Das Virus ändert alles. Natürlich auch KuNo, denn sollen wir ein Hotel empfehlen, wenn keiner verreist? Sicher nicht. Oder einen Spaziergang in einer Stadt vorschlagen, die man wohl länger nicht besuchen kann? Natürlich nicht. Es ist einfach unglaublich wichtig, dass wir alle eine Weile zuhause bleiben. Deshalb stellen wir auch keine Ausstellung vor, die ja gar keiner anschauen kann, weil alle Museen geschlossen sind.
Also haben wir KuNo völlig geändert und berichten nur über Aktivitäten, die das Leben zuhause schöner machen, über Bücher und Filme und über virtuelle Museumsrundgänge.
Nur unser Kolumnist Peter Meleghy berichtet wie immer aus Budapest, diesmal natürlich über das Leben mit dem Virus.

Der Präsident der USA 1961 – 1963

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung.“

…meinte John F. Kennedy (1917 bis 1963), von 1961 bis 1963 Präsident der USA. Zitiert in der Zeit vom 23. Januar 2020.
Foto: wikipedia

Cartoon:

Peter Butschkow fährt jetzt E-Bike, und das hat sein Leben ziemlich verändert. Früher strampelte er fröhlich in Hemd und Hose durch die Landschaft, heute braucht er Funktionsklamotten, Knie- und Ellbogenschoner und natürlich einen Helm. Der Hintern tut trotzdem immer noch weh, auch wenn er sein Rad heute nur noch Bike nennt. Unser Lieblingscartoonist hat aus seinen Erfahrungen ein lustiges Büchlein gemacht, mit amüsanten Texten und natürlich gewohnt witzigen Cartoons.
Peter Butschkow: Überleben auf dem E-Bike, 62 S., 9,90 Euro, Lappen Verlag 

Kunst:

Farbenrausch

Auch wenn es in Zeiten von Corona vielleicht ein bisschen frivol klingt – aber es gibt sie, die Kunst der Lebenslust. Und einer ihrer Großmeister ist – kein Zweifel – Pierre Bonnard. Mit stiller Beharrlichkeit hat der 1867 in der Nähe von Paris geborene Beamtensohn im Laufe der Jahrzehnte immer wieder die gleichen Motive auf die Leinwand gebracht: selbstvergessene Badende (für die ihm seine Frau Marthe oft das Modell war), blühende Landschaften, kreuzende Segelboote. Lange als Darsteller einer oberflächlichen Harmonie verspottet, gilt er heute nicht zuletzt dank seiner eigenwilligen Farbgebung als Virtuose der Moderne. Im Wiener Kunstforum war 2019 eine eindrucksvolle Bonnard-Retrospektive zu sehen, der Katalog rekapituliert das Ereignis aufs Schönste. PM.

Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung. 240 S., 200 farbige Abb. Hirmer.
34,90 Euro

Bildgewalt

Die Gerhard-Richter-Schau im New Yorker Met Breuer, einer Dependance des Metropolitan Museum, war für dieses Jahr als eine der „Must-See“ Ausstellungen angekündigt. Zehn Tage nach der Eröffnung Anfang März wurde das Haus wegen der Corona-Krise geschlossen und die „Richter-Tour de Force“, wie Direktor Max Hollein es nannte, zum kürzesten Blockbuster aller Zeiten. Bei diesem Künstler geht es offenbar nicht ohne Superlative – in der Gegenwartskunst gilt der 88-Jährige als der vielseitigste, auf dem Kunstmarkt als der teuerste lebende Maler.

Welch komplexe Spannbreite sein Werk über sechs Jahrzehnte entfaltet, zeichnet nun ein neues grandioses Buch-Opus nach. Armin Zweite, langjähriger Chef der Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalen und Wegbegleiter von Richter, hat das zurückhaltend gestaltete Konvolut wissenschaftlich betreut, die Texte verfasst und gemeinsam mit dem Künstler die Bildauswahl getroffen. Nun kann man über rund 480 Seiten verfolgen, wie sich Richters Technik, Stil und Motive über sechs Jahrzehnte wandelten, von Fotorealismus über Monochromie zu Concept Art oder expressiver Abstraktion. Entstanden ist dabei ein knapp vier Kilo schwerer Wälzer, der zu den faszinierendsten Kunstbüchern der Saison zählt. UvS

