„Die Regionalküche ist kein Trend, sie ist ein Notschrei! Eine Antwort auf den zunehmenden Identitätsverlust in der Gesellschaft. Die Menschen spüren eine gewisse Heimatlosigkeit, sie haben eine Sehnsucht…nach mehr Grün – wenigstens auf dem Teller.“

Der Koch und Autor Vincent Klink in einem Interview mit dem Feinschmecker 12/22.
Foto: vincent-klink.de

Unser Lieblings-Cartoonist Peter Butschkow, der in Berlin geboren wurde und heute in Nordfriesland lebt und arbeitet, hat natürlich auch einen Kommentar zur Fußball-WM in Quatar.
Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.peter-butschkow.de

 

Hotel Art Nouveau, Berlin

Wie charmant! Aber nicht nur das Hotel Art Nouveau ist bezaubernd, auch der Hotelier und seine Kollegen sind ganz reizend. Ihre 21 Zimmer sind unterschiedlich mit einer Mischung aus alten und Design-Möbeln eingerichtet, die Bäder sehr hübsch und praktisch. Fast am schönsten aber ist der betagte Fahrstuhl mit zwei Sitzbänken, mit dem man in einem typischen Berliner Altbau in der Leibnizstraße nicht weit vom Kudamm in den vierten Stock fährt. Das Hotel bietet ein Bio-Frühstück vom Büfett für 18 Euro und eine Dachterrasse für den Sundowner.
DZ ab ca 75 Euro. Foto: Hotel Art Nouveau

Bald ist Weihnachten
 
Und hier kommen die schönsten Bücher, die Sie gut verschenken (oder selbst behalten) können, sie machen nämlich glücklich!

 

Kunst: Das eigene Selbst

Gesichter erzählen Geschichten: So wie Schriftsteller häufig eigene Spuren in ihren Romane hinterlassen, so erkunden bildende Künstler das eigene Ich im Selbstporträt. Die zahlreichen Selbstbildnisse von Vincent van Gogh etwa lassen sich wie ein autobiografischer Befund lesen. Auch Pablo Picasso, so der Kunsthistoriker Uwe M. Schneede in seinem neuen Buch, wählte regelmäßig das Selbstporträt, um seine Lebenskapitel zu kennzeichnen: Es sind „Ich-Botschaften“, die Auskunft geben über jugendliches „Aufbegehren“, über „Selbstbehauptung“ in späten Jahren bis hin zur „Selbstergründung“ gelebter Herausforderungen. Bei Marina Abramovic mündet sie in Performance-Arbeiten mit dem ganzen Körper.

Die mit viel Bedacht ausgewählten Abbildungen liefern ein Kaleidoskop großer Kunst des 20. Jahrhunderts. Was den Band überdies bemerkenswert macht, ist sein inzwischen 83jähriger Autor.  Schneede, von 1991 bis 2006 Direktor der Hamburger Kunsthalle und einer der großen Kenner der Moderne, präsentiert hier den Schatz seiner klugen Erkenntnisse – und somit, darf man wohl annehmen, ebenfalls eine Darstellung seiner Selbst. UvS

Uwe M. Schneede: Ich! Selbstbildnisse in der Moderne. Von Vincent van Gogh bis Marina Abramovic, 240 S., mit 96 Abb., Ch. Beck, 29,95 Euro.
 

Kunst: Meret Oppenheim

Eine mit Pelz umwickelte Tasse hat sie 1936 berühmt gemacht: Danach gab es kaum mehr eine Surrealisten-Ausstellung, an der die Künstlerin mit den Deutsch-Schweizer Wurzeln nicht beteiligt war.

Meret Oppenheim (1913 bis 1985) war rätselhaft, bildschön und von überbordender Phantasie. Kaum 20jährig zog sie nach Paris, damals das Zentrum der Avantgarde. Sie befreundete sich mit Alberto Giacometti und Hans Arp, begann eine Liebesaffäre mit Max Ernst und inspirierte Man Ray zu einem erotischen Fotozyklus, der ihr den Beinamen „Muse der Surrealisten“ einbrachte.

