Bücher

Cartoon:

Peter Butschkow fährt jetzt E-Bike, und das hat sein Leben ziemlich verändert. Früher strampelte er fröhlich in Hemd und Hose durch die Landschaft, heute braucht er Funktionsklamotten, Knie- und Ellbogenschoner und natürlich einen Helm. Der Hintern tut trotzdem immer noch weh, auch wenn er sein Rad heute nur noch Bike nennt. Unser Lieblingscartoonist hat aus seinen Erfahrungen ein lustiges Büchlein gemacht, mit amüsanten Texten und natürlich gewohnt witzigen Cartoons.
Peter Butschkow: Überleben auf dem E-Bike, 62 S., 9,90 Euro, Lappen Verlag …

Kunst:

Farbenrausch

Auch wenn es in Zeiten von Corona vielleicht ein bisschen frivol klingt – aber es gibt sie, die Kunst der Lebenslust. Und einer ihrer Großmeister ist – kein Zweifel – Pierre Bonnard. Mit stiller Beharrlichkeit hat der 1867 in der Nähe von Paris geborene Beamtensohn im Laufe der Jahrzehnte immer wieder die gleichen Motive auf die Leinwand gebracht: selbstvergessene Badende (für die ihm seine Frau Marthe oft das Modell war), blühende Landschaften, kreuzende Segelboote. Lange als Darsteller einer oberflächlichen Harmonie verspottet, gilt er heute nicht zuletzt dank seiner eigenwilligen Farbgebung als Virtuose der Moderne. Im Wiener Kunstforum war 2019 eine eindrucksvolle Bonnard-Retrospektive zu sehen, der Katalog rekapituliert das Ereignis aufs Schönste. PM.

Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung. 240 S., 200 farbige Abb. Hirmer.
34,90 Euro…

Bildgewalt

Die Gerhard-Richter-Schau im New Yorker Met Breuer, einer Dependance des Metropolitan Museum, war für dieses Jahr als eine der „Must-See“ Ausstellungen angekündigt. Zehn Tage nach der Eröffnung Anfang März wurde das Haus wegen der Corona-Krise geschlossen und die „Richter-Tour de Force“, wie Direktor Max Hollein es nannte, zum kürzesten Blockbuster aller Zeiten. Bei diesem Künstler geht es offenbar nicht ohne Superlative – in der Gegenwartskunst gilt der 88-Jährige als der vielseitigste, auf dem Kunstmarkt als der teuerste lebende Maler.

Welch komplexe Spannbreite sein Werk über sechs Jahrzehnte entfaltet, zeichnet nun ein neues grandioses Buch-Opus nach. Armin Zweite, langjähriger Chef der Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalen und Wegbegleiter von Richter, hat das zurückhaltend gestaltete Konvolut wissenschaftlich betreut, die Texte verfasst und gemeinsam mit dem Künstler die Bildauswahl getroffen. Nun kann man über rund 480 Seiten verfolgen, wie sich Richters Technik, Stil und Motive über sechs Jahrzehnte wandelten, von Fotorealismus über Monochromie zu Concept Art oder expressiver Abstraktion.…

Sachbuch:

Vorfreude

Natürlich ist es jetzt keine Zeit für einen Barbesuch, die sind ja eh alle geschlossen. Aber träumen kann man doch schon von dem ersten Drink nach der Krise. Wer also mal ein wenig vorschmecken möchte, dem sei das Buch mit den 150 schönsten Bars der Welt empfohlen. Mit dabei sind El Florida in Havanna, Flying Dutchman in Amsterdam, Apotheke in Barcelona, the American Bar in London, Dirty Dick in Paris, Bar Benfiddich in Tokio und natürlich Harry’s Bar in Venedig. Jeder Trinkpalast wird im Bild gezeigt (meist ohne Besucher), dazu gibt es einen kurzen Text zur Entstehung, die Adresse und eine Begründung, warum die Bar unbedingt einen Besuch wert ist. In Deutschland werden u.a. Le Lion Bar de Paris in Hamburg und Schumann’s in München vorgestellt. Gratis dazu gibt’s einige leckere Cocktail-Rezepte.