Gerhard Richter, Armin Zweite:. Das Denken ist beim Malen das Malen, Gerhard Richter Leben und Werk, 480 S., 419 Abb. 128 Euro, Schirmer/Mosel

Sachbuch:

Vorfreude

Natürlich ist es jetzt keine Zeit für einen Barbesuch, die sind ja eh alle geschlossen. Aber träumen kann man doch schon von dem ersten Drink nach der Krise. Wer also mal ein wenig vorschmecken möchte, dem sei das Buch mit den 150 schönsten Bars der Welt empfohlen. Mit dabei sind El Florida in Havanna, Flying Dutchman in Amsterdam, Apotheke in Barcelona, the American Bar in London, Dirty Dick in Paris, Bar Benfiddich in Tokio und natürlich Harry’s Bar in Venedig. Jeder Trinkpalast wird im Bild gezeigt (meist ohne Besucher), dazu gibt es einen kurzen Text zur Entstehung, die Adresse und eine Begründung, warum die Bar unbedingt einen Besuch wert ist. In Deutschland werden u.a. Le Lion Bar de Paris in Hamburg und Schumann’s in München vorgestellt. Gratis dazu gibt’s einige leckere Cocktail-Rezepte.

Juren Lijcops: 150 Bars, die man gesehen haben sollte. 256 Seiten, Gerstenberg. 26 Euro

Gartenlust

David Wheeler, der Erfinder und langjährige Chefredakteur des britischen Gartenheftes Hortus (erscheint seit 1987), hat für sein hübsches Buch die schönsten Geschichten seines Magazins aus den Jahren 2006 bis 2014 zusammengestellt. Da erzählt Isabelle von Groeningen von ihrem Neu-Aufbau der Königlichen Gartenakademie in Berlin und die Journalistin Karin Kerin von einem phantastischen Dachgarten in Manhattan. Der im letzten Jahr verstorbene britische Rosenfachmann David Austin berichtet davon, wie er versuchte, das „Wesen der Rose“ in seinen Züchtungen sichtbar zu machen, und aus der Toskana erfährt man: Einen Olivenhain kauft man nicht, man dient ihm.
Ein wundervolles kleines Buch, das Lust auf die eigene Gartenidylle macht.

David Wheeler (hrsg.): Gartenlektüre – Neue Geschichten englischer Gartenenthusiasten 250 Seiten, Prestel, 20 Euro

Belletristik

Verstörend

Die Geschichte zweier Schwestern, die sich nie kennenlernen, beginnt im 18. Jahrhundert in Ghana. Die eine wird als Sklavin nach Amerika verkauft, die andere heiratet einen englischen Sklavenhändler. Die Schicksale ihrer Nachkommen erzählt die in Ghana geborene, in New York lebende Autorin Yak Gyasi packend und kraftvoll, atemlos folgt man auch den grausamen Bestrafungen, der schrecklichen Lebenssituation der Farbigen nicht nur zu Zeiten des Sklavenhandels. Das Buch endet in der Gegenwart, wenn Marjorie und Marcus, Nachkommen je einer Schwester, nach Ghana heimkehren.
Das erste Buch der Autorin stand wochenlang auf den Bestsellerlisten der USA und wurde in 20 Sprachen übersetzt.
Wir wünschen ihm noch viele, viele Leser.

Yak Gyasi: Heimkehren 410 Seiten, Dumont. 22 Euro

Mediathek + DVD

Unsere wunderbaren Jahre

Unsere wunderbaren Jahre waren nicht nur wunderbar

Nachkriegszeit in Altena, der „Stadt des Drahtes“ im Sauerland. Dort werden die drei Töchter des Unternehmers Eduard Wolf erwachsen und durchleben ihre ersten Lieben, ihre Berufswege mit vielen Umwegen, ihre großen und kleinen Verluste, ihre moralischen Entwicklungen. Mit großartigen Schauspielern wie Katja Riemann und Anna Maria Mühe hat Regisseur Elmar Fischer den Roman von Peter Prange in eindrucksvolle Bilder umgesetzt und dabei besonders auf die Ausstattung geachtet: die Autos und die Mode jener Zeit oder die Einrichtung der Villen. Kleine Betulichkeiten und kitschige Momente sind da gut zu verschmerzen.
Noch bis 23. Juni können Sie in der ARD-Mediathek den Dreiteiler (in der Mediathek als 6-Teiler) „Unsere wunderbaren Jahre“ anschauen und dabei die Corona-Krise fast vergessen.

