Bücher

Kunst:  Spiel mit dem Raum

Gelernt hat er Maschinenbau. Doch nach dem Studium zog es den frischgebackenen Ingenieur zu einer ganz anderen Disziplin: zur Kunst. Und die hatte alsbald einen neuen Star. Seit Mitte der 1920er Jahre schuf Alexander Calder, 1898 in in Lawnton im US-Staat Pennsylvania geboren, mit unerschöpflicher Phantasie immer neue Skulpturen, mal winzig klein, wie sein berühmter aus Draht zusammengebogener „Zirkus“, mal riesengroß, wie sein stählernes Ensemble „Tetes et Queue“. Das zählt zu den bedeutendsten Schätzen der gerade wieder eröffneten Neuen Nationalgalerie in Berlin, das dem Amerikaner denn auch gleich seine erste Ausstellung „Minimal/Maximal“ widmete. Vor allem sind dort nun bis zum 13. Februar 2022 viele Mobiles zu sehen, als deren Erfinder Calder gilt: fragile, sorgsam austarierte abstrakte Kompositionen, bei denen oft schon ein Windstoß genügt, um sie in Schwingung zu versetzen, und die ihren Schöpfer zu einem Pionier der kinetischen Plastik machten. Bilder geben ihre Eleganz nur begrenzt wider, dennoch beweist dieser zur Ausstellung erschienene Katalog, mit welch spielerischem Einfallsreichtum der 1976 gestorbene Künstler arbeitete.…

Ratgeber:  Reste vermeiden

Natürlich wollen wir alle keine Ressourcen verschwenden, wir wollen möglichst nichts wegwerfen, Plastik vermeiden, nur Gesundes essen und ausschließlich Naturprodukte an unseren Körper lassen. Aber wie macht man das im Alltag, im Detail?
Flaschen und Papier zu sammeln und einen Einkaufsbeutel mitzunehmen, das haben wir mittlerweile gelernt, das ist für die meisten längst selbstverständlich. Aber wie zum Beispiel kann man umweltfreundlicher putzen? Oder welche Materialien ersetzen Plastik in der Küche? Mit all diesen Fragen hat sich die Ingenieurin Kerstin Mayer, die heute als Nachhaltigkeits-Coach in Stuttgart arbeitet, für ihr überaus hilfreiches Buch „Zero Waste“ auseinander gesetzt. Sie geht darin durch alle Räume der Wohnung, gibt Tipps, erklärt Hintergründe, liefert Infos und Adressen, stellt dem Leser kleine Aufgaben und liefert Listen für Ersatzprodukte. Statt Klarspüler für den Geschirrspüler empfiehlt sie beispielsweise in Wasser gelöste Zitronensäure.

Kerstin Mayer: Zero Waste – ohne Stress.  128 S. Kosmos Verlag. 16 Euro.

Fotos:  Zeitzeichen

Er war noch keine vierzig, als er sich 1980 umbrachte, doch seine wenigen Lebensjahre nutzte Axel Springer jr., der sich als Fotograf Sven Simon nannte, damit man ihn nicht mit seinem Vater, dem Verleger Axel Springer, verwechselte, um ein erstaunlich großes und eindrucksvolles Werk zu hinterlassen. Aber eigentlich kein Wunder bei einem, der schon früh nach dem Betrachten von Bildern fand, „sie hätten auch noch besser sein können“. Den Beweis trat er vor allem als Sport- und Porträtfotograf an, daneben profilierte er sich mit Reisereportagen. Zu seinem 80. Geburtstag ist jetzt ein Auswahl-Band mit seinen Fotografien erschienen: Sie erinnern an einen hochsensiblen Autodidakten, der sich immer als Handwerker verstand und dem gleichwohl Aufnahmen gelangen, „die im Prinzip ohne Text existieren können“, so das Fachblatt „Professional Camera“, „weil sie sich selbst interpretieren“. PM

Axel Sven Springer/Lars-Broder Keil: Das besondere Bild. Werk und Leben des Fotografen Sven Simon. 144 S.…

