Welche Pracht!
Was macht eigentlich einen Cottage-Garten aus? Die britische Autorin Clare Foggett schreibt in der Einleitung ihres neuen Buches, Regeln und einen bestimmten Stil gebe es nicht mehr, wichtig seien vielmehr Schönheit und Fülle. Und diese These beweist sie mit siebzehn Gärten in England, deren Porträts sie mit herrlichen Bildern (von Jonathan Buckley) und informativen Texten vorstellt. Doppelseiten große Fotos zum Schwelgen wechseln sich mit vielen kleinen Bildern zur Identifikation einzelner Pflanzen ab. Und natürlich zeigt sie auch die Besitzer und erzählt von deren Leidenschaft, ihre Gärten zu kleinen Paradiesen zu machen.
Clare Foggett: Die schönsten Cottage-Gärten Englands. 256 S., mit Fotos von Jonathan Buckley. Gerstenberg. 40 Euro…

Ein Reiseführer ist dieser dicke Band eher nicht, dazu ist er zu schwer. Aber zur Vorbereitung auf einen Besuch in Leipzig ist das interessante Buch für jeden Architekturfan sehr empfehlenswert. Denn von Romanik, Gotik und Klassizismus bis hin zu Jugendstil und Postmoderne hat die alte Messestadt einiges zu bieten. Detailreich beschäftigt sich der Kunstwissenschaftler Krieg mit bekannten Bauten wie der Nikolaikirche, der Thomaskirche und dem Alten Rathaus, aber auch mit unbekannteren wie Miethäusern und Privatvillen. Er ordnet den Stil jedes Bauwerks ein, weist auf besondere Materialien und Deko-Elemente hin und zieht Vergleiche zu Gebäuden in anderen Städten.
„Zeit ist eine Zutat“ sagt der Mexikaner Luis Fernando Gonzales Cortes, der in München lebt und eine Taqueria eröffnet hat. Neben Zeit und Geduld braucht man in der mexikanischen Küche vor allem Tortillas und Tacos, Tomaten und Chilis, Salsa und Limetten, Bohnen und Koriander, Avocados und Mais. Mit dem Fotografen Max Bublak hat der Autor auf einer dreiwöchigen kulinarischen Reise leckere Rezepte und besondere Orte für dieses großformatige Buch gesammelt, in dem er auch von er von seiner Heimat und ihren gastfreundlichen Menschen erzählt.
Sie war mitten drin damals, Ise Gropius, seit 1923 Frau des legendären Bauhaus-Gründers und ersten Direktors Walter Gropius. Von 1924 bis 1928 hat sie Tagebuch geführt, das nun, nach mancherlei Verzögerungen, erstmals verlegt wurde, und so kann man jetzt noch mal aus erster Hand nachlesen, wie turbulent und aufregend es seinerzeit zuging an der berühmten Design- und Architekturschule, die stilbildend für das 20. Jahrhundert wurde.
Britische Postämter arbeiten seit 1868 mit Katzen, die Mäuse und Ratten vertreiben sollen, weil die Nager Briefe und Päckchen anknabberten. In Spanien sieht man Spinnennetze in Weinkellern gern, weil die Spinnen korkfressende Motten von den Weinflaschen fernhalten. In Portugal wiederum leben Fledermäuse in Bibliotheken, die sich von den Insekten ernähren, die sonst Bücher zerstören. Die britische Illustratorin Jess Hayman hat in ihrem liebevoll gezeichneten Buch „Tiere bei der Arbeit“ für Menschen ab sieben Jahren zusammengetragen, was vielen unbekannt ist. Wußten Sie zum Beispiel, dass medizinische Spürhunde Krankheiten am Geruch erkennen können? Oder dass Schneidervögel ihre Nester aus Blättern mit Pflanzenfasern regelrecht zusammen nähen?
Waren Sie schon mal auf Lanzarote? Wenn ja, dann verstehen Sie sicherlich die Faszination, die diese kanarische Insel auf den Berliner Architekten und Designer Fabian Freytag ausübt.
Vor dem Urlaub in der Bretagne oder danach: Dieses Buch ist zum Schwelgen gemacht. Es gibt nämlich richtig schöne Fotos von Städten, Landschaften und Gerichten zum Nachkochen wie Kartoffeln mit Muscheln und Thymianöl oder gegrillten Sardinen mit Aubergine und Miso-Sauce. Außerdem hat die Autorin Verena Mayer die Rezepte in ganz besonderen Restaurants eingesammelt, die alle vorgestellt
Sehr lange wußte man praktisch nichts über unser Gehirn. Erst ab dem späten 19. Jahrhundert, als Röntgen, später Ultraschall und andere Verfahren erfunden waren, konnte man unserem Kopf bei der Arbeit zuschauen.