Peter Hase DVD

Peter Hase ist nicht so harmlos wie er hier aussieht

Die Ostertage sind ideal, um sich mit der ganzen Familie diesen reizenden Film anzuschauen, der nach dem Kultbuch „Peter Rabbit“ der englischen Kinderbuchautorin Beatrix Potter aus dem Jahre 1902 entstanden ist. Die Verfilmung von 2018 ist eine Mischung aus Animation- und Realfilm: der gezeichnete Peter Hase, seine drei Schwestern Flopsi, Mopsi und Wuschelpuschel und sein Cousin Benjamin agieren mit realen Menschen. Ein wunderbarer Spaß voller frecher Hasenstreiche, der im Spätsommer mit Teil 2 fortgesetzt wird.

Klar, alle Museen sind geschlossen, aber trotzdem kann man Kunst genießen, denn viele Häuser haben virtuelle Rundgänge ins Netz gestellt, z.B.:
Das Natural History of Washington , das Rijksmuseum Amsterdam, das
Guggenheim Bilbao und das Belvedere Wien

Das British Museum in London, das Guggenheim New York, die National Gallery of Art in Washington, das Musée d’Orsay in Paris, das National Museum of Modern and Contemporary Art in Seoul, das Pergamon Museum in Berlin, das Van Gogh Museum in Amsterdam, das Getty Museum in Los Angeles, die Uffizien in Florenz und das National Museum of Anthropologie in Mexiko City haben ihren virtuellen Auftritt gebündelt unter dem Link: bit.ly/38OUhUY
Auf dem Sofa ins Museum ist doch auch nicht so schlecht.

Unser Autor

Peter Meleghy berichtet aus Ungarn

Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Webseite www.ungarnaktuell.de , außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com 

Corona in Ungarn

Die Zahlen: Zurzeit sind 300 Menschen infiziert (Stand 27.3.2020). Die verhältnismäßig niedrige Zahl liegt vermutlich daran, dass der Nachweis bisher nur an wenigen Stellen möglich war. 1.500 Bürger sind in Quarantäne, zehn erkrankte sind gestorben und 34 genesen.

Fiebermessung in Budapest

Die Regierung war anfangs unsicher, zögerlich, hat die Epidemiologen aber erstmal nicht gefragt. So waren die vielen Thermalbäder noch Wochen nach den ersten Erkrankungen geöffnet. Seit dem 16. März sind sie endlich geschlossen, genau wie alle Kinos, Theater, Museen, Einkaufszentren und Geschäfte, außer Lebensmittelläden und Apotheken. Schulen und Kindergärten wurden ebenfalls geschlossen, was ein anderes Problem birgt: Kinder erkranken auch am Virus, ohne es zu merken und ohne Symptome zu zeigen. Dafür können sie andere, zumal die Großeltern, anstecken.
Und leider funktioniert der digitale Unterricht in Ungarn noch nicht so wie etwa in Dänemark, von wo eine ungarisch-stämmige Hörerin im Klubradio berichtete: Ihr kleiner Sohn sitzt vor seinem Laptop am Esstisch, folgt dem Schulunterricht mit dem bekannten netten Lehrer und amüsiert sich über das lustige kleine Lehrfilmchen.
Gestern war ich kurz im gut besuchten „DM“, meiner Wohnung gegenüber, und sah entsetzt, dass die Bediensteten keine Schutzmasken trugen. Die seien seit Januar ausverkauft, sagte mir eine von ihnen. Im „Spar“ nebenan auch kein Schutz. Ich trage auf Anraten meiner Hausärztin, wenn ich aus dem Haus gehe, einen dicken schwarzen Schal um Hals und Gesicht, der auch meine Nase bedeckt. Aber mittlerweile bleibe ich fast durchweg daheim: Eine hübsche 16-jährige Nachbarin hat sich bereit erklärt, für mich einzukaufen.
Zur Unterhaltung der vielen Menschen in ihren Wohnungen gibt es einige „Quarantäne-Theater“ im Internet. Zu sehen ist etwa „Die Pest“ von Albert Camus. Nebenan läuft ein Rap-Musical: „Händewaschen!“ Darin kämpft ein Arzt gegen tanzende Viren. Dabei verschwindet der Weißkittel immer wieder, um die Hände zu waschen – während sich die Viren fleißig vermehren. Lustig oder?

