Bücher

Kochen: So schmeckt Chemnitz

Drei Jahre hat man Zeit, sich durch dieses Buch zu kochen, denn Chemnitz ist erst 2025 Kulturhauptstadt, und zu diesem Anlass hat die Autorin Diana Drechsel schon mal „7 x 7 köstliche Rezepte“ gesammelt. Zwischendrin erzählt sie Wissenswertes aus allen Stadtteilen, zeigt davon einige Schwarzweiß-Aufnahmen und fordert auf, ein paar Stadtansichten nach Zahlen auszumalen. Doch der Clou sind die einfachen Rezepte mit den phantasievollen Namen: Felsendomer Tropfsteintopf oder schneller Wanderer oder Sex on the Schlossteich. Sie sind in drei Schwierigkeitsgrade eingeordnet und mit ein, zwei oder drei Silhouetten des Roten Turms, dem Wahrzeichen von Chemnitz, gekennzeichnet. Außerdem können sie mit Kommentaren versehen werden: Für wen und wann gekocht? War es gut? Mittel? Schlecht? Nochmal kochen: ja oder nein? Ein lustiges Buch, das Lust auf einen Chemnitz-Besuch macht und dem eigentlich nur ein paar schöne Rezeptfotos fehlen.

Diana Drechsel: Koch Mich! Chemnitz, 128 S., 24 Euro, Paperento Verlag, Foto: Paperento
 


 

Kunst: Hundert mal erklärt

Hätten Sie’s gewusst: Das Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ zeigt nicht Jan Vermeers Hausmädchen Grit, wie es im Roman von Tracy Chevalier und im Film von Peter Webber behauptet wird.…

Rosen: Die Prächtigen

Von Rosen versteht er viel, der Leiter der Royal Botanic Gardens in Kew bei London, Tony Hall ist nämlich auch verantwortlich für den dortigen Rosengarten mit 3000 stacheligen Schönheiten aus 160 verschiedenen Sorten.
Für sein hübsch gemachtes Büchlein hat er 78 verschiedene Rosen porträtiert mit Foto und/oder Zeichnung, Kurzbeschreibung und Besonderheiten. Dazu gibt es informative Texte zu Standorten, Pflege, Vermehrung, Hecken und Kübelpflanzen.
Ein attraktives Buch für Rosenfans – Anfänger und Fortgeschrittene.

Tony Hall: Rosen. 145 S., 26 Euro, Haupt Verlag Foto: Haupt Verlag

 

 


 

Kochen: Neue Heimat

Die traditionelle deutsche Küche hatte lange keinen guten Ruf: zu schwer, zu fett, zu fleischlastig. Doch das war einmal: Kit Schulte, umtriebige Expertin für Kunst und Kulinarik, hat 16 Jahre in den USA gelebt und war bei ihrer Heimkehr überrascht, wie sehr sich das Kochen in Deutschland verändert hatte. In ihrer umfangreichen Sammlung „Schöne Heimat“ hat sie nun traditionelle Rezepte zusammengetragen, sie noch mal leichter und frischer gemacht und dabei überwiegend regionale, saisonale Gemüse und Kräuter eingesetzt.…

Klar sind Mücken manchmal lästig, und vor Spinnen ekeln sich jede Menge Menschen. Aber wenn man sich mal mit Insekten beschäftigt und zum Beispiel die blaugrüne Mosaikjungfer – eine Libelle – oder Roesels Beißschrecke – eine Heuschrecke – genauer anschaut oder sich über Käfer informiert, von denen es 350 000 Arten gibt, dann erfährt man verblüffende Details, etwa dass die Larven des Mehlkäfers inzwischen Plastik fressen.
Nachzulesen sind derlei Fakten in drei neuen Büchern, die zudem höchst anschaulich dokumentieren, wie wichtig Insekten für das Leben auf der Erde sind. Das erste, „Insekten retten die Welt“, wendet sich an Kinder ab 8 Jahren. Es erläutert mit hübschen Zeichnungen und kurzen Texten, was Insekten überhaupt sind, welche Aufgaben sie erfüllen und wie jeder von uns sie schützen kann.
Das zweite, „Insektenwelt für Ahnungslose“, stammt von der Biologin und Comic-Zeichnerin Véro Mischitz, die mit 431 fröhlichen, detaillierten Zeichnungen anregen möchte, sich mit Insekten zu beschäftigen.…

Möbel: Ein Welterfolg

 

