topmenu

„In meinem Leben hat mich nichts mehr inspiriert und bewegt als Menschen. Das Gefühl zu teilen brauche ich wie die Luft zum Atmen. „Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen.“ Dieser Satz von Beethoven ist mir heilig, weil er einfach genau das beschreibt: Es geht um teilen, nicht ums Besitzen.“

Der deutsch-russische Pianist Igor Levit in Chrismon 7/8 2020 in der Rubrik „Fragen an das Leben“. Levit stammt aus einer jüdischen Familie, ist Mitglied der Grünen und engagiert sich für Fridays for Future. Er ist Professor in Hannover und lebt in Berlin.
 

Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
www.butschkow.de

 
 

Hotel Al Capello Rosso, Bologna

Die Lage ist geradezu ideal: Kaum 200 Meter vom Dom und der Piazza Maggiore entfernt steht in einer ruhigen Gasse das kleine, feine Hotel – nicht nur für Rothaarige. Alle Hotelzimmer sind unterschiedlich dekoriert, von knallblauen Wänden mit weißer Schrift über sattrote mit jeder Menge gerahmter Schwarzweiß-Porträts bis zu wandgroßen Comics. Die Bäder hat man praktisch und unspektakulär ausgestattet. Das Frühstücksbüfett war vor Corona recht einladend. Das Hotel öffnet wieder ab 23. August. DZ ab ca 110 Euro.
Foto: Al Capello Rosso

Kochen:

Nur ne Suppe?

Wer bloß schnell ne Suppe auf den Tisch bringen möchte, der ist hier falsch. Der Trend zu den japanischen „Ramen“ hat nichts mit Schnelligkeit zu tun.  Ramen zu servieren erfordert Zeit, denn die Grundlage sind Knochen, die über viele Stunden ausgekocht werden müssen. Diese Brühe wird dann gewürzt, mit sogenanntem „Tare“, das aus Soja, Salz, Sake, Reisessig und vielem anderen hergestellt wird. Zuletzt bereitet man die Toppings zu, z.B. Huhn oder Schweinebauch, verschiedene Gemüse oder Eier.
In ihrem Buch „Ramen Otaku“ erzählt die Amerikanerin Sarah Gavigan wie sie zum Fan wurde, erklärt die komplizierten Rezepte und gibt auch einen Rat, wie Ramen zu essen ist:  Aroma schnuppern, genussvoll die langen Nudeln schlürfen, Topping probieren – und zum Schluss hoch mit der Schüssel und austrinken.

Sarah Gavigan: Ramen Otaku – Japans Spezialitäten für Nudel-Nerds
232 S., 22,80 Euro, Unimedica Verlag. Foto: Unimedica
 

Kunst:
 

Nur Papier

Profaner geht es eigentlich kaum: ein großer Bogen Papier, auf dem eine Mitteilung steht.

Rolf Benz : Der italienische Designer Luca Nichetto hat ein Sitzsystem namens „Liv“ entwickelt, das aus verschiedenen Sofas und Sesseln, in zwei Sitztiefen, zwei Sitzhöhen, verschiedenen Breiten und je nach Wunsch vielen losen Kissen  besteht. Foto: Benz

Folkwang, Essen, 21.8. bis 29.11.2020
Keith Haring

85 Werke des Amerikaners Keith Haring (1958 bis 1990) hat man in Essen zusammengetragen: Gemälde, Zeichnungen, Plakate, Fotografien und Videos zeigen die enorme Bandbreite des Künstlers. Haring gilt als eines der Sprachrohre seiner Generation, das sich mit Themen wie Diktatur, Rassismus, Homophobie, Drogensucht, Aids, Kapitalismus und Umweltzerstörung auseinander setzte. Seine mehr als 5000 Subway Drawings, die er von 1980 bis 85 im Tunnelsystem der New Yorker U-Bahn sehr schnell, ohne die Kreide abzusetzen zeichnete, sind legendär und durch einen befreundeten Fotografen gut dokumentiert.
Foto: Folkwang

Fondation Beyeler: Gute Nachricht aus Basel – die Edward Hopper- Ausstellung konnte
bis 20. September verlängert werden.

 Tickets gibt es online unter https://shop.fondationbeyeler.ch/de/tickets.html
Ballinstadt: Im Hamburger Auswanderer Museum gibt es noch bis zum 31. Oktober die Sonderausstellung „Fluchtursache Liebe“ mit erschütternden und berührenden Lebensgeschichten zu sehen – die meisten aus der Welt der Homosexuellen. Schirmherrin der Ausstellung ist die Drag Queen Olivia Jones. Foto: Auswanderer Museum
                                                                                        

 

 

 

Dieses Mal beginnen wir unseren Stadtspaziergang ganz geruhsam, mit einem ausgiebigen Frühstück im romantischen Garten des Cafes „Zum Händel“  in der Großen Nikolaistraße. Der Hinterhof steht voller hoher Bäume, dazwischen gibt es hübsch bepflanzte Beete, große Sonnenschirme und jede Menge liebevolle Dekorationen. Auch im Lokal im Souterrain gibt es vieles zu entdecken: Pflanzen, Kerzen und Vasen, Trödel und Antiquitäten.  Und das Frühstück ist köstlich!
Nebenan steht – nicht sehr überraschend – das Händelhaus, in dem der Barockkomponist Georg Friedrich Händel 1685 geboren wurde und bis 1703 lebte (gestorben ist er 1759 in London). Heute beherbergt es ein Museum mit Dokumenten zu Händels Lebensgeschichte und seinem Werk, dazu historische Musikinstrumente.