Sprechende Statistik
Durch die Corona-Krise können weltweit große und kleine Firmen nicht arbeiten. Passagier- und Warentransport-Flugzeuge fliegen nicht, Schiffe fahren nicht. Dadurch hat sich die weltweite Luftverschmutzung signifikant vermindert. 
Wie die Statistiken zeigen, war die Zahl der Menschen, die in den letzten Monaten an den Auswirkungen der Luftverschmutzung starben, wesentlich niedriger als sonst. Und die Zahl ist auch niedriger als die der Opfer des Corona-Virus. 
Ob sich die Entscheider dies bis nach der Epidemie merken können? Vermutlich nein.  

Das Letzte aus Ungarn
Orbán will die totale Macht, und das Corona-Virus bietet ihm eine Möglichkeit dazu. Er kann während des Ausnahmezustands jedes Gesetz per Verordnung durchbringen. Als Übung hat er schon mal Soldaten zu Firmen geschickt – die ihm gefielen oder auch nicht. Sie sollten nur nachschauen, ob alles in Ordnung sei.
Über das Gesetz zur Verlängerung des Ausnahmezustandes auf unbestimmte Zeit hat das Parlament am 23. März abgestimmt. Zu Orbáns Bedauern wurde die vorgeschriebene vier Fünftel Mehrheit nicht erreicht. Die Opposition stimmte geschlossen dagegen. Bei der Wiederholung am 30. März reichte eine Zwei-Drittel-Mehrheit zur Annahme. Die hatte Orbáns Partei und das kann gefährlich werden.

„Ein Lächeln ist die kürzeste Entfernung zwischen Menschen“

…meinte der Musiker, Schauspieler und Humorist Victor Borge (1909 bis 2000), der eigentlich Borge Rosenbaum hieß und sich selbst als bekanntesten Dänen seit Hamlet bezeichnete.
Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft. Dre Abdruck ist kostenpflichtig. www.butschkow.de

Altes Kasino – Hotel am See, Neuruppin, Brandenburg

Terrasse am See

Direkt am Ruppiner See, der mit 14 km Ausdehnung der längste Brandenburgs ist, liegt das Hotel. Und das seit gut 125 Jahren: 1894 eröffnete das Gasthaus am See, das alte Fachwerkhaus musste allerdings 1972 abgerissen werden. 1993 entstand ein Neubau mit Hotel und Gastronomie, zur Zeit wird das Haus saniert, um am 1.3.2020 in ganz neuem Glanz wieder zu eröffnen.
Am schönsten sitzt man natürlich auf der Terrasse mit Blick auf den See, aber auch der Wintergarten ist einladend. Die 21 Zimmer sind freundlich eingerichtet, die meisten haben Balkon oder Terrasse.
Und im Restaurant gibt es abends Lokales: geschmorte Hirschkeule oder Eglifilet, dazu einen Märkischen Landmann (ein Schwarzbier) oder Fontanes Kastanienlikör.
DZ ab ca. 92 Euro. Foto: Altes Kasino

Malerische Gärten

Dass Claude Monet seine berühmten Seerosen im eigenen Garten porträtierte, ist weithin bekannt. Aber dass Leonardo Da Vinci mehrere Skizzenbücher mit gezeichneten Blüten, Blättern und Kräutern hinterlassen hat und Frida Kahlo Blätter aus ihrem Garten in ihre Gemälde integrierte, wissen vielleicht nicht so viele. Die britische Gartenarchitektin und Filmautorin Jackie Bennett ist durch Europa und Amerika gereist und hat die Gärten großer Maler für ihr neues Buch besucht. Neben einer Kurzbiografie des betreffenden Künstlers, einem Text über dessen jeweiliges Verhältnis zu Natur und Gärtnerei gibt es viele Fotos von Gärten und Gemälden, z.B. von Paul Cézanne, Max Liebermann, Emil Nolde, den Neuengland-Impressionisten und dem englischen Kreis um William Morris. Ein schönes Geschenk nicht nur für Garten-Liebhaber.