Spröde war sie nur, wenn es um Hinweise zu ihrer eigenen Person ging, da beschränkte sie sich lieber auf dürre Fakten. Um so ergiebiger ist daher ihr autobiografisches Album „Von der Kindheit bis 1943“, das nun zusammen mit ihrer handgeschriebenen Biografie von ihrer Nichte und Nachlassverwalterin Lisa Wenger und der Kunsthistorikerin Martina Corgnati einfühlsam und kenntnisreich herausgegeben wurde. Fotos, Zeichnungen und Notizen geben „Einblick ins Innerste“, lassen erahnen, wie die scheue Künstlerin dachte und fühlte. Und so gerät die Lektüre zu einem staunenden Stöbern in einer  faszinierenden Zauberkiste. UvS

Lisa Wenger, Martina Corgnati: Meret Oppenheim – Mein Album. 324 S., 179 farbige Abb., Scheidegger & Spiess, 48 Euro
 

Kunst: George Grosz

Der Mann machte sich keine Illusionen. „Der Mensch ist nicht gut“, befand George Grosz, „sondern ein Vieh.“ Den Beweis trat der 1893 in Berlin geborene Gastwirtssohn alsbald an. Auf Hunderten von Blättern und Leinwänden karikierte er nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Politiker und Generäle, Geistliche und Spekulanten mit solch unerbittlicher Schärfe, dass ihn die so zur Kenntlichkeit entstellten Typen immer wieder vor Gericht zerrten. Doch das focht den überzeugten Kriegsgegner, der seinen Namen aus Abscheu vor dem deutschen Militarismus 1916 anglisierte, nicht an. Unermüdlich kämpfte er weiter gegen Obrigkeit und Untertanengeist; 1933 emigrierte er in die USA, kurz nach seiner Rückkehr starb er 1959 in Berlin. In der Stuttgarter Staatsgalerie ist jetzt noch einmal seine ganze Empörung und sein ganzer Zorn zu besichtigen; der Katalog liefert die angemessene Begleitung. PM

George Grosz in Berlin. 180 S., 100 Abb. Hirmer. 38 Euro

Kunst: Jean-Michel Basquiat

Schon der Umschlag ist wie ein Faustschlag: Ein pechschwarzes Gesicht, darin ein bedrohliches weißes Augenpaar, auf dem Kopf wild aufgedrehte Haarzöpfe. Das martialische Porträt ist durchaus Programm. Seit er als Teenager die ersten Grafitti an Wände in New York krakelte, wo er 1960 geboren wurde, protestierte Jean-Michel Basquiat, gegen den Rassismus in den USA vor allem, aber auch gegen Unterdrückung und Ausbeutung weltweit. Ein paar tausend Werke entstanden so bis zu seinem frühen Drogen-Tod 1988: ungestüme Attacken mit Pinsel, Stift, Kreide oder Kohle und in einer ganz eigenen Bildsprache, die den Kunstmarkt der achtziger Jahre so furios aufmischten, dass Basquiat zum ersten afroamerikanischen Star der Szene avancierte. Mit rund 50 Arbeiten dokumentiert die Wiener Albertina derzeit, wie aktuell die Botschaft dieses Rebellen immer noch ist. PM

Dieter Buchhart u.a.: Jean-Michel Basquiat. 216 S., 85 farbige, 12 s/w-Abb. Prestel. 45 Euro

 

Fotografie: Annie Leibovitz

Keine Frage: Sie zählt längst zu den ganz Großen ihres Metiers. Und darum hat sich der Taschen-Verlag (ohnehin bekannt für schwergewichtige Prachtbände) jetzt erneut nicht lumpen lassen und Annie Leibowitz einen weiteren opulenten Buch-Klotz gewidmet: eine auf knapp 6 Kilo verschlankte und damit auch deutlich billigere Neuausgabe ihres legendären 50 Kilo schweren SUMO-Wälzers von 2014. Beeindruckend wie das Format ist der Inhalt geblieben, denn seit ihren Anfängen beim Musikmagazin „Rolling Stone“ 1970 hat die inzwischen 73-Jährige so gut wie alle porträtiert, die in der US-Popkultur (und darüber hinaus) einen Namen haben. Keith Haring fehlt ebenso wenig wie Queen Elizabeth, Tennessee Williams kam vor ihre Kamera und auch Joni Mitchell. Das Ergebnis ist eine höchst unterhaltsame und zugleich informative fotografische „Achterbahnfahrt“ (Leibovitz) durch die letzten paar Jahrzehnte.
Für die Lektüre allerdings dringend empfohlen: ein stabiler Tisch. PM

Annie Leibovitz. 556 S. Taschen. 125 Euro
 

Fotografie: In Bonn

Schon eine beeindruckende Sammlung, die das Kunstmuseum Bonn da in rund 50 Jahren aufgebaut hat: ein paar tausend Aufnahmen von 131 Fotografen – Respekt. Der Katalog, der die Kollektion jetzt erstmals vorstellt, kommt allerdings ein wenig reserviert daher. Schon das Titelbild gibt Rätsel auf; ist das tatsächlich eine Fotografie? Ist es und insofern ein Beleg dafür, wie weit sich die einst in Künstlerkreisen eher verachtete Disziplin in weniger als 2 Jahrhunderten entwickelt hat. In Bonn sind vor allem Arbeiten zu sehen, die nach 1945 in Deutschland entstanden sind: die stilbildenden Industriefotografien von Bernd und Hilla Becher ebenso wie Aufnahmen ihrer Schüler Andreas Gursky oder Thomas Struth, die Politikerporträts von Barbara Klemm ebenso wie die grotesken Inszenierungen von Jürgen Klauke. Wer also wissen will, was mit der Kamera inzwischen alles möglich ist, erhält in diesem Band viele Informationen. PM

