„In meinem Leben hat mich nichts mehr inspiriert und bewegt als Menschen. Das Gefühl zu teilen brauche ich wie die Luft zum Atmen. „Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen.“ Dieser Satz von Beethoven ist mir heilig, weil er einfach genau das beschreibt: Es geht um teilen, nicht ums Besitzen.“

Der deutsch-russische Pianist Igor Levit in Chrismon 7/8 2020 in der Rubrik „Fragen an das Leben“. Levit stammt aus einer jüdischen Familie, ist Mitglied der Grünen und engagiert sich für Fridays for Future. Er ist Professor in Hannover und lebt in Berlin.
 

Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
www.butschkow.de

 
 

Hotel Al Capello Rosso, Bologna

Die Lage ist geradezu ideal: Kaum 200 Meter vom Dom und der Piazza Maggiore entfernt steht in einer ruhigen Gasse das kleine, feine Hotel – nicht nur für Rothaarige. Alle Hotelzimmer sind unterschiedlich dekoriert, von knallblauen Wänden mit weißer Schrift über sattrote mit jeder Menge gerahmter Schwarzweiß-Porträts bis zu wandgroßen Comics. Die Bäder hat man praktisch und unspektakulär ausgestattet. Das Frühstücksbüfett war vor Corona recht einladend. Das Hotel öffnet wieder ab 23. August. DZ ab ca 110 Euro.
Foto: Al Capello Rosso

Kochen:

Nur ne Suppe?

Wer bloß schnell ne Suppe auf den Tisch bringen möchte, der ist hier falsch. Der Trend zu den japanischen „Ramen“ hat nichts mit Schnelligkeit zu tun.  Ramen zu servieren erfordert Zeit, denn die Grundlage sind Knochen, die über viele Stunden ausgekocht werden müssen. Diese Brühe wird dann gewürzt, mit sogenanntem „Tare“, das aus Soja, Salz, Sake, Reisessig und vielem anderen hergestellt wird. Zuletzt bereitet man die Toppings zu, z.B. Huhn oder Schweinebauch, verschiedene Gemüse oder Eier.
In ihrem Buch „Ramen Otaku“ erzählt die Amerikanerin Sarah Gavigan wie sie zum Fan wurde, erklärt die komplizierten Rezepte und gibt auch einen Rat, wie Ramen zu essen ist:  Aroma schnuppern, genussvoll die langen Nudeln schlürfen, Topping probieren – und zum Schluss hoch mit der Schüssel und austrinken.

Sarah Gavigan: Ramen Otaku – Japans Spezialitäten für Nudel-Nerds
232 S., 22,80 Euro, Unimedica Verlag. Foto: Unimedica
 

Kunst:
 

Nur Papier

Profaner geht es eigentlich kaum: ein großer Bogen Papier, auf dem eine Mitteilung steht. Doch dass sich hinter dieser eher schlichten Definition des Plakats ein gewaltiger Kosmos auftut, war in diesem Frühjahr im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu besichtigen. Mit knapp 500 Postern dokumentierte das Haus, das mit rund 100000 Exemplaren eine der größten Plakatsammlungen Deutschland besitzt, die spektakuläre Karriere der bunten Blätter. Sie begann (nach einigen sporadischen Vorläufen) Anfang des 19. Jahrhunderts, und schon nach rund 80 Jahren erreichte sie ihren, bis heute nicht wieder erreichten, Höhepunkt: Künstler wie Henri Toulouse-Lautrec oder Alfons Mucha entwarfen im Frankreich des Jugendstils Blätter, die immer noch viele Wohnzimmer schmücken. Aber auch danach entstanden bis heute zahlreiche eindrucksvolle Exemplare, und ob es nun um das jüngste Theaterstück, das neueste Auto oder die nächste Wahl ging – gute Plakate waren (und sind) einfach famose Hingucker. Auch in diesem Katalog, obwohl er die farbige Vielfalt notgedrungen nur verkleinert abbilden kann. PM

Jürgen Döring: Das Plakat. 200 Jahre Kunst und Geschichte.
384 S., 480 farbige Abb. Prestel. 49 Euro. Foto: Prestel
 

