Zitat

 

Die Klugen und die Dummen sind auf alle Völker gerecht verteilt. Wenn es Sie als West-Mensch in den Osten verschlagen hätte, dann wären Sie im Osten natürlich der Dumme, der Anfänger gewesen. Als ich ab 1976 endlich in der Freiheit an der Menschheit lecken konnte, ging es mir schlecht. Warum? Weil ich der Anfänger war, der Neue im Westen.“

Der Liedermacher Wolf Biermann in einem Interview im Stern Nr. 46 vom 7. 11 2019.
Foto: wikipedia

 

 

Cartoon

 

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

 

Iberotel, Boltenhagen

Die Terrasse des Iberotel Boltenhagen

Meerblick gibt es aus jedem Zimmer des Iberotels, und Balkon oder Terrasse gehören auch überall dazu. Nicht mal fünfzig Meter sind es zur Ostsee und dem schicken Yachthafen. Die Zimmer sind großzügig und farblich beruhigend dekoriert, die Bäder mit viel Ablagefläche ausgestattet. Das Frühstücksbüfett ist vielfältig bestückt mit diversen Brotsorten und Brötchen, mit Obst und verschiedenen Müslis, mit Eiern in fast jeder Form und natürlich Aufschnitt, Käse, Marmelade und Honig.
Auch die Bar im Foyer ist einladend und bietet die leckersten Cocktails. Wenn allerdings ein ganzes Orchester nach seinem Auftritt hier seinen Durst löschen möchte, ist der Service etwas überfordert. Das DZ ab ca. 190 Euro. Foto:CO

Verrückte LIebe

Warum eigentlich hat dieser Katalog zu einer aktuellen Ausstellung im Frankfurter Städel einen englischen Titel, erzählt er doch, laut Untertitel, die „Geschichte einer deutschen Liebe“? Und die war – die Autoren schildern sie mit eindrucksvoller Detailfreude – durchaus leidenschaftlich. Nach eher stockendem Beginn entdeckten die Deutschen rasch ihr Herz für den (vermeintlich) verrückten Mal-Revoluzzer Vincent van Gogh, der von dem einflußreichen Kunstkritiker Julius Meier-Graefe zum „Christus der modernen Kunst“ ernannt und von etlichen Galeristen geschickt vermarktet wurde. 1914 besaßen Sammler und Museen im Deutschen Reich bereits rund 150 Gemälde des genialen Niederländers, zahlreiche deutsche Expressionisten nahmen sich den furiosen Pinselstrich und die kräftigen Farben van Goghs zum Vorbild. 120 seiner Gemälde und Zeichnungen sind jetzt in Frankfurt zu sehen, dazu kommen rund 100 Bilder seiner
deutschen Kollegen.
Kein Wunder, dass soviel Wertschätzung auch Kriminelle auf den Plan rief. Der vormalige Ausdruckstänzer Otto Wacker musste sich 1932 vor Gericht verantworten, weil er 30 falsche van Gogh-Bilder in Umlauf gebracht hatte, deren Echtheit unter anderen auch Meier-Graefe bestätigt hatte. Das Autorenpaar Nora und Stefan Koldehoff hat diesen veritablen und reich bebilderten Kunst-Krimi recherchiert, dessen Wendungen es selbst mit gut erfundenen Plots mühelos aufnehmen können. PM

Making van Gogh. 352 S., 260 Abb. Hirmer. 39,90 Euro

Nora und Stefan Koldehoff: Der van Gogh-Coup. 216 S. 210 Abb. Nimbus. 29,80 Euro
Fotos: Hirmer/Nimbus


Große Gefühle

Liebe war schon in der frühen Neuzeit ein Problem, überschreibt Victoria von Flemming ihren Aufsatz zum Kapitel AMORE. Der Katalog ist zu einer grandiosen Schau erschienen, die zwei Großmeister des italienischen Barock und einige ihrer Weggenossen zusammenführt.
Caravaggio (1571 bis 1610) zählte zu den bevorzugten Malern der Kardinäle im Vatikan. Sein Leben war so turbulent wie die Motive seiner Werke. Nach einem Totschlag wurde er aus der Stadt verbannt und floh nach Neapel, wo er mit nur 38 Jahren starb. Der  Bildhauer Bernini (1598 bis 1680), dessen Werke den Platz vor dem Petersdom in Rom prägen, wird bis heute als Meister der dynamischen Bewegung bewundert.
Selten zuvor haben Lust und Leid, Liebesglück und Rachsucht, Schuld und Sühne so drastisch von den Ateliers der Künstler Besitz ergriffen wie in der Barockzeit. Folgerichtig unterteilt der Katalog die Werke auch nach Kapiteln, die den menschlichen Emotionen gewidmet sind, wodurch ein spannender Parcours mit wunderbar gedruckten Abbildungen entsteht, begleitet von höchst lesbaren Aufsätzen.
Am besten verschenken Sie zum Katalog gleich eine Eintrittskarte (mit Zeitfenster!) zur Ausstellung. Bis 19.01.2020 ist sie noch in im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen. Dann wandert sie ins Rijksmuseum Amsterdam (14.02.bis 07.06.). UvS

Caravaggio – Bernini. Prestel Verlag. 328 S., 265 farbige Abb., 45 Euro Foto: Prestel

 

Mehr als Frau Pollock

Bis heute ist sie (zumindest bei uns) so gut wie unbekannt – und dabei hat es Lee Krasner durchaus verdient, entdeckt zu werden. Doch weil die 1908 in Brooklyn geborene Malerin immer im Schatten ihres weitaus berühmteren Kollegen und Ehemanns Jackson Pollock blieb, hat sie erst jetzt, in der Frankfurter Schirn, die erste repräsentative Retrospektive in Deutschland bekommen, zu der dieser sehr informative Katalog erschienen ist. Zu bewundern gibt es knapp 100 Werke, in denen die 1984 gestorbene Künstlerin nach figurativen Anfängen über kubistisch anmutende Arbeiten zu einer der Pionierinnen des Abstrakten Expressionismus wurde. Auf einen Stil festlegen ließ sie sich nie, denn dafür war sie, wie sie einmal ironisch feststellte, „eine verdammt gute Malerin, danke auch, und etwas zu eigenständig“. PM

Lee Krasner. 240 S., 250 Abb. Hirmer. 45 Euro Foto: Hirmer

 

Klick!

