Der große Hockney
An die neunzig geht er allmählich, aber ans Aufhören denkt er noch immer nicht. Dabei hat David Hockney bis heute schon ein ebenso großes wie großartiges Werk vollbracht – aktuell nachzuprüfen nicht nur in der Pariser Fondation Louis Vuitton (bis zum 31. August), sondern auch in diesem veritablen Klotz von einem Buch. Und was hat der nimmermüde Brite nicht alles in seinem langen Leben ausprobiert. Mit Pop-Art-Bildern wurde er in den Sechzigern bekannt, internationalen Ruhm trugen ihm ein paar Jahre später seine Swimming-Pool-Gemälde aus dem sonnendurchfluteten Kalifornien ein. Dann entdeckte er die Möglichkeiten der Fotografie, setzte aus Hunderten von Polaroids raffinierte Collagen zusammen. Und dazwischen entstanden immer wieder intime Porträts, von seinen homosexuellen Freunden, von seiner Familie und (oft richtig bunte) Landschaften, für die der Technik-Freak Hockney im Alter auch das ipad nutzte. Eine überwältigende Vielfalt also – hier ist sie handlich und vom Künstler selbst kommentiert versammelt. PM
Hockney Total. Das gesamte Werk. 496 S., über 500 Abb. Midas. 49 Euro.
Krieg und Frieden
Nur Vergangenheit ist hier zu sehen – doch aktueller könnte ein Buch kaum sein: Mit rund 100 Aufnahmen zeigt Harry Schmitt, einst Mitglied der legendären STERN-Fotografen-Riege, welch traurige und schlimme Folgen Kriege allein in den letzten zwei Jahrhunderten auf unserem Planeten gehabt haben. Europa steht – leider – im Mittelpunkt: Napoleons Feldzüge haben den Kontinent ebenso verwüstet wie später die beiden Weltkriege, doch auch in Asien (Vietnam) und Afrika (Südafrika) gab es blutige Auseinandersetzungen. Für Hoffnung blieb da meist nur wenig Platz, aber auch dafür gibt es in Schmitts eindrucksvollem Foto-Essay Beispiele: Wiederaufbauarbeiten auf dem zerstörten Balkan, Gräberpflege am Montecassino, der Händedruck von François Mitterand und Helmut Kohl in Verdun. Ein stilles, nachdenkliches Buch ist so entstanden – und vielleicht gerade das richtige für eine Zeit, die vor Krisen und Konflikten kaum noch ein und aus weiß. PM
Harald Schmitt: Krieg Frieden Versöhnung. 194 S. Sandstein Verlag. 44 Euro
Gärten barock
Wer sich für Gärten und Parks interessiert, der wird den Namen André Le Notre schon mal gehört haben. Er war der wichtigste Gartenarchitekt in Frankreich im 17. Jahrhundert und legte neben Versailles und Fontainebleau noch viele andere barocke Parks an, auch außerhalb seines Heimatlandes. Der Wissenschaftler Stefan Schweizer, der u.a. das Museum für Gartenkunst in Düsseldorf leitet, trägt in seinem Buch viele Fakten über Le Notre (1613 bis 1700) und seine Werke zusammen. Ab 1662 wurde der geniale Gartenplaner von Sonnenkönig Ludwig XIV. als oberster Gartenarchitekt eingesetzt und konnte so die meisten seiner Ideen umsetzen, Sichtachsen waren eine seiner wichtigsten. Wie er zu Werke ging, beschreibt Schweizer so detailliert, dass man mit seinem Buch in der Hand zum Beispiel den Pariser Tuileriengarten noch heute gut erkunden kann.
Stefan Schweizer: André Le Notre und die Erfindung der französischen Gartenkunst.
145 S., Wagenbach. 14 Euro
Und noch mehr Gärten
Nach der Mode der Barockgärten im 17. Jahrhundert wandte man sich besonders in England im 18. Jahrhundert den „natürlichen“ Landschaftsgärten zu. Der britische Autor und Universitätslehrer Tim Richardson zeigt in seinem neuen Buch zwanzig Beispiele, die noch heute erlebt werden können. Jeder Garten wird dabei nicht nur mit charakteristischen Bildern und einem genauen Grundriss dargestellt, sondern in ausführlichen Texten werden die Anlagen mit Bäumen und Beeten, mit Skulpturen und Mauern, mit Wasserläufen und Tempeln erklärt, und obendrein werden die Biografien der Gartenbesitzer erzählt.
Denn Richardson erkannte bei seinen Recherchen, dass die Herkunft und Erziehung, der Freundeskreis und auch politische Interessen des Landbesitzers bei der Gestaltung seines Anwesens durchaus eine große Rolle spielten. So gehörte der malerische Garten „Claremont“ in Surrey von 1714 bis 1768 dem Duke of Newcastle, der dorthin seine Freunde, politischen Kollegen, ausländische Botschafter und auch König George II. einlud, um seine politische Karriere zu befördern.
Tim Richardson: Englische Landschaftsgärten – Der Traum von Arkadien. 320 S., Gerstenberg Verlag. 46 Euro