Juren Lijcops: 150 Bars, die man gesehen haben sollte. 256 Seiten, Gerstenberg. 26 Euro…

Gartenlust

David Wheeler, der Erfinder und langjährige Chefredakteur des britischen Gartenheftes Hortus (erscheint seit 1987), hat für sein hübsches Buch die schönsten Geschichten seines Magazins aus den Jahren 2006 bis 2014 zusammengestellt. Da erzählt Isabelle von Groeningen von ihrem Neu-Aufbau der Königlichen Gartenakademie in Berlin und die Journalistin Karin Kerin von einem phantastischen Dachgarten in Manhattan. Der im letzten Jahr verstorbene britische Rosenfachmann David Austin berichtet davon, wie er versuchte, das „Wesen der Rose“ in seinen Züchtungen sichtbar zu machen, und aus der Toskana erfährt man: Einen Olivenhain kauft man nicht, man dient ihm.
Ein wundervolles kleines Buch, das Lust auf die eigene Gartenidylle macht.

David Wheeler (hrsg.): Gartenlektüre – Neue Geschichten englischer Gartenenthusiasten 250 Seiten, Prestel, 20 Euro …

Belletristik

Verstörend

Die Geschichte zweier Schwestern, die sich nie kennenlernen, beginnt im 18. Jahrhundert in Ghana. Die eine wird als Sklavin nach Amerika verkauft, die andere heiratet einen englischen Sklavenhändler. Die Schicksale ihrer Nachkommen erzählt die in Ghana geborene, in New York lebende Autorin Yak Gyasi packend und kraftvoll, atemlos folgt man auch den grausamen Bestrafungen, der schrecklichen Lebenssituation der Farbigen nicht nur zu Zeiten des Sklavenhandels. Das Buch endet in der Gegenwart, wenn Marjorie und Marcus, Nachkommen je einer Schwester, nach Ghana heimkehren.
Das erste Buch der Autorin stand wochenlang auf den Bestsellerlisten der USA und wurde in 20 Sprachen übersetzt.
Wir wünschen ihm noch viele, viele Leser.

Yak Gyasi: Heimkehren 410 Seiten, Dumont. 22 Euro…

Malerische Gärten

Dass Claude Monet seine berühmten Seerosen im eigenen Garten porträtierte, ist weithin bekannt. Aber dass Leonardo Da Vinci mehrere Skizzenbücher mit gezeichneten Blüten, Blättern und Kräutern hinterlassen hat und Frida Kahlo Blätter aus ihrem Garten in ihre Gemälde integrierte, wissen vielleicht nicht so viele. Die britische Gartenarchitektin und Filmautorin Jackie Bennett ist durch Europa und Amerika gereist und hat die Gärten großer Maler für ihr neues Buch besucht. Neben einer Kurzbiografie des betreffenden Künstlers, einem Text über dessen jeweiliges Verhältnis zu Natur und Gärtnerei gibt es viele Fotos von Gärten und Gemälden, z.B. von Paul Cézanne, Max Liebermann, Emil Nolde, den Neuengland-Impressionisten und dem englischen Kreis um William Morris. Ein schönes Geschenk nicht nur für Garten-Liebhaber.

Jackie Bennett: Die Gärten der Künstler 224 S., Gerstenberg Verlag, 36 Euro
Foto: Gerstenberg

Flirrende Farben

Stimmt schon: Vom Impressionismus glaubt man ja mittlerweile so gut wie jedes Bild zu kennen. Aber dann ging man vergangenen Winter in die Hamburger Kunsthalle – und siehe da: Die Sammlung, die der dänische Unternehmer Wilhelm Hansen gemeinsam mit seiner Ehefrau Henny ab 1916 in seinem Anwesen Ordrupgaard nördlich von Kopenhagen zusammengetragen hat, verfügt mit Meisterwerken von Malern wie Auguste Renoir oder Camille Pissarro noch über eine ganze Reihe faszinierender Glanzlichter aus der populärsten Kunstrichtung der Moderne.…

Die Kunst der Welt

Über die Kunst dieser Welt und ihre lange Geschichte sind schon etliche Darstellungen geschrieben worden – jetzt haben diese Bücher eine im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Konkurrenz bekommen. Satte 3 Kilogramm wiegt der neue 26 mal 31 Zentimeter messende Wälzer mit seinen 612 Seiten, und das ist durchaus angemessen bei einer rund 30000-jährigen Historie. Von vorgeschichtlichen Höhlenmalereien über die Meisterwerke der Pharaonen, die Kunst der Griechen und Römer reicht das gewaltige Panorama weiter über Renaissance und Barock bis in die Gegenwart, und wenn frühere Darstellungen oft allzu europalastig waren, so trifft das auf dieses üppig bebilderte Kompendium nicht zu: Der Blick geht rund um den Globus. Ob alles stimmt, lässt sich natürlich auch nach der zweiten und dritten Lektüre nicht zuverlässig sagen, aber dass so gut wie (fast) alles drin ist, kann man getrost bestätigen.