Begonnen hat sie vor genau 60 Jahren als Laborantin – und dann wurde sie zu der bedeutendsten Foto-Chronistin der Bundesrepublik. In Abertausenden von Aufnahmen, vor allem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, hat Barbara Klemm die politische Geschichte des Landes dokumentiert, und so unbeirrt sie dabei am ebenso unterkühlten wie präzisen Schwarzweiß festhielt, so diskret und zugleich genau war stets ihr Blick. Zu ihrem 80. Geburtstag ist nun ein schöner dicker Band erschienen, der mit über 200 Bildern ein (zugegeben unvollständiges) Resümee ihres großen Lebenswerks gibt, zu dem auch viele Aufnahmen von Reisen rund um den Globus und Besuchen in Museen und Ateliers gehören. Dass sie mit ihrer Arbeit eine höchst vielfältige Tradition fortsetzt, belegt ein anderes gerade zu einer Ausstellung in Bonn erschienenes Buch über die
Fotografie in der Weimarer Republik. Da hatte das Metier seine Kinderjahre gerade hinter sich und begann (nicht zuletzt, weil die Kameras kleiner und leichter wurden) die Welt samt ihrer Rückseite zu entdecken. Ein spannendes Unterfangen – und dank solch stilbildender Pioniere wie Alfred Eisenstaedt, Martin Munkancsi oder Erich Salomon ein sehr gelungenes. PM

Barbara Klemm: Zeiten Bilder. 287 S. 136 Duotone-Tafeln. Schirmer/Mosel. 49.80 Euro

Fotografie in der Weimarer Republik. 264 S., 268 Abb. Hirmer. 39.90 Euro
Fotos: Schirmer/Mosel,Hirmer

 

Herrn Zwirners Gespür für Kunst

Selbst die Amerikaner waren beeindruckt. „Ein Bieter“, notierte die New York Times 1970 bei einer Kunstauktion, „zog mehr Aufmerksamkeit auf sich als irgendjemand sonst in der überfüllten Halle. Es war Rudolf Zwirner, ein 37jähriger, blonder, deutscher Händler aus Köln, der erstaunliche zwei Meter misst. Außerdem ging er am Ende mit zwei höchstpreisigen Stücken davon.“
Damals zählte Zwirner, dem die erste documenta 1955 „die Augen für die Moderne geöffnet“ hatte und der bei  der zweiten Kasseler Schau als Generalsekretär mitmachte, bereits zu den erfolgreichsten Galeristen des Rheinlands. 1967 hatte er die erste aller Kunstmessen erfunden, den „Kölner Kunstmarkt“ mit gerade mal 18 Ausstellern in der Festhalle Gürzenich, der seit 1984 „art cologne“ heißt. Zwirner brachte die Pop-Art-Künstler nach Deutschland, noch bevor sie in den USA anerkannt waren, und er war es auch, der in der Sammler-Metropole Köln den Schokolade-Fabrikanten Peter Ludwig beim Aufbau seiner grandiosen Sammlung beriet, die wir heute im Museum Ludwig am Kölner Dom bewundern. Er machte die Stadt zum Kunstmittelpunkt der Republik – bis der Mauerfall die Szene nach Berlin katapultierte.
Nun hat der inzwischen 86-Jährige, der mit einem unfaßbar sicheren Gespür für die Strömungen der Zeit und unternehmerischem Mut bis heute rund 300 Ausstellungen organisierte und dabei Ikonen der Avantgarde wie Andy Warhol, Gerhard Richter oder Georg Baselitz zeigte, seine Memoiren veröffentlicht: Eine überaus kurzweilige Muss-Lektüre für alle, die wissen möchten, wie sich die Galeristenszene von den Hinterhofläden der 50er Jahre bis zu den musealen Galerie-Lofts von heute entwickelt hat. Besonders aber auch für jene, die selbst dabei gewesen sind. UvS

Rudolf Zwirner: Ich wollte immer Gegenwart. Autobiografie. Aufgeschrieben von Nicola Kuhn. Wienand Verlag. 256 S., 72 Abb., 25 Euro. Foto: Wienand Verlag

 

Noch Fragen?

Nach der Lektüre dieser schmucken Büchlein eigentlich nicht mehr. Auf je 100 Fragen zu Champagner und Wein, zu Käse und Fisch gibt Rainer Wörtmann, Journalist und Art Director, 100 Antworten. Illustriert sind die hübsch gestalteten Bände mit feinen Schwarzweiß-Zeichnungen; die informativen Texte sind verständlich geschrieben und machen viel Spaß. Ein Beispiel gefällig? Bitte sehr: Auf die Frage, ob Fische sprachlos sind, antwortet Wörtmann mit „Sprechen wie wir Menschen tun sie nicht, aber sie quietschen, grunzen und klappern.“ Wer hätte das gedacht! CO

Rainer Wörtmann: Käse – 100 Fragen und 100 Antworten, 50 S., Selbst Verlag, 7,50 Euro (weitere Titel zu Wein, Champagner, Fisch) Foto: Wörtmann

 

 

