„Seit ich weniger Zucker esse, nicht mehr rauche und das Kiffen sein lasse, wird das Gehirn immer schneller. Das ist geil, das genieße ich sehr. Klarer Kopf ist eigentlich die geilste Droge.“

Der Schauspieler und Fotograf Armin Rohde, der eigentlich Armin Kurt Rohde – Baron von Schilling heißt, in einem Interview mit dem Stern vom 13. August 2020.
Foto: Wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Schloss Purschenstein, Neuhausen, Erzgebirge 
Wollten Sie nicht immer schon mal zum Wandern ins Erzgebirge? Vom wunderschönen Hotel Schloß Purschenstein kann man zum Beispiel ein Stück auf der Alten Salzstraße, die von Lübeck bis nach Sizilien führt, und an der idylischen Talsperre Rauschenbach vorbei spazieren, oder der Geschichte des Holzflößens auf einem Naturlehrpfad folgen. Einen Wanderführer stellt Ihnen das Hotel gern zur Verfügung.
So um 1200 wurde das Schloss gebaut, das von etwa 1352 bis 1945 im Besitz der Familie von Schönberg war. Bis 1989 nutzte die DDR das Anwesen als Kinderheim und später als Kulturhaus. Ab 1999 sanierten die neuen Besitzer das Gemäuer aufwendig und detailgenau und eröffneten ein Hotel für alle, die sich mal wie Königs fühlen möchten. Bei Führungen zu verschiedenen Themen wird den Besuchern die Geschichte des Schlosses näher gebracht.
Die Zimmer sind groß und mit schönen Antiquitäten eingerichtet, die Bäder luxuriös. Das Frühstück wird im Schlosssaal serviert, am Abend speist man im edlen Saal der Remise. Für Hochzeiten gibt es ein schönes Trauzimmer.
DZ ab ca 120 Euro. Foto: CO

Kochen:
Von Böse-Stiefmutter-Schwarzbrot und mehr

„Die Gerichte in diesem Buch haben mir das Leben gerettet“, schreibt die Autorin in ihrem Vorwort. Eine schwere Depression brachte sie an den Rand des Selbstmords, aber statt sich umzubringen, fing sie lieber an zu kochen. Zuerst das beste Brathuhn aller Zeiten, später dann Jackentaschenkartoffeln, Trüber-Tag-Porridge und Notfallrisotto. Auch bei Gerichten für mitternächtliche Stunden kennt sich die englische Jounalistin Ella Risbridger inzwischen aus, beteuert, dass Essen am besten im Freien schmeckt und man das Alltägliche immer zu etwas Wertvollem machen sollte. Zu ihren durch und durch fröhlichen Texten stellt die vergnügte Hobby-Köchin viele Tipps, was etwa in Küche und Vorratskammer immer vorrätig sein sollte, wie man Picknicks veranstaltet oder langweilige Gerichte interessanter macht. Und zu jedem Rezept gibt es eine Geschichte, zum Beispiel die vom überraschenden Besuch von Harry und dem Anfänger-Hühnchencurry. Viel Spaß dabei – und guten Appetit!
Ella Risbridger: Die Geschichte beginnt mit einem Huhn 288 S., 29,95 Euro, Callwey Verlag, Foto: Callwey

 

 

Kunsthandwerk:

Von indischen Stoffen im Museum

Die Kuratorin Avalon Fotheringham ist Herrin über nahezu 10 000 Stoffe aus Indien im Londoner Victoria and Albert Museum. Dabei sind antike Fragmente und heilige Tempeltücher, Prächtiges von Herrscherhöfen und Kleidung des täglichen Gebrauchs seit Erfindung der Stoffherstellung. Die schönsten Stücke hat die Britin jetzt für ein umfassendes Werk zusammengestellt. Dazu gibt es Essays zu den verschiedenen Techniken, zu floralen, figürlichen und abstrakten Mustern durch die Jahrhunderte. Ein herrlicher Band nicht nur für Menschen, die gern nähen, weben, Stoffe bedrucken oder bemalen.
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Avalon Fotheringham: Der Zauber Indiens. Über 700 Stoffe
400 S., Gerstenberg. 50 Euro.  Foto: Gerstenberg

