„Ich bin in der Sekunde, wenn ich meinen Smoking anziehe, in meiner Rolle. Und das hat etwas mit Haltung zu tun, die diese Kleidung verleiht. Ein gestärktes Hemd wirkt auch nach innen.“

Der Sänger Max Raabe, der ein Faible für die wilden Zwanziger hat, in einem Interview mit dem Stern Nr 50 vom 8.12.2022.
Foto: Max Raabe

Unser Lieblings-Cartoonist Peter Butschkow, der in Berlin geboren wurde und heute in Nordfriesland lebt und arbeitet, hat natürlich auch einen Kommentar zur Energieknappheit.
Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.peter-butschkow.de

Hotel Josefine, Wien

Es geht schon an der Tür los: Entspannter Jazz empfängt die Gäste in dem  schönen Jugendstilbau von 1895. Gleich neben der Treppe kann man in einer Phonothek selbst Platten aus einer großen Sammlung auflegen und dort chillen – solange man möchte. Die Zimmer sind im Salon-Stil der 1920er Jahre sehr gemütlich eingerichtet, die offenen Bäder bieten modernsten Komfort. In der Bar im Untergeschoss mit Samtsofas und ebensolchen Sesselchen vor grünem Marmor wird auch das liebevolle Frühstück an kleinen Tischchen auf Etageren serviert.
Was für ein Erlebnis! DZ ab ca 150 Euro. Foto: Hotel Josefine

 

Vorfreude

Jetzt ist die Zeit, den nächsten Urlaub zu planen! Wie wären denn mal fast touristenfreie Städte in Spanien? In diesem neuen Buch kann man sechzig spannende Orte entdecken von Santander über Burgos und Tarragona bis Ronda. Jeder Stadt sind ein oder zwei Doppelseiten gewidmet mit schönen Fotos, einem informativen Text, einem Extra-Tipp und wichtigen Websites. Eine Karte und ein paar grundlegende Fakten über Land und Leute runden den Band ab. Also, auf zum Beispiel in die „Stadt der drei Kulturen“, wie Toledo wegen des friedlichen Zusammenlebens von Christen, Juden und Muslimen über Jahrhunderte genannt wird!
Nicole Biarnés, Grit Schwarzenburg: Secret Citys Spanien – 60 charmante Städte abseits des Trubels, 29,99 Euro, Bruckmann, Foto: Bruckmann

 

Unser Apfel

Schon vor 2500 Jahren gab es Gärten, in denen Äpfel wuchsen, die sich kaum von denen unterschieden, die wir heute im Supermarkt finden. Tiere wie Bären, Pferde und auch Kamele, denen die Früchte gut schmeckten, sorgten für eine weite Verbreitung, und weil Äpfel nicht nur gesund sind und sich gut lagern lassen, begeisterten sich Menschen in aller Welt.
Die beiden Wissenschaftler Barrie E. Juniper und David J. Mabberley erzählen in ihrem mit Fotos, Zeichnungen, Karten und Gemälden angereicherten Wälzer die lange Entwicklungsgeschichte des Apfels. Dabei erklären sie, wie sich die Früchte wohin verbreiteten, wie sie über die Seidenstraße nach Europa kamen, wo und wie sie zuerst veredelt wurden, wie man später Äpfel anbaute und daraus Wein machte. Ein nicht ganz einfach zu lesendes Buch, über das man aber schon zum Apfel-Fan werden kann.

Barrie E. Juniper, David J. Mabberley: Die Geschichte des Apfels – Von der Wildfrucht zum Kulturgut 288 S., 100 Abb., Haupt Verlag, 38 Euro, Foto: Haupt Verlag
 

Paradise von Wittmann

Farbe des Jahres 2023: Wie in jedem Jahr hat die Firma Pantone wieder eine Farbe des Jahres vorgestellt. „Viva Magenta“ ist ein satter, kraftvoller Rotton, lebendig und optimistisch. Genau die Farbe, die wir 2023 gut gebrauchen können!
Foto: Paradise von Wittmann/Markenkuktur

nur noch bis 7. Januar: Im Hamburger Bucerius Kunstforum sind zur Zeit nicht nur „Die neuen Bilder des Augustus“ zu sehen, ergänzend zeigt der Verein „Stein Hanse“ jetzt eine Lego®?Zeitreise in die Antike – gebaut natürlich aus den berühmten Plastiksteinen. Zu sehen sind unter anderem das Kolosseum, die Römerbrücke von Trier und römische Siedlungen mit einer kompletten Kohorte. Mehrere 100 000 Legosteine haben die Fans von Stein Hanse hier verbaut. Unbedingt sehenswert.

