-Regierung ab 2010 erlaubte wieder per Gesetz die heimische Alkoholherstellung. Bis zur Jahrtausendwende war dies bei den Ostbauern üblich. Kenner (Ärzte) schätzen, dass zumindest ein Drittel der Magyaren regelmäßig, zu oft und zu viel Alkohol trinkt. Somit selten nüchtern ist. Ob es hinter der Gesetzesänderung gar irgendeine Absicht gab?

Rumänische Bären ante portas
In Rumänien vagabundieren seit jeher Bären. Selbst in Bukarest suchen sie in den Abfalleimern nach Nahrung. Daran sind die Menschen schon gewöhnt, zumal die Tiere (meist) nicht aggressiv sind. Doch im Norden, nahe der Südgrenze von Ungarn, treiben zurzeit vier ausgewachsene, böse Bären ihr Unwesen. Sie bedrohten bereits friedliche Bauern (die offenbar nicht wissen, dass die Bären es schätzen, wenn man die Hände hebt und sich langsam nach hinten bewegt). So kam es also zu der Idee, die Tiere nach Ungarn zu schicken. Zum Glück für die Südungarn wollen die Bären nicht freiwillig über die Grenze, zumal die rumänischen  Jäger nicht wagen, sie zu töten – da sei ein Fluch davor, sagen die Bauern. Außerdem gibt es in der Gegend keinen, der sich auf Bärentransport spezialisiert sei. Da bleibt nur das Beten, sagen alle, das werde schon helfen. Auf der anderen Seite des Grenzzauns  wird freilich dagegen-gebetet. Noch ist nicht klar, wen welcher Heilige erhört.  

Kinder-retten & Füße-kitzeln-lassen im Strandbad
Ich bin erst 79 – trotzdem habe ich beschlossen (jedenfalls in diesem Jahr) nicht am 180 km langen Fahrradmarathon (Carpaten MTB Epic 2018) durch die Südkarpaten teilzunehmen. Stattdessen gehe ich mit Freunden und Freundinnen täglich in eines der Freibäder – zum Kinder-retten. Auf die Idee kam ich schon vor Monaten im Palatinus-Strandbad. Ich stand im Kinderbecken mit der kleinen Tochter einer Freundin, Anuschka, der das Wasser bis zur Brust reichte. Wir besprachen die Geheimnisse des Schmetterling-Schwimmens. Plötzlich sah ich links von mir einen Winzling, der offenbar um sein Leben zappelte. Ich nahm das Kind hoch und wollte gerade nach seinen Eltern schauen, als es ein junger Mann mir aus den Händen riss – ohne ein Wort zu sagen. Er hatte den Kleinen einfach vergessen. Immerhin, seine Freunde winkten mir zu. Doch Anuschka stellte entsetzt fest:

Das Palatinus-Strandbad

„Das war aber kein netter Mann!“.
Seither retten wir zu fünft Kinder. Es sind auffallend viele, selbst aus weit entfernten Ländern, mit denen wir zwar nicht sprechen können, doch meist genügt es, sie aus dem Wasser zu ziehen. Und im Fundbüro für Verlorene warten Profis, die in verschiedenen Sprachen per Lautsprecher die Eltern alarmieren.
Nach fünf Geretteten gibt es Pizza, und ganz zum Schluss – und wenn wir wieder einmal im Palatinus sind – lassen wir uns bei Réka die Füße kitzeln. Dafür beschäftigt sie etwa 70 Knabberfischlein (Garra Rufa). Der Spaß findet in ihrem hübschen, auf einer Seite offenen, weißen Zelt statt, das unter alten Platanen steht. Man sitzt erhöht auf dicken Kissen, vor sich die gläsernen Wannen. Im lauwarmen Süßwasser warten schon die Knabberfische. Sie sind gleich zur Stelle, wenn zwei Beine eintauchen und beginnen sogleich mit ihren Sauglippen die Hautschuppen abzuzupfen. Es kitzelt spürbar, ist angenehm und kostet umgerechnet fünf Euro für zehn Minuten. In der Zeit verschwindet die härteste Hornhaut. Einen zusätzlichen Reiz für die Unternehmerin birgt die Tatsache, dass die Fischlein durch ihre Arbeit auch satt werden und keine weitere Nahrung mehr brauchen.
Den Gästen gefällt’s, Réka verdient gutes Geld, und das Palatinus-Bad ist um eine Attraktion reicher.

Empörung
Auf Antrag des Ungarischen Helsinki Komitees hat der Europäische Gerichtshof in Straßburg Recht gesprochen: Die Ungarische Regierung muss dafür sorgen, dass die Menschen in den Transitzonen  menschenwürdig mit Nahrung versorgt werden. Anlass war der Fall einer Frau aus Afghanistan, die man mit vielen anderen hinter Gittern an der Grenze zu Serbien Tage lang hungern lies. Selbst den Hilfsorganisationen wurde der Zutritt verwehrt.
Die Regierung verwies in der ersten Reaktion auf Gesetze bzw. Verordnungen und die Suche nach einer Lösung. Doch die weltweite Empörung war so groß, dass ein Regierungssprecher am 24. August verkündete: Selbstverständlich werde jeder Einwanderer in den Transitzonen verköstigt, sei immer schon so gewesen.
Laut einem neuen Gesetz des Ungarischen Parlaments, muss sich jede Organisation, die Einwanderern oder Flüchtlingen Hilfe leistet, beim Finanzamt registrieren lassen und auf die erhaltenen Spenden 25 Prozent Sondersteuer zahlen. Das Ungarische Helsinki Komitee plant sich als Partei registrieren zu lassen, dann entkommt es dieser Verpflichtung – wie die Regierungspartei auch.

