„Unser Gesetz schreibt vor, dass Unternehmen in Deutschland dafür sorgen müssen, dass in ihren Lieferketten die Menschenrechte eingehalten werden. Das bedeutet zum Beispiel: keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, ein angemessener Lohn.“

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zum von ihm durchgesetzten Lieferkettengesetz in einem Interview mit der Zeit, Nr. 10 vom 4. März 2021.
Foto: CDU/CSU

 

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehrals 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Und natürlich hat er sich auch für 2021 einiges einfallen lassen.

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www.peter-butschkow.de

Hostellerie Normande, Houlgate, Normandie, Frankreich

Wie charmant! Das hübsche Hotel mit wenigen Zimmern nicht weit vom Atlantik im malerischen Kurort Houlgate wird von zwei reizenden jungen Männern geführt. Die kleinen Zimmer sind etwas plüschig, aber romantisch dekoriert, die Bäder verwinkelt, das Frühstücksbüfett ist abwechslungsreich, und im Restaurant mit großer Terrasse kann man abends ganz köstlich speisen.
DZ ab ca 115 Euro. Foto:  houlgate beach hotel

 

Fotos:  Wiedersehen mit Freunden

Gelernt hatte er Elektriker. Aber weil ihn Bilder schon immer mehr interessierten als Lüsterklemmen und Verteilerkästen, beschloss Volker Hinz nach seiner Zeit bei der Bundeswehr, sein Geld fortan mit der Kamera zu verdienen. Die Finessen des Metiers brachte er sich selbst bei, und schon als 20-Jähriger verkaufte er seine ersten Fotos an Tageszeitungen: Beginn einer spektakulären Karriere, in der er einer der großen Geschichtenerzähler der zeitgenössischen Fotografie wurde. Vor allem in seiner über 40jährigen Arbeit für das Magazin „Stern“ entstanden Aufnahmen, die längst zu Ikonen wurden: Boxer-Legende Muhammad Ali drosch für ihn auf Sandsäcke ein, Kult-Autor William Burrough posierte mit einer Flinte, Fußball-Star Franz Beckenbauer schlenderte durch ein menschenleeres New York. „Ich habe immer versucht, so zu fotografieren, dass das Foto einen Tag überlebt“, war seine ebenso bescheidene wie professionelle Maxime. 2019 ist Volker Hinz mit 72 Jahren gestorben, dass seine Bilder noch viele Tage bestehen werden, belegt dieser schöne Band.

Volker Hinz: Hello. Again, 192 S., 232 Abb., 38 Euro, Hartmann Books, Foto: Hartmann Books

 


 

Roman: Immer diese Medien

Ganz offensichtlich ist die Autorin Insiderin, denn sie schildert die Arbeit von Journalisten höchst anschaulich, locker und oft sehr amüsant. Die Figuren, die Interviewerin Mathilde, der Psychiater Prof. L und der verhinderte Liebhaber Johnny Lachmann, werden durchaus lebendig geschildert, und man folgt der Geschichte gespannt. Allerdings ist der Plot dann doch etwas abenteuerlich konstruiert, und die Autorin wollte viel zu viel in dem schmalen Band unterbringen.

Evelyn Braun: Die Interviewerin, 312 S., 34,80 Euro Xanthippe Verlag. Foto: Xanthippe

 


 

Reise: Willkommen in der Hansestadt

Die Elphi kennt jeder, und von der Hafencity haben die meisten auch schon mal gehört, aber Hamburg hat auch eine „Galerie der Schlumper“ (www.schlumper.de) in einer alten Rinderschlachthalle und ein Brillenmuseum (www.brillenhaus-wilke.de) in Winterhude. Für ihr Buch „Herzstücke in Hamburg“ haben die Autorinnen Christine Lendt und Annett Rensing unbekannte, überraschende Orte in der Hansestadt gefunden, die einen Besuch genauso lohnen wie Hafen und Alster. Wenn Sie also nächstes Mal kommen, besuchen Sie doch mal das Igel-Krankenhaus (www.igelkomitee-hamburg.de) oder das Reepschlägerhaus (www.reepschlaegerhaus.de), den Vierländerin-Brunnen (www.denkmalstiftung.de) oder den Motte Hühnerhof (www.mottehuehner.de).