Jackie Bennett: Die Gärten der Künstler 224 S., Gerstenberg Verlag, 36 Euro
Foto: Gerstenberg

Flirrende Farben

Stimmt schon: Vom Impressionismus glaubt man ja mittlerweile so gut wie jedes Bild zu kennen. Aber dann ging man vergangenen Winter in die Hamburger Kunsthalle – und siehe da: Die Sammlung, die der dänische Unternehmer Wilhelm Hansen gemeinsam mit seiner Ehefrau Henny ab 1916 in seinem Anwesen Ordrupgaard nördlich von Kopenhagen zusammengetragen hat, verfügt mit Meisterwerken von Malern wie Auguste Renoir oder Camille Pissarro noch über eine ganze Reihe faszinierender Glanzlichter aus der populärsten Kunstrichtung der Moderne. Und wenngleich der Katalog die flirrende Farbpracht der Bilder nur unzureichend wiedergeben kann, als Beleg einer manischen Sammelleidenschaft ist er ebenso nützlich wie als Dokument einer einzigartigen Stilepoche.

Markus Bertsch (hrsg.): Impressionismus. Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard. 240 Seiten, 120 Abb. Wienand. 38 Euro Foto: Wienand

Leckerer Lustmacher

Bald taucht der erste in den Gemüseläden auf: Mit Rhabarber zieht der Frühling übers Land. Er ist zwar ein Gemüse, wird aber bei uns meist als Obst für Süßspeisen verwendet. Dabei schmecken die roten Stangen auch mit Fisch und Fleisch, wie der dänische Fotograf und engagierte Hobbykoch Sören Staun Petersen mit seinem Buch beweist. Also wie wäre es mal mit Lachs mit Ingwer, Kümmel und Rhabarber und danach Rhabarber-Crumble mit Minz-Creme-fraiche-Dressing? Einfach lecker!

Sören Staun Petersen: Rhabarber. Raffinierte Rezepte für Süsses und Herzhaftes. 120 Seiten, LV.Buch. 18 Euro
Foto: LV.Buch

Nach der Möbelmesse im Januar in Köln ist vor der Messe im April in Mailand, auf der dann auch wieder neue Möbel zu sehen sein werden. Wir zeigen ein paar schicke neue Sehnsuchtsstücke:

1. Das bequeme Bett „Friday night“ von Zeitraum . 2. „Sol“ von Team 7, der kleine Schreib- oder Schminktisch aus Naturholz. 3. „Tesaurus“, die feinen Sideboards mit den runden Ecken hat der Designer Antonio Citterio für B&B entworfen www.bebitalia.com . 4. Den kleinen Tisch „Twist“ von Müller Möbelfabrikation aus Metall gibt es in Weiß, Puder und Schwarz. Fotos: Hersteller

Friday Night

Sol

Tesaurus

Twist

27. bis 29. März: Hamburg feiert die Beatles mit einem großen Festival „Come Together“ ! Neben Ausstellungen, Lesungen und Talkshows finden natürlich jede Menge Konzerte von Gruppen wie The Rattles, The Liverbirds, Jon Keats, The Fairies, Hamburg Beat und vielen anderen statt. Initiatorin ist die großartige Musikerin und großer Beatles-Fan Stefanie Hempel.

2.Mai: An Schleswig-Holsteins Ostseeküste feiert man den Welt-Fischbrötchen-Tag – mit Aal, Matjes, Lachs, Makrele und bismarckhering. Und wer mag, kann seine knusprige Semmel auch mit Salat, Mayonnaise und Zwiebeln dekoriert bekommen. Foto: Tourismus Schleswig Holstein

Meldungen aus einem kleinen Land
Peter Meleghy berichtet aus Ungarn

Unser Autor

Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Webseite www.ungarnaktuell.de , außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com 

Kluge Enten und andere Seltsamkeiten
Auf dem Dach des Budapester Innenministeriums nisten Wildenten und schnattern. Dies stört die meisten Herren beim Denken und Diskutieren. Sie würden die Vögel gern loswerden, sogar wenn man sie dafür umbringen müsste. Dies ist aber kaum möglich, denn die klugen Tiere haben für sich einen Platz gewählt, wo man sie nicht sehen kann – nur hören.
Vogelschützer meinen daher, die Herren Politiker sollten sich mit offenen Ohren den Enten nähern. Und zuhören. Es wäre ja möglich, dass sie dabei etwas dazulernten – wie man beispielsweise das tägliche Verkehrschaos vermeiden und für gesündere Luft sorgen könnte. Schaden jedenfalls könnte es nicht.