Kochen:  Sanftes Feuer

Höllisch scharf isst man in Mexiko – so das gängige Vorurteil. Der berühmte, mexikanische Schriftsteller Fernando del Paso (1935 bis 2018) und seine Frau Socorro (1934 bis 2018) sammelten und beschrieben jede Menge köstliche Rezept – nur wenige sind scharf, überwiegend aus Mexiko, aber da das Paar lange in London und in Paris gelebt hatte, sind auch viele internationale Einflüsse darin zu finden. In einem umfangreichen Essay beschreibt del Paso die gar nicht so „exotische“ Küche seiner Heimat (für ihn sind Himbeeren exotisch) und erzählt von den Ursprüngen und Einflüssen aus aller Welt. Auch die zarten Zeichnungen stammen von del Paso. Seine Frau, die gern, viel und nach Aussage des Schriftstellers hervorragend kochte, hat die Rezepte für dieses Buch zusammen gestellt. Dabei sind bei uns so bekannte wie Avocadomousse und Ceviche, aber auch so ungewöhnliche wie gefüllte Maisblätter und Blutwurst in grüner Sosse.

Fernando del Paso, Socorro del Paso: Die Küche Mexikos, 192 S.,…

Garten: Romantische Räume

Für Gartenfreunde hat der Name „Sissinghurst“ einen ganz speziellen Klang. Denn dort in der Grafschaft Kent haben die Schriftstellerin Vita Sackville-West und ihr Mann Harold Nicolson 1931 ein Anwesen erworben und darin einen riesigen, üppig bewachsenen, sehr romantischen Park angelegt, der heute jährlich von mehr als 180 000 begeisterten Menschen besucht wird. Das etwa 5 Hektar große Gelände teilte das Ehepaar in zehn gleich große Räume auf, um sie nach unterschiedlichen Themen einzurichen: So entstanden ein Rosen- und ein Bauerngarten, ein Linden- und ein Grabengang, ein Kräuter- und ein weißer Garten. Der Historiker Tim Richardson erläutert in seinem Buch jeden einzelnen Raum kenntnisreich und detailgenau und erzählt von dem berühmten Paar und seiner gemeinsamen Leidenschaft für das Gärtnern. Und spätestens, wenn man sich die herrlichen Bilder des Fotografen Jason Ingram angesehen hat, möchte man – Brexit hin, Brexit her – am liebsten sofort nach England aufbrechen.
Das Buch erscheint am 1.Juli.…

Der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881) hat sechs große Romane, viele Novellen, Erzählungen und Essays hinterlassen, er gilt als einer der bedeutendsten Autoren Russlands. Seine Werke wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt.
Der Audio-Verlag bringt jetzt eine zehn-Stunden-Kassett , gelesen von den Schauspielern Leslie Malton, Eva Garg und Ignaz Kirchner, mit zehn CDs heraus. Unter anderen sind „Der Spieler“, „Weiße Nächte“ und „Die Sanfte“ zu hören. Die Kassette gibt einen umfangreichen Eindruck von Dostojewskis Werk, sie kostet 30 Euro und erscheint am 23. Juli 2021. Foto: Audio-Verlag

Backen:  Süßer Klassiker

Vermutlich kommt der Begriff Gugelhupf vom Lupfen einer Kugelform. Und ursprünglich war er ein Hefekuchen mit Mandeln und Rosinen. Aber heutzutage nimmt man gern einen Rührteig und aromatisiert ihn mit Nüssen und Rum, mit Obst und auch mal mit Tee. Die Autorin Yvonne Bauer hat für ihr Buch 50 Rezepte passend für die unterschiedlichen Jahreszeiten zusammengetragen und auch selbst außerordentlich lecker fotografiert. Man möchte sofort loslegen, mit dem irischen Gugelhupf zum Beispiel mit reichlich Baileys, oder mit der Apfel-Zimt-Version oder dem weihnachtlichen Spekulatius-Birnen-Gugelhupf. Oder wollen Sie es mal mit dem Champagner-Gugelhupf versuchen?

Yvonne Bauer: Gugelhupf – Backen für die Seele, 145 S., 20 Euro, Callwey, Foto: Callwey

 


 

Sachbuch: Was für Gäste!

„Frau Dr. ist überaus freundlich, hat aber einen kleinen Vogel.“ So steht es auf einer Karteikarte des 1989 durch Brandstiftung abgebrannten Grandhotels „Waldhaus“ in Vulpera in der Schweiz. Die Gästekarten aus den Jahren 1921 bis Ende der Fünfziger sind erhalten geblieben und jetzt für ein überaus lesenswertes, mal amüsantes, mal beklemmendes Buch ausgewertet worden.