Anschließend sind es nur wenige Schritte bis zum Marktplatz mit dem Händeldenkmal, der dreischiffigen Hallenkirche St. Marien, dem 84m hohen RotenTurm von 1506, einem Stadthaus von 1894 und dem schlichten Ratshof von 1928. Nehmen Sie auf einer der Bänke Platz und sehen Sie dem lebendigen Treiben vor sich ein wenig zu.…

„Mir wird manchmal vorgehalten, ich sei zu gut gelaunt. Aber ich bin nun mal optimistisch, ich lache gerne. Wenn ich sauertöpfisch rumliefe, würde es der Sache auch nicht weiterhelfen. Außerdem sollen die Menschen ruhig sehen, dass Politik auch Spaß macht. Mich hat niemand dazu gezwungen, ich mache das gerne! Aber ich habe oft das Gefühl, so etwas verstößt gegen die Konventionen. Politiker müssen wohl eher an ihrem Amt leiden.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze im politischen Fragebogen der Zeit
vom 20. Mai 2020.
Foto: Bundesregierung

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
www.butschkow.de

 

Art Hotel Weimar
Kunst gucken kann man im ganzen Hotel, in jedem Zimmer, im Frühstücksraum, in allen Fluren hängen Werke unbekannter Künstler, da kann man durchaus Kleinode entdecken. Das Hotel liegt in einer ruhigen Wohnstraße nicht weit vom Park an der Ilm. Von dort sind es gerade mal 800 Meter bis zum Goethehaus am Frauenplan, zu der phantastischen Anna Amalia Bibliothek und dem neuen Bauhaus Museum.
Die Zimmer sind sehr großzügig mit gefliestem Boden, das Bad ist funktional und das Frühstück üppig.
Fotos: Art Hotel Weimar

 

Garten:
Zum Träumen schön

Ein Sehnsuchtsort für Gartenliebhaber sind sicher die herrlichen Parkanlagen von Marrakesch. Aber wer weiß, wann man dort wieder hin kann? Als kleinen Ersatz und schönen Vorgeschmack auf eine spätere Reise empfehlen wir das Buch „Die Gärten von Marrakesch“, in dem zwanzig der schönsten vorgestellt werden.
Die eindrucksvollen Fotos machen Lust auf Olivenhaine, Zitrusplantagen, riesige Dattel- und zarte Hanfpalmen, in Form geschnittene  Pomeranzen, Papyrus, Bougainvilleen, Zypressen, Bananenstauden und Philodendren, Dazwischen maurische Paläste, Brunnen, Kanäle und Wasserbecken.
Die Autorin Angelika Gray beschreibt jeden Garten detailliert und erzählt von  deren Geschichte, die ältesten stammen schon aus dem 12. Jahrhundert. Eine kleine Karte, ein faktenreiches Glossar und alle wichtigen Besucherinformationen ergänzen das Buch.

Angelika Gray: Die Gärten von Marrakesch, 128 S., Gerstenberg Verlag, 19,95 Euro. Foto: Gerstenberg
 

Kultur:
 Weißwurst und Co.

Wir Nordlichter denken oft nur an Markus Söder, Weißwürste, viel Bier und Fußball, wenn es um Bayern geht. Deshalb war es wirklich an der Zeit, mal unseren Horizont zu erweitern, zum Beispiel mit diesem Buch, in dem u.a.

Driade: Das schicke Sideboard „Love“ hat der italienische Designer Fabio Novembre entworfen. Aus hochglänzendem MDF mit Metallbuchstaben gefertigt, lieferbar in zwei Größen mit zwei Fächern und zwei Schüben und Ton-in-Ton oder kontrastierend farbig lackiert. Ein Hingucker!
Design House Stockholm: Der Erfolg der Knotenkissen hat den Hersteller veranlasst, die Kissen (35x29x20cm groß) nun in insgesamt zwölf Farbtönen herauszubringen, von zartem Grau bis zu leuchtendem Orangerot. Fotos:Hersteller

 
 
 
 
 

Guggenheim, Bilbao, Spanien, bis 4.4.2021
Olafur Eliasson: In Real Life

In Bilbao hat man jetzt dem dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson (geb. 1967), der ein Studio in Berlin unterhält, eine umfassende Werkschau gewidmet. Mit dabei natürlich seine „Little Sun“, die Solarlampe für Gegenden ohne Strom, und in verschiedenen Hallen seine Experimente mit leuchtenden Spiralen, mit Wänden aus Naturmaterialien, mit farbigen Nebeln und mit Räumen, die vom schmelzenden Eis seiner Heimat hinterlassen werden. Ein Highlight der Schau ist sicher die „Big Bang Fountain“, bei der Licht aus dem ausströmenden Wasser scheinbar Skulpturen formt, die sofort wieder vergangen sind. Foto: Guggenheim