Michele de Luchi:  Für das Hotel Zirmerhof in Südtirol hat der Mailänder Architekt und Designer Michele de Lucchi zwei „Häuser der Wiese“ ganz aus Holz entworfen, die das Gästehaus um sechs Zimmer erweitern. Eingerichtet sind die hübschen Räume mit speziell entworfenem Design. Das verbaute Holz stammt aus hauseigenen Wäldern, die Ende 2018 zu großen Teilen einem gewaltigen Sturm zum Opfer fielen.
Ikea:  Nachhaltigkeit ist für das schwedische Möbelhaus dieses Jahr zum zentralen Thema geworden. So gibt es dort von nun an nur noch LED-Leuchtmittel, übrigens schon für 1 Euro pro Birne. Aus PET-Flaschen werden Kunststofffolien für Küchenfronten hergestellt, aus schnell nachwachsendem Bambus Körbe, Leuchten, Schneidbretter und Kästen, und aus Wasserhyazinthe entstehen Übertöpfe und Sets. Ab Februar wird es in den deutschen Ikea-Filialen außerdem Teppiche, Körbe und Leuchtenschirme aus Reisstroh geben, das sonst in gigantischen Feuern verbrannt wird und so enorme CO2 Emissionen verursacht. Foto: Zirmerhof

Lladro: Der spanische Porzellanhersteller hat ein handgemachtes Rhinozeros in Knallblau mit goldenem Horn und vergoldeten Ohren herausgebracht. Das beeindruckende Tier ist 22 x 45 x 19cm groß, im Blauton von Yves Klein lackiert, und die Auflage ist auf 500 Exemplare begrenzt. Kostenpunkt: 740 Euro.

 

 

 

Instabilelab: Mustertapeten sind wieder im Trend, und jetzt auch im Badezimmer. Der italienische Hersteller Instabilelab hat dafür wasserbeständige Texturen entwickelt, sodass man etwa im nebeligen Herbstwald in die warme Wanne steigen kann.
Fotos: Lladro/Instabilelab

Barberini, Potsdam, ab 7.September
Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner
 
Allein 34 Werke von Claude Monet hat der Sammler Hasso Plattner jetzt dem Museum Barberini als Dauerleihgabe überlassen. Damit besitzt Potsdam nach Paris weltweit die meisten Bilder des Malers. Außerdem hat der Mäzen Gemälde von Auguste Renoir, Camille Pissaro, Alfred Sisley, Paul Signac und anderen Impressionisten ausgeliehen. So kann das Barberini jetzt etwa hundert wunderbare Landschafts-Bilder in seiner Dauerausstellung zeigen.
Foto: Claude Monet: Getreideschober, 1890, Öl auf Leinwand, 73 x 92,5 cm, Sammlung Hasso Plattner. Photo: Lutz Bertram, Berlin

Unser Autor

Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Webseite www.ungarnaktuell.de , außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com 

Für eine bessere Zigeunerwelt

Der Bürgermeister László Bogdán kam von ganz unten. Die Mutter war Putzfrau, der Vater Bergmann. Die Erinnerung an seine Jugend hieß Hunger. Nach der Grundschule wollte auch er in die Kohlemine, doch sie wurde unrentabel und geschlossen.
László Bogdán fegte Fabrikhallen, arbeitete am Laufband, packte Monitore ein und kämpfte sich mit Fleiß und Verstand ins mittlere Management der Firma Elcoteq im südungarischen Fünfkirchen hoch.
Im Frühling 2002 zog er zurück in sein Geburtsdorf Cserdi (sprich: Tscherdi): zwei Straßen, 411 Einwohner, weit mehr als die Hälfte Roma, die sich als Zigeuner bezeichnen, und auch Romani sprechen. „Das häufigste Wort, das ich hörte“, sagte er, „war ‚Dema!‘“ – Lass’ mich in Ruhe! Nur wenn er fragte: „Hast du Geld für Brot?“ kam eine andere Antwort.
Bogdán war entsetzt: Jährlich gab es in dem kleinen Ort rund 200 Einbrüche. Die Jungen und jungen Männer hatten keine Arbeit, kein Geld, also stahlen sie. Der Knast war voll, bereits 12-Jährige saßen dort ein. Und waren sogar stolz darauf: Ein richtiger Mann war schon mal im Knast gewesen. Wenn sie draußen waren, saßen sie in der Kneipe.