Selfies

Heute ist er ein Alltagsgegenstand, dem wenig Beachtung geschenkt wird. Seine Faszination ist meist nur noch bei Kindern zu sehen, die sich in ihm das erste Mal selbst entdecken – und dabei hat der Spiegel eine ebenso lange wie eindrucksvolle Geschichte hinter sich.
Das älteste Exemplar, das Archäologen als Grabbeigabe im türkischen Anatolien fanden, ist aus schwarzem Vulkangestein und etwa 7000 Jahre alt. Im Katalog zu einer gerade zu Ende gegangenen Ausstellung in Zürich erzählt der Herausgeber mit Beispielen aus China und Afrika, dem alten Ägypten und Persien, wie es weiterging, er beleuchtet den Weg der Menschen vom Selbsterkennen bis zur Selbsterkenntnis und erzählt von Schönheit und Eitelkeit in Gemälden, Fotos, Filmen und nicht zuletzt den heute allgegenwärtigen Selfies. CO

Albert Lutz: Spiegel – Der Mensch im Widerschein. 336 S. Wienand. 45 Euro Foto: Wienand Verlag

 

 

Deutsche Küchenseele

Wir sind das Land der Sättigungsbeilagen, der Knödel, der Spätzle und des Kartoffelbreis.
Wer also etwas über unsere Seele erfahren möchte, der fange bei der gelbfleischigen Alexandra  an und arbeite sich vor bis zur tiefgelben Venezia, sagte sich jedenfalls der Fernsehjournalist und Sachbuch-Autor Wolfgang Herles und begann, die deutschen Ess- und Kochgewohnheiten zu analysieren. In seinem vergnüglichen Buch „Vorwiegend festkochend“ beschäftigt er sich ausgiebig mit unserer Heimat als Bananenrepublik – wir essen jeder etwa achtzig Bananen im Jahr -, mit den dekadenten Auswüchsen unserer Currywurst-Liebe – als Schickimickivariante mit Blattgold zu haben -, mit der ausufernden Gaststättenverordnung, die Wirte zu Verzweiflung treibt, und mit dem Käseigel, der Ausdruck unseres eher dekorativen Verhältnisses zum Käse ist.
Der Autor macht weder vor der Weißwurst, dem Thermomix, der Maultasche und der Vegetarier halt, noch vor Fernsehköchen, Goldbroilern und der abschließenden Milchmädchenrechnung.
Ein riesengroßer Spaß mit einiger Selbsterkenntnis! CO

Wolfgang Herles: Vorwiegend festkochend – Kultur & Seele der deutschen Küche, 415 S., Pinguin Verlag, 29 Euro. Foto: Pinguin Verlag

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                
                                                   Was Ungarn so alles reden

Der „Schäferhund“ heißt auf Ungarisch „Schwänziger-Hund“ (farkas kutya) – die anderen Hunderassen haben andere Namen, damit man sie von den Schwänzigern unterscheiden kann. Das versteht jedes ungarische Kind.
Sie, die ungarischen Kinder, begrüßen Erwachsene mit „Küss‘ die Hand!“ Männer grüßen Frauen ebenso. Und junge Frauen begrüßen ältere Männer nicht anders. Also grüßen wir, meine junge Gemüsehändlerin und ich, uns gegenseitig mit „Küss‘ die Hand!“ Und da das deutsche Wort „bitte“ in der höflichen ungarischen Variante, „es möge Ihnen gefallen…“ heißt, empfängt sie mich regelmäßig am Eingang mit: „Es möge Ihnen gefallen, sich herein zu bemühen!“ Und im kalten Winter, mit vereisten Gehwegen, bittet sie mich: „Es sollte Ihnen heute nicht gefallen, auszurutschen!“ (Übrigens: die Franzosen haben auch ihr „S’il vous plait“).     
Bereits nach diesen wenigen Beispielen wird es verständlich, dass sich der irische Dramatiker Sir Bernard Shaw einst in die ungarische Sprache verliebte. Er bedauerte, dass sie nicht seine Muttersprache war, denn sein „Lebenswerk wäre dadurch viel wertvoller gewesen“. Weil man doch „auf dieser seltsamen von uralter Kraft erfüllten Sprache viel genauer die winzigen Verschiedenheiten, die feinen geheimen Regungen der Gefühle, beschreiben kann.“  
Zweifellos. Und wohl kaum einer kann das in Ungarn gerade besser als Viktor Orbán, zurzeit Ministerpräsident. Doch vor seinem berühmtesten Zitat die kurze Vorgeschichte:
Der schlaue Taktiker Orbán entzog bereits vor Jahren den Oppositions-Radios
die landesweite Sendegenehmigung. Auch die Sendungen des heldenhaft opponierenden Klubrádiós kann man seither außerhalb Budapests nicht empfangen – nur im Internet sind sie noch zu hören und sehen. Zwei Drittel der Tageszeitungen gehören schon lange dem Orbán-Clan, die restlichen bekommen die „Nachrichten“ vom staatlichen Pressebüro (MTI). Die wichtigste Tageszeitung der Opposition in Budapest, Népsabadság („Volksfreiheit“), wurde 2016 von einem österreichischen Freund Orbáns dem schweizerischen Vorbesitzer (von wessen Geld, darf man raten) abgekauft und sogleich eingestellt.
Aber zwei der ehemaligen Redakteure halten mit interessanten Gästen jeden Donnerstag-Abend im Klubrádió den freiheitlichen Geist lebendig. Die Sendung beginnt jedes Mal, sozusagen als Vorspann, mit einem Orbán-Zitat. Der Regierungschef hatte 2018 im vollbesetzten Plenarsaal des Europa-Parlaments in Straßburg auf Ungarisch einen Satz von sich gegeben, der in der Übersetzung lautet: „Wir würden uns niemals dazu herablassen, jemanden mundtot zu machen, der anderer Meinung ist als wir.“ Dann kommt: Ein riesiges Gelächter der Parlamentarier.
Schließlich das Allerbeste: Sie können das Ganze nachhören. Sie brauchen ins Internet nur https://klubradio.hu/archivum einzugeben, dort erscheint: Keresés az archívumban (Suche im Archiv), darunter, weiß unterlegt: Az összes müsor (Alle Sendungen), dort auf v klicken, dann erscheinen alle Sendungen alphabetisch. Also bis auf F hinuntergehen: Folyt. köv. – Volt egyszer egy Népszabadság
(Es war einmal…)
Viel Spaß!  Fotos: privat/klubradio