Kunsthalle Hamburg, noch bis 10.4.23

Femme fatale

Sie gilt als Sinnbild der Sündhaftigkeit, als dämonische Verführerin, als wollüstiges Machtweib, gar als männermordend – die Femme Fatale. Die Hamburger Kunsthalle beschäftigt sich jetzt in einer großen Ausstellung mit dem Mythos dieser verführerischen Figur in Kunst und Literatur. Zu sehen sind etwa 200 Werke, beginnend mit den Präraffaeliten, den Symbolisten, den Impressionisten, gefolgt von Werken des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit bis zu aktuellen Arbeiten der feministischen Avantgarde. Am Anfang wird mit Darstellungen von Salome oder Medusa das „klassische“ Bild der biblischen, mythologischen „verhängnisvollen“ Frau gezeigt, um 1900 wurde der Begriff dann auch auf reale Menschen wie Sarah Bernhardt projiziert. Dekonstruiert wurde der Mythos schließlich in den 1960er Jahren durch feministische Aktionen; die jüngsten Arbeiten stammen aus der MeToo-Bewegung oder dokumentieren den male gaze im Film.
Zu sehen sind u.a. Werke von Lovis Corinth, Max Liebermann, Edvard Munch und Jeanne Mammen.
Bild: Dante Gabriel Rossetti (1828–1882) Helena von Troja, 1863, Öl auf Mahagoniholz,
32,8 x 27,7 cm © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford 

Man merkt es sofort: Freiburg ist Universitätsstadt und deshalb voller junger Menschen – zu zweit, in kleinen oder großen Gruppen, auf Rädern oder zu Fuß, in Straßencafés und auf Parkbänken. Und natürlich gibt es viele, viele Kneipen und Cafés, Restaurants, Bäckereien und Imbissbuden. Freiburg ist jung und sehr lebendig, dabei stammt die wunderschöne, fast autofreie Altstadt großenteils aus dem 13. Jahrhundert.

Das Rathaus

Also, dann mal los: Vom Hauptbahnhof gehen wir durch die Eisenbahngasse zur Rathausgasse und bis zum Rathausplatz. Dort steht das Alte (von 1559) neben dem Neuen Rathaus (von 1545) und um die Ecke in der Turmstraße findet man die „Gerichtslaube“ (von 1303), die das erste Rathaus war. Jetzt sind Sie verwirrt, nicht wahr? Aber die Baujahre korrespondieren hier nun mal nicht mit den Namen.
Mitten auf dem hübschen Rathausplatz steht ein Brunnen mit der Figur des Bertold Schwarz,  einem Mönch, der im 14. Jahrhundert angeblich das Schwarzpulver entdeckt hat.
Weiter geht’s durch die Schusterstraße bis zur Eisenstraße, dort links ab und bis zum beeindruckenden Münsterplatz. Hier muss man erst einmal verweilen und alles auf sich wirken lassen.

Das Münster

Das gewaltige Münster  wurde 400 Jahre (von ca. 1200 bis 1600) lang erbaut und fiel wegen der großen Silbervorkommen im Schwarzwald, die Freiburg reich gemacht hatten, so prachtvoll aus. Besonders der 116m hohe Westturm mit seiner durchbrochenen Spitze ist sehenswert und längst ein Kulturdenkmal. Bereits 1869 wurde er von einem Kunsthistoriker zum „schönsten Turm der Erde“ erklärt.

Die Alte Wache

Gleich daneben steht die „Alte Wache“, erbaut 1733 für das österreichische Militär, denn damals gehörte Freiburg zu Vorderösterreich. Heute residiert hier das „Haus der Badischen Weine“, in dem man sich zu interessanten Weinproben anmelden kann.

Dem Münster gegenüber hat man um 1520 ein unglaublich schönes, sehr aufwendig verziertes Bauwerk errichtet, das „ Historische Kaufhaus“ , in dem sich einst angereiste Kaufleute trafen, ihre Waren lagerten und verzollten. Hinter der prächtigen, heute satt dunkelroten Fassade mit Arkaden und reich dekorierten

Das Historische Kaufhaus

Ecktürmchen befinden sich ein 300qm großer Innenhof und oben pompöse Festsäle, die man aber nur bei Veranstaltungen besichtigen kann.
An der Nordseite des Platzes steht das Kornhaus von 1498, das als Zunft- und Tanzhaus entstand, später als Theater diente und heute Läden und den französischen Kulturverein beherbergt.
Wir verlassen den Münsterplatz jetzt durch das Präsenzgässle und biegen nach rechts in die Herrenstraße ein bis zum Schwabentor , einem der fünf Stadttore, durch die man im Mittelalter Freiburg betreten konnte. Das Schwabentor, gebaut um 1250, ist heute Museum für Zinnfiguren.