In Europa findet man diesen Stuhl hässlich und wünscht sich ein Produktions-Verbot. Aber im Rest der Welt müssten Millionen Menschen auf dem Fußboden sitzen, hätte der Franzose Henry Massonet (1922-2005)  den „Monobloc“ nicht  Anfang der Siebziger Jahre erfunden. Für jeden Stuhl spritzt eine Maschine auf 220 Grad erhitztes Polypropylen in eine Gussform, dann wird mit Wasser gekühlt, und nach 55 Sekunden ist der Stuhl fertig, mit unter zehn Euro natürlich unschlagbar billig.
Filmemacher Hauke Wendler wurde 2013 durch ein Foto in der „Zeit“ auf den Plastiksitz aufmerksam und folgte ihm über fünf Kontinente durch Deutschland, Italien, Uganda, USA, Indien und Brasilien. Entstanden sind daraus ein Film, ein Podcast und dieses Buch, in dem über die Herstellung, die Verbreitung und die Wichtigkeit des „Monoblocs“ erzählt wird. Nicht auszuschließen, dass uns am Ende der Lektüre unsere Arroganz als Mitteleuropäer und unser Anspruch an Ästhetik plötzlich nur noch peinlich sind.…

Architektur: Von A wie Aalto bis Z wie Zumthor

Man kann natürlich der Meinung sein, dass Architektur keine Kunst ist, da sie ja vornehmlich einem Zweck dient, nämlich dem zeitgemäßen, bequemen Wohnen der Menschen. Schaut man aber in dieses Buch, kann man durchaus anderer Ansicht werden.
Zu sehen sind auf fast 700 Seiten einzelne Architekten und ihre Werke, verschiedene Stilrichtungen und Moden vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute.
Mit dabei sind so bekannte Architekten wie Marcel Breuer, David Chipperfield, Frank Gehry, Toyo Ito, Richard Meier und Lord Norman Foster, wenige Frauen wie  Zara Hadid, Lina Bo Bardi und Eileen Gray, Stilrichtungen wie Bauhaus, Art Nouveau, Metabolismus und Postmodernismus. Wunderbare Fotos der wichtigsten Gebäude werden ergänzt durch kurze Texte, dazu kommen knappe biografische Abrisse.
Ein großartiges Buch, um die Vielfalt der modernen Architektur zu entdecken.
Aurelia und Cy Taschen: Moderne Architektur A – Z. 672 S., 4,18 kg schwer, Verlag Taschen, 60 Euro.…

Sachbuch: Wenn die Liebe endet

Es sind keine Liebesgeschichten, die die Scheidungsanwältin Rita Brockmann-Wiese für dieses Buch aufgeschrieben hat, obwohl einige als große Liebe begannen. Wie die des Studentenpaares, das sich in Boston mehr amüsiert als studiert und dann mit Kind in der Realität nicht klarkommt. Oder die des schwulen Paares, das sich vor Gericht um seinen Hund streitet. Oder die der Ehefrau, die immer mit Selbstmord droht, wenn ihr Mann sich trennen möchte, und es dann lange nach der Trennung tatsächlich tut.

Zusammen mit dem Journalisten Dr. Gerhard Spörl hat die Autorin ihre Erfahrungen mit Scheidungen zu zwanzig manchmal richtig tragischen Geschichten verdichtet, die gut geschrieben einen tiefen Blick in zwischenmenschliche Abgründe gestatten. Sehr interessant, aber selten lustig.

Rita Brockmann-Wiese: Schluss. Aus. Vorbei! 176 S. Verlag J.H.W.Dietz. 22 Euro. Foto: Dietz

 

 

Kunst: Bei den Nazis beliebt

Die berühmte Stunde Null nach dem Zweiten Weltkrieg, in der alles neu anfing, unbelastet von der schrecklichen Vergangenheit, hat es weder in der Politik, noch in der Wirtschaft oder der Gesellschaft gegeben –  und jetzt hat eine Berliner Ausstellung noch einmal umfassend dokumentiert, dass auch die Kunst mit dem alten Personal weitermachte: Die meisten der „Gottbegnadeten“ – so der Titel, den Adolf Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels 1944 genau 114 Malern und Bildhauern in Anerkennung ihrer Verdienste für das Nazi-Regime verlieh – werkelten ab 1945 in ihren Ateliers unbehelligt weiter und durften sich zudem über zahlreiche öffentliche Aufträge, Lehrtätigkeiten und Auszeichnungen freuen.…