Hamburger Kunsthalle, noch bis 1.3.2020:
Impressionismus. Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard

Das dänische Ehepaar Wilhelm (gestorben 1936) und Henny (gestorben 1951) Hansen begann 1916 gezielt, französische Malerei zu sammeln. Ihre spektakuläre Sammlung vermachten die Hansens schließlich dem dänischen Staat mit der Auflage, in ihrem Heimatort Ordrupgaard ein öffentliches Museum für die Sammlung zu schaffen. Von dort wurden jetzt Werke von Camille Pissarro, Eduard Manet, Edgar Degas, Claude Monet und anderen nach Hamburg ausgeliehen. Und weil die wunderbaren Bilder im zweiten Stock der Galerie der Gegenwart (und nicht, wie sonst bei Ausstellungen gerne üblich, im Keller) ausgestellt werden, sind sie ein Fest für die Augen.
Der hervorragende Katalog mit informativen und lesbaren Artikeln zu jedem Bild ist im Wienand Verlag erschienen.
Foto: CAMILLE PISSARRO (1830–1903) Blühende Pflaumenbäume in Éragny. Das Haus des Künstlers, 1894, Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm Ordrupgaard, Kopenhagen© Foto: Anders Sune Berg

Der Brunnen auf dem Place Wilson

Hier möchte man einfach nicht wieder weg: Der Place Wilson ist unser erklärter Lieblingsort in Toulouse. Das ovale Areal – benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (1856 bis 1924) – ist umstanden von fast identischen, braunrot leuchtenden Backsteinbauten vom Ende des 18. Jahrhunderts mit sechs abgehenden Straßen und einem sehr breitem Fußgängerweg, auf dem sich Tische und Stühle der vielen Cafés und Restaurants aneinanderreihen. In der Mitte des Platzes ist ein kleiner Park mit hohen Bäumen, Wiesen und Blumenrabatten und einem Brunnen mit Fontänen und drumherum vielen Bänken zum Verweilen. Dort zu sitzen und den Kindern zuzuschauen, die sich auf das entzückende nostalgische Karussell stürzen und ihre Eltern immer wieder um noch eine Fahrt in der Kutsche, auf dem Pferdchen oder im Schlitten anbetteln, das ist einfach wunderbar. Sitzt man am Spätnachmittag hier, kann man auch all die eleganten Bewohner mit Laptop und feiner Ledertasche auf ihrem Heimweg anschauen.
Falls Sie vormittags hier sind, müssen Sie unbedingt zur Place Victor Hugo und der Markthalle gehen. Sie hat außer sonntags täglich von 7 bis 14 Uhr geöffnet. Von außen ist sie ein unattraktiver Zweckbau, aber innen tun sich Welten auf. Wahrscheinlich haben Sie noch niemals ein solches Käseangebot gesehen! Bestimmt sind es mehrere hundert Sorten. Wie das duftet!

Der Place Capitole

Aber natürlich gibt es auch herrliche Gemüse- und Gewürzstände, Bäcker und Schlachter, Konditoren, Wein-, Fisch- und Blumenhändler, und sollte es gerade auf Mittag gehen, auf der Terrasse im ersten Stock kann man ganz vortrefflich speisen.
Den Kaffee nehmen Sie dann aber auf dem riesigen Platz Capitole, benannt nach den Ratsherren der Stadt, les Capitoules. Hier steht das fast 100 m lange Rathaus mit klassizistischer Fassade, in dem auch ein Theater residiert. Rund um den Platz mit seinen Arkaden gibt es jede Menge Restaurants und Cafés, die zwar ziemlich touristisch sind, aber einen guten Kaffee bekommt man sicher. Und auch hier macht es Spaß, den vielen Menschen beim Flanieren zuzuschauen.
Falls Sie jetzt ein wenig shoppen möchten, die Galeries Lafayette sind nicht weit, und an der Rue d’Alsace Lorraine sind viele schöne Läden zu finden.
Oder Sie schlendern durch die Rue du Taur bis zur Basilika St. Sernin, mit 115 m Länge und 64 m Breite eines der größten romanischen Gotteshäuser in Europa und mit dem achteckigen Turm Wahrzeichen von Toulouse.

Der Canal du Midi

Bestimmt können Sie jetzt nicht mehr laufen, deshalb empfehlen wir die kleinen Hop-on-hop-off Busse, die in der Allée Jean Jaurès abfahren und Sie gemütlich durch die engen Gassen schaukeln, vorbei an der Kathedrale St. Etienne mit ihrem wundersamen Stilgemisch und später an der Fondation Bemberg , einem sehenswerten Kunstmuseum, dann über die Garonne, hin und wieder zurück, ein gutes Stück am Canal du Midi entlang, dem insgesamt 240 km langen Kanal bis zum Mittelmeer, der bei seiner Fertigstellung 1681 ein Meisterwerk der Technik war. Danach ein kleiner Spaziergang durch den zauberhaften Jardin Japonais, der nach dem Vorbild japanischer Gärten in Kyoto aus dem 14. und 16. Jahrhundert gestaltet wurde.
Und jetzt? Vielleicht ein kleiner Aperitif auf einem der schönen Plätze, und einfach weiter dem Savoir vivre der Franzosen zuschauen! Fotos: CO

Gerhard Richter

„Ich mag alles, was keinen Stil hat: Wörterbücher, Fotos, die Natur, mich und meine Bilder.“