László Bogdán

Als neuer Bürgermeister – wer wollte schon den Job haben –, ließ Bogdán zu allererst die Kneipe schließen, und dann zeigte er allen Dorfbewohnern den Knast. Das half schon ein wenig.
Dann, bei der ersten Vollversammlung aller mehr oder weniger Erwachsenen, die über Arbeitsmangel in der Umgebung klagten, kam er mit der Lösung: „Arbeitet nicht für Andere gegen einen Hungerlohn! Arbeitet für euch selbst!“
Das hat eingeleuchtet. Seine Mitbürger begannen mit 3000 Paprika-Pflänzchen, die täglich zwei Liter Wasser brauchten, dann pflanzten sie Kartoffeln.
Bogdán startete unterdes ein Unterrichtsprogramm, war allerdings kein netter Lehrer, kein netter Chef. Er überwachte streng, dass bei der Kartoffel-Ernte auch alle Knollen aus der Erde geholt wurden – mit bloßen Händen.
„Die Menschen haben es begriffen“, sagte er. Und es ging aufwärts: 2006 versorgten sie die nahe und weitere Umgebung mit frischem Obst und Gemüse. 20 Hektar Wald wurden gepflanzt. Und zu Beginn der Corona-Virus-Epidemie im März 2020 haben die Familien in Cserdi den Menschen in den Nachbardörfern insgesamt 20 Tonnen Kartoffeln und Zwiebeln geschenkt.
Und als im Nachbardorf eine farbige Mutter mit drei Kindern bei ihren weißen Freunden einige Tage ausruhen wollte, was angeblich eine Panik auslöste, luden die Cserdianer die kleine Familie einfach zu sich ein.
Langsam wurde das ganze Land auf das Wunder von Cserdi aufmerksam; Bogdán bekam 2020 , als Anerkennung seiner Arbeit für die Roma-Minderheit vom Europarat den mit 10.000 Euro dotierten Raoul-Wallenberg-Preis für außergewöhnliche humanitäre Leistungen. Der Namensgeber des Preises, der schwedische Diplomat Wallenberg, rettete im Zweiten Weltkrieg vielen ungarischen Juden das Leben. Des Bürgermeisters Hoffnung: „Ich glaube daran, dass auch in Ungarn die Zeit kommt, wenn es egal ist, ob einer Zigeuner oder Weißer ist.“
Das Ende. Am 13. Juli 2020 wurde László Bogdán tot in einem leeren Lagerhaus gefunden. Er war 46 Jahre alt. Die Todesursache ist nicht bekannt.
 

Der Braunschweiger Löwe

Die zweitgrößte Stadt Niedersachsens ist weit über tausend Jahre alt; kein Wunder also, dass sie einiges zu bieten hat. Zum Beispiel die erste freistehende Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen: den Braunschweiger Löwen , den Herzog Heinrich, genannt der Löwe, um 1170 auf dem Domplatz aufstellen ließ. Die Bronzeplastik wiegt 880 kg und ist wohl ursprünglich vergoldet gewesen.
1173 begann der Bau des Doms nebenan www.braunschweigerdom.de , den Heinrich der Löwe als seine Grablege stiftete. Seine Frau Mathilde wurde dort 1189 und Heinrich selbst 1195 bestattet. Das Grabmal hat deren Sohn erst später in Auftrag gegeben, es wird wohl erst 1240 fertig geworden sein. Das bedeutendste Kunstwerk im Dom ist das sogenannte Imervard-Kreuz, sowohl sein Entstehungsjahr als auch die Identität des Künstlers Imervard sind unbekannt.
Gegenüber vom Gotteshaus steht die Burg Dankwarderrode, ein Nachbau vom Ende des 19. Jahrhunderts, der die niedergebrannte Burg von 1175 ersetzte. Heute residiert dort die mittelalterliche Abteilung des Herzog Anton Ulrich-Museums.

Der Platz der Deutschen Einheit

Überquert man jetzt die Münzstraße, steht man gleich auf dem Platz der Deutschen Einheit mit Bänken, einem Mauerfragment und Wasserfontänen, die regelmäßig aus dem ebenerdigen Boden schießen. Dort befindet sich auch das Rathaus  von 1894, das im Stil der Neogotik errichtet wurde. Der fünfspitzige Turm ist 61 Meter hoch, und die doppelflügeligen Glastüren haben Griffe, die Bauwerke, Szenen und Personen aus der Geschichte der Stadt darstellen, darunter Till Eulenspiegel, der aus der Gegend stammt, Harfen-Agnes und Rechen-August.