Andrew Graham- Dixon (hrsg.): Art. Die visuelle Geschichte. 612 S., über 3000 Abb.…

Von Frauen – überwiegend, für Frauen – aber nicht nur, über Frauen – ausnahmslos.

 

 

Starke Frauen

Am besten schenkt man ihn sich selbst: Dieser Wochen-Wandkalender mit 53 Porträts von Frauen, jede gezeichnet von einer anderen Illustratorin, erzählt die ungewöhnlichen Lebenswege solch bemerkenswerter Frauen wie Vicki Baum und Barbara Bohlen, Cornelia Funke und Marlene Dietrich, Hildegard Knef und Meret Oppenheim, Hildegard Hamm-Brücher und Petra Pau. Viele der Illustratorinnen haben zugunsten des „FeM Mädchenhaus Frankfurt“ auf ihr Honorar verzichtet.

Starke Frauen. Wandkalender,21 x 29,7cm, Dumont, 18 Euro Foto: Dumont
 
 
 

Frauen mit Stil

Die britische Modejournalistin und Dozentin Tamsin Blanchard hat für ihr Buch 100 Frauen ausgesucht, deren Stil sie beeindruckt hat. Sie kombiniert je ein oder zwei ausdrucksstarke  Fotos mit einem ausführlichen Text zum Leben und zum Stil der jeweiligen Frau. Porträtiert hat sie u.a. Yoko Ono und Frida Kahlo, Tilda Swinton und Lauren Bacall, Nina Simone und Sofia Coppola, Anna Wintour und Jean Seberg, Donna Karan und Beth Ditto.

Verrückte LIebe

Warum eigentlich hat dieser Katalog zu einer aktuellen Ausstellung im Frankfurter Städel einen englischen Titel, erzählt er doch, laut Untertitel, die „Geschichte einer deutschen Liebe“? Und die war – die Autoren schildern sie mit eindrucksvoller Detailfreude – durchaus leidenschaftlich. Nach eher stockendem Beginn entdeckten die Deutschen rasch ihr Herz für den (vermeintlich) verrückten Mal-Revoluzzer Vincent van Gogh, der von dem einflußreichen Kunstkritiker Julius Meier-Graefe zum „Christus der modernen Kunst“ ernannt und von etlichen Galeristen geschickt vermarktet wurde. 1914 besaßen Sammler und Museen im Deutschen Reich bereits rund 150 Gemälde des genialen Niederländers, zahlreiche deutsche Expressionisten nahmen sich den furiosen Pinselstrich und die kräftigen Farben van Goghs zum Vorbild. 120 seiner Gemälde und Zeichnungen sind jetzt in Frankfurt zu sehen, dazu kommen rund 100 Bilder seiner
deutschen Kollegen.
Kein Wunder, dass soviel Wertschätzung auch Kriminelle auf den Plan rief. Der vormalige Ausdruckstänzer Otto Wacker musste sich 1932 vor Gericht verantworten, weil er 30 falsche van Gogh-Bilder in Umlauf gebracht hatte, deren Echtheit unter anderen auch Meier-Graefe bestätigt hatte.