Frauen: Ganz große Kunst

Die ganz große Kunst, so ein gängiges (Vor)Urteil, gibt es nur von Männern! Wirklich? Und wenn es großartige Künstlerinnen gab und gibt, warum weiß man so wenig über sie? In der Einführung des Kompendiums „Große Kunst von Frauen“ beschreibt die britische Kunstwissenschaftlerin Rebecca Morrill die vielen Hemmnisse, die Frauen jahrhundertelang von der Kunst fernhielten, angefangen von Verboten, Kunstschulen zu besuchen und Akte zu zeichnen. Aktzeichnen gehört aber zu den wichtigsten Fertigkeiten, die ein großer Maler lernen muss.
Insgesamt 400 Künstlerinnen aus 54 Ländern und aus 500 Jahren stellt Morrill jetzt vor. Jeder Künstlerin ist eine Seite gewidmet mit Lebensdaten, einem Hauptwerk und einer Kurzbiografie mit einer Einordnung. Bekannte Frauen wie Kiki Smith und Cindy Sherman, Niki de Saint Phalle und Pipilotti Rist, Shirin Neshat und Gabriele Münter sind dabei, aber auch viele unbekannte. Der Titel des Originals aus dem englischen Phaidon-Verlag ist übrigens treffender: Great Women Artists – denn es geht an erster Stelle um die Frauen, dann erst um ihre Kunst.

Zum Vorlesen:  Wintergeschichten

In Mexiko erzählt man sich die Sage vom Weihnachtsstern, dessen grüne Blätter Heiligabend über der Krippe plötzlich rot leuchteten, in der Ukraine kennen viele die Geschichte vom Handschuh, in dem sich alle Tiere gleichzeitig wärmen, und in Polen weiß man von einem Schneider, der „Mond“ (der hier weiblich ist) einen weichen Mantel näht. Achtzehn Märchen, Sagen und Fabeln aus aller Welt hat die britische Autorin Dawn Casey für dieses Buch neu aufgeschrieben. Mit dabei ist auch der Nussknacker von E.T.A. Hoffmann und die Schneekönigin von Hans Christian Andersen. Die Illustratorin Zanna Goldhawk steuerte wunderschöne, farbenfrohe Zeichnungen bei.

Dawn Casey/Zanna Goldhawk: Wir warten auf Weihnachten – mit den schönsten Wintergeschichten aus aller Welt. 96 S. Knesebeck. 18 Euro Foto: Knesebeck


 

Gehört werden:  Frauen auf der Flucht

Wie fühlt sich Flucht an? Wie erträgt man Fußmärsche durch mehrere Länder? Wieviel Angst kann man aushalten auf winzigen Booten dichtgedrängt auf offenem Meer?…

Kunst:  Spiel mit dem Raum

Gelernt hat er Maschinenbau. Doch nach dem Studium zog es den frischgebackenen Ingenieur zu einer ganz anderen Disziplin: zur Kunst. Und die hatte alsbald einen neuen Star. Seit Mitte der 1920er Jahre schuf Alexander Calder, 1898 in in Lawnton im US-Staat Pennsylvania geboren, mit unerschöpflicher Phantasie immer neue Skulpturen, mal winzig klein, wie sein berühmter aus Draht zusammengebogener „Zirkus“, mal riesengroß, wie sein stählernes Ensemble „Tetes et Queue“. Das zählt zu den bedeutendsten Schätzen der gerade wieder eröffneten Neuen Nationalgalerie in Berlin, das dem Amerikaner denn auch gleich seine erste Ausstellung „Minimal/Maximal“ widmete. Vor allem sind dort nun bis zum 13. Februar 2022 viele Mobiles zu sehen, als deren Erfinder Calder gilt: fragile, sorgsam austarierte abstrakte Kompositionen, bei denen oft schon ein Windstoß genügt, um sie in Schwingung zu versetzen, und die ihren Schöpfer zu einem Pionier der kinetischen Plastik machten. Bilder geben ihre Eleganz nur begrenzt wider, dennoch beweist dieser zur Ausstellung erschienene Katalog, mit welch spielerischem Einfallsreichtum der 1976 gestorbene Künstler arbeitete.…