Jan Philipp Nühlen, Barbara J. Scheuermann: Fotografie im Kunstmuseum Bonn. 263 S., 885 Abb. Wienand. 38 Euro
 

Design: Geschichte

Seit es Menschen gibt, gibt es auch Design. In den Anfängen aber ging es nur um die Funktion eines bearbeiteten Gegenstands, Form, Optik, Material und Proportionen wurden erst später wichtig. In diesem Buch geben die Autoren einen Überblick über Design, beginnend bei der „Arts & Crafts“ Bewegung von 1850 bis 1920 über die Moderne von 1910 bis 1939 bis zur heutigen Zeit. In jedem Kapitel werden die wichtigsten Personen (z.B. Antoni Gaudi, Marcel Breuer, Dieter Rams, Verner Panton, Philippe Starck) und Firmen (z.B. Thonet, Tiffany, Habitat, Flos, Ikea) ausführlich beschrieben und ihre wichtigsten Werke gezeigt. Dazwischen findet man immer wieder Doppelseiten mit Beispielen zur Entwicklung etwa von Fotoapparaten, Fahrrädern, Schreibmaschinen und Computern. Ein gutes Glossar und ein umfangreiches Register runden den Überblick ab. Ein wirklich empfehlenswertes Buch für jeden, der sich für Design interessiert. CO

Alexandra Black und andere: Design – Die visuelle Geschichte, 400 S., 1200 Abb., Dorling Kindersley, 49,95 Euro.
 

Küche: Amalfi

Ob es daran liegt, dass die Autoren in England, wo sie mehrere Restaurants betreiben, Heimweh haben? Jedenfalls haben sie für dieses schöne Buch einfach nachzukochende Rezepte aus ihrer Heimat, der Amalfiküste, zusammengestellt. Die Fotografin Helen Cathcart hat dazu herrliche Fotos beigesteuert, zu Leckereien wie gefüllten Zucchiniblüten, neapolitanischer Fleischsauce und Mandelküchlein und von der wunderschönen Landschaft rund um Amalfi und ihren Menschen. Am liebsten möchte man schon beim Blättern sofort nach Positano aufbrechen, oder zumindest gleich mal Fenchel mit Thymian rösten, ein Huhn mit Zitronen braten und Miesmuscheln mit Pfeffer kochen. CO

Katie & Giancarlo Caldesi: Amalfi Küche – Rezepte aus Italiens Süden, 272 S., Prestel,
30 Euro.

 

Küche: Brot

Wir Deutschen gelten als Brot-Liebhaber, was man schon an dem Namen einer unserer Mahlzeiten erkennen kann: Abendbrot. Aber am meisten essen wir Toastbrot – 27,9 % des Gesamtabsatzes. Das ist ziemlich schade, denn statt Massenware aus Fabriken sollten wir uns lieber bei Bäckern bedienen, die das Handwerk aufrecht erhalten und ganz wunderbare Brote backen.
Kennenzulernen in diesem hochinteressanten Buch der Food-Journalistin Maren Schwarz mit wunderbaren Fotos und fünfzehn Reportagen, in denen Bäcker in Deutschland, Wien und Zürich vorgestellt werden, die von ihrer Motivation berichten, ihre besonderen Brote erklären und jeweils ein Rezept zum Nachbacken herausrücken. Im Anhang werden Zutaten, Gerätschaften und Grundrezepte beschrieben und Tipps zum Selbständig-machen als Bäcker gegeben. Am Schluss steht noch eine amüsante Sammlung von regionalen Begriffen für das Endstück unser aller täglich Brot: Boppes, Gnuscht, Knurz, Rungsen und Sterzl! CO

Maren Schwarz: Aus Liebe zum Brot, 208 S., Callwey, 45 Euro

 

Küche: Pfeffer

Gewürzhändler nannte man gern „Pfeffersäcke“, und hohe Preise sind schon ewig „gepfeffert“. Wie es zu solchen Bezeichnungen kam und wie der Handel mit Pfeffer (und anderen Gewürzen) aus Indien über Land und Meer seit vielen tausend Jahren funktioniert, hat das Autorenpaar Nathalie und Konrad Pernstich sehr unterhaltsam aufgeschrieben. Dazu erläutern sie den Anbau und die Ernte der verschiedenen Pfeffersorten und stellen jede Menge pikante und süße Rezepte mit den scharfen Körnern vor: die Burmesische Pfeffersuppe, Pilze mit grünem Pfeffer, Fischtartar mit kambodschanischer Pfeffersauce oder Pistazieneis mit rosa Pfeffer. CO

Nathalie und Konrad Pernstich: Pfeffer – Rezepte und Geschichten um Macht, Gier und Lust, 272 S., Mandelbaum Verlag, 28 Euro.