Die Schlossfassade mit Einkaufszentrum

Durch die Straße Langer Hof erreicht man jetzt den Schlossplatz mit Reiterstandbildern und der schönen Schlossfassade, die allerdings eine Nachkonstruktion von 2007 ist, dahinter verbirgt sich ein Einkaufszentrum.  Ziemlich befremdlich!
Lassen Sie den Konsumtempel lieber links liegen und gehen durch die Georg-Eckert-Str. zum Herzog Anton Ulrich-Museum, das rund 4000 Arbeiten besitzt und vor allem durch seine Sammlung alter Kunst bekannt ist.
Hinter dem Museum erstrecken sich direkt an der Oker Museums- und Theaterpark , die schon 1780 in anderer Form angelegt wurden. Hier gibt es genug Bänke und Aussichtspunkte, damit man sich nach der Stadtbesichtigung ausruhen kann.

Der Brunnen auf dem Kohlmarkt

Anschließend sollte man zurück schlendern über die Georg-Eckert-Str., vorbei am Rizzihaus, einem von dem New Yorker Künstler James Rizzi quietschbunt bemalten Mehrfamilienhaus, durch Damm und Hutfiltern zum Kohlmarkt , der ursprünglich mal Kohlenmarkt hieß, weil hier nicht Kohl sondern Kohle gelagert und verkauft wurde. Dort steht das wunderschön restaurierte Haus zum Stern  von 1894, das ein gleichnamiges Haus von 1356 ersetzt, daneben befindet sich das ebenso hübsche Haus Zur Rose von 1590. In der Mitte des Platzes steht ein herrlicher Brunnen, der 1865 anstelle eines Trinkwasserbrunnen von 1391 errichtet wurde.
Lassen Sie sich in einem der Cafés und Restaurants mit jeder Menge Sitzplätzen im Freien nieder und genießen Sie das Treiben!
Fotos: CO /myheimat

„In meinem Leben hat mich nichts mehr inspiriert und bewegt als Menschen. Das Gefühl zu teilen brauche ich wie die Luft zum Atmen. „Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen.“ Dieser Satz von Beethoven ist mir heilig, weil er einfach genau das beschreibt: Es geht um teilen, nicht ums Besitzen.“

Der deutsch-russische Pianist Igor Levit in Chrismon 7/8 2020 in der Rubrik „Fragen an das Leben“. Levit stammt aus einer jüdischen Familie, ist Mitglied der Grünen und engagiert sich für Fridays for Future. Er ist Professor in Hannover und lebt in Berlin.
 

Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
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Hotel Al Capello Rosso, Bologna

Die Lage ist geradezu ideal: Kaum 200 Meter vom Dom und der Piazza Maggiore entfernt steht in einer ruhigen Gasse das kleine, feine Hotel – nicht nur für Rothaarige. Alle Hotelzimmer sind unterschiedlich dekoriert, von knallblauen Wänden mit weißer Schrift über sattrote mit jeder Menge gerahmter Schwarzweiß-Porträts bis zu wandgroßen Comics. Die Bäder hat man praktisch und unspektakulär ausgestattet. Das Frühstücksbüfett war vor Corona recht einladend. Das Hotel öffnet wieder ab 23. August. DZ ab ca 110 Euro.
Foto: Al Capello Rosso

Kochen:

Nur ne Suppe?

Wer bloß schnell ne Suppe auf den Tisch bringen möchte, der ist hier falsch. Der Trend zu den japanischen „Ramen“ hat nichts mit Schnelligkeit zu tun.  Ramen zu servieren erfordert Zeit, denn die Grundlage sind Knochen, die über viele Stunden ausgekocht werden müssen. Diese Brühe wird dann gewürzt, mit sogenanntem „Tare“, das aus Soja, Salz, Sake, Reisessig und vielem anderen hergestellt wird. Zuletzt bereitet man die Toppings zu, z.B. Huhn oder Schweinebauch, verschiedene Gemüse oder Eier.
In ihrem Buch „Ramen Otaku“ erzählt die Amerikanerin Sarah Gavigan wie sie zum Fan wurde, erklärt die komplizierten Rezepte und gibt auch einen Rat, wie Ramen zu essen ist:  Aroma schnuppern, genussvoll die langen Nudeln schlürfen, Topping probieren – und zum Schluss hoch mit der Schüssel und austrinken.