Ratgeber:  Reste vermeiden

Natürlich wollen wir alle keine Ressourcen verschwenden, wir wollen möglichst nichts wegwerfen, Plastik vermeiden, nur Gesundes essen und ausschließlich Naturprodukte an unseren Körper lassen. Aber wie macht man das im Alltag, im Detail?
Flaschen und Papier zu sammeln und einen Einkaufsbeutel mitzunehmen, das haben wir mittlerweile gelernt, das ist für die meisten längst selbstverständlich. Aber wie zum Beispiel kann man umweltfreundlicher putzen? Oder welche Materialien ersetzen Plastik in der Küche? Mit all diesen Fragen hat sich die Ingenieurin Kerstin Mayer, die heute als Nachhaltigkeits-Coach in Stuttgart arbeitet, für ihr überaus hilfreiches Buch „Zero Waste“ auseinander gesetzt. Sie geht darin durch alle Räume der Wohnung, gibt Tipps, erklärt Hintergründe, liefert Infos und Adressen, stellt dem Leser kleine Aufgaben und liefert Listen für Ersatzprodukte. Statt Klarspüler für den Geschirrspüler empfiehlt sie beispielsweise in Wasser gelöste Zitronensäure.

Kerstin Mayer: Zero Waste – ohne Stress.  128 S. Kosmos Verlag. 16 Euro.

Fotos:  Zeitzeichen

Er war noch keine vierzig, als er sich 1980 umbrachte, doch seine wenigen Lebensjahre nutzte Axel Springer jr., der sich als Fotograf Sven Simon nannte, damit man ihn nicht mit seinem Vater, dem Verleger Axel Springer, verwechselte, um ein erstaunlich großes und eindrucksvolles Werk zu hinterlassen. Aber eigentlich kein Wunder bei einem, der schon früh nach dem Betrachten von Bildern fand, „sie hätten auch noch besser sein können“. Den Beweis trat er vor allem als Sport- und Porträtfotograf an, daneben profilierte er sich mit Reisereportagen. Zu seinem 80. Geburtstag ist jetzt ein Auswahl-Band mit seinen Fotografien erschienen: Sie erinnern an einen hochsensiblen Autodidakten, der sich immer als Handwerker verstand und dem gleichwohl Aufnahmen gelangen, „die im Prinzip ohne Text existieren können“, so das Fachblatt „Professional Camera“, „weil sie sich selbst interpretieren“. PM

Axel Sven Springer/Lars-Broder Keil: Das besondere Bild. Werk und Leben des Fotografen Sven Simon. 144 S.…

Kochen:  Sanftes Feuer

Höllisch scharf isst man in Mexiko – so das gängige Vorurteil. Der berühmte, mexikanische Schriftsteller Fernando del Paso (1935 bis 2018) und seine Frau Socorro (1934 bis 2018) sammelten und beschrieben jede Menge köstliche Rezept – nur wenige sind scharf, überwiegend aus Mexiko, aber da das Paar lange in London und in Paris gelebt hatte, sind auch viele internationale Einflüsse darin zu finden. In einem umfangreichen Essay beschreibt del Paso die gar nicht so „exotische“ Küche seiner Heimat (für ihn sind Himbeeren exotisch) und erzählt von den Ursprüngen und Einflüssen aus aller Welt. Auch die zarten Zeichnungen stammen von del Paso. Seine Frau, die gern, viel und nach Aussage des Schriftstellers hervorragend kochte, hat die Rezepte für dieses Buch zusammen gestellt. Dabei sind bei uns so bekannte wie Avocadomousse und Ceviche, aber auch so ungewöhnliche wie gefüllte Maisblätter und Blutwurst in grüner Sosse.

Fernando del Paso, Socorro del Paso: Die Küche Mexikos, 192 S.,…

Garten: Romantische Räume

Für Gartenfreunde hat der Name „Sissinghurst“ einen ganz speziellen Klang. Denn dort in der Grafschaft Kent haben die Schriftstellerin Vita Sackville-West und ihr Mann Harold Nicolson 1931 ein Anwesen erworben und darin einen riesigen, üppig bewachsenen, sehr romantischen Park angelegt, der heute jährlich von mehr als 180 000 begeisterten Menschen besucht wird. Das etwa 5 Hektar große Gelände teilte das Ehepaar in zehn gleich große Räume auf, um sie nach unterschiedlichen Themen einzurichen: So entstanden ein Rosen- und ein Bauerngarten, ein Linden- und ein Grabengang, ein Kräuter- und ein weißer Garten. Der Historiker Tim Richardson erläutert in seinem Buch jeden einzelnen Raum kenntnisreich und detailgenau und erzählt von dem berühmten Paar und seiner gemeinsamen Leidenschaft für das Gärtnern. Und spätestens, wenn man sich die herrlichen Bilder des Fotografen Jason Ingram angesehen hat, möchte man – Brexit hin, Brexit her – am liebsten sofort nach England aufbrechen.
Das Buch erscheint am 1.Juli.…