Rechts ab geht es zur Gerberau, auch „Klein Venedig“ genannt. Hier siedelten sich früh Handwerker wie Müller und Gerber an, die für ihre Arbeit fließendes Wasser benötigten. Dafür wurde ein ausgeklügeltes Kanalsystem gebaut, mit dem aus dem Fluss Dreisam das wichtige Nass in die Stadt geleitet wurde. Meist sind diese sogenannten „Bächle“ kaum 20cm breit, sie lieferten Trink-, Brauch- und Löschwasser, aber in der Gerberau und Fischerau sind sie für die Handwerker breiter angelegt.
Spätestens am Augustinerplatz sollten Sie jetzt mal eine Pause einlegen, zum Beispiel bei einem leckeren Cappuchino im Café August oder einer Pizza Salmone im Tialini .
Anschließend schlendern Sie einfach die Gerberau weiter bis zum Martinstor von etwa 1200, in dem einst als Hexen denunzierte Frauen eingesperrt wurden. Rechts rum durch die Kaiser-Josef Einkaufsstraße bis zur Rathausgasse und dann zurück zum Hauptbahnhof. Wo Sie staunend feststellen, dass Freiburg wirklich viel zu bieten hat. Fotos: CO

 

„Die Regionalküche ist kein Trend, sie ist ein Notschrei! Eine Antwort auf den zunehmenden Identitätsverlust in der Gesellschaft. Die Menschen spüren eine gewisse Heimatlosigkeit, sie haben eine Sehnsucht…nach mehr Grün – wenigstens auf dem Teller.“

Der Koch und Autor Vincent Klink in einem Interview mit dem Feinschmecker 12/22.
Foto: vincent-klink.de

 

Unser Lieblings-Cartoonist Peter Butschkow, der in Berlin geboren wurde und heute in Nordfriesland lebt und arbeitet, hat natürlich auch einen Kommentar zur Fußball-WM in Quatar.
Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.peter-butschkow.de

 
 
 

Hotel Art Nouveau, Berlin

Wie charmant! Aber nicht nur das Hotel Art Nouveau ist bezaubernd, auch der Hotelier und seine Kollegen sind ganz reizend. Ihre 21 Zimmer sind unterschiedlich mit einer Mischung aus alten und Design-Möbeln eingerichtet, die Bäder sehr hübsch und praktisch. Fast am schönsten aber ist der betagte Fahrstuhl mit zwei Sitzbänken, mit dem man in einem typischen Berliner Altbau in der Leibnizstraße nicht weit vom Kudamm in den vierten Stock fährt. Das Hotel bietet ein Bio-Frühstück vom Büfett für 18 Euro und eine Dachterrasse für den Sundowner.
DZ ab ca 75 Euro. Foto: Hotel Art Nouveau

Bald ist Weihnachten
 
Und hier kommen die schönsten Bücher, die Sie gut verschenken (oder selbst behalten) können, sie machen nämlich glücklich!

 

Kunst: Das eigene Selbst

Gesichter erzählen Geschichten: So wie Schriftsteller häufig eigene Spuren in ihren Romane hinterlassen, so erkunden bildende Künstler das eigene Ich im Selbstporträt. Die zahlreichen Selbstbildnisse von Vincent van Gogh etwa lassen sich wie ein autobiografischer Befund lesen. Auch Pablo Picasso, so der Kunsthistoriker Uwe M. Schneede in seinem neuen Buch, wählte regelmäßig das Selbstporträt, um seine Lebenskapitel zu kennzeichnen: Es sind „Ich-Botschaften“, die Auskunft geben über jugendliches „Aufbegehren“, über „Selbstbehauptung“ in späten Jahren bis hin zur „Selbstergründung“ gelebter Herausforderungen. Bei Marina Abramovic mündet sie in Performance-Arbeiten mit dem ganzen Körper.

Die mit viel Bedacht ausgewählten Abbildungen liefern ein Kaleidoskop großer Kunst des 20. Jahrhunderts. Was den Band überdies bemerkenswert macht, ist sein inzwischen 83jähriger Autor.  Schneede, von 1991 bis 2006 Direktor der Hamburger Kunsthalle und einer der großen Kenner der Moderne, präsentiert hier den Schatz seiner klugen Erkenntnisse – und somit, darf man wohl annehmen, ebenfalls eine Darstellung seiner Selbst. UvS

Uwe M. Schneede: Ich! Selbstbildnisse in der Moderne. Von Vincent van Gogh bis Marina Abramovic, 240 S., mit 96 Abb., Ch. Beck, 29,95 Euro.
 

Kunst: Meret Oppenheim

Eine mit Pelz umwickelte Tasse hat sie 1936 berühmt gemacht: Danach gab es kaum mehr eine Surrealisten-Ausstellung, an der die Künstlerin mit den Deutsch-Schweizer Wurzeln nicht beteiligt war.