Sarah Gavigan: Ramen Otaku – Japans Spezialitäten für Nudel-Nerds
232 S., 22,80 Euro, Unimedica Verlag. Foto: Unimedica
 

Kunst:
 

Nur Papier

Profaner geht es eigentlich kaum: ein großer Bogen Papier, auf dem eine Mitteilung steht. Doch dass sich hinter dieser eher schlichten Definition des Plakats ein gewaltiger Kosmos auftut, war in diesem Frühjahr im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu besichtigen. Mit knapp 500 Postern dokumentierte das Haus, das mit rund 100000 Exemplaren eine der größten Plakatsammlungen Deutschland besitzt, die spektakuläre Karriere der bunten Blätter. Sie begann (nach einigen sporadischen Vorläufen) Anfang des 19. Jahrhunderts, und schon nach rund 80 Jahren erreichte sie ihren, bis heute nicht wieder erreichten, Höhepunkt: Künstler wie Henri Toulouse-Lautrec oder Alfons Mucha entwarfen im Frankreich des Jugendstils Blätter, die immer noch viele Wohnzimmer schmücken. Aber auch danach entstanden bis heute zahlreiche eindrucksvolle Exemplare, und ob es nun um das jüngste Theaterstück, das neueste Auto oder die nächste Wahl ging – gute Plakate waren (und sind) einfach famose Hingucker. Auch in diesem Katalog, obwohl er die farbige Vielfalt notgedrungen nur verkleinert abbilden kann. PM

Jürgen Döring: Das Plakat. 200 Jahre Kunst und Geschichte.
384 S., 480 farbige Abb. Prestel. 49 Euro. Foto: Prestel
 

Nur Frauen

Wer die großartige Ausstellung der Schirn in Frankfurt versäumt hat, der hat mit dem Katalog die Chance, richtig in das Thema einzutauchen: Die „Fantastischen Frauen“ sind 36 Künstlerinnen mit ihren rund 260 surrealistischen Werken. Mit dabei sind bekannte  Frauen wie Dorothea Tanning oder Meret Oppenheim, Frida Kahlo oder Louise Bourgeois, aber auch viele zu Unrecht (fast) vergessene Künstlerinnen aus aller Welt. Neben der Abbildung der wahrlich phantastischen Bilder bietet der Katalog lesenswerte Essays zu einzelnen Protagonistinnen, zu Fotografinnen, zu Surrealismus in Belgien, Mexiko und den USA. Die Herausgeberin Ingrid Pfeiffer ordnet in ihrem exzellenten Beitrag die einzelnen Künstlerinnen in die Bewegung ein, bewertet ihre Arbeiten und stellt klug ihre jeweilige Bedeutung heraus. Am Ende des Bandes stehen kurze Biografien der 36 Künstlerinnen.

Ingrid Pfeiffer (hrsg.): Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo
420 S., 350 farbige Abb. Hirmer. 49,90 Euro. Foto: Hirmer

 

 

Rolf Benz : Der italienische Designer Luca Nichetto hat ein Sitzsystem namens „Liv“ entwickelt, das aus verschiedenen Sofas und Sesseln, in zwei Sitztiefen, zwei Sitzhöhen, verschiedenen Breiten und je nach Wunsch vielen losen Kissen  besteht. Foto: Benz

Folkwang, Essen, 21.8. bis 29.11.2020
Keith Haring

85 Werke des Amerikaners Keith Haring (1958 bis 1990) hat man in Essen zusammengetragen: Gemälde, Zeichnungen, Plakate, Fotografien und Videos zeigen die enorme Bandbreite des Künstlers. Haring gilt als eines der Sprachrohre seiner Generation, das sich mit Themen wie Diktatur, Rassismus, Homophobie, Drogensucht, Aids, Kapitalismus und Umweltzerstörung auseinander setzte. Seine mehr als 5000 Subway Drawings, die er von 1980 bis 85 im Tunnelsystem der New Yorker U-Bahn sehr schnell, ohne die Kreide abzusetzen zeichnete, sind legendär und durch einen befreundeten Fotografen gut dokumentiert.
Foto: Folkwang

Fondation Beyeler: Gute Nachricht aus Basel – die Edward Hopper- Ausstellung konnte
bis 20. September verlängert werden.

