Der Boulevard Maréchal Joffre

Ein wahrhaft malerisches Städtchen: Céret, 35 km südwestlich von Perpignan und 180 km nördlich von Barcelona gelegen, hat nur knapp 8000 Einwohner und ist in Frankreich wegen seiner sehr früh reifen Kirschen – das erste Körbchen bekommt traditionell der Staatspräsident – und sein exzellentes Kunstmuseum bekannt. Aber das mittelalterliche Städtchen ist auch aus anderen Gründen sehenswert.
Da ist zuerst einmal die Teufelsbrücke, Pont du Diable, erbaut 1321 bis 1341, die einen einzigen Bogen über 45 m spannt und damit im Mittelalter die größte halbkreisförmige Bogenspann-Steinbrücke der Welt war. Wenn man auf die Stadt zufährt, sieht man sie links neben der Autobrücke von 1939, rechts eine steinerne Eisenbahnbrücke von 1883. Ihren Namen hat sie übrigens dank der Legende, dass der Teufel die Brücke in einer einzigen Nacht aufgebaut haben soll.
Am Rande der Altstadt mit ihren schmalen Gassen gibt es große Parkplätze, in der Stadt ist man am besten zu Fuß unterwegs.
Gleich hinter dem alten Stadttor „La Porte de France“ beginnt der malerische Boulevard Maréchal Joffre mit seinen Schatten spendenden Platanen. Hier findet sich auch die erste von zwanzig großformatigen Kopien der Gemälde, die Kubisten in der Stadt gemalt haben. Das erste ist natürlich von Pablo Picasso, es folgen Werke von Georges Braque, Juan Gris, Chaim Soutane und anderen, die über die Stadt verteilt in den Straßen hängen.
Es begann 1910, als der katalanische Bildhauer Manolo Hugué, der Maler Frank Burty-Haviland und der Komponist Déodat de Séverac  nach Céret kamen, begeistert waren und bald ihre Freunde einluden, und alle kamen: Picasso, Braque, Gris. Der Maler Pierre Bruno lebte dann ab 1916 ganz in Céret und forderte seine Künstlerkollegen zu Spenden für ein zu gründendes Museum auf.

Hier gehts zur Kunst

Der jetzige, 1993 eröffnete Neubau ist nur wenige Schritte vom Stadttor entfernt und in der Tat großartig. Dort hängen Stadtansichten von Céret, gemalt von Joan Miró, Raoul Dufy und Chaim Soutine, neben Tonschalen mit Stierkampfszenen von Pablo Picasso, Zeichnungen von Henri Matisse und Arbeiten von Marc Chagall, Jean Cocteau und vielen anderen. Nun weiß man, warum Céret das „Mekka des Kubismus“ genannt wird.

Der Brunnen „Fontaine des Neuf Jets“

Nach so viel Kunst schlendert man gern weiter durch die engen Gassen und über die schönen Plätze der kleinen Stadt. Anschauen sollte man sich die Kirche Saint Peter, ein römisch-katholisches Gotteshaus aus dem 11. Jahrhundert. Und natürlich den wunderschönen Brunnen „Fontaine des Neuf Jets“ von 1313 am gleichnamigen, zauberhaften Platz.
Auf dem Rückweg sollten Sie noch eine ausgiebige Pause in der Brasserie „Le France“ am Boulevard Maréchal Joffre einlegen. Auf der großen Terrasse unter den riesigen Platanen könnten Sie zum Beispiel mit Schinken und Käse beginnen, danach Risotto mit Scampi genießen und anschließend einen riesigen Eisbecher verdrücken. Falls Sie sich dann nicht mehr bewegen können, raten wir zu einem Kaffee. Fotos: CO