Christine Lendt, Annett Rensing: Herzstücke in Hamburg. Besonderes abseits der bekannten Wege entdecken. Bruckmann Verlag. 192 S., 14,99 Euro. Foto: Bruckmann

 

Gutscheine: Die in Mettmann ansässige Firma Eismann, die Tiefkühlkost vertreibt, spendiert Pflegekräften in Altenheimen Gutscheine über je 60 Euro, insgesamt für 10 Mio. Euro, die in Tiefkühlkost eingelöst werden können. Im letzten Jahr hatte Eismann schon den Pflegenden in Krankenhäusern, die sich um Corona-Patienten kümmerten, 180000 Gutscheine geschenkt.
Die neuen Bons gibt’s über über einen Code, den man hier bekommt: www.eismann.de/pflegevorteil

Grüne Stunde: Die Königliche Gartenakademie in Berlin bietet wieder die beliebten „grünen Stunden“ an. Gebucht werden kann für etwa 60 Euro ein persönliches Beratungsgespräch mit einem Gärtner unter der Nummer: 030 8322 0900

Barberini, Potsdam

Das Barberini in Potsdam

Das Büro „Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht“ mit Sitz in Berlin und München hat schon viele bekannte Bauten errichtet, das Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz zum Beispiel, die Berliner Gemäldegalerie und die Stadtbibliothek in Pforzheim. Erfolgreich war es auch mit denkmalgerechten Renovierungen, wie der Modernisierung des Schlosses Elmau, dem Bau des Humboldt Forums und eben des Museums Barberini.
Der ursprüngliche Bau von 1771/72 entstand als Bürgerhaus ohne Seitenflügel nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom. Im 19. Jahrhundert kamen die Flügel hinzu, doch im 2. Weltkrieg wurde das ganze Gebäude zerstört, der Rest nach Kriegsende abgetragen.
Für den Neubau rekonstruierten die Architekten die alte Fassade, aber dahinter ist alles neu und mit modernster Technik ausgestattet. Das Untergeschoss füllt das gesamte Grundstück, das Erdgeschoss und die beiden Obergeschosse umschließen einen zum Nebenarm der Havel ausgerichteten Innenhof mit Cafe-Terrasse.
Die Seitenflügel haben nur zum Innenhof Fenster, die Außenwände sind ganz der Kunst vorbehalten. Foto: Museum Barberini

bunt und duftend

Hamburg:   Wer in der Hansestadt ein kleines Geschenk oder ein Mitbringsel sucht, der wird sicherlich im Seifenkontor fündig. Wie gut das riecht, schon wenn man den kleinen Laden unweit des Isemarktes betritt! Nach Oliven- und Kokosöl zum Beispiel, denn daraus sind die unverpackten, schön bunten Seifen aus eigener Seifenwerft, aber garantiert ohne Palmöl. Festes Shampoo ohne Farb- und Duftstoffe gibt es auch. Und sogar „Savon noir“, den seit vielen Jahrhunderten bekannten Haushaltsreiniger. Schauen Sie doch einfach mal vorbei, es lohnt sich! Fotos: Hersteller

Fondation Beyeler, Riehen/Basel, April bis Juli 2021
Olafur Eliasson

Die Fondation Beyeler

Der 1967 in Kopenhagen geborene, in Island aufgewachsene und jetzt in Berlin und Kopenhagen lebende Künstler  Olafur Eliasson wurde bekannt durch seine riesige künstliche Sonne, die er 2003/04 in der Tate Modern in London vorstellte, und seine kleine LED-Leuchte „Little Sun“, die mit Solarenergie gespeist wird und Licht zu Menschen bringen soll, die noch heute ohne Strom leben müssen. Nun installiert der Künstler im gesamten Museum der „Fondation Beyeler“ eine Erkundung „unserer Vorstellungen von Natur und Kultur“. Das wird mit Sicherheit überaus spannend. Foto: Fondation Beyeler

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                       Budapester Impressionen  

Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!
Die Losung der Französischen Revolution war auch die Devise beim Aufstand der Ungarn gegen die Unterdrückung des Hauses Habsburg am 15. März 1848 – wobei die intellektuellen Aufständischen, die Dichter, Professoren, Schriftsteller, großzügig darauf verzichteten, auf den ersten Broterwerb der inzwischen kaiserlichen Familie als Straßenräuber hinzuweisen.
Bemerkenswert auch, dass die Paprika, mit ihren grünem Blättern, kleine weiße Blüten und roten Früchten, zum nationalen Gewürz avancierte. Am 15. März 1848 wurde Rot-Weiß-Grün zu den Nationalfarben erklärt, die auch die Nationalflagge schmückten. Nach der Niederschlagung der Erhebung 1849 wurde die Fahne wieder verboten, erst nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 wurde sie als Nationalflagge anerkannt. Auch beim bewaffneten Aufstand gegen die Sowjet-Diktatur 1956 war Rot-Weiß-Grün das Zeichen des Widerstandes.
Gedacht wird der 1848er Revolution am 15. März jeden Jahres – außer in diesem, in der schweren, dritten Welle des Corona-Virus.