Olivia Jones als Freiheitsstatue


 Tickets gibt es online unter https://shop.fondationbeyeler.ch/de/tickets.html
Ballinstadt: Im Hamburger Auswanderer Museum gibt es noch bis zum 31. Oktober die Sonderausstellung „Fluchtursache Liebe“ mit erschütternden und berührenden Lebensgeschichten zu sehen – die meisten aus der Welt der Homosexuellen. Schirmherrin der Ausstellung ist die Drag Queen Olivia Jones. Foto: Auswanderer Museum
                                                                                        

 

 

 

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                          

Der Kampf um die Brücke und mehr

Die Kettenbrücke über der Donau, die beide Stadtteile Buda und (gesprochen) Pescht verbindet, wurde 1849 erbaut und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1947 wieder aufgebaut. Jetzt ist sie in die Jahre gekommen. Kein Wunder: trägt sie doch gut besetzte Straßenbahnen, jede Menge Autos und dazu auch noch reichlich Fußgänger.  
Geld für die Sanierung wäre da gewesen. Doch im Frühling dieses Jahres verstaatlichte Ministerpräsident Viktor Orbán die Einnahmen der Hauptstadt aus den Parkgebühren. Er schuf ein neues Gesetz, das durch seine Zweidrittel-Mehrheit im Parlament sogleich angenommen wurde. So landete das das Geld, was man für die Sanierung hätte nutzen können, in anderen Taschen.

Der junge Bürgermeister von Budapest

Inzwischen allerdings ist etwas Seltsames geschehen: Der neue, junge Oberbürgermeister von der Opposition wird durch seine grünen Ideen – mehr Bäume, mehr Fahrradwege – immer beliebter. So beliebt, dass in Karácsony Gergely viele den neuen Ministerpräsidenten sehen.
Orbán bekam es offenbar mit der Angst und holte seine schärfste Waffe hervor: Geld-Versprechen. Er sagte wörtlich: „Wenn Karácsony verzichtet auf die Kandidatur verzichtet, wird es Budapest gut gehen.“ Karácsony beruhigte ihn, er habe mit der Hauptstadt genug Sorgen und werde nicht kandidieren. Und viele denkende Menschen meinen: „Es würde erst einmal reichen, wenn Orbán die Parkgebühren zurückgeben würde.“          

Der neue Witz
Die Demokratie in Ungarn ist wie eine Diskussion – mit abschließender Abstimmung – zwischen zwei Wölfen und einem Lamm darüber, wen die beiden anderen zum Abendessen verspeisen dürfen.

Demonstration gegen Orbán

„Freies Land – freie Presse!“
Das skandierten über tausend Menschen, die am 24. Juli vor die Residenz Viktor Orbáns in der Budaer Burg gezogen sind. Grund der Demonstration war die Entlassung des Chefredakteurs des populären oppositionellen Nachrichten-Portals: „INDEX“.
Nach der Gleichschaltung der Regionalpresse und Schließung der größten Tageszeitung Népszabadság („Volksfreiheit“) ist dies ein weiterer Schlag gegen die Pressefreiheit in Ungarn. Fotos: privat/ungarnheute

 

Der Innenhof des Cafes

Dieses Mal beginnen wir unseren Stadtspaziergang ganz geruhsam, mit einem ausgiebigen Frühstück im romantischen Garten des Cafes „Zum Händel“  in der Großen Nikolaistraße. Der Hinterhof steht voller hoher Bäume, dazwischen gibt es hübsch bepflanzte Beete, große Sonnenschirme und jede Menge liebevolle Dekorationen. Auch im Lokal im Souterrain gibt es vieles zu entdecken: Pflanzen, Kerzen und Vasen, Trödel und Antiquitäten.  Und das Frühstück ist köstlich!
Nebenan steht – nicht sehr überraschend – das Händelhaus, in dem der Barockkomponist Georg Friedrich Händel 1685 geboren wurde und bis 1703 lebte (gestorben ist er 1759 in London). Heute beherbergt es ein Museum mit Dokumenten zu Händels Lebensgeschichte und seinem Werk, dazu historische Musikinstrumente.