Fotos:  Wiedersehen mit Freunden

Gelernt hatte er Elektriker. Aber weil ihn Bilder schon immer mehr interessierten als Lüsterklemmen und Verteilerkästen, beschloss Volker Hinz nach seiner Zeit bei der Bundeswehr, sein Geld fortan mit der Kamera zu verdienen. Die Finessen des Metiers brachte er sich selbst bei, und schon als 20-Jähriger verkaufte er seine ersten Fotos an Tageszeitungen: Beginn einer spektakulären Karriere, in der er einer der großen Geschichtenerzähler der zeitgenössischen Fotografie wurde. Vor allem in seiner über 40jährigen Arbeit für das Magazin „Stern“ entstanden Aufnahmen, die längst zu Ikonen wurden: Boxer-Legende Muhammad Ali drosch für ihn auf Sandsäcke ein, Kult-Autor William Burrough posierte mit einer Flinte, Fußball-Star Franz Beckenbauer schlenderte durch ein menschenleeres New York. „Ich habe immer versucht, so zu fotografieren, dass das Foto einen Tag überlebt“, war seine ebenso bescheidene wie professionelle Maxime. 2019 ist Volker Hinz mit 72 Jahren gestorben, dass seine Bilder noch viele Tage bestehen werden, belegt dieser schöne Band.…

Reise:  Die ganze Welt in einer Stadt

Die Pariserin ist stets elegant gekleidet, gut frisiert und perfekt geschminkt, immer verbindlich, höflich und interessiert.
Das ist ein Mythos, ein Klischee und eine Vorstellung des Stadtmarketings, mit dem im Laufe der Zeit auch Parfüms, Kosmetik und Kleidung gut verkauft wurden.
Die Amerikanerin Lindsey Tramuta lebt seit zehn Jahren in Paris
und hat so viele Frauen getroffen, die so viel mehr sind als das Klischee, dass sie daraus unbedingt ein Buch machen wollte.
Für „La Parisienne“ hat sie Autorinnen, Galeristinnen, Fotografinnen, eine Kaffeerösterin und eine Verlegerin, eine Bäckerin und eine Stadtentwicklerin getroffen und zu ihrem Leben in Paris befragt. Entstanden sind höchst aufschlussreiche Gespräche, Porträts und Interviews, jeweils erweitert um ein paar Geheimtipps und viele erklärende Fußnoten.
Wenn man denn mal wieder nach Paris darf, kann man die Stadt mit diesem Buch ganz neu entdecken.

Lindsey Tramuta: La Parisienne – das neue Paris – Stadt der Frauen Midas Verlag.…

Stil: Danksagung

Was da alles drinsteckt, in dem schlichten Wort „Geschenk“. Natürlich Geburtstags-, Weihnachts- und Hochzeitsgeschenke, die man gibt oder bekommt, mit denen man sich auch manchmal selbst beschenkt. Nebenher wird dem einen oder anderen auch mal einer eingeschenkt und viel ausgeschenkt. Das, was man verschenkt, sind Gaben, gelegentlich sogar Zugaben, für die man sich ohne Begabung dann verausgaben muss, will man Präsente mit Hingabe und ohne Angabe machen.
Sie sehen schon, in dem Thema steckt unendlich viel. Und das hat die Autorin Susanne Kippenberger, Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel, für ihr neues Buch detailversessen zusammengetragen. Auf über 250 Seiten erzählt sie ebenso lustvoll wie charmant von gelungenen, überraschenden, auch verstörenden Geschenken und wie man sie macht oder besser nicht; dabei beschäftigt sie sich auch mit Gastgeschenken, Goodybags, dem Euro für den Obdachlosen, Organspenden und Erbschaften. Und weil die Autorin selbst leidenschaftliche Schenkerin und Verpackerin ist, kann sie selbstironisch und humorvoll Familiengeheimnisse (siehe auch unser Ausstellungstipp unten) und Erlebnisse von und mit Freunden, Verwandten, Nachbarn und Kollegen preisgeben.…