Chaos bei der Impfung
In Ungarn gibt es kein Gesundheitsministerium, und so geraten etliche Aufgaben, die in anderen europäischen Ländern von darauf spezialisierten Beamten und Ärzten erledigt werden, gern etwas chaotisch. So wurde vor ca. einem Dreivierteljahr die Bevölkerung per Plakat und Rundfunk aufgerufen, sich mit Adresse und Telefonnummer für die Impfung zu registrieren. Jetzt bekamen davon mehrere die Anschrift eines Impfzentrums bzw. Krankenhauses und wo und wann sie zu erscheinen haben. Leider waren die Ziele meist recht weit vom Wohnort der Registrierten entfernt. Obendrein wurden Ehepaare, die dieselbe Anschrift hatten, in verschiedenen Impfzentren erwartet. Da sie aber zusammen oft nur ein Auto besitzen und eine Reise mit dem Bus und Umsteigen meist ziemlich zeitaufwendig ist, konnten sie den Termin nicht einhalten, wie auffallend viele Menschen jüngst im Klubradio-Online berichteten.       
 
Das große Glück der Studentinnen und Studenten der Budapester Schauspielakademie
Weil sie der neuen staatlichen Leitung nicht zustimmten und aus Protest auf die Straße gingen, wurden die Studiosi aus dem Gebäude ausgesperrt. Die Folge: Unterricht mit den alten Lehrern in Notunterkünften, weitere Demonstrationen und längeres Suchen, bis ein Mäzen für eine noble Lösung sorgte – mit einer Schenkungsurkunde für ein großes, geradezu ideales Gebäude. Wie sagt man: Ende gut, alles gut.

Erdöl im Nationalpark
Eine der größten, reichsten, international tätigen ungarischen Firmen handelt mit Erdöl. Doch nicht nur das. Sie fördert es weltweit, wo sie es nur findet.
Kürzlich fanden ihre Sucher vielversprechende Quellen tief unter dem Humus des größten Nationalparks von Ungarn. Das Unternehmen hat sogleich den Wunsch geäußert, dort Erdöl zu fördern – und in den Umweltschützer-Vereinen rüstet man sich schon zu landesweiten Protesten. Quelle: Inforadio Budapest Fotos: privat/hungary today

 

Darauf ist man in Merseburg besonders stolz: Im April 2013 drehte Hollywood-Star George Clooney mit Matt Damon, Bill Murray und John Goodman in der Stadt Teile seines Filmes „Monument Men“, in dem es um eine Gruppe amerikanischer Soldaten geht, die Kunstschätze vor den Nazis schützen sollen. Kleiner Schönheitsfehler: Merseburg heißt in dem Streifen Brügge und liegt in Belgien.

Dom und Schloss

Doch das können die Bewohner der über 1200 Jahre alten Stadt sicher verschmerzen: Der Dom als vierter Flügel des Schlosses und die umgebenden Straßen sind eine wirklich wunderbare und obendrein geschichtsträchtige Kulisse. Der Grundstein für den Dom wurde 1015 gelegt,  ein später angebauter fünfter Turm stürzte 1230 ein, 1510 baute man den Dom spätgotisch um, 1545 predigte Martin Luther hier. 1654 entstand eine Fürstengruft, in der von 1671 bis 1743 Mitglieder der Herzogfamilie von Sachsen-Merseburg bestattet wurden. Die herrliche Orgel wurde zwischen 1853 und 1866 in zwei Etappen von Friedrich Ladegast geschaffen und im Beisein von Franz Liszt mit seiner Komposition „Ad nos, ad salutarem undam“ eingeweiht.
Das Renaissance-Schloss wurde 1485 auf dem Grund des ehemaligen Schlosses von 1245 gebaut, der 1661 angelegte Garten gehört heute zum Netzwerk „Gartenträume Sachsen-Anhalt“.  Dem Park gegenüber befindet

Das Ständehaus

sich das Ständehaus, heute als Kongress- und Kulturzentrum genutzt. Gebaut wurde es 1892 im historisierenden Stil als Tagungsstätte für den Provinzialausschuss, der dort bis 1933 tagte. Das stark verfallene Haus wurde ab 2003 wunderschön restauriert.
Schlendern Sie jetzt doch mal durch den Park, vorbei an Skulpturen, Denkmälern und Büsten und dann unten an der Saale zurück.