Der deutsche Künstler Gerhard Richter, zitiert im Buch „Gerhard Richter“ von Klaus Honnef, erschienen im Taschen Verlag. Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland udn hat schon weit mehr als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Die weiße Glycinie, Pomas, Frankreich

Außen schlicht, innen üppig: Das zauberhafte Hotel „La Glycine blanche“ in dem winzigen Ort Pomas südlich von Carcassonne entfaltet seinen Reiz erst hinter der Eingangstür. Es gibt nur zwei Gästezimmer, aber die sind mit Blumentapeten, dunklen Antiquitäten und hübschen Accessoires wohnlich eingerichtet, die Bäder sind groß und behaglich ausgestattet. Aber richtig charmant wird das kleine Gästehaus erst dank der Eigentümer Jean-Francois und Claude, die sich liebevoll um ihre Gäste kümmern, ein leckeres Frühstück auf den Tisch stellen und viele Tipps rundum das touristische Programm der Gegend bereit halten. DZ ab ca 90 Euro.
Foto: la glycine blanche

Mehr Nuss geht nicht

Für die meisten von uns ist Walnuss gleich Walnuss: lecker, gesund und irgendwie weihnachtlich. So war das auch für den Schweizer Landschaftsarchitekten, Dokumentarfilmer, Fotografen und Autor Jonas Frei – bis er die Vielfalt der riesigen Familie der Walnusspflanzen entdeckte. Es begann mit den Früchten eines Butternussbaumes, die er nicht genau bestimmen konnte. Sein Interesse war geweckt. Für dieses Buch hat er jetzt mehr als 40 unterschiedliche Walnüsse porträtiert, angefangen mit der echten Walnuss, über die Herznuss und die Ferkelnuss  bis zur Zapfennuss. Von allen erfährt man ihre Verbreitung, ihren Wuchs, ihre Blätter- und Fruchtform in Texten, Fotos und liebevollen Illustrationen. Dazu lernt man viele Details zur Geschichte, ihrer Erforschung und Nutzung und ihrem Einsatz als Heilmittel kennen. Ein wahrer Wälzer für Nuss-Enthusiasten. Wer allerdings mit Walnüssen kochen möchte, muss sich anderswo informieren.

Jonas Frei: Die Walnuss – Alle in Mitteleuropa kultivierten Arten – Botanik, Geschichte, Kultur. 240 S., at Verlag, 39 Euro Foto: at Verlag

 


Mehr Europa geht noch

Die Adriaküste vom Balkan ist ja schon einige Zeit unter Urlaubern beliebt – aber dass es auch dahinter faszinierende Landschaften und Städte gibt, hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Das will dieses Buch ändern und stellt genau 50 Ziele in Europas Südosten vor. Vom serbischen Novi Sad, mit seiner prächtigen habsburgischen Vergangenheit Europäische Kulturhauptstadt 2021, über die spektakuläre Tara-Schlucht im montenegrinischen Durmitor-Nationalpark bis hin zu den wuchtigen Felsen von Belogradchik im Norden Bulgariens reicht das höchst abwechslungsreiche Panorama – und wenn Bild und Text auch gelegentlich ein bisschen zu stark an einen Reiseprospekt erinnern, zum ersten Kennenlernen und Informieren eignet sich der schöne Band vortrefflich.

Sarah Fischer und andere: Unbekanntes Europa. Die schönsten Ziele auf dem Balkan. 192 S. Bruckmann Verlag. 29,99 Euro Foto: Bruckmann Verlag

 
Letzten Monat haben wir schon mal die Vor-Vorweihnachtszeit eingeläutet, und so machen wir weiter, denn es gibt einfach so viele neue Produkte, die wir gerne zeigen möchten. Und schließlich kann man ja auch schon mal mit dem Basteln der Weihnachtsdeko anfangen.

Zum Beispiel mit den herrlichen Bändern von Halbach aus Seide, Leinen und Jute, aus Lamé, Samt und Wolle, bedruckt, bestickt und gestrickt. Inspirationen für Dekorationen, Tannenbaumschmuck, Verpackungen und Geschenke findet man auf der Website des Herstellers.
Handgemachte Geschenke sind immer die schönsten, hier mal per Siebdruck dekorierte Leinenservietten. Die Firma Frohstoff  bietet bedruckte Decken, Kissen, Beutel und Handtücher, aber auch Postkarten, Brief- und Geschenkpapier mit Motiven nach Wunsch. Und das Beste: Jeder kann hier Siebdrucken lernen!
Falls Sie nicht zu den Bastlern gehören, haben wir einen Vorschlag für die Liebste: Eine Herzschale mit rosa Hirsch wird sicher begeistert ausgepackt. Gmundner hat passend dazu auch Weihnachtskugeln und Glocken im Programm.
Wer üppige Weihnachten nicht so mag, der wird sich über diesen eleganten Adventskranz aus goldbeschichtetem Aluminium bestimmt freuen. Die Firma Philippi ist bekannt für ihr geradliniges Design aus Metall.
Verspielter sind die kleinen Porzellanhäuschen für Teelichter von Räder, die es in vielen unterschiedlichen Designs gibt und die man ganz prächtig sammeln kann.
Ein passendes Produkt für den nächsten heißen Sommer hat Unold im Programm: Den Handventilator „Breezy“ mit USB-Anschluss und integriertem Spiegel in tollen Farben. Ziemlich cool!
Etwas größere Geschenke sind dann zum Beispiel die schicken, handgegossenen Töpfe und Pfannen aus recyceltem Aluminium von der dänischen Firma Scanpan, in rund oder quadratisch, mit hohem Rand und verschiedenen Einsätzen.
Und auch die bunten Kaffeemaschinen – in 21 Farben – vom niederländischen Moccamaster sind – weil handgemacht – ein feines Präsent. Sie haben einen aufwändigen 9-Loch-Wasserdurchlauf, brühen bei 92-96 Grad zehn Tassen in sechs Minuten, und die Warmhalteplatte schaltet nach 40 Minuten automatisch ab. Das perfekte Gerät also für den neuen-alten Trend zu Filterkaffee.

