Bücher

Verrückte LIebe

Warum eigentlich hat dieser Katalog zu einer aktuellen Ausstellung im Frankfurter Städel einen englischen Titel, erzählt er doch, laut Untertitel, die „Geschichte einer deutschen Liebe“? Und die war – die Autoren schildern sie mit eindrucksvoller Detailfreude – durchaus leidenschaftlich. Nach eher stockendem Beginn entdeckten die Deutschen rasch ihr Herz für den (vermeintlich) verrückten Mal-Revoluzzer Vincent van Gogh, der von dem einflußreichen Kunstkritiker Julius Meier-Graefe zum „Christus der modernen Kunst“ ernannt und von etlichen Galeristen geschickt vermarktet wurde. 1914 besaßen Sammler und Museen im Deutschen Reich bereits rund 150 Gemälde des genialen Niederländers, zahlreiche deutsche Expressionisten nahmen sich den furiosen Pinselstrich und die kräftigen Farben van Goghs zum Vorbild. 120 seiner Gemälde und Zeichnungen sind jetzt in Frankfurt zu sehen, dazu kommen rund 100 Bilder seiner
deutschen Kollegen.
Kein Wunder, dass soviel Wertschätzung auch Kriminelle auf den Plan rief. Der vormalige Ausdruckstänzer Otto Wacker musste sich 1932 vor Gericht verantworten, weil er 30 falsche van Gogh-Bilder in Umlauf gebracht hatte, deren Echtheit unter anderen auch Meier-Graefe bestätigt hatte.

Mehr Nuss geht nicht

Für die meisten von uns ist Walnuss gleich Walnuss: lecker, gesund und irgendwie weihnachtlich. So war das auch für den Schweizer Landschaftsarchitekten, Dokumentarfilmer, Fotografen und Autor Jonas Frei – bis er die Vielfalt der riesigen Familie der Walnusspflanzen entdeckte. Es begann mit den Früchten eines Butternussbaumes, die er nicht genau bestimmen konnte. Sein Interesse war geweckt. Für dieses Buch hat er jetzt mehr als 40 unterschiedliche Walnüsse porträtiert, angefangen mit der echten Walnuss, über die Herznuss und die Ferkelnuss  bis zur Zapfennuss. Von allen erfährt man ihre Verbreitung, ihren Wuchs, ihre Blätter- und Fruchtform in Texten, Fotos und liebevollen Illustrationen. Dazu lernt man viele Details zur Geschichte, ihrer Erforschung und Nutzung und ihrem Einsatz als Heilmittel kennen. Ein wahrer Wälzer für Nuss-Enthusiasten. Wer allerdings mit Walnüssen kochen möchte, muss sich anderswo informieren.

Jonas Frei: Die Walnuss – Alle in Mitteleuropa kultivierten Arten – Botanik, Geschichte, Kultur.

Ab in die Küche

Jetzt ist Apfelzeit!  Die kompakte Frucht ist nicht nur lecker, sie liefert auch reichlich Vitamin A und C, Magnesium und Ballaststoffe. Etwa 30.000 Apfelsorten werden weltweit kultiviert, gerade mal elf davon stellt James Rich, der von einem Apfelhof in Somerset stammt, in seinem Buch vor. Aber die hundert Rezepte aus Familientradition, die der Autor hier preisgibt, können natürlich auch mit anderen Äpfeln zubereitet werden. Huhn-Apfel-Crumble mit Boskop zum Beispiel oder Apfel-Käse-Scones mit Cox Orange. Den Rezepten vorangestellt ist das Kapitel „Alles über Äpfel“ und eine kleine Familiengeschichte des Autors.
James Rich: Äpfel – Rezepte aus dem Obstgarten, 224 S., at Verlag, 25 Euro Foto: at Verlag

 


Auf an die Donau

Angesichts durchhängender Regalbretter in den Buchhandlungen: Braucht die Welt wirklich noch einen weiteren Wien-Reiseführer? Wenn er so kurzweilig und informativ ist wie dieser hier – unbedingt ja. In acht Spaziergängen führt er, nach einer Einleitung mit Basis-Fakten, durch Österreichs geschichtsträchtige Hauptstadt, und als Schmankerl gibt’s zu jedem Abschnitt noch ein Interview mit einem vor Ort lebenden Insider.