Nur Frauen

Wer die großartige Ausstellung der Schirn in Frankfurt versäumt hat, der hat mit dem Katalog die Chance, richtig in das Thema einzutauchen: Die „Fantastischen Frauen“ sind 36 Künstlerinnen mit ihren rund 260 surrealistischen Werken. Mit dabei sind bekannte  Frauen wie Dorothea Tanning oder Meret Oppenheim, Frida Kahlo oder Louise Bourgeois, aber auch viele zu Unrecht (fast) vergessene Künstlerinnen aus aller Welt. Neben der Abbildung der wahrlich phantastischen Bilder bietet der Katalog lesenswerte Essays zu einzelnen Protagonistinnen, zu Fotografinnen, zu Surrealismus in Belgien, Mexiko und den USA. Die Herausgeberin Ingrid Pfeiffer ordnet in ihrem exzellenten Beitrag die einzelnen Künstlerinnen in die Bewegung ein, bewertet ihre Arbeiten und stellt klug ihre jeweilige Bedeutung heraus. Am Ende des Bandes stehen kurze Biografien der 36 Künstlerinnen.

Ingrid Pfeiffer (hrsg.): Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo
420 S., 350 farbige Abb. Hirmer. 49,90 Euro. Foto: Hirmer

 

 

Rolf Benz : Der italienische Designer Luca Nichetto hat ein Sitzsystem namens „Liv“ entwickelt, das aus verschiedenen Sofas und Sesseln, in zwei Sitztiefen, zwei Sitzhöhen, verschiedenen Breiten und je nach Wunsch vielen losen Kissen  besteht. Foto: Benz

Folkwang, Essen, 21.8. bis 29.11.2020
Keith Haring

85 Werke des Amerikaners Keith Haring (1958 bis 1990) hat man in Essen zusammengetragen: Gemälde, Zeichnungen, Plakate, Fotografien und Videos zeigen die enorme Bandbreite des Künstlers. Haring gilt als eines der Sprachrohre seiner Generation, das sich mit Themen wie Diktatur, Rassismus, Homophobie, Drogensucht, Aids, Kapitalismus und Umweltzerstörung auseinander setzte. Seine mehr als 5000 Subway Drawings, die er von 1980 bis 85 im Tunnelsystem der New Yorker U-Bahn sehr schnell, ohne die Kreide abzusetzen zeichnete, sind legendär und durch einen befreundeten Fotografen gut dokumentiert.
Foto: Folkwang

Fondation Beyeler: Gute Nachricht aus Basel – die Edward Hopper- Ausstellung konnte
bis 20. September verlängert werden.

Olivia Jones als Freiheitsstatue


 Tickets gibt es online unter https://shop.fondationbeyeler.ch/de/tickets.html
Ballinstadt: Im Hamburger Auswanderer Museum gibt es noch bis zum 31. Oktober die Sonderausstellung „Fluchtursache Liebe“ mit erschütternden und berührenden Lebensgeschichten zu sehen – die meisten aus der Welt der Homosexuellen. Schirmherrin der Ausstellung ist die Drag Queen Olivia Jones. Foto: Auswanderer Museum
                                                                                        

 

 

 

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                          

Der Kampf um die Brücke und mehr

Die Kettenbrücke über der Donau, die beide Stadtteile Buda und (gesprochen) Pescht verbindet, wurde 1849 erbaut und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1947 wieder aufgebaut. Jetzt ist sie in die Jahre gekommen. Kein Wunder: trägt sie doch gut besetzte Straßenbahnen, jede Menge Autos und dazu auch noch reichlich Fußgänger.  
Geld für die Sanierung wäre da gewesen. Doch im Frühling dieses Jahres verstaatlichte Ministerpräsident Viktor Orbán die Einnahmen der Hauptstadt aus den Parkgebühren. Er schuf ein neues Gesetz, das durch seine Zweidrittel-Mehrheit im Parlament sogleich angenommen wurde. So landete das das Geld, was man für die Sanierung hätte nutzen können, in anderen Taschen.