 

Mode: Das kleine Schwarze

„Schwarz“, befand schon vor etlichen Jahren Christian Dior, „ kann man immer tragen. In jedem Alter, zu jedem Anlass.“  Marilyn Monroe, Twiggy, Whitney Houston, Lady Di und Michelle Obama schlüpften denn auch wieder und wieder in das „Kleine Schwarze“ und machten damit immer eine gute Figur. Die Zeichnerin Megan Hess hat sie alle in ihren schwarzen Roben für ihr Büchlein in Schwarzweiß gezeichnet, Jackie Kennedy und Aretha Franklin, Edith Piaf und Audrey Hepburn, nur die rot geschminkten Münder leuchten heraus. Einige kleine Texte und Zitate begleiten die fantastischen Zeichnungen, zu denen man sich allerdings gelegentlich ein Foto der jeweiligen eleganten Dame im original „Kleinen Schwarzen“ gewünscht hätte. CO

Megan Hess: Das kleine Schwarze, 144 S., Prestel, 15 Euro

 

Sachbuch: Alles vom Dreck

Eine saubere Sache dieses Buch, obwohl es sich doch um ein eher schmuddeliges Thema handelt. Akkurat zwischen zwei Buchdeckeln ist hier versammelt, was die Journalistin Monika Utnik-Strugala und der Illustrator Piotr Socha an Anrüchigem in der Weltgeschichte gefunden haben. Wobei sie sich nicht auf den Schmutz beschränken – auch was der Menschheit seit den alten Ägyptern eingefallen ist, um Kehricht und Gestank zu besiegen, haben sie notiert. Und weil das alles höchst anschaulich, kurzweilig und informativ in Wort und Bild geschieht, gewinnt man dem Dreck fast schon ein paar positive Seiten ab. Wenn da nur nicht immer dieser fürchterliche Unrat wäre. PM

Piotr Socha, Monika Utnik-Strugala: Das Buch vom Dreck. Eine nicht ganz so feine Geschichte von Schmutz, Krankheit und Hygiene. Ab 8 Jahren 216 S. Gerstenberg. 30 Euro
 Fotos: Hersteller

 


Museum der Dinge: In Berlin hatte man jetzt eine interessante Idee –  eine Dingpflegschaft. Was das ist? Statt einer Spende übernimmt man die Kosten, ein Museumsobjekt ein Jahr lang oder länger zu pflegen. Ist doch ein schönes Geschenk, wenn Goldi auch im nächsten Jahr geputzt und gestriegelt wird! Foto: Museum der Dinge

Fondation Beyeler, Riehen/Basel noch bis 8.1.23
Jubiläumsausstellung I
Special Guest: Duane Hanson

Wer hat das schon: eine eigene spektakuläre Kunstsammlung und ein eigenes ebenso spektakuläres Museum. Der Schweizer Galerist Ernst Beyeler, er starb 2010 mit 88 Jahren, besaß beides – nur naheliegend also, jetzt zum 25-jährigen Jubiläum der Eröffnung des Hauses im Baseler Vorort Riehen das eine für das andere zu nutzen. Herausgekommen ist eine der schönsten Ausstellungen des Jahres: In den großzügigen Räumen reiht sich ein Meisterwerk der Klassischen Moderne an das nächste – und um der Versammlung von Picassos, Rothkos oder Warhols noch einen besonderen Kick zu geben, haben sich die Ausstellungsmacher 13 hyperrealistische Skulpturen des Amerikaners Duane Hanson ausgeliehen. Nun sinnen ein älteres Ehepaar, ein Rasenmäher oder ein paar Bauarbeiter in Gesellschaft von Matisse, Monet & Co. vor sich hin. Und wenn Sie sich ein Fest für die Augen gönnen wollen, stellen Sie sich dazu. PM
Ein Katalog mit 25 Highlights ist bei Hatje Cantz für 18 Euro erschienen.
Foto links: Bronze, farbig bemalt mit Öl, Mischtechnik, Accessoires, Wendy Gondeln © The Estate of Duane Hanson. Courtesy Gagosian/2022, ProLitteris, Zurich
Foto rechts: Roy G. Crogan, Claude Monet, Nymphéas, 1916–1919 Öl auf Leinwand, 200 × 180 cm Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler =5220, Robert Bayer, Basel