Meret Oppenheim (1913 bis 1985) war rätselhaft, bildschön und von überbordender Phantasie. Kaum 20jährig zog sie nach Paris, damals das Zentrum der Avantgarde. Sie befreundete sich mit Alberto Giacometti und Hans Arp, begann eine Liebesaffäre mit Max Ernst und inspirierte Man Ray zu einem erotischen Fotozyklus, der ihr den Beinamen „Muse der Surrealisten“ einbrachte.

Spröde war sie nur, wenn es um Hinweise zu ihrer eigenen Person ging, da beschränkte sie sich lieber auf dürre Fakten. Um so ergiebiger ist daher ihr autobiografisches Album „Von der Kindheit bis 1943“, das nun zusammen mit ihrer handgeschriebenen Biografie von ihrer Nichte und Nachlassverwalterin Lisa Wenger und der Kunsthistorikerin Martina Corgnati einfühlsam und kenntnisreich herausgegeben wurde. Fotos, Zeichnungen und Notizen geben „Einblick ins Innerste“, lassen erahnen, wie die scheue Künstlerin dachte und fühlte. Und so gerät die Lektüre zu einem staunenden Stöbern in einer  faszinierenden Zauberkiste. UvS

Lisa Wenger, Martina Corgnati: Meret Oppenheim – Mein Album. 324 S., 179 farbige Abb., Scheidegger & Spiess, 48 Euro
 

Kunst: George Grosz

Der Mann machte sich keine Illusionen. „Der Mensch ist nicht gut“, befand George Grosz, „sondern ein Vieh.“ Den Beweis trat der 1893 in Berlin geborene Gastwirtssohn alsbald an. Auf Hunderten von Blättern und Leinwänden karikierte er nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Politiker und Generäle, Geistliche und Spekulanten mit solch unerbittlicher Schärfe, dass ihn die so zur Kenntlichkeit entstellten Typen immer wieder vor Gericht zerrten. Doch das focht den überzeugten Kriegsgegner, der seinen Namen aus Abscheu vor dem deutschen Militarismus 1916 anglisierte, nicht an. Unermüdlich kämpfte er weiter gegen Obrigkeit und Untertanengeist; 1933 emigrierte er in die USA, kurz nach seiner Rückkehr starb er 1959 in Berlin. In der Stuttgarter Staatsgalerie ist jetzt noch einmal seine ganze Empörung und sein ganzer Zorn zu besichtigen; der Katalog liefert die angemessene Begleitung. PM

George Grosz in Berlin. 180 S., 100 Abb. Hirmer. 38 Euro

Kunst: Jean-Michel Basquiat

Schon der Umschlag ist wie ein Faustschlag: Ein pechschwarzes Gesicht, darin ein bedrohliches weißes Augenpaar, auf dem Kopf wild aufgedrehte Haarzöpfe. Das martialische Porträt ist durchaus Programm. Seit er als Teenager die ersten Grafitti an Wände in New York krakelte, wo er 1960 geboren wurde, protestierte Jean-Michel Basquiat, gegen den Rassismus in den USA vor allem, aber auch gegen Unterdrückung und Ausbeutung weltweit. Ein paar tausend Werke entstanden so bis zu seinem frühen Drogen-Tod 1988: ungestüme Attacken mit Pinsel, Stift, Kreide oder Kohle und in einer ganz eigenen Bildsprache, die den Kunstmarkt der achtziger Jahre so furios aufmischten, dass Basquiat zum ersten afroamerikanischen Star der Szene avancierte. Mit rund 50 Arbeiten dokumentiert die Wiener Albertina derzeit, wie aktuell die Botschaft dieses Rebellen immer noch ist. PM

Dieter Buchhart u.a.: Jean-Michel Basquiat. 216 S., 85 farbige, 12 s/w-Abb. Prestel. 45 Euro

 

Fotografie: Annie Leibovitz

Keine Frage: Sie zählt längst zu den ganz Großen ihres Metiers. Und darum hat sich der Taschen-Verlag (ohnehin bekannt für schwergewichtige Prachtbände) jetzt erneut nicht lumpen lassen und Annie Leibowitz einen weiteren opulenten Buch-Klotz gewidmet: eine auf knapp 6 Kilo verschlankte und damit auch deutlich billigere Neuausgabe ihres legendären 50 Kilo schweren SUMO-Wälzers von 2014. Beeindruckend wie das Format ist der Inhalt geblieben, denn seit ihren Anfängen beim Musikmagazin „Rolling Stone“ 1970 hat die inzwischen 73-Jährige so gut wie alle porträtiert, die in der US-Popkultur (und darüber hinaus) einen Namen haben. Keith Haring fehlt ebenso wenig wie Queen Elizabeth, Tennessee Williams kam vor ihre Kamera und auch Joni Mitchell. Das Ergebnis ist eine höchst unterhaltsame und zugleich informative fotografische „Achterbahnfahrt“ (Leibovitz) durch die letzten paar Jahrzehnte.
Für die Lektüre allerdings dringend empfohlen: ein stabiler Tisch. PM