  Fotos: privat/de.palatinusstrand.hu

Museum Ludwig, Köln, 15.9. bis 13.1. 2019.:

Gabriele Münter – Malen ohne Umschweife

„Knabenkopf“

Erstmals wird das umfangreiche Werk der Malerin Gabriele Münter (1877-1962), die als zentrale Figur des deutschen Expressionismus und der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ gilt, mit hundert Gemälden gezeigt. Ergänzt wird die Ausstellung durch selten gezeigte Fotografien, die Gabriele Münter auf einer USA-Reise um das Jahr 1900 aufgenommen hat.
Zur großen Expressionismus-Sammlung des Museums Ludwig gehörten bisher keine Arbeiten der Künstlerin. Nun wird das Museum ihr Bild „Knabenkopf“ von 1908 erwerben.

geöffnet Di-So 10-18 Uhr, erster Do im Monat 10 – 22 Uhr. Foto: Museum Ludwig

Bierfreunde müssen natürlich Guinness an der James Street im Westen von Dublin besuchen. Und dort an der „Vermächtnistour“ teilnehmen, einem Rundgang durch die Brauerei, auf dem man von einem Tag im Jahre 1759 hört, an dem Arthur Guinness mit der Stadt einen Pachtvertrag über 9000 Jahre für das Gelände abschloss. Seither wird hier „Stout“ gebraut. Die Tour endet selbstverständlich mit einem schwarzen Pint in der „Gravity Bar“ im 7. Stock und einem grandiosen Rundblick über Dublin.
Wer weiter stechenden Durst hat, geht von der James Street einfach nach Osten die High Street und die Lord Edward Street entlang vorbei an City Hall und Dublin Castle direkt ins schwer angesagte Amüsierviertel Temple Bar, mit einer im übrigen Europa kaum zu übertreffenden Kneipendichte.

St. Patricks Cathedral

Alle anderen biegen von der High Street in die Patrick Street ab und besuchen erst einmal St. Patrick’s Cathedral , Irlands größte Kirche, erbaut 1191 bis 1270. Das Gotteshaus wurde lange Zeit wenig genutzt und verfiel,  der Lordprotektor Oliver Cromwell (1599 bis 1658) nutzte es sogar als Pferdestall. 1860 schließlich finanzierte Sir Benjamin Guinness aus der Bier-Dynastie den Neuaufbau. Von 1713 bis 1745 war übrigens der Schriftsteller Jonathan Swift, Autor von Gullivers Reisen, hier Dekan.
Geht man jetzt zurück zur High Street, steht man gegenüber von einem völlig schrägen, aber sehr sehenswerten Museum. Das Dublinia zeigt die Geschichte Dublins von den Wikingern bis heute. Mithilfe von lebensgroßen Puppen in Original-Kostümen, mit nachgebauten Hütten und Ställen, mit Geräuschen von Schlachtgetümmel und Gesängen, sogar Furzgeräusche sind zu vernehmen. Alles sehr eindrucksvoll!

Hier beginnt Temple Bar

Jetzt aber schnell ans Ufer des Liffey , des breiten Stroms, der durch Dublin in die Irische See fließt. An ihm spaziert man entlang wieder bis nach Temple Bar, dem pittoresken Viertel, das einst abgerissen werden sollte, um einem Busbahnhof Platz zu machen. In der Planungsphase wurden die verfallenden Häuschen in den engen Gassen sehr preiswert vermietet, und es siedelten sich Künstler, kleine Handwerksbetriebe und viele Kneipen an. Weil die alle nicht wieder weichen wollten, ließ man das Busbahnhof-Projekt schließlich fallen – und bekam einen großartigen Szene-Treff.
Lassen Sie sich irgendwo nieder und probieren Sie ein Stout oder zwei und schauen Sie dem Treiben von Einheimischen und ihren internationalen Gästen zu.

Trinity-College

Gut erholt? Dann auf zum Trinity-College, der 1582 gegründeten Universität Dublins, die zu den besten hundert weltweit zählt. Der historische Campus ist einer der schönsten überhaupt. Hoffentlich ist die Schlange vor dem Ticketschalter der Bibliothek nicht zu lang, denn den 65 m messenden „Long Room“ von 1732 sollte man sich schon anschauen. Hier wird auch das berühmte mittelalterliche Manuskript „Book of Kells“  mit seinen eindrucksvollen Illustrationen aufbewahrt, das seit 2011 zum Weltkulturerbe zählt.

Auch einen Besuch wert: die National Art Gallery  mit ihren schönen Räumen, in denen eine beeindruckende Sammlung irischer Kunst mit Schwerpunkt Dublin zu sehen ist.Wer jetzt wirklich nicht mehr kann, der gehe in den nahegelegenen Stadtpark, St. Stephens Green, lasse sich auf einer Bank nieder und bestaune die wetterfesten Dubliner, die schon bei 12 Grad auf den Wiesen lagern. Fotos: CO