Alle hier genannten Firmen werden von www.trendxpress.org vertreten, wo man Infos und Bilder bekommen kann. Fotos: Trendexpress

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                

                                Der besondere Film – mit einem besonderen Schicksal
                                                   A Tanú – Der Zeuge

Satire über den real existierenden Sozialismus der 1950er Jahre in Ungarn: Zeit der Schauprozesse, als man leicht für Nichts ins Gefängnis kam und manchmal auch überraschend wieder heraus.
Der Regisseur Peter Bacsó begann 1969 mit den Arbeiten an dem Film, und allein die Drehgenehmigung vor 50 Jahren war ein Wunder: Denn gleich die erste Einstellung muss für die damalige kommunistische Führung als Beleidigung gewirkt haben. Man sieht einen Mann, der samt Hund am Bug eines alten Holzkahns steht und an einer Wiese anlegen will. Der Hund springt schon vorher an Land und pinkelt auf die, aus roten Nelken sorgfältig angelegte, Schrift: „Es lebe unser großer, weiser Führer“, womit nur Stalin gemeint sein konnte.
Der fertige Film verschwand denn auch in der staatlichen Versenkung und hatte, als nächstes Wunder, 1981 Premiere in Cannes. Er lief dort als Un Certain Regard, etwa „Ein besonderer Blickwinkel“, und wurde von Verleihern aus 32 Ländern gekauft. Der Regisseur starb 2009, erlebte also nicht mehr, dass die restaurierte Originalfassung seines erfolgreichsten Filmes 2019 wieder in Cannes gezeigt und gefeiert wurde.

Die irrwitzige Geschichte
Josef Pelikan ist ein einfacher, ehrlicher Mensch, alter Kämpfer des Sozialismus, dem faschistische Verhörspezialisten 1944 alle Zähne ausgeschlagen haben. Er lebt und arbeitet in einem winzigen Dorf an der Donau, als Dammwärter. Er hat acht Kinder, die Frau ist mit einem rumänischen Lastenkahn-Schiffer abgehauen, die älteste Tochter hilft ihm, wo sie kann. Pelikan liebt seine Arbeit. Und freut sich über die Besuche seines alten Mitkämpfers, Zoltán Dániel, jetzt Minister (von was, erfahren wir nicht), der immer wieder zum Angeln kommt und ab und zu ins Wasser fällt.

Filmszene

Eines Tages, als Pelikan wieder einmal kein Fleisch im leergekauften Dorfladen bekommt, beschließt die Familie, das lange gemästete und geliebte Schwein zu „ermorden“ und es zu Wurst, Speck und Gulasch zu verarbeiten. Doch leider werden sie verpfiffen, und Pelikan kommt wegen Schwarzschlachtens ins Gefängnis. Dort trifft er den Schläger von einst, der seine Zähne auf dem Gewissen hat.
Kaum in Haft, wird er zum mächtigen Genossen Virág gerufen. Der teilt ihm mit, dass die Partei Pelikan bald um einen Gefallen bitten werde. Bis dahin ist er der Direktor eines Schwimmbades in Budapest. Pelikan möchte zwar lieber an die Donau, aber er hat keine Wahl. Und gleich am nächsten Morgen macht er einen Fehler. Er lässt zwei lärmende Schulklassen ins Bad, während der Verteidigungsminister schwimmt. Also wieder Knast. Als nächstes wird er Direktor der Geisterbahn, dessen Wände er mit Bildern der „geliebten Führer der Nation“ schmücken lässt. Die Mächtigen der Partei fallen angesichts ihrer Schreckens-Fotos in Ohnmacht.
Diesmal jedoch kein Knast für Pelikán, sondern endlich die Bitte: Er soll gegen seinen alten Mitkämpfer Daniel vor Gericht aussagen. Der sei ein Spion des westlichen Kapitalismus und habe, als er bei Pelikán zu Besuch war, als Frosch verkleidet unter Wasser mit anderen „Frosch-Männern“ konferiert und Nachrichten dem Feind übermittelt.
Pelikán lacht zunächst, doch als er von Virág erfährt, dass er, Pelikán, ohne es zu ahnen selbst ein Verräter am Sozialismus sein könne, stimmt er zu. Ein Dichter schreibt sein Geständnis, Genosse Virág das Urteil, eine Logopädin versucht sein Lispeln zu mindern, und ein Nervenarzt behandelt ihn wegen seiner Vergesslichkeit.
Der Prozess beginnt, und Pelikán sieht, wer der andere Zeuge gegen seinen Freund, Mitkämpfer und Ex-Minister Dániel ist: Ausgerechnet der Schläger der Faschisten, der, nach einem Wortwechsel, auch ihn als Verräter anzeigt.
Dafür gibt‘s die Todesstrafe. Pelikán sitzt Monate in Einzelhaft, bis er eines Abends seine Henkersmahlzeit bekommt: Rinderbraten mit Semmelknödel und Weißwein. Am nächsten Morgen führen die Wächter ihn in den Hof, wo die Hinrichtungen stattfinden. Doch da ist kein Mensch. Sie warten. Schließlich rufen sie im Chor den Namen des Direktors, bis endlich in einem der Fenster des ersten Stocks ein Mann im Nachthemd erscheint und fragt, was sie wollen.
„Verzeihen Sie bitte die Störung“, ruft Pelikán , „aber ich soll aufgehängt werden.“
„Wir heißen Sie?“ „Pelikán.“ Pause.
Dann endlich wieder der Direktor: „So ein Bordell! Sie sind längst rehabilitiert worden. Sie sind frei. Das Schmerzensgeld wird ihnen nachhause geschickt.“
Kommentar des Delinquenten: „Sowas von Unfähigkeit! Die können nicht einmal eine einfache Hinrichtung durchführen!“ Schnitt.
Pelikán und Virág treffen sich irgendwann, viel später in einer überfüllten Budapester Straßenbahn und offenbar in einer anderen, besseren Welt. Ihre Unterhaltung ist mühsam. Schließlich sagt Virág: „Die neue Führung kommt bald darauf, dass sie mich braucht.“
Pelikán: „Ich weiß nicht. Ich glaube eher nicht, Genosse Virág.“