Annie Leibovitz. 556 S. Taschen. 125 Euro
 

Fotografie: In Bonn

Schon eine beeindruckende Sammlung, die das Kunstmuseum Bonn da in rund 50 Jahren aufgebaut hat: ein paar tausend Aufnahmen von 131 Fotografen – Respekt. Der Katalog, der die Kollektion jetzt erstmals vorstellt, kommt allerdings ein wenig reserviert daher. Schon das Titelbild gibt Rätsel auf; ist das tatsächlich eine Fotografie? Ist es und insofern ein Beleg dafür, wie weit sich die einst in Künstlerkreisen eher verachtete Disziplin in weniger als 2 Jahrhunderten entwickelt hat. In Bonn sind vor allem Arbeiten zu sehen, die nach 1945 in Deutschland entstanden sind: die stilbildenden Industriefotografien von Bernd und Hilla Becher ebenso wie Aufnahmen ihrer Schüler Andreas Gursky oder Thomas Struth, die Politikerporträts von Barbara Klemm ebenso wie die grotesken Inszenierungen von Jürgen Klauke. Wer also wissen will, was mit der Kamera inzwischen alles möglich ist, erhält in diesem Band viele Informationen. PM

Jan Philipp Nühlen, Barbara J. Scheuermann: Fotografie im Kunstmuseum Bonn. 263 S., 885 Abb. Wienand. 38 Euro
 

Design: Geschichte

Seit es Menschen gibt, gibt es auch Design. In den Anfängen aber ging es nur um die Funktion eines bearbeiteten Gegenstands, Form, Optik, Material und Proportionen wurden erst später wichtig. In diesem Buch geben die Autoren einen Überblick über Design, beginnend bei der „Arts & Crafts“ Bewegung von 1850 bis 1920 über die Moderne von 1910 bis 1939 bis zur heutigen Zeit. In jedem Kapitel werden die wichtigsten Personen (z.B. Antoni Gaudi, Marcel Breuer, Dieter Rams, Verner Panton, Philippe Starck) und Firmen (z.B. Thonet, Tiffany, Habitat, Flos, Ikea) ausführlich beschrieben und ihre wichtigsten Werke gezeigt. Dazwischen findet man immer wieder Doppelseiten mit Beispielen zur Entwicklung etwa von Fotoapparaten, Fahrrädern, Schreibmaschinen und Computern. Ein gutes Glossar und ein umfangreiches Register runden den Überblick ab. Ein wirklich empfehlenswertes Buch für jeden, der sich für Design interessiert. CO

Alexandra Black und andere: Design – Die visuelle Geschichte, 400 S., 1200 Abb., Dorling Kindersley, 49,95 Euro.
 

Küche: Amalfi

Ob es daran liegt, dass die Autoren in England, wo sie mehrere Restaurants betreiben, Heimweh haben? Jedenfalls haben sie für dieses schöne Buch einfach nachzukochende Rezepte aus ihrer Heimat, der Amalfiküste, zusammengestellt. Die Fotografin Helen Cathcart hat dazu herrliche Fotos beigesteuert, zu Leckereien wie gefüllten Zucchiniblüten, neapolitanischer Fleischsauce und Mandelküchlein und von der wunderschönen Landschaft rund um Amalfi und ihren Menschen. Am liebsten möchte man schon beim Blättern sofort nach Positano aufbrechen, oder zumindest gleich mal Fenchel mit Thymian rösten, ein Huhn mit Zitronen braten und Miesmuscheln mit Pfeffer kochen. CO

Katie & Giancarlo Caldesi: Amalfi Küche – Rezepte aus Italiens Süden, 272 S., Prestel,
30 Euro.

 

Küche: Brot

Wir Deutschen gelten als Brot-Liebhaber, was man schon an dem Namen einer unserer Mahlzeiten erkennen kann: Abendbrot. Aber am meisten essen wir Toastbrot – 27,9 % des Gesamtabsatzes. Das ist ziemlich schade, denn statt Massenware aus Fabriken sollten wir uns lieber bei Bäckern bedienen, die das Handwerk aufrecht erhalten und ganz wunderbare Brote backen.
Kennenzulernen in diesem hochinteressanten Buch der Food-Journalistin Maren Schwarz mit wunderbaren Fotos und fünfzehn Reportagen, in denen Bäcker in Deutschland, Wien und Zürich vorgestellt werden, die von ihrer Motivation berichten, ihre besonderen Brote erklären und jeweils ein Rezept zum Nachbacken herausrücken. Im Anhang werden Zutaten, Gerätschaften und Grundrezepte beschrieben und Tipps zum Selbständig-machen als Bäcker gegeben. Am Schluss steht noch eine amüsante Sammlung von regionalen Begriffen für das Endstück unser aller täglich Brot: Boppes, Gnuscht, Knurz, Rungsen und Sterzl! CO