Krankenhäuser in Not – Lösung in Sicht
Die ungarischen Krankenhäuser sind überfüllt. Mit Kranken! Deshalb nennt man sie Krankenhäuser und nicht anders. Die Menschen, die dort auf Hilfe hoffen, stellen sich oft schon morgens um fünf Uhr an, um eine günstige Wartenummer zu bekommen. Es herrscht Ärztemangel, Schwesternmangel, Gerätemangel. Doch all das hat bald ein Ende. Viktor Orbán hat es selbst angekündigt: Die Warteräume werden geweißt. Ist das nicht wunderbar? Aber ja!
Für die Arbeit wurden von ihm auch schon 140 Milliarden Forint eingeplant, also rund 450 Millionen Euro. Das ist für die Orbán-Familie und ihre Freunde, die garantiert die Aufträge bekommen werden, ein einfaches, gutes Geschäft. Zwar würde das Geld auch für ein neues, schönes, großes Krankenhaus reichen. Aber dabei wäre das Geldverdienen viel komplizierter, und – da ist Logik drin – was würde ein schönes, großes Superkrankenhaus nützen ohne Ärzte, Schwestern und Hilfspersonal. Dann doch lieber weißen.

Helfer, Helfer, Helfer
Vor Weihnachten gab es vor den Sammelstellen der Hilfsorganisationen für Bedürftige lange Schlangen. Die Menschen brachten Kleidung, Bettwäsche, Spielzeug, Konserven mit. Und wenn wieder einmal eine zahlungsunfähige Mutter mit mehreren Kindern aus ihrer Wohnung geworfen wird, kommt das fehlende Geld von Privatspendern innerhalb weniger Tage zusammen. Auch als ein oppositioneller Politiker im Parlament eine Tafel hochhielt mit dem Text „Orbán lügt!“ und dafür vom Parlamentspräsidenten des „Hohen Hauses“ mit einer hohen Geldstrafe bestraft wurde, war sein Bankkonto bald wieder gefüllt.

Heldenhafte Richter
Ein anderer oppositioneller Abgeordneter – Vertreter zumindest eines Teiles des Volkes – wollte vor ca. drei Monaten ins staatliche Rundfunk- und Fernsehgebäude, um dort ein Protestschreiben zu verlesen. Er wurde abgewiesen, und als er nicht ging, von drei Pförtnern angegriffen und zu Boden geworfen, wobei der Parlamentarier einem der Angreifer recht fest in die linke Wade kniff. Dafür wurde er wegen Körperverletzung angeklagt. Der Streit ging durch drei Instanzen, weil Staatsanwalt zweimal Revision einlegte. Doch auch das Oberste Gericht entschied für den Abgeordneten und ermahnte den Direktor der Fernsehanstalt. Dazu brauchen Richter in Ungarn Mut. Aber in letzter Zeit gibt es immer mehr mutige Richter.

Kontrolle mit einem Lächeln
Wer über 65 Jahre alt ist, braucht in Ungarn für Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln keinen Fahrschein zu kaufen. Kinder unter einem bestimmten Alter und junge Menschen mit einschlägigem Ausweis müssen ebenfalls kein Ticket lösen. So kam es, dass mich jugendlichen 80er vor wenigen Tagen eine Kontrolleurin mit einem feinen, zurückhaltenden Lächeln fragte:“ Den Pfadfinder-Ausweis haben Sie natürlich dabei!“ Das hatte ich zwar nicht, dafür aber ein breites Lächeln!

Fotos: privat/UngarnTV

Tate Modern, London 12.3. bis 6.9.2020:
Andy Warhol

Andy Warhols „Flowers“

Zwanzig Jahre ist es her, dass in London zuletzt eine Andy Warhol Ausstellung gezeigt wurde. Nun befand die Tate Modern, es sei mal wieder an der Zeit, dem Ausnahmekünstler (1928 bis 1987) eine große Show zu widmen. In Zusammenarbeit mit dem Kölner Museum Ludwig trug man über 100 Werke zusammen, an denen die Entwicklung des Künstlers in den turbulenten Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern mit ihren großen sozialen, politischen und auch technischen Veränderungen nachzuvollziehen ist.
Zu sehen sind u.a. seine Bilder „Green Coca-Cola Bottles 1962“, „Marilyn 1962“, Selbstporträts von 1964, 1967 und 1986, „Mao 1972“ und „Dolly Parton 1985“.
Vom 10. Oktober 2020 bis zum 21. Februar 2021 ist die Ausstellung dann im Kölner Ludwig Museum zu sehen. Foto: Andy Warhol: Flowers © Foto:Tate, London

 