Stil: Afro Hairstyle

Die Haare dunkelhäutiger Menschen sind anders als die von weißen, aber bei jedem Individuum, ganz gleich welcher Hautfarbe, gehören sie eng zur Identität dazu.
So konnte man im 15. Jahrhundert in Afrika an den oft kunstvollen Frisuren auch vieler Männer die hierarchische Stellung erkennen.
In der Zeit der Sklaverei nutzte man Frisuren auch, um Botschaften an andere zu übermitteln, sogar Karten für Fluchtwege sollen damals in Frisuren eingekämmt gewesen sein. Nach dem Ende der Sklaverei mühten sich Schwarze oft, sich an die weiße Gesellschaft anzupassen, indem sie sich ihre Haare mit Chemikalien oder durch Bügeln glätten ließen. Das Selbstverständnis der „People of Colour“ brachte im letzten Jahrhundert das „Natural Hair Movement“ hervor, der natürliche „Afro“ wurde sogar zu einem politischen Statement,
und heute tragen die meisten Farbigen stolz ihre Haare so wie sie gewachsen sind.
Zu diesem ebenso wichtigen wie spannenden Thema ist Ende 2021 eine große Ausstellung in Kent, Ohio, geplant, und der zugehörige Katalog ist auf Englisch jetzt erschienen.…

Kunst: Kultbild mit Vergangenheit

Ein passenderes Weihnachtsbuch für Freunde alter Kunst könnte es kaum geben: Kein anderes Bildthema hat die Künstler der italienischen Renaissance so fasziniert wie die „Madonna mit Kind“. Bekanntestes Beispiel: die „Sixtinische Madonna“ von Raffael – heute kostbarer Schatz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Die widmen nun, zum 500. Todestag des Meisters, der Geschichte dieses Kunstwerks eine Ausstellung im frisch renovierten Semperbau am Zwinger – und das Begleitbuch dokumentiert die spektakuläre Karriere des Bildes: Raffaels Madonna wurde zum Inbegriff von Schönheit, und die beiden Puttenfiguren am unteren Bildrand tauchten als „Raffaels Engel“ millionenfach in der Werbung oder als Weihnachtsmotiv auf. Neben den anderen Madonnenbildern von einem der größten Maler der Kunstgeschichte sind in dem schönen Band auch Mariendarstellungen von berühmten Zeitgenossen wie Botticelli zu sehen. Ab 8. Dezember ist der Katalog im Buchhandel, selbst wenn die Ausstellung wegen Corona-Beschränkungen verschoben werden sollte. UvS.

Stephan Koja (Hrsg.): Raffael und die Madonna.

Für Kinder und Junggebliebene:

Doppelgänger

Memory kann man schon mit kleinen Kindern prima spielen, dieses macht aber auch den Großen viel Spaß. Allerdings braucht man schon ein wenig Phantasie: Denn natürlich sehen Katzen nicht wie Menschen aus, aber diese fünfzig gleichen ihren Besitzern so verblüffend, dass man immer wieder lachen muss. Ein schönes Geschenk für jeden Menschen ab sechs.
Siehst Du aus wie Deine Katze? 50 Karten, 15,90 Euro, Laurence King Verlag Foto: Laurence King
 


 

Heldenhaft

Tante Helena reiste zwischen 1933 und 1939 fast um die ganze Welt, um historische Helden und Heldinnen der jeweiligen Länder kennen zu lernen. Das erfährt ihre junge Nichte Alexia viel später eher zufällig durch Helenas Tagebuch. So beginnt die Geschichte dieses Atlas, der den Spuren der Tante folgt und von Odysseus und Scheherazade erzählt, von Kleopatra und Nerida, von Hiawatha und Sigurd und vielen, vielen anderen Sagengestalten, mit schönen Zeichnungen und kleinen Erzählungen.
Zusätzlich gibt es ein Rätsel, das ein aufmerksamer Leser schließlich entschlüsseln kann.

Sachbuch:

1929 – was war da los?