Maren Schwarz: Aus Liebe zum Brot, 208 S., Callwey, 45 Euro

 

Küche: Pfeffer

Gewürzhändler nannte man gern „Pfeffersäcke“, und hohe Preise sind schon ewig „gepfeffert“. Wie es zu solchen Bezeichnungen kam und wie der Handel mit Pfeffer (und anderen Gewürzen) aus Indien über Land und Meer seit vielen tausend Jahren funktioniert, hat das Autorenpaar Nathalie und Konrad Pernstich sehr unterhaltsam aufgeschrieben. Dazu erläutern sie den Anbau und die Ernte der verschiedenen Pfeffersorten und stellen jede Menge pikante und süße Rezepte mit den scharfen Körnern vor: die Burmesische Pfeffersuppe, Pilze mit grünem Pfeffer, Fischtartar mit kambodschanischer Pfeffersauce oder Pistazieneis mit rosa Pfeffer. CO

Nathalie und Konrad Pernstich: Pfeffer – Rezepte und Geschichten um Macht, Gier und Lust, 272 S., Mandelbaum Verlag, 28 Euro.

 

Mode: Das kleine Schwarze

„Schwarz“, befand schon vor etlichen Jahren Christian Dior, „ kann man immer tragen. In jedem Alter, zu jedem Anlass.“  Marilyn Monroe, Twiggy, Whitney Houston, Lady Di und Michelle Obama schlüpften denn auch wieder und wieder in das „Kleine Schwarze“ und machten damit immer eine gute Figur. Die Zeichnerin Megan Hess hat sie alle in ihren schwarzen Roben für ihr Büchlein in Schwarzweiß gezeichnet, Jackie Kennedy und Aretha Franklin, Edith Piaf und Audrey Hepburn, nur die rot geschminkten Münder leuchten heraus. Einige kleine Texte und Zitate begleiten die fantastischen Zeichnungen, zu denen man sich allerdings gelegentlich ein Foto der jeweiligen eleganten Dame im original „Kleinen Schwarzen“ gewünscht hätte. CO

Megan Hess: Das kleine Schwarze, 144 S., Prestel, 15 Euro

 

Sachbuch: Alles vom Dreck

Eine saubere Sache dieses Buch, obwohl es sich doch um ein eher schmuddeliges Thema handelt. Akkurat zwischen zwei Buchdeckeln ist hier versammelt, was die Journalistin Monika Utnik-Strugala und der Illustrator Piotr Socha an Anrüchigem in der Weltgeschichte gefunden haben. Wobei sie sich nicht auf den Schmutz beschränken – auch was der Menschheit seit den alten Ägyptern eingefallen ist, um Kehricht und Gestank zu besiegen, haben sie notiert. Und weil das alles höchst anschaulich, kurzweilig und informativ in Wort und Bild geschieht, gewinnt man dem Dreck fast schon ein paar positive Seiten ab. Wenn da nur nicht immer dieser fürchterliche Unrat wäre. PM

Piotr Socha, Monika Utnik-Strugala: Das Buch vom Dreck. Eine nicht ganz so feine Geschichte von Schmutz, Krankheit und Hygiene. Ab 8 Jahren 216 S. Gerstenberg. 30 Euro
 Fotos: Hersteller

 


Museum der Dinge: In Berlin hatte man jetzt eine interessante Idee –  eine Dingpflegschaft. Was das ist? Statt einer Spende übernimmt man die Kosten, ein Museumsobjekt ein Jahr lang oder länger zu pflegen. Ist doch ein schönes Geschenk, wenn Goldi auch im nächsten Jahr geputzt und gestriegelt wird! Foto: Museum der Dinge

Fondation Beyeler, Riehen/Basel noch bis 8.1.23
Jubiläumsausstellung I
Special Guest: Duane Hanson