Der Rabe mit dem Ring

Unbedingt müssen Sie natürlich auch die Raben am Schloss besuchen. Sie sind dort, um eine sehr alte Schuld zu sühnen. Der Legende nach hat nämlich im Jahre 1500 Bischof Thilo von Trotha seinen Kammerdiener hinrichten lassen, weil er ihn für den Dieb seines wertvollen Ringes hielt, der später im Nest eines Raben gefunden wurde. Voller Reue nahm der Bischof den Raben mit Ring in sein Wappen auf und gründete eine Stiftung, mit der bis heute ein Nachfahr des diebischen Vogels im Käfig unterhalten wird. Barmherzige Merseburger haben später den Käfig vergrößern lassen und dem Tier ein zweites zur Seite gesetzt.
Schräg gegenüber steht die Willi-Sitte-Galerie, in der es aber außer Werken des bekanntesten DDR-Künstlers Sitte auch Sonderausstellungen zu sehen gibt.
Wenn Sie jetzt die Domstraße hinunter gehen, finden Sie gleich an der Burgstraße das Museum „Tiefer Keller“, ein weit verzweigten Gewölbesystem tief unter der Erde, in dem man ab dem 13. Jahrhundert das Eis der Saale das ganze Jahr gekühlt hielt. Heute kann man dort unten auch Ausstellungen besichtigen.
Ein paar Schritte weiter steht das Alte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Das Neue Rathaus am Markt gibt es schon lange nicht mehr. Dafür können Sie an dem Platz eine Pause machen, vielleicht einen Kaffee beim Bäcker trinken oder ziemlich große Fleischportionen in der Schnitzelhütte verdrücken. Fotos: Stadt Merseburg

 

Dr. Eckart von Hirschhausen

„Wenn ich in den Wald gehe, sehe ich zwar Natur, aber auch sterbende Bäume. Und Menschen, die einen Geländewagen fahren, ohne Gelände in der Nähe….“

Der Arzt, Kabarettist und Entertainer Dr. Eckart von Hirschhausen im Gespräch mit Ildikó von Kürthy in Brigitte 5/2021
Foto: www.hirschhausen.com

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehrals 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Und natürlich hat er sich auch für 2021 einiges einfallen lassen.

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www.peter-butschkow.de

 

Hotel Scandic, Aarhus, Dänemarkt

In der Halle mit der schicken Bar kann man prima abhängen, wenn man den Nachmittag durch die hübschen Altstadt von Aarhus geschlendert ist, die nur wenig Schritte vom Hotel entfernt ist. Ein halbes Stockwerk höher gelangt man ins Restaurant, in dem auch das üppige Frühstücksbüfett aufgebaut wird – wenn denn Corona das wieder zulässt. Die Zimmer sind zweckmäßig und die Bäder schlicht eingerichtet – alles bestens also für einen Städtetrip, der hoffentlich bald wieder möglich ist.
DZ ab ca 130 Euro. Foto: Hotel Scandic
 

Reise:  Die ganze Welt in einer Stadt

Die Pariserin ist stets elegant gekleidet, gut frisiert und perfekt geschminkt, immer verbindlich, höflich und interessiert.
Das ist ein Mythos, ein Klischee und eine Vorstellung des Stadtmarketings, mit dem im Laufe der Zeit auch Parfüms, Kosmetik und Kleidung gut verkauft wurden.
Die Amerikanerin Lindsey Tramuta lebt seit zehn Jahren in Paris
und hat so viele Frauen getroffen, die so viel mehr sind als das Klischee, dass sie daraus unbedingt ein Buch machen wollte.
Für „La Parisienne“ hat sie Autorinnen, Galeristinnen, Fotografinnen, eine Kaffeerösterin und eine Verlegerin, eine Bäckerin und eine Stadtentwicklerin getroffen und zu ihrem Leben in Paris befragt. Entstanden sind höchst aufschlussreiche Gespräche, Porträts und Interviews, jeweils erweitert um ein paar Geheimtipps und viele erklärende Fußnoten.
Wenn man denn mal wieder nach Paris darf, kann man die Stadt mit diesem Buch ganz neu entdecken.

