Der Schwebende

Da schwebt er! Der Bronzeengel mit dem Gesicht der Malerin Käthe Kollwitz hängt in einer dunklen
Ecke des Domes und ist viel größer als erwartet. Ernst Barlach hat ihn zur 700-Jahr-Feier des Güstrower Domes 1927 geschaffen, er sollte als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges dienen. „Für mich hat während des Krieges die Zeit stillgestanden. Sie war in nichts anderes Irdisches einfügbar. Sie schwebte. Von diesem Gefühl wollte ich in dieser im Leeren schwebenden Schicksalsgestalt etwas wiedergeben,“ kommentierte Barlach (1870 – 1938) sein Werk. Das Gesicht seiner Kollegin sei ihm eher zufällig auf die Skulptur geraten, behauptete er auch gern. 1937 verunglimpften die Nazis den Schwebenden als ‚entartete Kunst‘, 1941 ließen sie ihn einschmelzen. Die Original-Gussform wurde im Krieg versteckt, und so konnten Nachgüsse entstehen, einer hängt heute in Köln, einer in Schleswig und eben dieser im Güstrower Dom.
Gegenüber steht das John Brinckmann-Gymnasium, in dem der Schriftsteller Uwe Johnson (1934 – 1984) 1952 sein Abitur machte, nachdem er mit Mutter und Schwester fünf Jahre in Güstrow gelebt hatte. Vor der Schule steht heute eine Büste des Dichters.

Das Renaissance-Schloss

Geht man jetzt vom Domplatz durch die Philipp-Brandin-Straße, erreicht man den Franz-Parr-Platz mit dem Regionalmuseum in einem Bürgerhaus von 1765, dem Amtsgericht, dem Barlach-Theater von 1828, in dem 1912/13 Hans Albers seine Karriere begann, und natürlich dem Renaissance-Schloss, in dem heute ein Museum für mittelalterliche Kunst residiert. Im Festsaal sollte man die mit Jagdszenen dekorierte Stuckdecke beachten. Von 1626 bis 1630 lebte Feldherr Albrecht von Wallenstein im Schloss, bis der Kaiser ihn entmachtete. Besonders sehenswert ist auch der Schlossgarten, der 1570 angelegt und seither häufig umgestaltet wurde.

Nur wenige Schritte entfernt, in der Heilig-Geist-Kirche, findet man das Norddeutsche Krippenmuseum, in dem ganzjährig Weihnachskrippen zu beschauen sind. Vierzig Jahre lang hat die Hamburgerin Mechthild Ringguth etwa 500 Krippen in siebzig Ländern gesammelt, die meisten von einheimischen Künstlern gefertigt. Hundert davon sind im Krippenmuseum zu sehen.

Marktplatz mit Giebelhäusern

Am besten geht man jetzt durch die Domstraße zum Marktplatz mit seinen vielen klassizistischen Bauten und vier mittelalterlichen Giebelhäusern. In der Mitte des Platzes steht die Pfarrkirche St. Marien aus dem 16. Jahrhundert. Besonders sehenswert ist hier der Flügelaltar des Brüsseler Bildschnitzers Jan Borman von 1522. Im Sommer kann man übrigens den 53m hohen Turm besteigen und hat dann einen herrlichen Rundumblick.

Das Rathaus

Auch das Rathaus steht am Marktplatz. Ein gotisches entstand bereits im 13. Jahrhundert, nachdem Güstrow das Stadtrecht erhalten hatte, brannte aber 1503 ab. Der heutige Bau mit der wunderschönen klassizistischen Fassade stammt aus des Ende des 19. Jahrhunderts.

Vom Marktplatz spaziert man am besten die Hageböcker Straße zur Gertrudenstraße und besucht die Gertrudenkapelle aus dem 15. Jahrhundert. Dort ist seit 1953 ein Barlach-Museum untergebracht, in dem seine Skulpturen „der Zweifler“, „Frau im Wind“ und „gefessete Hexe“ zu sehen sind.

Übrigens: Natürlich hat das Tourismusbüro verschiedene Führungen im Angebot. Eine zweistündige Gruppenführung gibt es zum Beispiel auf Plattdeutsch, denn „Güstrow bietet mennig taun ankieken.“

Fotos: Tourismus Güstrow