Wer hat das schon: eine eigene spektakuläre Kunstsammlung und ein eigenes ebenso spektakuläres Museum. Der Schweizer Galerist Ernst Beyeler, er starb 2010 mit 88 Jahren, besaß beides – nur naheliegend also, jetzt zum 25-jährigen Jubiläum der Eröffnung des Hauses im Baseler Vorort Riehen das eine für das andere zu nutzen. Herausgekommen ist eine der schönsten Ausstellungen des Jahres: In den großzügigen Räumen reiht sich ein Meisterwerk der Klassischen Moderne an das nächste – und um der Versammlung von Picassos, Rothkos oder Warhols noch einen besonderen Kick zu geben, haben sich die Ausstellungsmacher 13 hyperrealistische Skulpturen des Amerikaners Duane Hanson ausgeliehen. Nun sinnen ein älteres Ehepaar, ein Rasenmäher oder ein paar Bauarbeiter in Gesellschaft von Matisse, Monet & Co. vor sich hin. Und wenn Sie sich ein Fest für die Augen gönnen wollen, stellen Sie sich dazu. PM
Ein Katalog mit 25 Highlights ist bei Hatje Cantz für 18 Euro erschienen.
Foto links: Bronze, farbig bemalt mit Öl, Mischtechnik, Accessoires, Wendy Gondeln © The Estate of Duane Hanson. Courtesy Gagosian/2022, ProLitteris, Zurich
Foto rechts: Roy G. Crogan, Claude Monet, Nymphéas, 1916–1919 Öl auf Leinwand, 200 × 180 cm Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler =5220, Robert Bayer, Basel

 

Wenn man als Wien-Tourist im Stephansdom und in der Hofburg war, nach Schönbrunn und in den Prater gepilgert ist, und wenn man die Spanische Hofreitschule, das Museum Albertina, den Naschmarkt und das eine oder andere Kaffeehaus besucht hat, dann ist es richtig erholsam, sich mal das ganz normale Leben der Österreicher in ihrer Hauptstadt anzuschauen.
Wir sind dazu einfach von der Shoppingmeile Mariahilfer Straße abgebogen in die Kirchgasse. Vorbei am Schnickschnackladen „Flying Tiger“, dem hübschen Babyausstatter „Herr und Frau Klein“, dem schicken Conceptstore „Kauf Dich glücklich“ mit Designermode für sie und ihn. An der Ecke Siebensterngasse kann man schon mal eine Pause einlegen, im Kulturzentrum „Cafe 7Stern“ mit Poetry Slam, Vorträgen und Lesungen bei einer Melange und hausgebackenem Kuchen.

Ulrichskirche Maria Trost

Kein Kaffee? Dann machen Sie doch im Siebensternpark eine Pause und schauen den Kids der Umgebung beim Spielen in Sand und Schlamm oder – im Sommer – unter der Wasserfontäne zu. Dazu bietet der Platz natürlich eine Sandkiste, eine Rutsche, Schaukeln, Wippen, eine Kletteranlage, Tischtennis, Basketball und Picknicktische – und immer jede Menge fröhlicher Kinder.
Gut erholt oder vom Krach vertrieben, überqueren wir jetzt die Burggasse und stehen an der

Bei „Erich“ läßt man sich gerne nieder

Ulrichskirche „Maria Trost“ vor der sogenannten Pestsäule, offiziell „Dreifaltigkeitssäule“, die 1713 als Dank zum Ende der Pest gestiftet wurde. Die Kirche steht auf dem sehenswerten St. Ulrichsplatz, eng umstellt von typischen Wiener Wohnhäusern aus verschiedenen Jahrhunderten und netten Cafes mit einladenden Schanigärten, z.B. dem „Ulrich“, „Morgenstern“ oder „Erich“.

Am Erich biegen wir links ab in die Neustiftgasse bis zum Augustinplatz, wo eigentlich der Augustinbrunnen steht, der aber zur Zeit wegen der U-Bahnbauten ausgelagert ist. Der Brunnen hat eine skurrile Geschichte: Hier gab es im 17. Jahrhundert eine Pestgrube, in die der Bänkelsänger Marx Augustin versehentlich geworfen wurde. Gerettet wurde er, weil er seinem Dudelsack unüberhörbare Töne entlockte. Ihm und der Sängerin Liane Augustin widmete man diesen Brunnen.

Am Ceja-Stojka-Platz

Nun spazieren wir die Kellermanngasse entlang und biegen links in die Lerchenfelder Straße ein. Hier schauen wir in „Moses Records“ nach alten Schätzen, stöbern in der Buchhandlung „Stöhr“, lassen uns im „Oreno“ zu einer köstlichen Ramen-Suppe nieder oder suchen den „Hasse-Würstelstand“ für eine Wurscht im Stehen heim. Da sind wir dann auch schon am „Ceja Stojka-Platz“ mit ein paar Bänken und der imposanten Kirche „Altlerchenfeld“.
Ceja Stojka (1933 – 2013) war eine österreichische Schriftstellerin, die den Lovara-Roma angehörte. Sie überlebte drei nationalsozialistische Konzentrationslager, von ihrer großen Familie, etwa 200 Personen, entkamen nur sechs dem Holocaust. 1988 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Wir leben im Verborgenen“. Fotos: CO