Lindsey Tramuta: La Parisienne – das neue Paris – Stadt der Frauen Midas Verlag. 320 S., zahlr. Abb., 28 Euro
Foto: Midas Verlag


 

Tiere: Ansichtssache

Es gibt sicher nicht viele Menschen, die schon mal einem Weißkopfadler direkt ins Gesicht geschaut oder einen Nashornvogel beim Jagen beobachtet haben. Wir können das jetzt wenigstens in einem großartigen Bildband, in dem die schönsten Tier-Aufnahmen der besten Naturfotografen zu bestaunen sind. Wie die eines Killerwals beim Einkreisen einer Gruppe Pinguine oder der eines Kranichkükens beim Trinken am Gefieder seiner Mutter. Zu allen Bildern gibt es detaillierte Texte über ihre geduldige und auch mal aufregende Entstehung; außerdem wird jeder Fotograf vorgestellt. So erzählt Klaus Nigge aus dem Ruhrgebiet, wie er im russischen Kamtschatka zum Fan der Riesenseeadler wurde, und der Amerikaner Brian Skerry berichtet von der neuen Freiheit in der Unterwasserfotografie durch die Erfindung der Digitalkameras.

Natural History Museum (hrsg.): Die erstaunliche Welt der Tiere. Die besten der besten Naturfotografien. Gerstenberg Verlag. 224 S., 36 Euro  Foto: Gerstenberg

 

Foodwatch: Amazonfresh hat vor Gericht verloren. Auch Online-Lebensmittelhändler müssen sich an die Kennzeichnungsregeln halten, haben die Richter entschieden. Geklagt hatte Foodwatch , ein Verein zum Schutz der Verbraucherrechte, weil Amazon die Herkunftsländer von Obst und Gemüse nur pauschal angab.

Das Hotel in einem Berg

Japan: In Maebashi, zwei Stunden nördlich von Tokio, wurde jetzt das Shiroiya Hotel mit je einem Zimmer, eingerichtet von Michele de Lucchi, Jasper Morrison, Leandro Erlich und Sou Fujimoto, eröffnet. Die anderen 21 Zimmer, alle in einem begrünten Hügel, wurden von einheimischen Künstlern ausgestattet. Foto: Hotel Shiroiya
Kettnaker: Der Möbelhersteller aus Oberschwaben mit eigenem Ausbildungszentrum sucht Lehrlinge für den Beruf des Holzmechanikers. Das Familienunternehmen mit 150jähriger Tradition konnte 2020 seinen Umsatz um 9% steigern, deshalb ist eine Kapazitätserweiterung geplant.

Neues Museum Nürnberg

Die imposante Schneckentreppe

Ein Museumsbau soll der Kunst, die gezeigt wird, keine Konkurrenz machen, soll den Werken einen Rahmen geben, aber selbst im Hintergrund bleiben. Jedenfalls innen. Außen ist das ganz etwas anderes.
Der Berliner Architekt Volker Staab, 1957 in Heidelberg geboren, hat sich mit seinem Entwurf für das Neue Museum Nürnberg an diese Maxime gehalten. Mitten in die Altstadt hat er einen 100m langen Kubus mit geschwungener Glasfassade gesetzt, in dem sich die mittelalterliche Stadtmauer spiegelt. Innen ist alles schlicht weiß, aber versetzte Wände bieten überraschende Ausblicke. Besonders markant ist die große Wendeltreppe in der Eingangshalle, die alle Stockwerke verbindet.
Foto: Wikipedia

Brühl: Viktor, der gemütliche Drehsessel, hat eine 108 cm hohe Rückenlehne und steht auf einem grazilen Stahlrohrgestell. Den Bezug gibt es in vielen Farben und auch aus Leder.
Instabilelab: Der italienische Tapetenhersteller holt schon mal den Frühling in die Wohnung. Sehr große Blütenbilder – natürlich nur an einer Wand des Zimmers –
schmücken schlichte Räume.
Fatboy: Bald geht es wieder raus, also können wir schon mal ein tolles Sofa für die Terrasse zeigen. Das Gestell von Paletti besteht aus recyceltem Material, die Rückenlehne ist korrosionsbeständig, die Polster sind wasserabweisend. Fotos: Hersteller