Hundert wäre er dieses Jahr geworden, mit 65 ist er gestorben: Miles Davis, einer der größten, wenn nicht der größte Jazz-Trompeter des 20. Jahrhunderts. Zwei Jahre vor seinem Tod empfing der ebenso geniale wie exzentrische Musiker in seinem Haus in Malibu, Florida den Fotografen Ralph Quinke und den Journalisten Marco Meier für eine große Geschichte, die 1989 in der August-Nummer der legendären Kulturzeitschrift „Du“ erschien und das Heft zum Bestseller machte. Jetzt, zum Jubiläum, ist die Story in überarbeiteter Form noch einmal in einem schönen großformatigen Buch erschienen – und mit einem besonderen Clou: Fotograf Quinke hat in seinem Archiv sein Davis-Material gesichtet und eine ganze Menge bislang unveröffentlichter Bilder hervorgeholt. Entstanden ist so eine Hommage an einen Künstler, der – empfindsam und schroff zugleich – dem Jazz ein paar unvergessliche blue notes hinzugefügt hat. Anschauen und am besten dazu das Jahrhundert-Album „Kind Of Blue“ hören. PM
Kreuz und quer von Nord nach Süd können Gartenfreunde mit diesem Buch durch Frankreich reisen und 27 herrliche Gärten besuchen: zum Beispiel den prachtvollen Küchengarten von Schloss Villandry an der Loire, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, oder Eyrignac im Perigord, der ganz den Formschnittgehölzen gewidmet ist. Der französische Fernsehmoderator Stéphane Marie, der wöchentlich eine Gartensendung präsentiert, will in diesem Buch die Vielfalt grüner Oasen in Frankreich zeigen.
Können Sie es auch kaum noch abwarten? Endlich raus auf Balkon und Terrasse, gute Luft und Sonne genießen, die ersten Pflanzen setzen und Beete und Kästen mit Blühendem füllen. Und frische Kräuter aussähen und später ernten, denn selbstgezogene schmecken einfach am besten!
r Whipped Baba Ganoush, Hauptgerichte wie Venusmuscheln mit Tomaten und Safran, Piri-Piri Hühnchen oder langsam gebratener Lachs bis zum Finale mit Yellow Cake mit Buttermilch oder einem Kirsch-Clafoutis.
Herrlich, Kaffeeduft am morgen! Verlockend riecht das frisch gebackene Brot beim Bäcker. Und gerade erst gab es überall den Geruch von brennenden Kerzen mit einem Hauch Tanne.
Ein schönes Ärgernis ist dieses Buch. Schön, weil es mit dem Deutschlandhaus am Hamburger Gänsemarkt (1929 fertiggestellt und 2019 mangels Denkmalschutz abgerissen) eines der markantesten Beispiele des Neuen Bauens in den zwanziger Jahren dokumentiert, in eindrucksvollen Fotos seines Architekten Fritz Block.
Sie waren Zeitgenossen, sind einander jedoch nie begegnet, aber der eine konnte sich immerhin bereits 1933 eine Ausstellung vorstellen, bei der beider Arbeiten zu sehen sind. Jetzt, über 90 Jahre später, ist sie endlich zustande gekommen, und siehe da: Ernst Ludwig Kirchner (Jahrgang 1880) und Pablo Picasso (Jahrgang 1881) sind zwei Heroen der Klassischen Moderne, deren Werk bemerkenswerte Parallelen aufweist. Nicht nur, dass sich beide als Originale ohne Vorbild verstanden, ihr künstlerisches Interesse galt auch ähnlichen Motiven. So entdeckten beide das Großstadtleben (mitsamt seinen dunkleren Seiten), einfühlsame Porträts entstanden, und ihre Bilder tanzender, badender, nackter Frauen zeugen von unbeschwerter Lebenslust. Und selbst bei der Hinwendung zur Abstraktion sind Gemeinsamkeiten unverkennbar: Ganz gaben sie die Figürlichkeit nie auf. Es gibt also viel Spannendes zu sehen in dieser Ausstellung (bis 18.1. in Münster, 15.2.-3.5.2026 in Davos); schade nur, dass die Beiträge im Katalog das Vergnügen oft allzu hölzern geraten sind.
Rainer Maria Rilke:
Rainer Maria Rilke:
Das zumindest fanden die Meister am Bauhaus. Entgegen ihrer eigenen Statuten, dass nämlich „jede Person ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht aufgenommen werden könne, deren Begabung anerkannt wurde“, drängten die Meister rund um Walter Gropius die Studentinnen in die Weberei-Werkstatt und hielten sie aus Tischlerei, Metallwerkstatt und Architekturklasse heraus.
Der November ist der Monat der Suppe. „Zitronige Hühnersuppe“ mit Grünkohl zum Beispiel wärmt so richtig durch, und die „Cremige Selleriesuppe“ mit knusprigem Salbei macht satt und glücklich. Dass man aber auch die übrigen elf Monate genussvoll löffeln kann, beweist das neue Buch der Londoner Feinschmeckerin Emily Ezekiel, in dem etwa auf eine leckere Frühlings-Minestrone eine sommerliche Garnelen-Gumbo und eine „Miso-Ingwer-Ramen“ im Herbst folgt.