Mehr Nuss geht nicht

Für die meisten von uns ist Walnuss gleich Walnuss: lecker, gesund und irgendwie weihnachtlich. So war das auch für den Schweizer Landschaftsarchitekten, Dokumentarfilmer, Fotografen und Autor Jonas Frei – bis er die Vielfalt der riesigen Familie der Walnusspflanzen entdeckte. Es begann mit den Früchten eines Butternussbaumes, die er nicht genau bestimmen konnte. Sein Interesse war geweckt. Für dieses Buch hat er jetzt mehr als 40 unterschiedliche Walnüsse porträtiert, angefangen mit der echten Walnuss, über die Herznuss und die Ferkelnuss  bis zur Zapfennuss. Von allen erfährt man ihre Verbreitung, ihren Wuchs, ihre Blätter- und Fruchtform in Texten, Fotos und liebevollen Illustrationen. Dazu lernt man viele Details zur Geschichte, ihrer Erforschung und Nutzung und ihrem Einsatz als Heilmittel kennen. Ein wahrer Wälzer für Nuss-Enthusiasten. Wer allerdings mit Walnüssen kochen möchte, muss sich anderswo informieren.

Jonas Frei: Die Walnuss – Alle in Mitteleuropa kultivierten Arten – Botanik, Geschichte, Kultur.

Ab in die Küche

Jetzt ist Apfelzeit!  Die kompakte Frucht ist nicht nur lecker, sie liefert auch reichlich Vitamin A und C, Magnesium und Ballaststoffe. Etwa 30.000 Apfelsorten werden weltweit kultiviert, gerade mal elf davon stellt James Rich, der von einem Apfelhof in Somerset stammt, in seinem Buch vor. Aber die hundert Rezepte aus Familientradition, die der Autor hier preisgibt, können natürlich auch mit anderen Äpfeln zubereitet werden. Huhn-Apfel-Crumble mit Boskop zum Beispiel oder Apfel-Käse-Scones mit Cox Orange. Den Rezepten vorangestellt ist das Kapitel „Alles über Äpfel“ und eine kleine Familiengeschichte des Autors.
James Rich: Äpfel – Rezepte aus dem Obstgarten, 224 S., at Verlag, 25 Euro Foto: at Verlag

 


Auf an die Donau

Angesichts durchhängender Regalbretter in den Buchhandlungen: Braucht die Welt wirklich noch einen weiteren Wien-Reiseführer? Wenn er so kurzweilig und informativ ist wie dieser hier – unbedingt ja. In acht Spaziergängen führt er, nach einer Einleitung mit Basis-Fakten, durch Österreichs geschichtsträchtige Hauptstadt, und als Schmankerl gibt’s zu jedem Abschnitt noch ein Interview mit einem vor Ort lebenden Insider.

Spannende Blicke hinter berühmte Fassaden

Wußten Sie, dass der Einsteinturm in Potsdam die Relativitätstheorie darstellen soll? Und dass das Taj Mahal im indischen Agra ein gewaltiges Mausoleum ist, das ein Groß-Mogul im 17. Jahrhundert für seine verstorbene Lieblingsfrau errichten ließ? 50 markante Gebäude aus der ganzen Welt werden in diesem Buch vorgestellt – das National Museum of African American History and Culture in Washington mit seinem filigranen Fassaden-Gitter ebenso wie die Hagia Sophia in Istanbul, die zwischen 532 und 562 erbaut, aber erst 1453 zur Moschee geweiht wurde. Der Clou des schönen Bandes: die 3D-Zeichnungen, in denen der Illustrator Robbie Polley überaus plastisch zeigt, wie das Innenleben all dieser großartigen Gebäude aussieht.
John Zukowsky: Architektur – Einblicke in Konstruktion und Details, 304 S., Prestel Verlag, 45 Euro
Foto: Prestel

Neugierige Blicke in appetitliche Töpfe

 

Ganz unbekannt ist die orientalische Küche bei uns ja nicht mehr, aber wer kann schon Rote-Beete-Mutabal oder Kishkamel-Moussaka zubereiten?…

Eine Stilikone erzählt

Sie ist 97 Jahre alt und hat gerade einen Vertrag als Fotomodell unterschrieben – ein neuer Meilenstein im bewegten Leben von Iris Apfel. Die New Yorkerin begann ihr Berufsleben als Journalistin, arbeitete bei einer Inneneinrichterin und bei einem Illustrator, führte 40 Jahre lang mit ihrem Mann Carl Apfel eine Textilfirma und richtete ganze Wohnungen ein. Sie liebte Mode schon als Kind, stöberte auf Flohmärkten und kombinierte ihre Kleidung immer bunt bis schrill, immer auffallend mit eigenem Stil und trägt noch heute eine riesige schwarzgeränderte Brille. 2005 stellte das Metropolitan Museum of Art ihre Mode und ihre Accessoires in einer großen Ausstellung vor, eine gefilmte Dokumentation machte sie 2014 auch international bekannt. Jetzt hat Iris Apfel ihre Biografie vorgelegt, ein fröhliches Buch voller schräger Outfits, kleiner Geschichten und jeder Menge bedenkenswerter Erkenntnisse. So wie dieser: More is more, and less is a bore.
Iris Apfel: Stil ist keine Frage des Alters, 176 S.,…