Viktor

Blumen-Tapete

Paletti

 

 

Vitra Design Museum, Weil am Rhein, bis 23. Januar 2022
Memphis, 40 Jahre Kitsch und Eleganz

Die Gruppe Memphis um den italienischen Architekten und Designer Ettore Sottsass wurde Ende 1980 gegründet und hatte bereits im folgenden September eine große Ausstellung in Mailand. Das Ziel der Gruppe hieß: „Das Banale feiern und die Regeln des guten Geschmacks brechen“, und so entstand mit schrillen Farben und wilden Mustern ein neuer Look, der an Werbung und Comics angelehnt war. Der große Durchbruch kam 1982, als Karl Lagerfeld seine Wohnung in Monte Carlo mit Memphis-Möbeln einrichtete. 1987 löste sich die Gruppe auf – das Vitra Design Museum widmet den Stil-Revoluzzern jetzt eine Hommage mit Zeichnungen, Fotos und vielen Original-Möbeln.
Foto: Sessel Bel-Air von Peter Shire von 1982

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                       Klubrádió im Internet-Exil  

Seit Montag, dem 15. Februar hört man auf der Budapester Wellenlänge 92,9 kHz nur noch ein leises Rauschen. Das Klubrádió mit dem Motto Nachrichten und Meinungen sendet nicht mehr. Am ganzen Tag zuvor nahmen die Mitarbeiter Abschied von den Hörern – es war rührend. Dabei fiel mir auf, wie viele Mitarbeiter es waren; darunter allerdings viele freie, die nur einmal in der Woche auf Sendung waren/sind. Meine Favoriten: zwei alte, ehemalige Redakteure der größten Tageszeitung Népszabadság („Volksfreiheit“), deren Blatt schon vor gut zehn Jahren einkassiert wurde. Sie hatten jeden Donnerstag-Abend im Klubrádió ihre Sendung, zu der sie jeweils einen ehemaligen Kollegen oder Volontär mit ins Studio brachten, der inzwischen weit weg arbeitete und Interessantes zu berichten hatte.

Hier wurde mal gesendet

Ihr Beitrag begann jedes Mal mit dem ominösen Orbán-Satz, den er am 18. September 2018 im Straßburger EU-Parlament auf Ungarisch von sich gab. Die Übersetzung: „Wir würden uns niemals dazu hinreißen lassen, jemanden mundtot zu machen, der nicht unsere Meinung teilt!“ Kaum ist das letzte Wort verklungen, als eine riesige, rauschende Welle von Gelächter, Applaus und Pfiffen der Parlamentarier ertönt.  
Ich habe den Satz inzwischen gut hundertmal gehört, und trotzdem staunte ich jedes Mal wieder über die blitzschnelle Reaktion der Zuhörer damals, nicht zuletzt dank der ungarischen Simultan-Dolmetscher, die den Satz, in mehreren europäischen Sprachen, gleichzeitig mit Orbán beendeten.

Nach 2018 sind mehrere oppositionelle Zeitschriften mit verschiedenen Tricks geschlossen worden, dem Klubrádió sperrte Orbán nacheinander alle Sende-Frequenzen im ganzen Land. Schließlich blieb nur Budapest. Doch dann verklagte der staatliche Medienrat am 11. Februar 2021 den Sender wegen drei zu spät abgelieferter Sendeberichte, und das Gericht beschloss nach gerade mal 2,4 Minuten Beratung den Entzug der Sendelizenz.
Seit Dienstag, dem 16. Februar, kann man das Klubrádió im Internet hören und sehen. Im Prinzip. Die Seiten, die ich aufgesucht habe, z B.: www.klubradio.hu, erscheinen mir wie ein Durcheinander für Schwerhörige, ohne Möglichkeit, die Lautstärke zu mindern.
Ich hoffe, das kommt noch.
Schließlich eine seltene, wirklich gute Nachricht: Wie ich bereits berichtete, hat Viktor Orbán den kleinen und kleinsten Unternehmen – wie meinem Gemüsehändler – die Hälfte der Gewerbesteuer, die eigentlich den Gemeinden zusteht, erlassen, um so oppositionelle Kommunen finanziell auszutrocknen.  
Doch vor wenigen Tagen bat der neue, junge, oppositionelle, fahrradfahrende Budapester Bürgermeister, Gergely Karácsony, die betroffenen Unternehmen, freiwillig weiter die ganze Steuer zu zahlen, wenn sie dazu in der Lage seien. Dafür kann er garantieren, dass (auch) die Müllabfuhr weiterhin funktionieren werde.