Wenzel-Hablik-Museum, Itzehoe bis 14.6.2020:
Glashäuser, Luftgebäude und Sternengrüße. Utopien des Bauens – Wenzel Hablik und der Briefzirkel „Gläserne Kette“

Glashaus- Entwurf

Der Maler, Grafiker und Kunsthandwerker Wenzel Hablik (1881 bis 1934) zweifelte an den traditionellen Wohnformen seiner Zeit und fragte 1920: “Wo steht es denn geschrieben, dass der Mensch ewig in „Ziegelkisten“ zu wohnen hat?“ Schon 1903 hatte er erste Kristallbauten gezeichnet, danach Luftgebäude und fliegende Siedlungen erdacht. 1919 nahm er an der von Walter Gropius organisierten Schau „für unbekannte Architekten“ teil und trat der Künstlergemeinschaft „Gläserne Kette“ bei, zu der auch Bruno Taut und Hans Scharoun gehörten.
Das Wezel-Hablik-Museum zeigt jetzt Zeichnungen und Gemälde des Künstlers und Briefe und Entwürfe der Mitglieder der „Gläsernen Kette“, die allerdings nur bis Ende 1920 existierte. Foto: Wenzel Hablik Museum

Aus welcher Richtung auch immer man auf Urbino zufährt, der erste Eindruck ist immer: Hier sitzt die Macht. Die gewaltige Festung auf dem Hügel strahlt Kraft, Stärke und massive Abwehr aus und ist absolut beeindruckend.

Der mächtige Palazzo Ducale

In der rund 1500 Jahre alten Stadt angekommen, parkt man am besten auf dem Borgo Mercatale an der Porta Valbona, denn von diesem großen Parkplatz kann man mit einem Fahrstuhl ins Zentrum hinauf fahren. Man landet auf dem Corso Garibaldi auf der Rückseite des Palazzo Ducale. Der gigantische Herzogpalast wurde zwischen 1463 und 1472 für Federico da Montefeltro erbaut, einen höchst erfolgreichen Heerführer und Politiker und großen Mäzen. Heute gehört der Palast zum Weltkulturerbe, in dem jetzt die Galleria Nazionale delle Marche und das Museo Archeologico residieren. Riesige Renaissance-Gemälde sind hier zu bestaunen, u.a. von Tizian und Raphael, der in Urbino geboren wurde und dessen Geburtshaus besichtigt werden kann. Im Museum wird noch bis zum 13. April die Ausstellung „Raphael – die Farben der Renaissance“ gezeigt, denn man erinnert 2020 in ganz Urbino an den 500. Todestag des Künstlers.
Aber vorher schlendert man ein wenig durch die engen Gassen und schaut vielleicht in die Kirche San Domenico von 1365 und auf jeden Fall in den Dom von 1604. Am 12. Januar 1789 zerstörte ein gewaltiges Erdbeben die Kuppel des Doms, die 1801 im neoklassischen Stil wieder errichtet wurde.

Eine Pause unter schattigen Arkaden

An der Piazza della Republica sollte man eine Pause einlegen. Am besten sucht man sich einen Tisch unter den schattigen Arkaden und bestellt ein Bier oder einen kühlen Weißwein, denn zu Alkohol werden hier kleine, leckere Häppchen serviert, die den ersten Hunger stillen.
Dann geht es weiter die Via Raffaello hinauf, dort steht das Geburtshaus des Meisters, das erstaunlich groß und luxuriös und heute ein kleines, privates Museum ist. Im Erdgeschoss hatte der Vater Giovanni Sanzio seine Malerwerkstatt, in der

Kunst in Urbino

er meist Aufträge des Herzogs ausführte und früh seinen Sohn anlernte. Im ersten Stock, in einem wunderschönen Raum mit herrlicher Kassettendecke, hängen drei Werke des Vaters. Daneben, in einem kleinen Seitenraum, in dem Raphael wohl geboren wurde, hängt das Bild „Madonna mit Kind“, das der Sohn mit erst 15 Jahren gemalt haben soll. Im kleinen gepflasterten Innenhof gibt es einen eigenen Brunnen.
Geht man die steile Via Raffaello weiter hinauf, dann gelangt man schließlich an die Piazzale Roma mit einer imposanten Statue des Künstlers – und einem großartigen Ausblick in die herrliche Landschaft der Marken. Und vom großen „Parco della Resistenza“ mit vielen Bänken gleich nebenan hat man den schönsten Blick auf die engen Gassen Urbinos.
Fotos: CO