Spannende Blicke hinter berühmte Fassaden

Wußten Sie, dass der Einsteinturm in Potsdam die Relativitätstheorie darstellen soll? Und dass das Taj Mahal im indischen Agra ein gewaltiges Mausoleum ist, das ein Groß-Mogul im 17. Jahrhundert für seine verstorbene Lieblingsfrau errichten ließ? 50 markante Gebäude aus der ganzen Welt werden in diesem Buch vorgestellt – das National Museum of African American History and Culture in Washington mit seinem filigranen Fassaden-Gitter ebenso wie die Hagia Sophia in Istanbul, die zwischen 532 und 562 erbaut, aber erst 1453 zur Moschee geweiht wurde. Der Clou des schönen Bandes: die 3D-Zeichnungen, in denen der Illustrator Robbie Polley überaus plastisch zeigt, wie das Innenleben all dieser großartigen Gebäude aussieht.
John Zukowsky: Architektur – Einblicke in Konstruktion und Details, 304 S., Prestel Verlag, 45 Euro
Foto: Prestel

Neugierige Blicke in appetitliche Töpfe

 

Ganz unbekannt ist die orientalische Küche bei uns ja nicht mehr, aber wer kann schon Rote-Beete-Mutabal oder Kishkamel-Moussaka zubereiten?…

Eine Stilikone erzählt

Sie ist 97 Jahre alt und hat gerade einen Vertrag als Fotomodell unterschrieben – ein neuer Meilenstein im bewegten Leben von Iris Apfel. Die New Yorkerin begann ihr Berufsleben als Journalistin, arbeitete bei einer Inneneinrichterin und bei einem Illustrator, führte 40 Jahre lang mit ihrem Mann Carl Apfel eine Textilfirma und richtete ganze Wohnungen ein. Sie liebte Mode schon als Kind, stöberte auf Flohmärkten und kombinierte ihre Kleidung immer bunt bis schrill, immer auffallend mit eigenem Stil und trägt noch heute eine riesige schwarzgeränderte Brille. 2005 stellte das Metropolitan Museum of Art ihre Mode und ihre Accessoires in einer großen Ausstellung vor, eine gefilmte Dokumentation machte sie 2014 auch international bekannt. Jetzt hat Iris Apfel ihre Biografie vorgelegt, ein fröhliches Buch voller schräger Outfits, kleiner Geschichten und jeder Menge bedenkenswerter Erkenntnisse. So wie dieser: More is more, and less is a bore.
Iris Apfel: Stil ist keine Frage des Alters, 176 S., Midas Verlag, 25 Euro Foto: Midas

 

Rote Lustmacher

 

Wohl dem, der einen Garten hat und seine eigenen Tomaten anbauen kann.…

Inselglück

Man möchte sofort zum Flughafen und endlich mal wieder nach Mallorca fliegen: Was für Häuser, wie wunderschön eingerichtet, der Traum vom Wohnen schlechthin!
Der Autor lebt selbst auf der Sehnsuchtsinsel aller Deutschen und zeigt in diesem Buch sein eigenes Haus und die anderer Architekten und Designer. Der Stil ist (fast) überall puristisch, luxuriös und naturverbunden. Ein Buch für den Coffee Table, in dem man immer wieder gern blättert. Ein paar wenige Tipps für Geschäfte, Galerien und Bezugsquellen für Möbel und Accessoires ergänzen die großzügigen Fotos und die architekturlastigen Texte. Um die Häuser allerdings ganz zu verstehen, wären Grundrisse schon hilfreich gewesen.