Der junge Bürgermeister von Budapest

Inzwischen allerdings ist etwas Seltsames geschehen: Der neue, junge Oberbürgermeister von der Opposition wird durch seine grünen Ideen – mehr Bäume, mehr Fahrradwege – immer beliebter. So beliebt, dass in Karácsony Gergely viele den neuen Ministerpräsidenten sehen.
Orbán bekam es offenbar mit der Angst und holte seine schärfste Waffe hervor: Geld-Versprechen. Er sagte wörtlich: „Wenn Karácsony verzichtet auf die Kandidatur verzichtet, wird es Budapest gut gehen.“ Karácsony beruhigte ihn, er habe mit der Hauptstadt genug Sorgen und werde nicht kandidieren. Und viele denkende Menschen meinen: „Es würde erst einmal reichen, wenn Orbán die Parkgebühren zurückgeben würde.“          

Der neue Witz
Die Demokratie in Ungarn ist wie eine Diskussion – mit abschließender Abstimmung – zwischen zwei Wölfen und einem Lamm darüber, wen die beiden anderen zum Abendessen verspeisen dürfen.

Demonstration gegen Orbán

„Freies Land – freie Presse!“
Das skandierten über tausend Menschen, die am 24. Juli vor die Residenz Viktor Orbáns in der Budaer Burg gezogen sind. Grund der Demonstration war die Entlassung des Chefredakteurs des populären oppositionellen Nachrichten-Portals: „INDEX“.
Nach der Gleichschaltung der Regionalpresse und Schließung der größten Tageszeitung Népszabadság („Volksfreiheit“) ist dies ein weiterer Schlag gegen die Pressefreiheit in Ungarn. Fotos: privat/ungarnheute

 

Der Innenhof des Cafes

Dieses Mal beginnen wir unseren Stadtspaziergang ganz geruhsam, mit einem ausgiebigen Frühstück im romantischen Garten des Cafes „Zum Händel“  in der Großen Nikolaistraße. Der Hinterhof steht voller hoher Bäume, dazwischen gibt es hübsch bepflanzte Beete, große Sonnenschirme und jede Menge liebevolle Dekorationen. Auch im Lokal im Souterrain gibt es vieles zu entdecken: Pflanzen, Kerzen und Vasen, Trödel und Antiquitäten.  Und das Frühstück ist köstlich!
Nebenan steht – nicht sehr überraschend – das Händelhaus, in dem der Barockkomponist Georg Friedrich Händel 1685 geboren wurde und bis 1703 lebte (gestorben ist er 1759 in London). Heute beherbergt es ein Museum mit Dokumenten zu Händels Lebensgeschichte und seinem Werk, dazu historische Musikinstrumente.

Das Händel-Denkmal auf dem Marktplatz

Anschließend sind es nur wenige Schritte bis zum Marktplatz mit dem Händeldenkmal, der dreischiffigen Hallenkirche St. Marien, dem 84m hohen RotenTurm von 1506, einem Stadthaus von 1894 und dem schlichten Ratshof von 1928. Nehmen Sie auf einer der Bänke Platz und sehen Sie dem lebendigen Treiben vor sich ein wenig zu.
Genug geschaut? Dann los: Gehen Sie die Schmeerstraße entlang bis zum  Alten Markt mit dem Eselsbrunnen  von 1906, der zeigt, wie ein Esel auf Rosen geht. Der Legende nach waren die Blumen für den Einzug Otto I. (912 bis 973) in die Stadt gestreut worden, der musste aber den Weg ändern, weil die Saale über die Ufer getreten war. So konnte ein Müller mit seinem Esel über Rosen schreiten.
Ein paar Schritte weiter findet man das 1989 in Köln gegründete „Beatles Museum“, das aus einer Sammlung hervorging, die 1964 begonnen wurde und zuerst als Wanderausstellung existierte. Als ein fester Standort gesucht wurde, landete das Museum in Halle. Neben der Geschichte der Band und den folgenden Einzelkarrieren der Vier, die mit Covern, Fotos, Fan-Artikeln dargestellt werden, gibt es einen Shop mit jeglichem Schnickschnack, der die Fab Four verherrlicht.
Weiter geht’s zum Moritzkirchhof mit der St. Moritzkirche, ebenfalls einer dreischiffigen Hallenkirche aus der Spätgotik, erbaut von 1388 bis 1511. Und jetzt durch die Reyhauptstraße, vorbei am Hallmarkt und der Rückseite der Marktkirche St. Marien, über den Hallorenring bis zur Domstraße.  Die lange hohe Mauer verbirgt die Neue Residenz  von 1531 mit einem beschaulichen Innenhof. Auf 1500qm kann man sich auf Bänken niederlassen und Beete, Bäume, Sträucher und Skulpturen bewundern. Ein Café gibt es auch.
Nebenan steht der Dom von 1271 mit einer Orgel von 1851, die umfassend restauriert wurde und seit Weihnachten 2018 wieder erklingt.