„Was ich mag, ist die Intuition, die mir sagt, wann ein Werk fertig ist. Ich bin kein elitärer Künstler, sondern ein einfacher Autodidakt, der ein Teil der Familie von Künstlern sein möchte.“

Der amerikanische Maler und Zeichner Jean-Michel Basquiat (1960-1988), der als erster afroamerikanischer Künstler den Durchbruch in die weiße Kunstwelt schaffte und dessen Bilder gerade in einer großen Einzel-Ausstellung in der Albertina in Wien zu sehen sind.
Foto: wikipedia

Unser Lieblings-Cartoonist Peter Butschkow hat soeben seinen zweiten Roman vorgelegt. Wenig überraschend bei einem gelernten Graphiker und Zeichner, der in Berlin aufgewachsen ist und seit langem in Nordfriesland lebt, geht es auch hier um Schrift. Genauer um die Brand-Antiqua und deren Schöpfer, der zwei Studenten nach der verschwundenen Emilia suchen läßt und sie so in ein Abenteuer schickt, um zu klären: „Wo ist Emilia?“

Peter Butschkow: Wo ist Emilia?, 308 S., Verlag Konkursbuch, 14 Euro

Hotel am Schloss, Apolda

Wer bei dem Namen ein altes Gemäuer erwartet, liegt hier völlig schief, das Hotel ist ganz modern. Das eher schlichte Schloss gegenüber soll allerdings so alt wie die Wartburg sein, also aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts stammen. Das Hotel teilt sich mit dem Kulturzentrum im Schloss einen schönen Innenhof mit großem Teich. Dort draußen kann man im Sommer auch frühstücken oder am Abend regionale Spezialitäten genießen. Die Zimmer sind mindestens 22qm groß und haben alle eine Sitzecke.
Der hübsche Marktplatz mit Rathaus und einigen Lokalen ist wenige Schritte entfernt, und zum Glocken-Museum https://glockenmuseum-apolda.de/, in dem über die Geschichte der dazugehörigen Glockengiesserei informiert wird, ist es auch nicht weit. DZ ab ca 105 Euro.
Foto: Hotel am Schloss

Bald ist Weihnachten

Es ist zwar eine Binse, aber doch wahr: Wer gut plant und früh anfängt, gerät seltener in Hektik und kann schon die Vorweihnachtszeit genießen. Dabei hilft dieses Buch mit seinen vielen schönen Dekorationsideen und leckeren Rezepten.
Wer also mit Misteln oder Zapfen Akzente setzen oder Girlanden aus Tannen winden möchte, wer ein Lebkuchenhaus backen, eine herzhafte Suppe kochen oder Marshmallows grillen möchte, der ist mit diesem mit schönen Fotos ausgestattetem Buch gut bedient. Selbst ein Weihnachtsmenü für die ganze Familie kann man sich mit seiner Hilfe zusammenstellen: Den Anfang macht zum Beispiel eine Süsskartoffel-Ingwer-Suppe mit Kokos Sambal, gefolgt von Boeuf Bourguignon mit überbackenem Rosenkohl und gekrönt von einem Bratapfel im Blätterteig. So kann Weihnachten kommen!

Wohnen& Garten: Winterglück & Weihnachtszeit – Rezepte und Ideen für die schönste Jahreszeit, 160 S., 35 Euro, Callwey Verlag

Kunstmuseum, Basel

Museum mit Knick

Eigentlich sind es drei Häuser, die zum Kunstmuseum der Schweizer Stadt gehören. Da ist der Hauptbau von 1936 im St. Alban-Graben, den die Architekten Rudolf Christ aus Basel und Paul Bonatz aus Stuttgart nach oberitalienischen Vorbildern schufen. Das zweite Haus von 1980 ist nur der Gegenwartskunst gewidmet und liegt am St. Alban Rheinweg, gebaut haben es Katharina und Wilfrid Steib aus Basel.
2016 entstand dann gegenüber dem Hauptgebäude ein eigenwilliger Erweiterungsbau, mit unterirdischer Verbindung zwischen beiden. Die Ausschreibung von 2009 hatte das Basler Büro Christ & Gantenbein (Emanuel Christ ist der Großneffe von Rudolf Christ) gegen so große Namen wie Zaha Hadid und Rem Koolhaas gewonnen.
Christ & Gantenbein entschieden sich für eine wuchtige Fassade aus grauen Ziegelsteinen, die nach oben heller werden und in denen ganz oben LED-Bänder eingelegt sind. Der markante Bau hat zur Kreuzung hin einen Knick nach innen und nur wenige Öffnungen für Fenster und Türen. Die Ausstellungsräume sind rechteckig und schlicht weiß, das verbindende Treppenhaus ist eisengrau verputzt, für die Böden, Brüstungen und Treppenstufen entschied man sich für luxuriösen Carara-Marmor. Foto: Kunstmuseum Basel