Das Museum of Modern Art wurde 1929 von Gründungsdirektor Alfred Barr eröffnet, Thomas Mann erhielt den Literatur-Nobelpreis, und Erich Kästners Emil scharte erstmals seine Detektive um sich. In Deutschland wurden die allerersten Fernsehbilder übertragen, und in Hollywood wird Emil Jannings als allerster Schauspieler mit einem Oscar geehrt. Und was war mit den Frauen in jenem Jahr? Was Erika Mann und Vicki Baum, Marlene Dietrich und Helene Weigel und einige andere 1929 alles taten, das hat die Autorin Unda Hörner detailliert recherchiert und in zwölf Monatskapiteln sehr anschaulich beschrieben. Und so sind wir dabei, als die Verlegerin Edith Jacobsohn Kästner zu einem Kinderbuch animiert und die Architektin Marlene Poelzig sich gegen ihren weitaus berühmteren Mann Hans behauptet. Wir erfahren, dass die Schauspielerin Lotte Lenya ihre Karriere mit einem furiosen Auftritt als Seeräuber-Jenny in Brechts Dreigroschenoper beginnt und die Industriellen-Tochter Clärenore Stinnes mit dem Auto um die Welt fährt.…

Kochen:
Von Böse-Stiefmutter-Schwarzbrot und mehr

„Die Gerichte in diesem Buch haben mir das Leben gerettet“, schreibt die Autorin in ihrem Vorwort. Eine schwere Depression brachte sie an den Rand des Selbstmords, aber statt sich umzubringen, fing sie lieber an zu kochen. Zuerst das beste Brathuhn aller Zeiten, später dann Jackentaschenkartoffeln, Trüber-Tag-Porridge und Notfallrisotto. Auch bei Gerichten für mitternächtliche Stunden kennt sich die englische Jounalistin Ella Risbridger inzwischen aus, beteuert, dass Essen am besten im Freien schmeckt und man das Alltägliche immer zu etwas Wertvollem machen sollte. Zu ihren durch und durch fröhlichen Texten stellt die vergnügte Hobby-Köchin viele Tipps, was etwa in Küche und Vorratskammer immer vorrätig sein sollte, wie man Picknicks veranstaltet oder langweilige Gerichte interessanter macht. Und zu jedem Rezept gibt es eine Geschichte, zum Beispiel die vom überraschenden Besuch von Harry und dem Anfänger-Hühnchencurry. Viel Spaß dabei – und guten Appetit!
Ella Risbridger: Die Geschichte beginnt mit einem Huhn 288 S.,…

Kochen:

Nur ne Suppe?

Wer bloß schnell ne Suppe auf den Tisch bringen möchte, der ist hier falsch. Der Trend zu den japanischen „Ramen“ hat nichts mit Schnelligkeit zu tun.  Ramen zu servieren erfordert Zeit, denn die Grundlage sind Knochen, die über viele Stunden ausgekocht werden müssen. Diese Brühe wird dann gewürzt, mit sogenanntem „Tare“, das aus Soja, Salz, Sake, Reisessig und vielem anderen hergestellt wird. Zuletzt bereitet man die Toppings zu, z.B. Huhn oder Schweinebauch, verschiedene Gemüse oder Eier.
In ihrem Buch „Ramen Otaku“ erzählt die Amerikanerin Sarah Gavigan wie sie zum Fan wurde, erklärt die komplizierten Rezepte und gibt auch einen Rat, wie Ramen zu essen ist:  Aroma schnuppern, genussvoll die langen Nudeln schlürfen, Topping probieren – und zum Schluss hoch mit der Schüssel und austrinken.

Sarah Gavigan: Ramen Otaku – Japans Spezialitäten für Nudel-Nerds
232 S., 22,80 Euro, Unimedica Verlag. Foto: Unimedica
 

Kunst:
 

Nur Papier

Profaner geht es eigentlich kaum: ein großer Bogen Papier, auf dem eine Mitteilung steht.

Garten:
Zum Träumen schön

Ein Sehnsuchtsort für Gartenliebhaber sind sicher die herrlichen Parkanlagen von Marrakesch. Aber wer weiß, wann man dort wieder hin kann? Als kleinen Ersatz und schönen Vorgeschmack auf eine spätere Reise empfehlen wir das Buch „Die Gärten von Marrakesch“, in dem zwanzig der schönsten vorgestellt werden.
Die eindrucksvollen Fotos machen Lust auf Olivenhaine, Zitrusplantagen, riesige Dattel- und zarte Hanfpalmen, in Form geschnittene  Pomeranzen, Papyrus, Bougainvilleen, Zypressen, Bananenstauden und Philodendren, Dazwischen maurische Paläste, Brunnen, Kanäle und Wasserbecken.
Die Autorin Angelika Gray beschreibt jeden Garten detailliert und erzählt von  deren Geschichte, die ältesten stammen schon aus dem 12. Jahrhundert. Eine kleine Karte, ein faktenreiches Glossar und alle wichtigen Besucherinformationen ergänzen das Buch.