Im Innenhof der Moritzburg

Über den Domplatz gelangt man durch die Mühlgasse zum Schlossberg mit der ältesten noch erhaltenen Mühle von 1582, die vom Mühlgraben betrieben wurde. Und nun nur noch den Berg hinauf zur imposanten Moritzburg von 1484, die als Festung und Schloss gebaut wurde. 1625 besetzte Wallenstein die Burg, 1637 zerstörte ein Feuer große Teile der Anlage, im Siebenjährigen Krieg diente sie als Lazarett, später auch mal als Brauerei oder Lagerhalle. Seit 1904 ist die Moritzburg Museum, 1929 hatte der Maler Lyonel Feininger eine Zeitlang sein Atelier in der Festung. 2003 begann das spanische Architektenpaar Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano den Umbau, der nicht nur ein spektakulär aufgefaltetes Dach brachte, sondern auch mehr Ausstellungsfläche schuf. Der Bau wurde 2010 mit dem Architekturpreis „Nike“ ausgezeichnet.
Das eindrucksvolle „Kunstmuseum Moritzburg“ beherbergt heute unter anderem „Kunst in Deutschland im 20. Jahrhundert“ und auch „sakrale Kunst von Mittelalter bis Barock“. Welch ein Erlebnis!
Und wenn das Wetter es erlaubt, nehmen Sie im Burghof im „Moritzkunstcafé“ Platz und genießen Kaffee und hausgemachten Kuchen, Panini oder Tramenzzino, Pasta mit Pesto oder Flammekuchen und ein schönes Glas Wein aus der Gegend Saale-Unstrut.

Fotos: CO/T.Ziegler

„Mir wird manchmal vorgehalten, ich sei zu gut gelaunt. Aber ich bin nun mal optimistisch, ich lache gerne. Wenn ich sauertöpfisch rumliefe, würde es der Sache auch nicht weiterhelfen. Außerdem sollen die Menschen ruhig sehen, dass Politik auch Spaß macht. Mich hat niemand dazu gezwungen, ich mache das gerne! Aber ich habe oft das Gefühl, so etwas verstößt gegen die Konventionen. Politiker müssen wohl eher an ihrem Amt leiden.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze im politischen Fragebogen der Zeit
vom 20. Mai 2020.
Foto: Bundesregierung

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
www.butschkow.de

 

Art Hotel Weimar
Kunst gucken kann man im ganzen Hotel, in jedem Zimmer, im Frühstücksraum, in allen Fluren hängen Werke unbekannter Künstler, da kann man durchaus Kleinode entdecken. Das Hotel liegt in einer ruhigen Wohnstraße nicht weit vom Park an der Ilm. Von dort sind es gerade mal 800 Meter bis zum Goethehaus am Frauenplan, zu der phantastischen Anna Amalia Bibliothek und dem neuen Bauhaus Museum.
Die Zimmer sind sehr großzügig mit gefliestem Boden, das Bad ist funktional und das Frühstück üppig.
Fotos: Art Hotel Weimar

 

Garten:
Zum Träumen schön

Ein Sehnsuchtsort für Gartenliebhaber sind sicher die herrlichen Parkanlagen von Marrakesch. Aber wer weiß, wann man dort wieder hin kann? Als kleinen Ersatz und schönen Vorgeschmack auf eine spätere Reise empfehlen wir das Buch „Die Gärten von Marrakesch“, in dem zwanzig der schönsten vorgestellt werden.
Die eindrucksvollen Fotos machen Lust auf Olivenhaine, Zitrusplantagen, riesige Dattel- und zarte Hanfpalmen, in Form geschnittene  Pomeranzen, Papyrus, Bougainvilleen, Zypressen, Bananenstauden und Philodendren, Dazwischen maurische Paläste, Brunnen, Kanäle und Wasserbecken.
Die Autorin Angelika Gray beschreibt jeden Garten detailliert und erzählt von  deren Geschichte, die ältesten stammen schon aus dem 12. Jahrhundert. Eine kleine Karte, ein faktenreiches Glossar und alle wichtigen Besucherinformationen ergänzen das Buch.