 

Thomas NIederste-Werbeck: Mallorca mit Stil, 192 S., Callwey, 39,95 Euro. Foto: Callwey

 


Natürlich mit Geschichte

Sie haben bestimmt auch ein absolutes Lieblingsstück in Ihrer Wohnung. Und natürlich hat das Möbel, Accessoire, Buch oder einfach nur Stehrümchen eine ganz persönliche Geschichte. 60 der schönsten dieser Geschichten, die als Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen sind, hat die zuständige Redakteurin Birgit Ochs in einem Buch zusammengefasst.

Von knisternden Chipstüten

Warum machen Chipstüten extra laute Knister-Geräusche, wenn man sie öffnet? Und warum halten wir ein Dessert auf einem weißen Teller für süßer als auf einem dunklen? Warum schmeckt teurer Wein vermeintlich besser als billiger? Mit all diesen und vielen anderen Fragen setzt sich der Professor für Experimentalpsychologie an der Universität Oxford in seinem Buch „Gastrologik“ auf höchst amüsante Weise auseinander. So erfährt man, dass bei lauten Hintergrundgeräuschen, wie zum Beispiel im Flugzeug, nicht mehr wahrgenommen wird, wie süß Kekse und wie salzig Chips wirklich sind, und dass man von kleinen Tellern weniger isst als von großen. Ein rosafarbenes Getränk wiederum kommt uns süßer vor als ein grünes, selbst wenn dieses 10 Prozent mehr Zucker enthält. Und eine Fertigbackmischung verkauft sich besser, wenn man noch ein Ei (oder anderes) hinzufügen muss, als wenn es ganz fertig aus der Packung kommt. In diesem Buch erfährt man jede Menge über uns Essende, was man bisher nicht wusste.…

Hier spielte die Musik

Sein Haus „Wahnfried“  in Bayreuth bezeichnete Richard Wagner während der zweijährigen Bauzeit von 1872 bis 74 mehrfach als „Ärgersheim“, da die Presse regelmäßig über eine „Luxusvilla“ berichtete. Da wollten Kollegen nicht zurückstehen: Das Jugendstilhaus von Richard Strauss in Garmisch Partenkirchen, das er sich 1907/08 von den Tantiemen für seine Oper Salome bauen ließ, zeugt bis heute von seinem Bedürfnis, all seine Kostbarkeiten nah bei sich zu haben. Und auch Franz Lehar bevorzugte einen opulenten Einrichtungsstil in seiner Villa in Bad Ischl, die er 1912 gekauft hatte. Georg Friedrich Händel wiederum wohnte in London gleich neben Jimi Hendrix, allerdings in einem anderen Jahrhundert.
Das Buch Komponistenhäuser bietet Biografien und Geschichten über 27 berühmte Komponisten und zeigt in schönen, stillen Fotos ihre Häuser und Wohnungen. Nicht nur für Musikliebhaber ein sehenswerter Band.

Bodo Plachta (Text), Achim Bednarz (Fotos): Komponistenhäuser – Wohn- und Arbeitsräume berühmter Musiker aus fünf Jahrhunderten, 192 S., DVA, 50 Euro.…

Mehr vom Meer

Sie waren die Stars des deutschen Impressionismus: Max Slevogt und Max Liebermann und das nicht zuletzt dank ihres rührigen Berliner Galeristen Paul Cassirer. 1908 besuchten ihn die beiden Maler in seinem Ferienhaus im holländischen Noordwijk, und dieses Treffen (bei dem auch Lovis Corinth noch kurz dabei ist) erwies sich als so ergiebig, dass ihm das Landesmuseum Mainz vergangenes Jahr eine ganze Ausstellung widmete, die von diesem informativen und detailreichen Katalog begleitet wurde. Im Mittelpunkt stand dabei Slevogt, dessen 150. Geburtstag sich 2018 jährte: So tauchte pünktlich zum Jubiläum seine bis dahin unbekannte „Skizze mit Flagge“ auf, eines von vier Gemälden, die der dem Meer und dem Strandleben nicht sonderlich gewogene Slevogt in Noordwijk malte. Sie können mit Arbeiten von Liebermann verglichen werden, der den maritimen Motiven deutlich mehr zugetan war. Fast noch interessanter: Eine ganze Reihe von Grafiken und Zeichnungen und zahlreiche Briefe, die nicht nur eine Sicht auf diesen Sommerurlaub sondern auch Einblicke in das Verhältnis der beiden Künstler untereinander und zu ihrem Händler gewähren.…

Vive la France!