Kunstdrucke: Damit man nie wieder auf seine Lieblingsbilder verzichten muss, weil alle Museen geschlossen sein müssen, gibt die Fondation Beyeler  in Riehen bei Basel jetzt Kunstdrucke ihrer schönsten Gemälde heraus. Monet und Picasso gibt es ab 65 Franken, einen Hopper bekommt man schon für 49 Franken.
Badekultur: Am 5.Juli eröffnet in Bad Rappenau bei Heilbronn das weltweit erste Bikini Art Museum (BAM) über die erfolgreiche Geschichte der Bademode – natürlich mit vielen Fotos von leicht bekleideten Weltstars wie Ursula Andress, Grace Kelly, Marilyn Monroe und nicht zu vergessen Brigitte Bardot, dazu Politiker in Badehosen, Skulpturen, Gemälde und selbstverständlich auch echte Bikinis. Schauen Sie doch mal rein: www.bikiniartmuseum.com

Man würde sich wirklich nicht wundern, käme einem hier eine Dame in schwingendem, knöchellangem Rock mit riesigem Strohhut oder zierlichem Sonnenschirm entgegen – auf der Atlantik-Promenade im normannischen Badeort Cabourg an der Cote Fleurie (Blumenküste). Ende des 19. Jahrhunderts war sie hier sicher ein vertrauter Anblick.
1850 entdeckte der Pariser Anwalt Henri Durand-Morimbau das kleine Fischerdorf mit 370 Einwohnern und kaufte nach und nach alle strandnahen Grundstücke. 1854 ließ er das erste Casino aus Holz errichten, und ab 1860 entstanden 200 wunderschöne Villen an der heute drei Kilometer langen prächtigen Promenade. Der breite Sandstrand ist sogar vier Kilometer lang. Paul Leroux, ein junger Architekt aus Caen, entwarf den Plan für den neuen Ort Cabourg-les-Bains, in dem alle Straßen sternförmig vom Grand Hotel ausgingen.

Begeisterter Besucher des feinen Badeorts war der Schriftsteller Marcel Proust (1871-1922), nach dem die Promenade jetzt benannt ist. Proust wohnte zwischen 1907 und 1914 jeden Sommer im frisch erbauten Grand Hotel, angeblich in Zimmer 414, und schrieb hier große Teile seines Werkes „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, in dem Cabourg als „Balbec“ auftaucht.…

„Wir dürfen nicht auf Straßenumfragen reagieren, die sind unerheblich. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.“

Eckart von Hirschhausen, Arzt und Fernsehmoderator, im „Politischen Fragebogen“ der Zeit vom 2. April 2020.
Foto: Hirschhausen

 

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

 

Weinhaus Uhle Schwerin
Der „kluge Hans“ war wohl der ungewöhnlichste Mitarbeiter, den das Weinhaus Uhle in Schwerin, das es seit etwa 1750 gibt, jemals hatte. Das Shetlandpony Hans brachte nämlich Anfang des 20. Jahrhunderts meist ohne menschliche Begleitung Weinfässer aus dem Lager zum Stammhaus und ließ dabei immer der Straßenbahn die Vorfahrt.
Heute gibt es neben dem Weinhandel ein Bistro und ein Hotel mit Restaurant. Die großen, hellen Zimmer sind elegant ausgestattet und sehr ruhig, obwohl das Hotel mitten in der lebendigen Altstadt liegt. Im herrlichen Festsaal mit historischer Vertäfelung wird ein wunderbares Frühstück serviert. Und abends kann man hier Spanferkel oder Schweriner Aal genießen.
Fotos: Weinhaus Uhle

Fotos:

Dramen des Alltags

Auch wenn es der Titel behauptet: Märchen werden hier nicht erzählt – dafür ist der russische Alltag denn doch zu profan. Aber ungewöhnlich sind diese Bilder schon, denn Frank Herfort, 1979 in Leipzig geboren und nach seinem Fotografie-Studium in Hamburg seit über zehn Jahren immer wieder in Russland unterwegs, hat einen sehr genauen Blick für das Abseitige, sanft Bizarre und Groteske. Und so hat er den alten Mann, der nächtens auf dem Bett sitzt und Akkordeon spielt, weil er nicht schlafen kann, ebenso festgehalten wie den ausgestopften Elefanten, der verloren im Erdgeschoss des Zoologischen Museums in Moskau herumsteht, weil er zu schwer ist, um an seinen eigentlichen Platz in einem oberen Stockwerk gebracht zu werden.  Kleinere Dramen sind hier also durchaus mit etwas Phantasie zu besichtigen, und wer wissen will, wie es in einem Russland ohne Propaganda aussieht, erhält hier zumindest erhellende Einblicke. PM

Frank Herfort: Russian Fairy Tales.