An die neunzig geht er allmählich, aber ans Aufhören denkt er noch immer nicht. Dabei hat David Hockney bis heute schon ein ebenso großes wie großartiges Werk vollbracht – aktuell nachzuprüfen nicht nur in der Pariser Fondation Louis Vuitton (bis zum 31. August), sondern auch in diesem veritablen Klotz von einem Buch. Und was hat der nimmermüde Brite nicht alles in seinem langen Leben ausprobiert. Mit Pop-Art-Bildern wurde er in den Sechzigern bekannt, internationalen Ruhm trugen ihm ein paar Jahre später seine Swimming-Pool-Gemälde aus dem sonnendurchfluteten Kalifornien ein. Dann entdeckte er die Möglichkeiten der Fotografie, setzte aus Hunderten von Polaroids raffinierte Collagen zusammen. Und dazwischen entstanden immer wieder intime Porträts, von seinen homosexuellen Freunden, von seiner Familie und (oft richtig bunte) Landschaften, für die der Technik-Freak Hockney im Alter auch das ipad nutzte. Eine überwältigende Vielfalt also – hier ist sie handlich und vom Künstler selbst kommentiert versammelt.
In Deutschland zählt sie längst zu den wichtigsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts, aber gab es so etwas wie die „Neue Sachlichkeit“ auch jenseits der Grenzen? Mit rund 300 Werken aus 20 Ländern beweist das Chemnitzer Museum Gunzenhauser mit der Ausstellung „European Realities“ gerade, wie man sich in den zwanziger Jahren überall in Europa – nicht zuletzt als Reaktion auf die Katastrophe des Ersten Weltkriegs – kritisch mit der gesellschaftlichen Realität auseinandersetzte. Abstraktion und Expressionismus galten als gestrig, was sich auf den Strassen und Plätzen, in den Restaurants und Salons, den Fabriken und Büros abspielte, interessierte Künstler wie Otto Dix oder seine spanische Kollegin Maria Blanchard, Und dabei wurden auch ganz neue Themen entdeckt: der Sport etwa und vor allem die Rolle der Frauen. Selbstbewusst und schick in Schale blicken sie den Betrachter an, denn soviel war klar, eine neue Zeit war angebrochen. In Chemnitz (noch bis zum 10. August) und im begleitenden Katalog ist zu sehen, mit welch künstlerischem und sozialem Engagement europäische Maler darauf reagierten.
(Fast) alles über Schiffe!
Vor-Bilder? Vor Bildern?
Städter haben ja eher weniger Kontakt zu lebendigen Hühnern und wissen deshalb selten, dass Hühner sich gegenseitig erkennen und ihre Küken angeblich bis 5 zählen können. Das Federvieh ist nämlich überhaupt nicht dumm. Seine Gehirne ähneln den unseren.
Wie geht das eigentlich mit der Bestäubung? Verteilen auch Säugetiere Samen? Was machen die Reiher auf den Elefanten? Und wofür brauchen wir so dringend Bäume? Für Menschen ab sechs Jahren hat die spanische Illustratorin Marian Ruiz sich mit diesen Fragen beschäftigt und sie mit zauberhaften Zeichnungen und kleinen Texten erklärt.
In Düsseldorf hat man sich jetzt mit einem Thema beschäftigt, das uns alle angeht: Mama – mother, mère, madre, moeder, mor, mae. Der Untertitel umreißt den Zeitraum: von Maria bis Merkel.
Das Motto dieses Buches über die Kulturhauptstadt 2025 ist die sächsische Aufforderung „Damber ne rum, kumm endlisch“ (Trödel nicht rum, komm endlich). Die beiden Autoren haben sich jedenfalls daran gehalten, Chemnitz und Umgebung ausführlich besucht – und sind zu dem Ergebnis gekommen: Da muss man dieses Jahr unbedingt hin.
Waren schon ganz aufregend, die Achtziger – und wer noch mal nachschauen will, was in diesem turbulenten Jahrzehnt alles geschehen ist, der ist mit diesem üppigen Bildband gut bedient. Nicht zuletzt, weil es noch keine Handy-Kameras gab, sodass einem Fotos auf Schnappschussniveau weitgehend erspart bleiben. Aber zu sehen ist so ziemlich alles, was uns damals beschäftigt hat (und von dem wir vieles – tja – längst vergessen hatten): Ronald Reagan und Michail Gorbatschow machten sich daran, den Kalten Krieg zu beenden, Madonna stieg zum Weltstar auf, und die Graffiti-Kunst begann ihre internationale Karriere. Prince Charles heiratete Lady Di, der AIDS-Virus lehrte vor allem die Schwulenszene das Fürchten, und der Walkman machte NewWave und Beethoven endgültig transportabel. Sonderlich systematisch breitet der Band seine Schätze nicht aus – aber das ist nicht unbedingt ein Nachteil. Gerade dadurch wird die Fülle der Ereignisse, Trends und Moden augenfällig. Und was wohl auf jeden Fall stimmt: Damals begann, so Autor Carroll, „jene Zukunft, in der wir heute leben“.