 

Wenn man als Wien-Tourist im Stephansdom und in der Hofburg war, nach Schönbrunn und in den Prater gepilgert ist, und wenn man die Spanische Hofreitschule, das Museum Albertina, den Naschmarkt und das eine oder andere Kaffeehaus besucht hat, dann ist es richtig erholsam, sich mal das ganz normale Leben der Österreicher in ihrer Hauptstadt anzuschauen.
Wir sind dazu einfach von der Shoppingmeile Mariahilfer Straße abgebogen in die Kirchgasse. Vorbei am Schnickschnackladen „Flying Tiger“, dem hübschen Babyausstatter „Herr und Frau Klein“, dem schicken Conceptstore „Kauf Dich glücklich“ mit Designermode für sie und ihn. An der Ecke Siebensterngasse kann man schon mal eine Pause einlegen, im Kulturzentrum „Cafe 7Stern“ mit Poetry Slam, Vorträgen und Lesungen bei einer Melange und hausgebackenem Kuchen.

Ulrichskirche Maria Trost

Kein Kaffee? Dann machen Sie doch im Siebensternpark eine Pause und schauen den Kids der Umgebung beim Spielen in Sand und Schlamm oder – im Sommer – unter der Wasserfontäne zu. Dazu bietet der Platz natürlich eine Sandkiste, eine Rutsche, Schaukeln, Wippen, eine Kletteranlage, Tischtennis, Basketball und Picknicktische – und immer jede Menge fröhlicher Kinder.
Gut erholt oder vom Krach vertrieben, überqueren wir jetzt die Burggasse und stehen an der

Bei „Erich“ läßt man sich gerne nieder

Ulrichskirche „Maria Trost“ vor der sogenannten Pestsäule, offiziell „Dreifaltigkeitssäule“, die 1713 als Dank zum Ende der Pest gestiftet wurde. Die Kirche steht auf dem sehenswerten St. Ulrichsplatz, eng umstellt von typischen Wiener Wohnhäusern aus verschiedenen Jahrhunderten und netten Cafes mit einladenden Schanigärten, z.B. dem „Ulrich“, „Morgenstern“ oder „Erich“.

Am Erich biegen wir links ab in die Neustiftgasse bis zum Augustinplatz, wo eigentlich der Augustinbrunnen steht, der aber zur Zeit wegen der U-Bahnbauten ausgelagert ist. Der Brunnen hat eine skurrile Geschichte: Hier gab es im 17. Jahrhundert eine Pestgrube, in die der Bänkelsänger Marx Augustin versehentlich geworfen wurde. Gerettet wurde er, weil er seinem Dudelsack unüberhörbare Töne entlockte. Ihm und der Sängerin Liane Augustin widmete man diesen Brunnen.

Am Ceja-Stojka-Platz

Nun spazieren wir die Kellermanngasse entlang und biegen links in die Lerchenfelder Straße ein. Hier schauen wir in „Moses Records“ nach alten Schätzen, stöbern in der Buchhandlung „Stöhr“, lassen uns im „Oreno“ zu einer köstlichen Ramen-Suppe nieder oder suchen den „Hasse-Würstelstand“ für eine Wurscht im Stehen heim. Da sind wir dann auch schon am „Ceja Stojka-Platz“ mit ein paar Bänken und der imposanten Kirche „Altlerchenfeld“.
Ceja Stojka (1933 – 2013) war eine österreichische Schriftstellerin, die den Lovara-Roma angehörte. Sie überlebte drei nationalsozialistische Konzentrationslager, von ihrer großen Familie, etwa 200 Personen, entkamen nur sechs dem Holocaust. 1988 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Wir leben im Verborgenen“. Fotos: CO

„Was ich mag, ist die Intuition, die mir sagt, wann ein Werk fertig ist. Ich bin kein elitärer Künstler, sondern ein einfacher Autodidakt, der ein Teil der Familie von Künstlern sein möchte.“

Der amerikanische Maler und Zeichner Jean-Michel Basquiat (1960-1988), der als erster afroamerikanischer Künstler den Durchbruch in die weiße Kunstwelt schaffte und dessen Bilder gerade in einer großen Einzel-Ausstellung in der Albertina in Wien zu sehen sind.
Foto: wikipedia

Unser Lieblings-Cartoonist Peter Butschkow hat soeben seinen zweiten Roman vorgelegt. Wenig überraschend bei einem gelernten Graphiker und Zeichner, der in Berlin aufgewachsen ist und seit langem in Nordfriesland lebt, geht es auch hier um Schrift. Genauer um die Brand-Antiqua und deren Schöpfer, der zwei Studenten nach der verschwundenen Emilia suchen läßt und sie so in ein Abenteuer schickt, um zu klären: „Wo ist Emilia?“