Das Händel-Denkmal auf dem Marktplatz

Anschließend sind es nur wenige Schritte bis zum Marktplatz mit dem Händeldenkmal, der dreischiffigen Hallenkirche St. Marien, dem 84m hohen RotenTurm von 1506, einem Stadthaus von 1894 und dem schlichten Ratshof von 1928. Nehmen Sie auf einer der Bänke Platz und sehen Sie dem lebendigen Treiben vor sich ein wenig zu.
Genug geschaut? Dann los: Gehen Sie die Schmeerstraße entlang bis zum  Alten Markt mit dem Eselsbrunnen  von 1906, der zeigt, wie ein Esel auf Rosen geht. Der Legende nach waren die Blumen für den Einzug Otto I. (912 bis 973) in die Stadt gestreut worden, der musste aber den Weg ändern, weil die Saale über die Ufer getreten war. So konnte ein Müller mit seinem Esel über Rosen schreiten.
Ein paar Schritte weiter findet man das 1989 in Köln gegründete „Beatles Museum“, das aus einer Sammlung hervorging, die 1964 begonnen wurde und zuerst als Wanderausstellung existierte. Als ein fester Standort gesucht wurde, landete das Museum in Halle. Neben der Geschichte der Band und den folgenden Einzelkarrieren der Vier, die mit Covern, Fotos, Fan-Artikeln dargestellt werden, gibt es einen Shop mit jeglichem Schnickschnack, der die Fab Four verherrlicht.
Weiter geht’s zum Moritzkirchhof mit der St. Moritzkirche, ebenfalls einer dreischiffigen Hallenkirche aus der Spätgotik, erbaut von 1388 bis 1511. Und jetzt durch die Reyhauptstraße, vorbei am Hallmarkt und der Rückseite der Marktkirche St. Marien, über den Hallorenring bis zur Domstraße.  Die lange hohe Mauer verbirgt die Neue Residenz  von 1531 mit einem beschaulichen Innenhof. Auf 1500qm kann man sich auf Bänken niederlassen und Beete, Bäume, Sträucher und Skulpturen bewundern. Ein Café gibt es auch.
Nebenan steht der Dom von 1271 mit einer Orgel von 1851, die umfassend restauriert wurde und seit Weihnachten 2018 wieder erklingt.

Im Innenhof der Moritzburg

Über den Domplatz gelangt man durch die Mühlgasse zum Schlossberg mit der ältesten noch erhaltenen Mühle von 1582, die vom Mühlgraben betrieben wurde. Und nun nur noch den Berg hinauf zur imposanten Moritzburg von 1484, die als Festung und Schloss gebaut wurde. 1625 besetzte Wallenstein die Burg, 1637 zerstörte ein Feuer große Teile der Anlage, im Siebenjährigen Krieg diente sie als Lazarett, später auch mal als Brauerei oder Lagerhalle. Seit 1904 ist die Moritzburg Museum, 1929 hatte der Maler Lyonel Feininger eine Zeitlang sein Atelier in der Festung. 2003 begann das spanische Architektenpaar Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano den Umbau, der nicht nur ein spektakulär aufgefaltetes Dach brachte, sondern auch mehr Ausstellungsfläche schuf. Der Bau wurde 2010 mit dem Architekturpreis „Nike“ ausgezeichnet.
Das eindrucksvolle „Kunstmuseum Moritzburg“ beherbergt heute unter anderem „Kunst in Deutschland im 20. Jahrhundert“ und auch „sakrale Kunst von Mittelalter bis Barock“. Welch ein Erlebnis!
Und wenn das Wetter es erlaubt, nehmen Sie im Burghof im „Moritzkunstcafé“ Platz und genießen Kaffee und hausgemachten Kuchen, Panini oder Tramenzzino, Pasta mit Pesto oder Flammekuchen und ein schönes Glas Wein aus der Gegend Saale-Unstrut.

Fotos: CO/T.Ziegler

„Mir wird manchmal vorgehalten, ich sei zu gut gelaunt. Aber ich bin nun mal optimistisch, ich lache gerne. Wenn ich sauertöpfisch rumliefe, würde es der Sache auch nicht weiterhelfen. Außerdem sollen die Menschen ruhig sehen, dass Politik auch Spaß macht. Mich hat niemand dazu gezwungen, ich mache das gerne! Aber ich habe oft das Gefühl, so etwas verstößt gegen die Konventionen. Politiker müssen wohl eher an ihrem Amt leiden.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze im politischen Fragebogen der Zeit
vom 20. Mai 2020.
Foto: Bundesregierung

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

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