Der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881) hat sechs große Romane, viele Novellen, Erzählungen und Essays hinterlassen, er gilt als einer der bedeutendsten Autoren Russlands. Seine Werke wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt.
Der Audio-Verlag bringt jetzt eine zehn-Stunden-Kassett , gelesen von den Schauspielern Leslie Malton, Eva Garg und Ignaz Kirchner, mit zehn CDs heraus. Unter anderen sind „Der Spieler“, „Weiße Nächte“ und „Die Sanfte“ zu hören. Die Kassette gibt einen umfangreichen Eindruck von Dostojewskis Werk, sie kostet 30 Euro und erscheint am 23. Juli 2021. Foto: Audio-Verlag

Backen:  Süßer Klassiker

Vermutlich kommt der Begriff Gugelhupf vom Lupfen einer Kugelform. Und ursprünglich war er ein Hefekuchen mit Mandeln und Rosinen. Aber heutzutage nimmt man gern einen Rührteig und aromatisiert ihn mit Nüssen und Rum, mit Obst und auch mal mit Tee. Die Autorin Yvonne Bauer hat für ihr Buch 50 Rezepte passend für die unterschiedlichen Jahreszeiten zusammengetragen und auch selbst außerordentlich lecker fotografiert. Man möchte sofort loslegen, mit dem irischen Gugelhupf zum Beispiel mit reichlich Baileys, oder mit der Apfel-Zimt-Version oder dem weihnachtlichen Spekulatius-Birnen-Gugelhupf. Oder wollen Sie es mal mit dem Champagner-Gugelhupf versuchen?

Yvonne Bauer: Gugelhupf – Backen für die Seele, 145 S., 20 Euro, Callwey, Foto: Callwey

 


 

Sachbuch: Was für Gäste!

„Frau Dr. ist überaus freundlich, hat aber einen kleinen Vogel.“ So steht es auf einer Karteikarte des 1989 durch Brandstiftung abgebrannten Grandhotels „Waldhaus“ in Vulpera in der Schweiz. Die Gästekarten aus den Jahren 1921 bis Ende der Fünfziger sind erhalten geblieben und jetzt für ein überaus lesenswertes, mal amüsantes, mal beklemmendes Buch ausgewertet worden.

Fotos:  Wiedersehen mit Freunden

Gelernt hatte er Elektriker. Aber weil ihn Bilder schon immer mehr interessierten als Lüsterklemmen und Verteilerkästen, beschloss Volker Hinz nach seiner Zeit bei der Bundeswehr, sein Geld fortan mit der Kamera zu verdienen. Die Finessen des Metiers brachte er sich selbst bei, und schon als 20-Jähriger verkaufte er seine ersten Fotos an Tageszeitungen: Beginn einer spektakulären Karriere, in der er einer der großen Geschichtenerzähler der zeitgenössischen Fotografie wurde. Vor allem in seiner über 40jährigen Arbeit für das Magazin „Stern“ entstanden Aufnahmen, die längst zu Ikonen wurden: Boxer-Legende Muhammad Ali drosch für ihn auf Sandsäcke ein, Kult-Autor William Burrough posierte mit einer Flinte, Fußball-Star Franz Beckenbauer schlenderte durch ein menschenleeres New York. „Ich habe immer versucht, so zu fotografieren, dass das Foto einen Tag überlebt“, war seine ebenso bescheidene wie professionelle Maxime. 2019 ist Volker Hinz mit 72 Jahren gestorben, dass seine Bilder noch viele Tage bestehen werden, belegt dieser schöne Band.…

Reise:  Die ganze Welt in einer Stadt

Die Pariserin ist stets elegant gekleidet, gut frisiert und perfekt geschminkt, immer verbindlich, höflich und interessiert.
Das ist ein Mythos, ein Klischee und eine Vorstellung des Stadtmarketings, mit dem im Laufe der Zeit auch Parfüms, Kosmetik und Kleidung gut verkauft wurden.
Die Amerikanerin Lindsey Tramuta lebt seit zehn Jahren in Paris
und hat so viele Frauen getroffen, die so viel mehr sind als das Klischee, dass sie daraus unbedingt ein Buch machen wollte.
Für „La Parisienne“ hat sie Autorinnen, Galeristinnen, Fotografinnen, eine Kaffeerösterin und eine Verlegerin, eine Bäckerin und eine Stadtentwicklerin getroffen und zu ihrem Leben in Paris befragt. Entstanden sind höchst aufschlussreiche Gespräche, Porträts und Interviews, jeweils erweitert um ein paar Geheimtipps und viele erklärende Fußnoten.
Wenn man denn mal wieder nach Paris darf, kann man die Stadt mit diesem Buch ganz neu entdecken.