E N D E
Nachtrag
Der Zeuge – A Tanú und sein Schicksal: Als der Film 1981 wieder auftauchte, kam der damalige künstlerische Leiter der Internationalen Festspiele in Cannes, Gilles Jacob, Anfang desselben Jahres kurz nach Budapest, um István Szabós „Mephisto“ mit nach Cannes zu nehmen. Doch weil dichter Nebel herrschte, verzögerte sich der Abflug, und ein
einfallsreicher Mitarbeiter der Budapester Filmfabriken fragte Jacob, ob er sich während der Wartezeit nicht eine gerade fertiggestellte Satire ansehen wolle? Jacob sah ihn, nahm ihn mit nach Cannes und kaufte die Rechte.
Die restaurierte Originalversion wurde kürzlich, am 24. September diesen Jahres, in Cannes wieder mit großem Erfolg gezeigt. In die Budapester Kinos kommt Der Zeuge, A Tanú, am 19. November.     
 

Fotos: privat/mubi.com 

Bundeskunsthalle, Bonn, 1.11. bis 16.2.2020:
Martin Kippenberger:
Bitteschön Dankeschön

Der deutsche Künstler Martin Kippenberger war wirklich ein Universaltalent. Er malte und schrieb, zeichnete, fotografierte, schuf Collagen, Skulpturen, Performances und Installationen, kuratierte Ausstellungen und trat als Schauspieler auf. 1997 starb er mit nur 44 Jahren. Die Bundeskunsthalle widmet ihm nun eine Retrospektive unter dem Namen eines Werkes des Künstlers: Bitteschön Dankeschön. Gezeigt werden Gemälde, Fotos, Skulpturen, Lithografien und auch Fotos von Elfie Semotan, der Ehefrau des Künstlers.

Foto: Paris Bar 1991, 1993, Öl auf Leinwand, Pinault Collection
 

Eine kleine Stadt und zwei große Namen: Neuruppin in Brandenburg ehrt seine wichtigsten Söhne mit Denkmalen, Museen und vielen Feiern. Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841), der große Architekt, Stadtplaner, Maler, Grafiker und Bühnenbildner, wurde in hier geboren und erlebte 1787 den großen Brand mit. Insgesamt 401 bürgerliche Häuser, 159 Neben- und Hintergebäude, 228 Ställe und 38 Scheunen, die Pfarrkirche St. Marien, das Rathaus, die reformierte Kirche und das Prinzliche Palais wurden zerstört. Menschenleben waren nicht zu beklagen, aber Schinkels Vater starb an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich beim Löschen zugezogen hatte. Der Wiederaufbau des Ortes wird wohl Schinkel in seiner Berufswahl beeinflusst haben.

Die Löwenapotheke

Der andere große Sohn der Stadt, Theodor Fontane (1819 bis 1898), lebte sieben Jahre in seinem Geburtsort, bis sein Vater wegen Spielschulden seine Apotheke verkaufen musste. Die Löwenapotheke gibt es heute noch in der Karl-Marx-Straße.
Nach dem großen Brand sorgte der Städtebaudirektor Bernhard Mattias Brasch dafür, dass Neuruppin nach einem neuen strengen Grundriss wiederaufgebaut wurde. So entstand ein rechtwinkliges Netz breiter Straßen mit zweigeschossigen Traufenhäusern im frühklassizistischen Stil. Ab 1824 war hier ein Infanterie-Regiment stationiert, das die breiten Straßen für seine Aufmärsche nutzte.

Die alte Schule

Nur wenige Schritte entfernt von der Löwenapotheke liegt der Schulplatz mit dem alten Gymnasium, der Fontane Buchhandlung und einem Denkmal Friedrich Wilhelms II., der den Wiederaufbau der Stadt nach 1787 maßgeblich förderte und dafür von ihren Bürgern mit einem von Schinkel entworfenen Denkmal geehrt wurde. Die Statue schmolz man 1950 ein, heute steht dort eine Nachbildung.
Um die Ecke findet man das Heimatmuseum  in der August-Bebel-Straße, wo noch bis Ende 2019 eine große Fontane-Ausstellung u.a. die Wort(er)findungen des Dichters dokumentiert. Schräg gegenüber liegt der Tempelgarten , den Kronprinz Friedrich, der 1732 nach seinem Fluchtversuch und der Hinrichtung seines Freundes Katte von seinem Vater nach Neuruppin geschickt worden war, als Nutzgarten anlegen ließ.
Heute gehört der liebevoll gepflegte Garten mit wunderschön restauriertem Restaurant der Stadt.
Auf dem Weg zum See sollte man durch die Fischbänkenstraße schlendern, vorbei am Museumshof  mit dem Handwerksmuseum, wo man noch bereits ausgestorbene Gewerke kennenlernen kann.

Das Predigerwitwenhaus

Gleich daneben steht das Predigerwitwenhaus, wo die Witwen verstorbener Geistlicher unterkamen. 1787 zog dort die Familie Schinkel ein, und knapp 50 Jahre später lebten Fontanes Mutter und seine Schwester eine Zeitlang in dem seit 1998 vollständig restaurierten Haus.
In der nächsten Querstraße, der Siechenstraße, steht seit 1491 die Siechenhauskapelle mit anschließendem Siechenhospital, das heute ein romantisches Hotel mit Restaurant  im ältesten Fachwerkhaus des Ortes ist. Machen Sie Pause und gönnen Sie sich eine gebratene Forelle und nachher Arme Ritter! Oder lieber warmen Schokoladenkuchen?