Nein, einen normalen Reiseführer mit akkuraten Ortsangaben, Hotel- und Restauranttipps und was dergleichen nützliche Infos mehr sind, den hat Manfred Hammes nicht geschrieben. Aber wer die Kulturlandschaft Südfrankreich kennenlernen will, der stößt in diesem 700-Seiten-Band auf eine Schatzkiste, die im wahrsten Sinne des Wortes überquillt. Denn der Autor, seit über 30 Jahren in der Gegend unterwegs, kennt sie alle: Alle Künstler, Schriftsteller und Musiker, alle Köche, Literaten und Weltenbummler, die sich je an Frankreichs Mittelmeerküste samt Hinterland aufgehalten haben – von den Einheimischen ganz zu schweigen. In 16 lesefreundlichen Postkarten (sprich: Kapiteln) breitet er sein enzyklopädisches Wissen kurzweilig und anekdotenreich aber durchaus nicht systematisch aus, und die einzige Warnung, die angesichts dieser Faktenfülle beherzigt werden sollte: Übers Festlesen nicht vergessen, irgendwann auch loszufahren. PM
Manfred Hammes: Durch den Süden Frankreichs – Literatur, Kunst, Kulinarik. 704 S., ca. 1300 Abb. Nimbus Verlag. 29,80 Euro Foto: Nimbus Verlag

 

Geliebter Garten

Das neue Werk des Autoren Georg Möller und des Fotografen Gary Rogers ist mal ein ganz anderes Gartenbuch.…

100 Jahre Bauhaus ist für uns Anlass, ein paar Neuerscheinungen
zu seinem Jubiläum vorzustellen:

Das Bauhaus für Anfänger

Für die, die noch nicht viel über das Bauhaus wissen, ist dieses Buch ein idealer Einstieg. Es beginnt mit einem kurzen Überblick, was das Bauhaus überhaupt war, gefolgt von 24 Kurz-Biografien aller wichtigen Bauhäusler, danach gibt es jeweils ein Kapitel zu den Bauhaus-Standorten in Weimar, Dessau und Berlin. Das Buch endet mit einem Überblick über die tatsächlich gebaute Bauhaus-Architektur und einem kurzen Exkurs, was aus Lehrern und Schülern im und nach dem Krieg wurde.
Nach der Lektüre weiß man, was der Architekt Mies van der Rohe meinte, als er in seiner Rede zum 70. Geburtstag des ersten Bauhaus-Direktors Walter Gropius (bis 1928) am 18. Mai 1953 sagte: „Das Bauhaus war eine Idee, und ich glaube, dass die Ursache für den ungeheuren Einfluss, den das Bauhaus auf jede fortschrittliche Schule in der Welt gehabt hat, in der Tatsache zu suchen ist, dass es eine Idee war.…

Amerika ganz anders

Auch wenn sich die USA als politische Weltmacht gerade verabschieden – eine Weltmacht in Sachen Kunst sind sie seit dem 2. Weltkrieg bis heute geblieben. Aber wie sah es eigentlich davor in den Ateliers zwischen New York und San Francisco aus? Diese Frage beantwortet derzeit eine große Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum, und so opulent wie die museale Retrospektive auf 300 Jahre ist auch der Katalog dazu ausgefallen. Der Rückblick ist spannend: Nach höchst epigonalen Anfängen, einem 19. Jahrhundert voller Stilleben und Historiengemälde (und ein wenig „Native Art“ der Ureinwohner) kam mit der legendären „Armory Show“ von 1913 die große Zäsur: Amerikas Kunst fand zu sich selbst. Der ruppige Realismus der „Ash Can School“ (dt. „Mülleimerschule“) brach als erster mit den aus Europa importierten akademischen Traditionen; mit den dramatischen Anfängen des Abstrakten Expressionismus endet der epische Überblick in diesem mächtigen Wälzer. Zurück bleibt ein Betrachter mit lahmem Arm und der Erkenntnis „Irgendwie schon toll, diese Amis!“

 

Es war einmal in Amerika.