Lindsey Tramuta: La Parisienne – das neue Paris – Stadt der Frauen Midas Verlag.…

Stil: Danksagung

Was da alles drinsteckt, in dem schlichten Wort „Geschenk“. Natürlich Geburtstags-, Weihnachts- und Hochzeitsgeschenke, die man gibt oder bekommt, mit denen man sich auch manchmal selbst beschenkt. Nebenher wird dem einen oder anderen auch mal einer eingeschenkt und viel ausgeschenkt. Das, was man verschenkt, sind Gaben, gelegentlich sogar Zugaben, für die man sich ohne Begabung dann verausgaben muss, will man Präsente mit Hingabe und ohne Angabe machen.
Sie sehen schon, in dem Thema steckt unendlich viel. Und das hat die Autorin Susanne Kippenberger, Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel, für ihr neues Buch detailversessen zusammengetragen. Auf über 250 Seiten erzählt sie ebenso lustvoll wie charmant von gelungenen, überraschenden, auch verstörenden Geschenken und wie man sie macht oder besser nicht; dabei beschäftigt sie sich auch mit Gastgeschenken, Goodybags, dem Euro für den Obdachlosen, Organspenden und Erbschaften. Und weil die Autorin selbst leidenschaftliche Schenkerin und Verpackerin ist, kann sie selbstironisch und humorvoll Familiengeheimnisse (siehe auch unser Ausstellungstipp unten) und Erlebnisse von und mit Freunden, Verwandten, Nachbarn und Kollegen preisgeben.…

Stil: Afro Hairstyle

Die Haare dunkelhäutiger Menschen sind anders als die von weißen, aber bei jedem Individuum, ganz gleich welcher Hautfarbe, gehören sie eng zur Identität dazu.
So konnte man im 15. Jahrhundert in Afrika an den oft kunstvollen Frisuren auch vieler Männer die hierarchische Stellung erkennen.
In der Zeit der Sklaverei nutzte man Frisuren auch, um Botschaften an andere zu übermitteln, sogar Karten für Fluchtwege sollen damals in Frisuren eingekämmt gewesen sein. Nach dem Ende der Sklaverei mühten sich Schwarze oft, sich an die weiße Gesellschaft anzupassen, indem sie sich ihre Haare mit Chemikalien oder durch Bügeln glätten ließen. Das Selbstverständnis der „People of Colour“ brachte im letzten Jahrhundert das „Natural Hair Movement“ hervor, der natürliche „Afro“ wurde sogar zu einem politischen Statement,
und heute tragen die meisten Farbigen stolz ihre Haare so wie sie gewachsen sind.
Zu diesem ebenso wichtigen wie spannenden Thema ist Ende 2021 eine große Ausstellung in Kent, Ohio, geplant, und der zugehörige Katalog ist auf Englisch jetzt erschienen.…

Kunst: Kultbild mit Vergangenheit

Ein passenderes Weihnachtsbuch für Freunde alter Kunst könnte es kaum geben: Kein anderes Bildthema hat die Künstler der italienischen Renaissance so fasziniert wie die „Madonna mit Kind“. Bekanntestes Beispiel: die „Sixtinische Madonna“ von Raffael – heute kostbarer Schatz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Die widmen nun, zum 500. Todestag des Meisters, der Geschichte dieses Kunstwerks eine Ausstellung im frisch renovierten Semperbau am Zwinger – und das Begleitbuch dokumentiert die spektakuläre Karriere des Bildes: Raffaels Madonna wurde zum Inbegriff von Schönheit, und die beiden Puttenfiguren am unteren Bildrand tauchten als „Raffaels Engel“ millionenfach in der Werbung oder als Weihnachtsmotiv auf. Neben den anderen Madonnenbildern von einem der größten Maler der Kunstgeschichte sind in dem schönen Band auch Mariendarstellungen von berühmten Zeitgenossen wie Botticelli zu sehen. Ab 8. Dezember ist der Katalog im Buchhandel, selbst wenn die Ausstellung wegen Corona-Beschränkungen verschoben werden sollte. UvS.

Stephan Koja (Hrsg.): Raffael und die Madonna.