Eine Welle der Solidarität kam ins Rollen mit dem Motto: Meine Steuer für meine Stadt!  Und das ist doch schon etwas!  

Ein empfehlenswerter Beitrag mit dem Titel „Hallo Diktator“ ist auf Arte zu sehen:
www.arte.tv/de/videos/099755-000-A/hallo-diktator/   Fotos: privat/hungary today

„Nach Adam Riese macht das….“ Klar, kennt man den Spruch! Aber wer war Adam Riese? In Annaberg im Erzgebirge weiß man das, da gibt es in seinem ehemaligen Wohnhaus sogar ein kleines, sehr hübsches Museum, wo man seine Rechenbücher sehen 

Der Marktplatz

kann. Adam Riese, oder Ries, Ris, Rise, Ryse oder sogar Reyeß (1492 oder 93 bis 1559) gilt als der Vater des modernen Rechnens, des Stellenwertsystems mit arabischen Zahlzeichen. Seine drei dicken Rechenbücher verfasste er, statt im üblichen Latein, in deutscher Sprache, dadurch fanden die Bücher größere Verbreitung. In Annaberg leitete er eine private Rechenschule, war für die sächsische Bergwerksverwaltung tätig und erfand die „Annaberger Brotordnung“, in der das bis dato schwankende Gewicht der Brotlaibe für einen Groschen, zwei Groschen und für Pfennigsemmeln festgelegt wurde.
Gegenüber dem kleinen Museum steht ein Büste Adam Rieses, denn natürlich wird der große Sohn der Stadt mit einem Denkmal geehrt.

Denkmal Brbara Uthmann vor dem Rathaus

Auch ein Denkmal – sogar mit Brunnen – direkt am Marktplatz hat Barbara Uthmann  (1514 bis 1575) bekommen. Sie war Unternehmerin, führte erst die Silbermine ihres verstorbenen Mannes weiter, und als sie durch Intrigen der Konkurrenz aus dem Geschäft gedrängt wurde, verlegte sie sich aufs Klöppeln und beschäftigte zeitweilig 900 Bortenwirkerinnen.
Von Barbara Uthmanns Leben erzählt eine Dauerausstellung im Erzgebirgsmuseum in der Großen Kirchgasse, in dem außerdem die Geschichte Annabergs mit Objekten der Zinngießer, Töpfer, Klöppler und Schnitzer lebendig gemacht wird. Im Hof des Museums ist der Zugang zum Silberbergwerk „Im Gößner“, in dem man viel über den Silberabbau früherer Zeiten lernen kann.

Kirche St. Annen

Genau gegenüber steht eine der bedeutendsten spätgotischen Hallenkirchen Deutschlands: St. Annen, erbaut 1499 bis 1525. Die reichhaltigen Silberfunde machten den Bau damals möglich. Gewidmet haben die Annaberger ihre Kirche, die erst katholisch war und seit 1539 evangelisch-lutherisch ist, der heiligen Anna, die angeblich die Großmutter Jesu gewesen ist.
Falls Sie jetzt Hunger haben, gibt es genau gegenüber die Gaststätte „Zum Türmer“  mit einem Biergarten und deftigen Spezialitäten: Schweinshaxe mit Schwarzbiersosse oder Sülze mit Bratkartoffeln und Remouladensoße.
Falls Sie noch die Kraft haben, gehen Sie zurück zum Marktplatz und gleich links in die Buchholzer Straße zum Erlebnismuseum „Manufaktur der Träume“ , in der handgemachtes, typisch erzgebirgisches Spielzeug gezeigt wird – zum Anschauen, Anfassen, Ausprobieren und Bewundern. Ein herrliches Erlebnis nicht nur für Kinder. Zum Schluß müssen Sie unbedingt noch auf die Dachterrasse steigen, denn von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt und die Berge ringsum.
Und jetzt? Bevor Sie die hübsche Stadt verlassen, sollten Sie sich im Hotel „Wilder Mann“ am Markt 13, im Restaurant Silberbaum ein regionales Schmankerl gönnen: sächsische Quarkkeulchen mit Apfelmus und Sahne. Leckerer geht kaum.
Fotos: Tourismus Erzgebirge