Peter Butschkow: Wo ist Emilia?, 308 S., Verlag Konkursbuch, 14 Euro

Hotel am Schloss, Apolda

Wer bei dem Namen ein altes Gemäuer erwartet, liegt hier völlig schief, das Hotel ist ganz modern. Das eher schlichte Schloss gegenüber soll allerdings so alt wie die Wartburg sein, also aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts stammen. Das Hotel teilt sich mit dem Kulturzentrum im Schloss einen schönen Innenhof mit großem Teich. Dort draußen kann man im Sommer auch frühstücken oder am Abend regionale Spezialitäten genießen. Die Zimmer sind mindestens 22qm groß und haben alle eine Sitzecke.
Der hübsche Marktplatz mit Rathaus und einigen Lokalen ist wenige Schritte entfernt, und zum Glocken-Museum https://glockenmuseum-apolda.de/, in dem über die Geschichte der dazugehörigen Glockengiesserei informiert wird, ist es auch nicht weit. DZ ab ca 105 Euro.
Foto: Hotel am Schloss

Bald ist Weihnachten

Es ist zwar eine Binse, aber doch wahr: Wer gut plant und früh anfängt, gerät seltener in Hektik und kann schon die Vorweihnachtszeit genießen. Dabei hilft dieses Buch mit seinen vielen schönen Dekorationsideen und leckeren Rezepten.
Wer also mit Misteln oder Zapfen Akzente setzen oder Girlanden aus Tannen winden möchte, wer ein Lebkuchenhaus backen, eine herzhafte Suppe kochen oder Marshmallows grillen möchte, der ist mit diesem mit schönen Fotos ausgestattetem Buch gut bedient. Selbst ein Weihnachtsmenü für die ganze Familie kann man sich mit seiner Hilfe zusammenstellen: Den Anfang macht zum Beispiel eine Süsskartoffel-Ingwer-Suppe mit Kokos Sambal, gefolgt von Boeuf Bourguignon mit überbackenem Rosenkohl und gekrönt von einem Bratapfel im Blätterteig. So kann Weihnachten kommen!

Wohnen& Garten: Winterglück & Weihnachtszeit – Rezepte und Ideen für die schönste Jahreszeit, 160 S., 35 Euro, Callwey Verlag

Kunstmuseum, Basel

Museum mit Knick

Eigentlich sind es drei Häuser, die zum Kunstmuseum der Schweizer Stadt gehören. Da ist der Hauptbau von 1936 im St. Alban-Graben, den die Architekten Rudolf Christ aus Basel und Paul Bonatz aus Stuttgart nach oberitalienischen Vorbildern schufen. Das zweite Haus von 1980 ist nur der Gegenwartskunst gewidmet und liegt am St. Alban Rheinweg, gebaut haben es Katharina und Wilfrid Steib aus Basel.
2016 entstand dann gegenüber dem Hauptgebäude ein eigenwilliger Erweiterungsbau, mit unterirdischer Verbindung zwischen beiden. Die Ausschreibung von 2009 hatte das Basler Büro Christ & Gantenbein (Emanuel Christ ist der Großneffe von Rudolf Christ) gegen so große Namen wie Zaha Hadid und Rem Koolhaas gewonnen.
Christ & Gantenbein entschieden sich für eine wuchtige Fassade aus grauen Ziegelsteinen, die nach oben heller werden und in denen ganz oben LED-Bänder eingelegt sind. Der markante Bau hat zur Kreuzung hin einen Knick nach innen und nur wenige Öffnungen für Fenster und Türen. Die Ausstellungsräume sind rechteckig und schlicht weiß, das verbindende Treppenhaus ist eisengrau verputzt, für die Böden, Brüstungen und Treppenstufen entschied man sich für luxuriösen Carara-Marmor. Foto: Kunstmuseum Basel

November/Dezember: Jetzt ploppen wieder überall die Weihnachtsmärkte auf, ab Mitte November wird Glühwein getrunken und Schmalzgebackenes verdrückt, auf Mittelaltermärkten Glasbläsern zugeschaut und Kunsthandwerk bewundert. Suchen Sie sich Ihren Lieblings-Christkindlmarkt aus auf www.deutsche-weihnachtsmaerkte.de

Trotz Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen: Die ersten Spekulatius sind schon verputzt, Adventskalender bereits gebunkert. Und auch die Jagd auf Weihnachtsgeschenke hat längst begonnen. Wir zeigen Ihnen frühzeitig ein paar besonders einfallsreiche:

Seifen: Handgemacht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, ausgestattet mit feinem Duft und einem Tannenbaum oder einem Wort dekoriert. Verschenken Sie Meer, Himmel, Wald oder Mut für je 9,95 Euro. Foto: Chrismon.