Inselglück

Man möchte sofort zum Flughafen und endlich mal wieder nach Mallorca fliegen: Was für Häuser, wie wunderschön eingerichtet, der Traum vom Wohnen schlechthin!
Der Autor lebt selbst auf der Sehnsuchtsinsel aller Deutschen und zeigt in diesem Buch sein eigenes Haus und die anderer Architekten und Designer. Der Stil ist (fast) überall puristisch, luxuriös und naturverbunden. Ein Buch für den Coffee Table, in dem man immer wieder gern blättert. Ein paar wenige Tipps für Geschäfte, Galerien und Bezugsquellen für Möbel und Accessoires ergänzen die großzügigen Fotos und die architekturlastigen Texte. Um die Häuser allerdings ganz zu verstehen, wären Grundrisse schon hilfreich gewesen.

 

Thomas NIederste-Werbeck: Mallorca mit Stil, 192 S., Callwey, 39,95 Euro. Foto: Callwey

 


Natürlich mit Geschichte

Sie haben bestimmt auch ein absolutes Lieblingsstück in Ihrer Wohnung. Und natürlich hat das Möbel, Accessoire, Buch oder einfach nur Stehrümchen eine ganz persönliche Geschichte. 60 der schönsten dieser Geschichten, die als Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen sind, hat die zuständige Redakteurin Birgit Ochs in einem Buch zusammengefasst.

Von knisternden Chipstüten

Warum machen Chipstüten extra laute Knister-Geräusche, wenn man sie öffnet? Und warum halten wir ein Dessert auf einem weißen Teller für süßer als auf einem dunklen? Warum schmeckt teurer Wein vermeintlich besser als billiger? Mit all diesen und vielen anderen Fragen setzt sich der Professor für Experimentalpsychologie an der Universität Oxford in seinem Buch „Gastrologik“ auf höchst amüsante Weise auseinander. So erfährt man, dass bei lauten Hintergrundgeräuschen, wie zum Beispiel im Flugzeug, nicht mehr wahrgenommen wird, wie süß Kekse und wie salzig Chips wirklich sind, und dass man von kleinen Tellern weniger isst als von großen. Ein rosafarbenes Getränk wiederum kommt uns süßer vor als ein grünes, selbst wenn dieses 10 Prozent mehr Zucker enthält. Und eine Fertigbackmischung verkauft sich besser, wenn man noch ein Ei (oder anderes) hinzufügen muss, als wenn es ganz fertig aus der Packung kommt. In diesem Buch erfährt man jede Menge über uns Essende, was man bisher nicht wusste.…

Hier spielte die Musik

Sein Haus „Wahnfried“  in Bayreuth bezeichnete Richard Wagner während der zweijährigen Bauzeit von 1872 bis 74 mehrfach als „Ärgersheim“, da die Presse regelmäßig über eine „Luxusvilla“ berichtete. Da wollten Kollegen nicht zurückstehen: Das Jugendstilhaus von Richard Strauss in Garmisch Partenkirchen, das er sich 1907/08 von den Tantiemen für seine Oper Salome bauen ließ, zeugt bis heute von seinem Bedürfnis, all seine Kostbarkeiten nah bei sich zu haben. Und auch Franz Lehar bevorzugte einen opulenten Einrichtungsstil in seiner Villa in Bad Ischl, die er 1912 gekauft hatte. Georg Friedrich Händel wiederum wohnte in London gleich neben Jimi Hendrix, allerdings in einem anderen Jahrhundert.
Das Buch Komponistenhäuser bietet Biografien und Geschichten über 27 berühmte Komponisten und zeigt in schönen, stillen Fotos ihre Häuser und Wohnungen. Nicht nur für Musikliebhaber ein sehenswerter Band.

