Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                          

 

                                                                    Früher war’s doch besser
Nach einer repräsentativen Umfrage findet eine deutliche Mehrheit der Ungarn, dass sie in den letzten Jahren des Kommunismus, der Kadar-Ära, besser gelebt hat als heute. Selbst 54 % der Wähler der Regierungspartei Fidesz sind dieser Meinung, obwohl sie auch die negativen Seiten des alten Regimes sehen.  

Ministerpräsident: Realitätsfremd
Viktor Orbán gebärdet sich immer mehr als Diktator. Er entscheidet alles allein, seine Vasallen, die gut davon leben, folgen ihm. So glaubt er tatsächlich, dass niemand in Ungarn merkt, wie er EU-Gelder stiehlt.
Dass er schon als junger Politiker mit der Realität recht willkürlich umging, zeigt der Bericht einer Frau, die im März 1988 kurz nach der Gründung der Fidesz-Partei beitrat und bei einer Feier mit Orbán und zwei Freundinnen an einem Tisch saß. Er sprach lange über die glänzende Zukunft. Schließlich verabschiedete er sich: „Auf Wiedersehen meine Herren!“ Die Berichterstatterin, die bald die Partei verließ, sagte: „Aber Viktor, merkst du denn nicht, dass du hier am Tisch der einzige Mann bist?“ Die Antwort: „Nehmt es als Kompliment!“

Der Turnlehrer auf dem Bügelbrett

Zur Quarantänezeit unterrichten in Ungarn – wie in anderen Ländern auch – Lehrerinnen und Lehrer per Skype,
E-Mail, Facebook usw. Der Turnlehrer eines Gymnasiums in Makó, Südungarn, László Vesenyi, zeigte seinen Schülerinnen und Schülern, wie man daheim schwimmen lernt. Auf dem Video, das er ihnen schickte, sah man ihn in

kreatives Schwimmen

seinem Arbeitszimmer mit Bademütze, Schutzbrille und Schwimmdress. Vor ihm ein (gut verstärktes) Bügelbrett. Das erklettert der mehr-als-100-Kilo-Mann und zeigt die verschiedenen Schwimmarten, Brust-, Kraul- und Rückenschwimmen – gut sichtbar, verständlich und nachmachbar. Seine Schulleitung verbot ihm allerdings den Unterricht auf dem Bügelbrett, wenn auch zu spät, und verdonnerte ihn dazu, seine fortan geplanten Stunden vor dem Unterricht dem Direktor schriftlich zu zeigen. Inzwischen – zum Glück – ist das Schuljahr zu Ende. So hat Turnlehrer Vesenyi Zeit noch zu überlegen, ob er die Schule verlässt. Er meint jetzt,
er werde wohl gehen.
Anschauen kann man sich seine Schwimmübungen, wenn man „Tornatanár a vasalódeszkán“ googelt.

Corona-Zeit zu Ende
Am 16. Juni hat das ungarische Parlament einstimmig beschlossen: Die Epidemie ist vorbei. Wird wohl so sein, wenn selbst die Opposition das meint. Cafés und Restaurants waren schon seit Tagen offen; Theater und Kinos zogen jetzt nach. Es ist allerdings auch höchste Zeit: Während der Quarantäne haben die Ungarn durchschnittlich drei Kilo zugenommen – viele natürlich wesentlich mehr.
Das Spoon Restaurant (rechts) in Budapest darf wieder besucht werden.
Fotos: Blikk/ privat