Tannenbaum: www.balsamhill.de Vor dem Fest wird er teuer gekauft, danach auf die Straße geworfen! Das muss nicht sein: Die verblüffend echt aussehenden Weihnachtsbäume aus Kunststoff – Blau -, Silber- oder Nordmanntannen, Weiß- oder Rotfichten – halten ewig, sind bis zu 365 cm hoch und können sogar mit handmontierten LED-Leuchten geliefert werden. Preise von 100 bis 2000 Euro.

Vogelfutter:  Die kleine Glaskugel wird mit einem Saugnapf einfach an der Fensterscheibe befestigt, so kann man den Piepmätzen beim Futtern zuschauen. Die Idee kommt aus Schweden und kostet 19,90 Euro.

Piepei: www.brainsteam.de Die Eieruhr zum Mitkochen gibt es ja schon geraume Zeit, aber jetzt ist die Auswahl an einschlägigen Liedern und Outfits riesengroß. Das maritime Piepei mit Anker oder Segelschiff spielt „Drunken Sailor“, wenn das Ei weich ist, und „Eine Seefahrt, die ist lustig“, wenn es wachsweich ist. Sie mögen es lieber hartgekocht? Dann freuen Sie sich über den Jailhouse Rock von der Elvis-Version mit Sonnenbrille und Brustbehaarung! Jedes Ei bekommt man für 21,99 Euro. Fotos: Trendxpress

Museum Haus Lange, Krefeld, 
noch bis 26.2.23
Maison Sonia

Kunst zum Wegtragen

Die ukrainisch-französische Malerin und Designerin Sonia Delaunay (1885-1979) entwickelte mit ihrem Mann Robert Delaunay den sogenannten Orphismus, eine Variante der abstrakten Malerei, die darauf abzielte, der reinen Musik eine reine Malerei entgegen zu setzen. Ab 1926 beschäftigte sie sich auch mit Theaterdekorationen, entwarf Stoffe und eröffnete ein Mode- und Einrichtungshaus. In Krefeld wird jetzt ein umfassender Überblick über ihr Werk gezeigt. Mit dabei sind Objekte aus den Bereichen Mode, Textil, Möbel, Buchkunst.

Foto: Sonia Delaunay, Handtasche, um 1930, Francesca Galloway, London, Pracusa S.A.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Hatje Cantz

Fachwerk im Kolk

Zwischen Hamburg und Berlin hält der Zug immer in Spandau – und fast nie steigt jemand aus. Alle wollen schließlich in die Hauptstadt und haben keine Zeit für die kleine Schwester. Dabei lohnt sich ein Spaziergang durch Spandaus Altstadt auf einer Insel in der Havel am Zufluss der Spree auf jeden Fall!
Also aussteigen und über die stark befahrene Kreuzung vorm Bahnhof hinweg zum Rathaus in der Carl-Schurz-Straße gehen. Das wurde 1910 bis 1913 erbaut und nach starker Zerstörung im 2. Weltkrieg in den 50er Jahren wieder aufgebaut. Schauen Sie mal hinein, in der Vorhalle steht eine überraschende Skulptur, ein Junge auf einem Esel, der „Eselreiter“ von Bildhauer August Gaul von 1912.
Weiter geht’s in Richtung Marktplatz, der im Krieg vollständig zerstört und 1982 in heutiger Form errichtet wurde. Richtig alt ist das „Gotische Haus“ in der Breiten Straße 32. Der Kernbau soll um 1450 entstanden sein, brannte aber 1788 ab und wurde um 1800 im Stil des Klassizismus wieder aufgebaut. Von hier sind es nur wenige Schritt zum Kolk, Spandaus ältestem, sehr

Übers Wasser in den Biergarten

kleinen Stadtteil mit Fachwerkhäusern und einem Rest Stadtmauer. Es sind eigentlich nur zwei Straßen, die man durchbummeln kann, bevor der Kolk von der Havel begrenzt wird. Schauen Sie sich die Schleuse an, die ursprünglich entstand, weil ab 1232 hier Mühlen gebaut wurden, für die das Wasser gestaut werden musste. Die heutige Schleuse stammt von 1999.
Gehen Sie jetzt über die Juliusturmbrücke von 1939 über die Havel-Oder-Wasserstraße, dann geht es gleich links zur Zitadelle Spandau htttps://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle_Spandau , einer der besterhaltenen Festungen der Hochrenaissance. Kern der Anlage ist eine mittelalterliche Burg, von der noch Reste erhalten sind. Drum herum baute man von 1559 bis 1594 eine riesige Festung, die unter anderem von den Schweden und von Napoleon belagert wurde. Heute residiert hier das Museum für Vor- und Frühgeschichte, außerdem dient die Zitadelle als Veranstaltungsort für Konzerte, Festivals und Theateraufführungen. Sie ist von Wasser umgeben und kann mit einer Zugbrücke völlig abgeschlossen werden.
Gleich daneben steht der Juliusturm, dreissig Meter hoch und über 153 Stufen zu ersteigen. 1836 krönte Karl Friedrich Schinkel den Turm mit einem neuen Zinnenkranz, der alte war 1822 abgebrannt.