Keine Bange, wenn Ihnen noch immer kein angemessenes Weihnachtsgeschenk eingefallen ist: Hier kommen Tipps für Bücher, die auch ohne Kerzen in alle Augen ein warmes Leuchten zaubern.

Fotobände:

Vom Zauber eines Anfangs
Heute ist sie natürlich ein Star mit internationalem Kultstatus, deren Fotos sorgfältig arrangierte Kompositionen sind, aber vor genau 50 Jahren, als die blutjunge Kunststudentin Annie Leibovitz den Pinsel mit der Kamera tauschte, entstanden noch ganz andere Bilder. Da ging sie für das US-Magazin „Rolling Stone“ mit zahllosen Bands auf Tournee, beobachtete US-Politiker im Wahlkampf, andere Promis beim Leben, und die Aufnahmen, die sie dabei gleichsam aus der Hüfte schoss, sind bis heute von einer umwerfenden Spontaneität. In diesem Band sind sie versammelt, und schon die Porträts auf dem Umschlag, die auf den Beifahrersitzen Dutzender Autos entstanden, sind großartige Dokumente aus einer Zeit, als Rockmusik noch mit der Hand gemacht wurde – und die Fotos genauso entstanden.

Annie Leibovitz: The Early Years 1970-1983.…

Pflanzen-Show
Natürlich haben Sie schon davon gehört, dass der rote Fingerhut extrem giftig ist. Weniger als ein Gramm seiner Blätter bringen einen Erwachsenen um. Aber wussten Sie, dass die weiß umrandeten Flecken wie ein Hinweis auf Insekten wirken: Hier gibt’s Nektar? Dabei schaffen es nur die starken Hummeln an die tief sitzenden Staubbeutel zu gelangen.
Bienen sind unglaublicherweise auch in dichten Buchenwäldern unterwegs, denn der zarte kleine Sauerklee mit seinen herzförmigen Blättern produziert reichlich Nektar, den die kleinen Brummer sehr lieben.
Diese und noch viele andere interessante Fakten zu hundert Pflanzen, die man kennen sollte, hat der Schweizer Botaniker Adrian Möhl für sein Buch gesammelt und die Zeichnerin Denise Sonney hat sie alle wunderhübsch porträtiert.
Ein kleiner Nachteil des informativen Buches: Für Nicht-Kenner sind die Pflanzen nach den Zeichnungen kaum zu identifizieren.
Adrian Möhl, Denise Sonney: Deutschlands Flora amabilis – 100 Pflanzen, die Sie kennen sollten, 224 S., Hirmer, 25 Euro Foto: Hirmer

Sterneküche – zum Nachkochen
Der französische Koch Michel Troisgros hält seit 20 Jahren drei Michelin-Sterne und wurde 2018 zum „Besten Koch der Welt“ beim „Chefs World Summit“ gewählt, einem Treffen aller Spitzenköche in Monaco.…

Havanna ist blau

Die touristischen Highlights von Havanna hat die deutsche Fotografin Eva-Maria Fahrner-Tutsek gleich links liegen gelassen. Weit musste sie nicht gehen, schon im Stadtteil „La Habana Vieja“, dem alten Havanna, fand sie das Kuba der Kubaner. Für ihren Band „Havana – Short Shadows“ hat sie Szenen des alltäglichen Lebens eingefangen, echte Straßenfotografie eben. Da hängen frisch gewaschene, strahlend weiße Laken in einer Ruine, eine Sonnenblumenverkäuferin hockt auf einem Schemel am Straßenrand, ein vergilbtes Foto von Fidel Castro klebt in einem schmutzigen Schaufenster. Die Bilder sind kommentarlos abgedruckt, nur hinten im Buch findet man Angaben zur Straße oder zum Gebäude der jeweiligen Aufnahme. Ergänzt werden die stillen Bilder von einem kleinen Einführungstext der Fotografin und einem Essay über das Wesen und die Geschichte der Dokumentarfotografie von Fotograf Michael Freeman und einem über das Leben in Havanna des Schriftstellers Leonardo Padura, beide sind ein Muss zum Verständnis der Bilder. Denn Leonardo Padura bekennt: “Mein Havanna klingt nach Musik und alten Autos, es riecht nach Gas und Meer, und seine Farbe ist das Blau.“