Bodo Plachta (Text), Achim Bednarz (Fotos): Komponistenhäuser – Wohn- und Arbeitsräume berühmter Musiker aus fünf Jahrhunderten, 192 S.,…

Mehr vom Meer

Sie waren die Stars des deutschen Impressionismus: Max Slevogt und Max Liebermann und das nicht zuletzt dank ihres rührigen Berliner Galeristen Paul Cassirer. 1908 besuchten ihn die beiden Maler in seinem Ferienhaus im holländischen Noordwijk, und dieses Treffen (bei dem auch Lovis Corinth noch kurz dabei ist) erwies sich als so ergiebig, dass ihm das Landesmuseum Mainz vergangenes Jahr eine ganze Ausstellung widmete, die von diesem informativen und detailreichen Katalog begleitet wurde. Im Mittelpunkt stand dabei Slevogt, dessen 150. Geburtstag sich 2018 jährte: So tauchte pünktlich zum Jubiläum seine bis dahin unbekannte „Skizze mit Flagge“ auf, eines von vier Gemälden, die der dem Meer und dem Strandleben nicht sonderlich gewogene Slevogt in Noordwijk malte. Sie können mit Arbeiten von Liebermann verglichen werden, der den maritimen Motiven deutlich mehr zugetan war. Fast noch interessanter: Eine ganze Reihe von Grafiken und Zeichnungen und zahlreiche Briefe, die nicht nur eine Sicht auf diesen Sommerurlaub sondern auch Einblicke in das Verhältnis der beiden Künstler untereinander und zu ihrem Händler gewähren.…

Vive la France!

Nein, einen normalen Reiseführer mit akkuraten Ortsangaben, Hotel- und Restauranttipps und was dergleichen nützliche Infos mehr sind, den hat Manfred Hammes nicht geschrieben. Aber wer die Kulturlandschaft Südfrankreich kennenlernen will, der stößt in diesem 700-Seiten-Band auf eine Schatzkiste, die im wahrsten Sinne des Wortes überquillt. Denn der Autor, seit über 30 Jahren in der Gegend unterwegs, kennt sie alle: Alle Künstler, Schriftsteller und Musiker, alle Köche, Literaten und Weltenbummler, die sich je an Frankreichs Mittelmeerküste samt Hinterland aufgehalten haben – von den Einheimischen ganz zu schweigen. In 16 lesefreundlichen Postkarten (sprich: Kapiteln) breitet er sein enzyklopädisches Wissen kurzweilig und anekdotenreich aber durchaus nicht systematisch aus, und die einzige Warnung, die angesichts dieser Faktenfülle beherzigt werden sollte: Übers Festlesen nicht vergessen, irgendwann auch loszufahren. PM
Manfred Hammes: Durch den Süden Frankreichs – Literatur, Kunst, Kulinarik. 704 S., ca. 1300 Abb. Nimbus Verlag. 29,80 Euro Foto: Nimbus Verlag

 

Geliebter Garten

Das neue Werk des Autoren Georg Möller und des Fotografen Gary Rogers ist mal ein ganz anderes Gartenbuch.…

100 Jahre Bauhaus ist für uns Anlass, ein paar Neuerscheinungen
zu seinem Jubiläum vorzustellen:

Das Bauhaus für Anfänger

Für die, die noch nicht viel über das Bauhaus wissen, ist dieses Buch ein idealer Einstieg. Es beginnt mit einem kurzen Überblick, was das Bauhaus überhaupt war, gefolgt von 24 Kurz-Biografien aller wichtigen Bauhäusler, danach gibt es jeweils ein Kapitel zu den Bauhaus-Standorten in Weimar, Dessau und Berlin. Das Buch endet mit einem Überblick über die tatsächlich gebaute Bauhaus-Architektur und einem kurzen Exkurs, was aus Lehrern und Schülern im und nach dem Krieg wurde.
Nach der Lektüre weiß man, was der Architekt Mies van der Rohe meinte, als er in seiner Rede zum 70. Geburtstag des ersten Bauhaus-Direktors Walter Gropius (bis 1928) am 18. Mai 1953 sagte: „Das Bauhaus war eine Idee, und ich glaube, dass die Ursache für den ungeheuren Einfluss, den das Bauhaus auf jede fortschrittliche Schule in der Welt gehabt hat, in der Tatsache zu suchen ist, dass es eine Idee war.…