St. Trinitatis

So gestärkt spazieren Sie dann zur Klosterkirche Sankt Trinitatis von 1246 mit ihren markanten Türmen, die das Wahrzeichen der Stadt Neuruppin sind. Saniert wurde die Kirche 1834 bis 1841 von Friedrich Karl Schinkel auf Wunsch von König Friedrich Wilhelm III.
Nun aber: Zum See! Der Ruppiner See ist mit 14 km der längste im Land Brandenburg. Einstündige Rundfahrten gibt es das ganze Jahr hindurch, aber man kann auch Silvester auf dem See feiern, und sogar heiraten kann man an Bord. Na dann: Ahoi! Fotos: CO

Weitere Spaziergänge unter kuno-kulturnotizen.de

„Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst.“

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (73) in einem Interview im Zeit Magazin vom 6.6.2019 Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland udn hat schon weit mehr als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Schlosshotel Klaffenbach, Chemnitz

Das Schloss Klaffenbach

Das erwartet man wirklich nicht: Kaum hat man die hässliche Innenstadt von Chemnitz hinter sich gelassen und ist nach Süden gefahren, schon steht man mitten in einem Idyll: dem 1560 vollendeten Wasserschloss Klaffenbach. Der markante Renaissancebau, für rund zwei Jahrhunderte im Besitz der Grafen von Taube, ab 1935 für den Reichsarbeitsdienst und von 1947 bis 1989 als Jugendwerkhof für Mädchen nicht gerade ruhmreich genutzt, wurde von 1991 bis 1995 umfangreich und kenntnisreich saniert. Nun finden im Schloss Konzerte statt, und im U-förmigen Nebengebäude residiert das Hotel mit feinem Restaurant und großer Terrasse im Innenhof mit Blick aufs Schloss. Die Zimmer sind nicht besonders groß, aber stilsicher und behaglich eingerichtet. Und im Schlosspark kann man schön flanieren …                                                           oder Golf spielen. DZ ab ca. 110 Euro Foto: CO

Ab in die Küche

Jetzt ist Apfelzeit!  Die kompakte Frucht ist nicht nur lecker, sie liefert auch reichlich Vitamin A und C, Magnesium und Ballaststoffe. Etwa 30.000 Apfelsorten werden weltweit kultiviert, gerade mal elf davon stellt James Rich, der von einem Apfelhof in Somerset stammt, in seinem Buch vor. Aber die hundert Rezepte aus Familientradition, die der Autor hier preisgibt, können natürlich auch mit anderen Äpfeln zubereitet werden. Huhn-Apfel-Crumble mit Boskop zum Beispiel oder Apfel-Käse-Scones mit Cox Orange. Den Rezepten vorangestellt ist das Kapitel „Alles über Äpfel“ und eine kleine Familiengeschichte des Autors.
James Rich: Äpfel – Rezepte aus dem Obstgarten, 224 S., at Verlag, 25 Euro Foto: at Verlag

 


Auf an die Donau

Angesichts durchhängender Regalbretter in den Buchhandlungen: Braucht die Welt wirklich noch einen weiteren Wien-Reiseführer? Wenn er so kurzweilig und informativ ist wie dieser hier – unbedingt ja. In acht Spaziergängen führt er, nach einer Einleitung mit Basis-Fakten, durch Österreichs geschichtsträchtige Hauptstadt, und als Schmankerl gibt’s zu jedem Abschnitt noch ein Interview mit einem vor Ort lebenden Insider. Klar wird nicht jeder Piefke den Hutmacher Klaus Mühlbauer oder den Kabarettisten Josef Hader kennen, aber allein ihre Tipps – abseits vom Stephansdom und Prater – lesen sich so spannend, dass man am liebsten gleich aufbrechen möchte. Mit dem Buch unterm Arm natürlich, damit man bloß nichts versäumt.

 Lufthansa City Guide: Wien. 128 S. Callwey. 18 Euro  Foto: Callwey Verlag

 

Stimmt, es ist erst Oktober, aber Sie wissen ja, der ganz frühe Vogel sammelt schon mal Geschenkideen – müssen ja nicht alle bis Weihnachten warten! Wir haben uns schon mal umgeschaut und hätten da den einen oder anderen Vorschlag:
Für die fitte Großmama gibt es zum Beispiel „Rätsel to go“: ein buntes Büchlein für die Handtasche mit Sudokus, Kreuzworträtseln und Knobeleien (8,95 Euro, Moses). Für Fans des skandinavischen Designs bieten sich die schicken Seifenspender oder das Abwaschset aus Bürstenständer und Spülmittelspender in elegantem Grau, Schwarz oder Weiß an ( Zone). Der Liebsten (oder sich selbst) macht man bestimmt mit einer Keramik-Pfanne eine große Freude, hat sie doch ein integriertes Öl-Dosiersystem. So hat man nie zu viel Fett in der Pfanne (ab ca 60 Euro, ELO).  Für die verwöhnten Schwiegereltern schließlich wäre bestimmt ein Joouly richtig. Der ist einerseits eine Leuchte, die in neun verschiedenen Farben strahlt, andererseits ist er ein Cooler für zwei Weinflaschen gleichzeitig, drittens ist er eine Box, über die man per Handy seine Lieblingsmusik in den Garten überträgt, und viertens kann man ihn als Blumenvase nutzen und am Griff durch die Gegend tragen. Cool, nicht wahr? (in drei Größen ab 149 Euro, Joouls)
Fotos: Hersteller