Eva-Maria Fahrner-Tutsek: Havana – short shadows, 164 S., Hirmer, 39,90 Euro Foto: Hirmer

Frauen entdecken

Stimmt schon – erfunden hat die Fotografie ein Mann; der Franzose Louis Daguerre.…

Irremachende Tapete

Es ist nur ein kleiner, schmaler Band von nicht mal 100 Seiten – je eine auf Deutsch und das englische Original auf der gegenüberliegenden Seite, aber er hat es in sich. Die Geschichte einer Frau, die in ihrem Raum mit der gelben Tapete langsam verrückt wird, wurde 1892 von der Amerikanerin Charlotte Perkins Gilman aufgeschrieben und basiert wohl auf persönlichen Erfahrungen. Eine beklemmende, lesenswerte Geschichte.

Charlotte Perkins Gilman: Die gelbe Tapete, 96 S., Dörlemann, 14 Euro Foto: Dörlemann

 

 

Lesende Kinder

Die Geschichte der Kindererzählungen beginnt lange vor Erfindung des Drucks. Eltern haben ihren Kindern immer schon etwas erzählt oder ihnen vorgesungen. Zu allererst waren das wahrscheinlich Schlaflieder; das wohl älteste erhaltene ist auf einer Keilschrifttafel der Sumerer gefunden worden, das aus der Zeit 2500 vor Christi stammt. Die beiden Briten Roderick Cave und Sara Awad haben für ihre „Geschichte des Kinderbuchs“ Informationen aus aller Welt zusammen getragen und beschäftigen sich mit hundert Kinderbüchern im Einzelnen – mit Bilderbüchern und Erziehungsratgebern, mit Vorlesebüchern und dem ersten Lesestoff für Kleine, Jugendliche und junge Erwachsene.

 

Mithelfen!

Bienen sind ganz erstaunliche kleine Wesen. Zwei Millionen Blüten fliegen sie für ein 450-Gramm-Glas Honig an und legen dabei etwa 80 000 Kilometer zurück. Und von den weltweit 25 000 bekannten Bienenarten sind nur sieben Arten Honigbienen. Dass die kleinen Brummer für uns lebenswichtig sind, weiß man ja mittlerweile, dass aber jeder Hobby-Gärtner zu ihrem und damit unserem Wohl beitragen kann, ist noch nicht überall bekannt. Die britische Journalistin und Hobby-Imkerin Sarah Wyndham Lewis hat jetzt ein Buch vorgelegt, mit dem jeder seinen Garten, seine Terrasse, seinen Balkon bienenfreundlich bepflanzen kann. Lange Listen von Gewächsen, sortiert nach Standort, Bodenbeschaffenheit und der Jahreszeit, in der sie blühen, ergänzt die Autorin mit vielen Fakten über Honigbienen, Grundlegendem über Nektar, Pollen und Propolis, einer antibiotischen, harzartigen Masse, und einer kurzen Entwicklungsgeschichte der Bienen überhaupt. Dazu gibt es wunderhübsche Illustrationen von James Lewis Weston.

Nach der Lektüre bin ich nicht nur froh, dass ich Lavendel gepflanzt habe und der Schnittlauch gerade Blüten treibt und deshalb nicht mehr im Rührei landen wird, sondern ich freue mich auch, dass die Margeriten auf meinem Nordbalkon keinen doppelten Blütenblätterkranz haben und die Bienen mit ihren kurzen Rüsseln so gut an den Nektar gelangen können.…

Lecker, lecker!