Über die Zugbrücke in die Zitadelle

Die Zitadelle war auch immer wieder Gefängnis, so saß hier der preußische Staatsminister Friedrich Christoph von Görne 1782 ein, und 1844 wurde der Attentäter Heinrich Ludwig Tschech hier hingerichtet.
Wenn Sie jetzt zurück in die Altstadt gehen, schauen Sie sich unbedingt noch auf dem Reformationsplatz die Nikolaikirche von 1370 an, die 1944 von einer Brandbombe getroffen wurde und nur knapp dem Abriss entging, bevor sie in der Nachkriegszeit schrittweise restauriert wurde. Das Taufbecken stammt von 1398, die Kanzel steht auf drei Bärentatzen, die Stärke symbolisieren sollen. Vor der Kirche steht ein Standbild des Kurfürsten Joachim II., der in dem Gotteshaus 1539 zum lutherischen Glauben übertrat und damit die Reformation in der Mark Brandenburg durchsetzte.
Falls Sie jetzt dringend einen Kaffee brauchen, „Junge die Bäckerei“ ist nur ein paar Schritte entfernt und hat von sieben bis achtzehn Uhr geöffnet.

Fotos: CO

„Wir wissen, und in England wurde das wissenschaftlich erwiesen, dass die meisten Männer keine Bücher von Frauen lesen. Frauen hingegen lesen Bücher von Männern und Frauen.
Wir interessieren uns auch für Erfahrungen, die über die eigenen hinausgehen“

Die britische Schriftstellerin Bernadine Evaristo, die 2019 für ihren Roman „Mädchen, Frau etc.“ den Booker Prize gewann, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 17. September 22.
Foto: the booker prizes

Der Berliner Zeichner Peter Butschkow, der in Nordfriesland lebt und arbeitet, beschäftigt sich gern mit dem alltäglichen Leben. Diesmal mit Corona.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.peter-
 

Hotel Star Inn, Dresden

Das Hotel am Altmarkt

Nicht nur, dass dieses feine Hotel mitten in Dresden liegt, es bietet auch ganz besondere Angebote. Möchten Sie vielleicht zum Marathon am 30. Oktober in die Stadt kommen? Im Hotel Star Inn können Sie ein Paket für 159 Euro buchen, zwei Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück vom Büfett, Mineralwasser und einer Überraschung inklusive. Die Zimmer sind groß und hell, die Bäder praktisch, und vom Altmarkt ist es nicht weit zu den wunderbaren Museen, dem Zwinger und zur Elbe.
DZ ab ca 100 Euro. Foto: Star Inn

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt

Das Tortenstück

Der Wiener Architekt Hans Hollein (1934 -2014), der zu den Pionieren der Postmoderne zählt, bekam 1983 den Auftrag, ein Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zu bauen. Und er enttäuschte seine Auftraggeber nicht: Das Haus auf einem dreieckigen Grundstück mitten in der Altstadt gelang ihm so unverwechselbar, dass es schon bald nach der Fertigstellung von der Bevölkerung als „Tortenstück“ bezeichnet wurde.

Das Treppenhaus von oben

Hollein plante nach dem Motto, in einem Museum könne es keine neutralen Räume geben, „sondern nur charakteristische Räume unterschiedlicher Größenordnung (und ihre Erschließung), mit denen das Kunstwerk eine Dialektik eingeht – in gegenseitiger Potenzierung“.
Er entschied sich deshalb für eine axial gestaltete, zentrale Halle über alle Stockwerke, die von oben durch ein großes Glasdach beleuchtet wird. Von hier aus erreicht man die dreissig, völlig unterschiedlich proportionierten Ausstellungsräume in drei Geschossen. Außen passte der Architekt sich mit Material und Farbgebung der Umgebung an und nutzte Sandstein und Putz für die Fassade. Das Ergebnis beeindruckte auch den Gründungsdirektor des Museums Jean-Christophe Ammann (1939 – 2015). Er  bezeichnete Holleins Bau als „Skulptur, selbst ein Kunstwerk“.
Fotos: Hollein/mmk