Angelika Gray: Die Gärten von Marrakesch, 128 S., Gerstenberg Verlag, 19,95 Euro. Foto: Gerstenberg
 

Kultur:
 Weißwurst und Co.

Wir Nordlichter denken oft nur an Markus Söder, Weißwürste, viel Bier und Fußball, wenn es um Bayern geht. Deshalb war es wirklich an der Zeit, mal unseren Horizont zu erweitern, zum Beispiel mit diesem Buch, in dem u.a. von moderner Blasmusik, einem Kartoffel-Start-Up auf dem Viktualienmarkt und gruseligen Masken berichtet wird. In jedem Kapitel gibt es großzügige, anschauliche Fotos, einen unterhaltsamen Text und leckere Rezepte und dazu Tipps von ungewöhnlichen Menschen wie einer Waldbademeisterin oder der Äbtissin des Klosters Waldsassen, einer Kapitänin auf der Donau oder einem wilden Winzer. Vermissen tut man in dem inspirierenden Buch nur eine Karte, damit man sich auf eine Bayernreise besser vorbereiten kann.

Karin Lochner: Zu Gast in Bayern, 210 S., 39,95 Euro, Callwey Verlag
Foto: Callwey


Biografie:
Welch ein Leben!

Ein großer Erzähler ist er nicht, der Innenarchitekt, Designer und freie Journalist Rolf Everding, geboren 1933 in Schaumburg-Lippe. Aber sein Buch „Wiedersehen mit einem Leben“ ist auch kein Roman, in dem man eine Struktur, einen Spannungsbogen und eine lebendige Sprache erwarten darf. In 53 Kapiteln berichtet Everding vielmehr ausführlich und gern auch abschweifend von seiner Kindheit auf dem Dorf in der NS-Zeit, seiner Ausbildung in der Nachkriegszeit und seinem Berufsleben als Möbeldesigner, als Dozent in Detmold und schließlich als Journalist mit dem Schwerpunkt Golfreisen.
Vor allem die vielen Details aus einem „normalen“ deutschen Leben lohnen die Lektüre. So erfährt man, dass der junge Everding nicht Klavierspielen lernen konnte, weil sein Vater ein Akkordeon für 200 Zigaretten statt ein Piano eingetauscht hatte, und dass sein Opa dem Ortsgruppenleiter in SA-Uniform riet, sich die Geburtstagsgrüße sonstwo hinzustecken, ihm aber trotzdem ein Bier aufmachte. Und seine drei Jahre in einer Lungenheilanstalt und dem schwer erkämpften Studium in Detmold lässt Everding ebenso wenig aus wie seine Erlebnisse mit verfolgten Juden, misshandelten Kriegsgefangenen und hoffnungslosen Flüchtlingen.
Lesenswert auch für junge Menschen.

Rolf Everding: Wiedersehen mit einem Leben. 160 Seiten, Tredition Verlag. 17,90 Euro Foto: Tredition

 


DVD:
Chloe

Er ist zwar schon zehn Jahre alt, aber immer noch aufregend:
Der Film „Chloe“ mit Julianne Moore, Liam Neeson und Amanda
Seyfried ist bis zum Ende spannend und verwirrt den Zuschauer
ziemlich. Wer lügt hier? Wer betrügt? Wer ist denn so naiv?
Der erotisch aufgeladene Thriller ist toll gespielt, herrlich ausgestattet
und beschert auf jeden Fall einen unterhaltsamen Abend. (Studiocanal)

Chloe DVD, 5,99 Euro Foto: Studiocanal

 

Driade: Das schicke Sideboard „Love“ hat der italienische Designer Fabio Novembre entworfen. Aus hochglänzendem MDF mit Metallbuchstaben gefertigt, lieferbar in zwei Größen mit zwei Fächern und zwei Schüben und Ton-in-Ton oder kontrastierend farbig lackiert. Ein Hingucker!
Design House Stockholm: Der Erfolg der Knotenkissen hat den Hersteller veranlasst, die Kissen (35x29x20cm groß) nun in insgesamt zwölf Farbtönen herauszubringen, von zartem Grau bis zu leuchtendem Orangerot. Fotos:Hersteller

 
 

 
 