Die Fußball-WM ist zwar bald vorbei, trotzdem sind kleine Rezepte für nette Abende sehr willkommen. Und da kommt dieses hübsche Büchlein gerade recht: Wer will schließlich den Abend in der Küche verbringen und seine Gäste sich selbst überlassen. Wiener im Schlafrock oder gefüllte Champignons lassen sich prima vorbereiten. Selbst Ofenkartoffeln mit verschiedenen Füllungen kann man fertig haben, bevor die Gäste kommen. Für einen Männerabend empfiehlt US-Koch- und Eventexpertin McMillan Chili-Cheeseburger und gegrillte Rippchen zu Ingwer-Shandy (mit Ginger- und Hoegaarden-Bier) und Mojito mit Minze. Also dann: Guten Appetit.

Kate McMillan: Samstag Abend – Snacks und Drinks zum Teilen – oder auch nicht, 104 S., Callwey, 20 Euro Foto: Callwey

Ganz und gar zauberhaft

Zuerst die Vorgeschichte: Queen Mary von England, Ehefrau von König George V. und Großmutter der jetzigen Queen Elisabeth, besaß ein Puppenhaus im Maßstab 1:12, das heute noch in Windsor Castle besichtigt werden kann. Für die Bibliothek dieses Hauses steuerten 1924 bekannte Autoren wie Rudyard Kipling und Sir Arthur Conan Doyle Texte bei.…

Frühe Karriere

Berühmt haben ihn natürlich seine Filme gemacht: „Uhrwerk Orange“ und „2001: Odyssee im Weltraum“ etwa zählen längst zu den Klassikern der Kino-Kunst. Doch Stanley Kubrick, 1928 in New York geboren, kannte sich nicht nur mit bewegten Bildern aus. Schon als Teenager machte er Aufnahmen für die Schülerzeitung, und nachdem er mit der Schule fertig war, beschloss er, Fotograf zu werden. Dass er es bereits in diesem Metier zu einer bemerkenswerten Karriere brachte, belegt der unermüdliche Taschen-Verlag jetzt mit einem dicken Bildband, der Kubricks Zeit bei der Illustrierten „Look“ zwischen 1945 und 1950 dokumentiert, die zu dieser Zeit eines der führenden Blätter der USA war. Da kam der neue, immer neugierige Mitarbeiter gerade recht – zumal seine Heimatstadt ihm immer neue Motive lieferte. Ob auf der Straße oder im Stadion, ob Zirkusvolk oder Liebespaar, Künstler oder Zeitungsverkäufer: Kubrick war stets zur Stelle, und weil er sich fast immer seinen eigenen Blick bewahrte, haben die meisten (teilweise bislang unveröffentlichten) Aufnahmen bis heute so wenig von ihrer Unmittelbarkeit und Frische eingebüsst, dass man sogar den nur auf Englisch vorliegenden Begleittext in Kauf nimmt.…

Hoch die Tassen!

Auch wenn Fakten nicht gerade überall gefragt sind, hier bekommt man jede Menge. So werden in China jedes Jahr 550 Milliarden Tassen

Tee getrunken, für die eine Wassermenge verbraucht wird, die in 236 588 olympische Schwimmbecken passt. Die Sorte Orange Pekoe heißt nicht so, weil der Tee orange

ist, sondern wahrscheinlich hat sie ihren Namen vom niederländischen Königshaus Oranien-Nassau, das maßgeblich an der Einführung von Tee nach Europa beteiligt war. In Marokkos Suks trinkt man den angebotenen Tee aus, bevor man anfängt zu feilschen.

Alles über ihr Lieblingsgetränk Tee haben die beiden britischen Autoren zusammengetragen und daraus ein großartiges Nachschlagewerk gemacht. So erfährt man, wo welche Sorte wie angebaut und verarbeitet wird, wie man das Heißgetränk in aller Welt zubereitet und woraus man es trinkt. Die riesige Faktensammlung wird ergä

nzt von schönen Fotos, feinen Zeichnungen, interessanten Tabellen und einer großen Zahl von ungewöhnlichen Rezepten. Oder haben Sie schon mal Chai-Maronen-Muffins oder Earl-Grey-Martini probiert?…