Angelika Gray: Die Gärten von Marrakesch, 128 S., Gerstenberg Verlag, 19,95 Euro. Foto: Gerstenberg
 

Kultur:
 Weißwurst und Co.

Wir Nordlichter denken oft nur an Markus Söder, Weißwürste, viel Bier und Fußball, wenn es um Bayern geht. Deshalb war es wirklich an der Zeit, mal unseren Horizont zu erweitern, zum Beispiel mit diesem Buch, in dem u.a.

Fotos:

Dramen des Alltags

Auch wenn es der Titel behauptet: Märchen werden hier nicht erzählt – dafür ist der russische Alltag denn doch zu profan. Aber ungewöhnlich sind diese Bilder schon, denn Frank Herfort, 1979 in Leipzig geboren und nach seinem Fotografie-Studium in Hamburg seit über zehn Jahren immer wieder in Russland unterwegs, hat einen sehr genauen Blick für das Abseitige, sanft Bizarre und Groteske. Und so hat er den alten Mann, der nächtens auf dem Bett sitzt und Akkordeon spielt, weil er nicht schlafen kann, ebenso festgehalten wie den ausgestopften Elefanten, der verloren im Erdgeschoss des Zoologischen Museums in Moskau herumsteht, weil er zu schwer ist, um an seinen eigentlichen Platz in einem oberen Stockwerk gebracht zu werden.  Kleinere Dramen sind hier also durchaus mit etwas Phantasie zu besichtigen, und wer wissen will, wie es in einem Russland ohne Propaganda aussieht, erhält hier zumindest erhellende Einblicke. PM

Frank Herfort: Russian Fairy Tales.

Kunst: Goya und andere
Kann ja sein, dass man doch noch eine Chance hat, diesen spannenden Überblick über die Umbruchszeit der europäischen Kunst im 18. Jahrhundert zu sehen. Zur Zeit meint man in der Hamburger Kunsthalle, dass die Ausstellung „Goya, Fragonard, Tiepolo – Die Freiheit der Malerei“ bis zum 30. Mai verlängert werden kann.
Sollte es dann doch nicht gehen, weil Corona alle Museumsbesuche verhindert, so ist der ausführliche Katalog ein guter Ersatz. Neben ausgezeichneten Abbildungen der Gemälde hat die Herausgeberin Sandra Pisot viele renommierte Autoren zu Themen wie den unterschiedlichen Bildsprachen der drei Maler, der Freiheit ihrer Zeichenkunst, dem Reiz des Skizzenhaften und anderen Aspekten zu Wort kommen lassen.

Sandra Pisot: Goya, Fragonard, Tiepolo – Die Freiheit der Malerei, 336 S., 316 Abb. Hirmer, 45 Euro

Roman: Wiener G’schichten

Lorenz Prischinger und seine drei Tanten haben ein bewegtes Leben erst im Waldviertel, dann in Wien. Als Onkel Willi, der Mann von Tante Hedi, plötzlich stirbt, begeben sich Lorenz und seine Tanten auf eine abenteuerliche Reise mit der tiefgefrorenen Leiche, denn der Onkel wollte unbedingt in seiner montenegrischen Heimat bestattet werden.…

Cartoon:

Peter Butschkow fährt jetzt E-Bike, und das hat sein Leben ziemlich verändert. Früher strampelte er fröhlich in Hemd und Hose durch die Landschaft, heute braucht er Funktionsklamotten, Knie- und Ellbogenschoner und natürlich einen Helm. Der Hintern tut trotzdem immer noch weh, auch wenn er sein Rad heute nur noch Bike nennt. Unser Lieblingscartoonist hat aus seinen Erfahrungen ein lustiges Büchlein gemacht, mit amüsanten Texten und natürlich gewohnt witzigen Cartoons.
Peter Butschkow: Überleben auf dem E-Bike, 62 S., 9,90 Euro, Lappen Verlag …