 

Guggenheim, Bilbao, Spanien, bis 4.4.2021
Olafur Eliasson: In Real Life

Licht ist seine Spezialität

In Bilbao hat man jetzt dem dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson (geb. 1967), der ein Studio in Berlin unterhält, eine umfassende Werkschau gewidmet. Mit dabei natürlich seine „Little Sun“, die Solarlampe für Gegenden ohne Strom, und in verschiedenen Hallen seine Experimente mit leuchtenden Spiralen, mit Wänden aus Naturmaterialien, mit farbigen Nebeln und mit Räumen, die vom schmelzenden Eis seiner Heimat hinterlassen werden. Ein Highlight der Schau ist sicher die „Big Bang Fountain“, bei der Licht aus dem ausströmenden Wasser scheinbar Skulpturen formt, die sofort wieder vergangen sind. Foto: Guggenheim

Kunstdrucke: Damit man nie wieder auf seine Lieblingsbilder verzichten muss, weil alle Museen geschlossen sein müssen, gibt die Fondation Beyeler  in Riehen bei Basel jetzt Kunstdrucke ihrer schönsten Gemälde heraus. Monet und Picasso gibt es ab 65 Franken, einen Hopper bekommt man schon für 49 Franken.
Badekultur: Am 5.Juli eröffnet in Bad Rappenau bei Heilbronn das weltweit erste Bikini Art Museum (BAM) über die erfolgreiche Geschichte der Bademode – natürlich mit vielen Fotos von leicht bekleideten Weltstars wie Ursula Andress, Grace Kelly, Marilyn Monroe und nicht zu vergessen Brigitte Bardot, dazu Politiker in Badehosen, Skulpturen, Gemälde und selbstverständlich auch echte Bikinis. Schauen Sie doch mal rein: www.bikiniartmuseum.com

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                          

 

                                                                    Früher war’s doch besser
Nach einer repräsentativen Umfrage findet eine deutliche Mehrheit der Ungarn, dass sie in den letzten Jahren des Kommunismus, der Kadar-Ära, besser gelebt hat als heute. Selbst 54 % der Wähler der Regierungspartei Fidesz sind dieser Meinung, obwohl sie auch die negativen Seiten des alten Regimes sehen.  

Ministerpräsident: Realitätsfremd
Viktor Orbán gebärdet sich immer mehr als Diktator. Er entscheidet alles allein, seine Vasallen, die gut davon leben, folgen ihm. So glaubt er tatsächlich, dass niemand in Ungarn merkt, wie er EU-Gelder stiehlt.
Dass er schon als junger Politiker mit der Realität recht willkürlich umging, zeigt der Bericht einer Frau, die im März 1988 kurz nach der Gründung der Fidesz-Partei beitrat und bei einer Feier mit Orbán und zwei Freundinnen an einem Tisch saß. Er sprach lange über die glänzende Zukunft. Schließlich verabschiedete er sich: „Auf Wiedersehen meine Herren!“ Die Berichterstatterin, die bald die Partei verließ, sagte: „Aber Viktor, merkst du denn nicht, dass du hier am Tisch der einzige Mann bist?“ Die Antwort: „Nehmt es als Kompliment!“

Der Turnlehrer auf dem Bügelbrett

Zur Quarantänezeit unterrichten in Ungarn – wie in anderen Ländern auch – Lehrerinnen und Lehrer per Skype,
E-Mail, Facebook usw. Der Turnlehrer eines Gymnasiums in Makó, Südungarn, László Vesenyi, zeigte seinen Schülerinnen und Schülern, wie man daheim schwimmen lernt. Auf dem Video, das er ihnen schickte, sah man ihn in

kreatives Schwimmen

seinem Arbeitszimmer mit Bademütze, Schutzbrille und Schwimmdress. Vor ihm ein (gut verstärktes) Bügelbrett. Das erklettert der mehr-als-100-Kilo-Mann und zeigt die verschiedenen Schwimmarten, Brust-, Kraul- und Rückenschwimmen – gut sichtbar, verständlich und nachmachbar. Seine Schulleitung verbot ihm allerdings den Unterricht auf dem Bügelbrett, wenn auch zu spät, und verdonnerte ihn dazu, seine fortan geplanten Stunden vor dem Unterricht dem Direktor schriftlich zu zeigen. Inzwischen – zum Glück – ist das Schuljahr zu Ende. So hat Turnlehrer Vesenyi Zeit noch zu überlegen, ob er die Schule verlässt. Er meint jetzt,
er werde wohl gehen.
Anschauen kann man sich seine Schwimmübungen, wenn man „Tornatanár a vasalódeszkán“ googelt.

Corona-Zeit zu Ende
Am 16. Juni hat das ungarische Parlament einstimmig beschlossen: Die Epidemie ist vorbei. Wird wohl so sein, wenn selbst die Opposition das meint. Cafés und Restaurants waren schon seit Tagen offen; Theater und Kinos zogen jetzt nach. Es ist allerdings auch höchste Zeit: Während der Quarantäne haben die Ungarn durchschnittlich drei Kilo zugenommen – viele natürlich wesentlich mehr.
Das Spoon Restaurant (rechts) in Budapest darf wieder besucht werden.
Fotos: Blikk/ privat
 

Der unendliche Strand von Cabourg

Man würde sich wirklich nicht wundern, käme einem hier eine Dame in schwingendem, knöchellangem Rock mit riesigem Strohhut oder zierlichem Sonnenschirm entgegen – auf der Atlantik-Promenade im normannischen Badeort Cabourg an der Cote Fleurie (Blumenküste). Ende des 19. Jahrhunderts war sie hier sicher ein vertrauter Anblick.
1850 entdeckte der Pariser Anwalt Henri Durand-Morimbau das kleine Fischerdorf mit 370 Einwohnern und kaufte nach und nach alle strandnahen Grundstücke. 1854 ließ er das erste Casino aus Holz errichten, und ab 1860 entstanden 200 wunderschöne Villen an der heute drei Kilometer langen prächtigen Promenade. Der breite Sandstrand ist sogar vier Kilometer lang. Paul Leroux, ein junger Architekt aus Caen, entwarf den Plan für den neuen Ort Cabourg-les-Bains, in dem alle Straßen sternförmig vom Grand Hotel ausgingen.

Die Architektur in Vabourg ist unbedingt sehenswert

Begeisterter Besucher des feinen Badeorts war der Schriftsteller Marcel Proust (1871-1922), nach dem die Promenade jetzt benannt ist. Proust wohnte zwischen 1907 und 1914 jeden Sommer im frisch erbauten Grand Hotel, angeblich in Zimmer 414, und schrieb hier große Teile seines Werkes „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, in dem Cabourg als „Balbec“ auftaucht. Deshalb heißt auch das Restaurant des Grand Hotel „Le Balbec“. Der Hotelbau gilt als einer der schönsten noch erhaltenen der Belle Epoque.
Startet man hier zu einem kleinen Bummel, durchquert man zuerst den charmanten „Jardin du Casino“ mit der Statue von Charles Bertrand, dem Eigentümer des Grundstücks, der 1907 das alte Holzkasino abreissen und das prächtige Grand Hotel erbauen ließ. Die meisten der von hier fächerförmig abgehenden Straßen sind reine Wohnstraßen mit beeindruckenden Villen und üppigen Gärten. Gehen Sie die Avenue de la Mer entlang, hier tobt das – touristische – Leben mit Andenkenläden, Bars, Restaurants, Cafés und Creperien, meist mit schönen Terrassen an der Straße.
Schließlich kommt man am Rathaus und dem Tourismusbüro, dann auf der Avenue de Hippodrome am Friedhof vorbei über das kleine Flüsschen La Divette und schon ist man am Hippodrome, der berühmten Pferderennbahn, auf der im Sommer normalerweise viele Rennen stattfinden und immer heftig gewettet wird.
Falls Sie hier nichts gewinnen, können Sie den Weg zurück gehen, und im Casino im Grand Hotel Ihr Glück versuchen. Oder Sie stürzen sich in die Fluten des Atlantiks und genießen Sonne, Meer und den nostalgischen Charme von Cabourg.

Fotos: Tourismusbüro Cabourg

„Wir dürfen nicht auf Straßenumfragen reagieren, die sind unerheblich. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.“

Eckart von Hirschhausen, Arzt und Fernsehmoderator, im „Politischen Fragebogen“ der Zeit vom 2. April 2020.
Foto: Hirschhausen

 

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

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