Ausstellungen

Palast der Päpste, Avignon, Frankreich

Der riesige gotische Papstpalast wurde von 1334 bis 1370 erbaut, der ältere Teil bis 1342. Mit einer Nutzfläche von ca. 15 000 qm ist er einer der größten Paläste seiner Zeit. Insgesamt residierten hier drei Päpste und zwei Gegenpäpste, bis der Sitz 1377 wieder nach Rom verlegt wurde. Heute zählt der Bau in Avignon zum Weltkulturerbe.
Der Innenhof des neueren Teils, über den man ihn heute betritt, ist groß genug für Konzerte und Theateraufführungen, die hier auch regelmäßig stattfinden. Man schlendert dann durch sehr weitläufige aber völlig leere Räume, denn während der französischen Revolution wurde der Palast beschlagnahmt und das Inventar verkauft, nur einige eingemauerte Kamine und ein paar Wandmalereien gibt es noch zu sehen.
Seit 1947 werden die Räume für Ausstellungen genutzt, so konnte man hier schon Werke von Picasso und Matisse bewundern.
Fotos: wikipedia/CO

Albertina, Wien noch bis 26.10.2026
Die Welt im Fokus

In Wien kann man zur Zeit ganz alte Fotografien von damals noch sehr ungewöhnlichen Reisen betrachten. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts machten sich die ersten Fotografen bis nach Jerusalem, nach Indien, Japan und Ägypten auf. Die Albertina sammelt seit vielen Jahren Reisefotos, von denen sie jetzt eine große Auswahl zeigt, und erzählt dazu von den Schwierigkeiten solcher Reisen, schon allein die Mengen von Gepäck waren ein großes Hindernis. Gezeigt werden auch ein paar kolorierte Bilder.
Foto: Raimund Stillfried von Rathenitz | Kaiserlicher Palast, Tokio, Japan, um 1875 | ALBERTINA, Wien. Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt

Museum Folkwang, Essen 

noch bis 8.11.2026

Ich, Gustave Courbet. Maler und Rebell 

Die idealisierte Ästhetik des Klassizismus und der Romantik war dem französischen Maler Gustave Courbet (1819-1877) suspekt, er wollte lieber die Realität darstellen, eins seiner frühen Bilder zeigt Steinklopfer bei der Arbeit. Das Museum Folkwang widmet Courbet jetzt eine große Retrospektive mit hundert Werken aus allen seinen Schaffensperioden. Die Schau ist in neun Kapitel aufgeteilt, die an seiner Biografie entlang seine bevorzugten Themen zeigen – von seinen zahlreichen Selbstporträts (deshalb der Titel der Ausstellung) über Landschaften und sozialen Realismus bis zu Politik und Exil, denn da er sich in der Pariser Kommune von 1871 engagiert hatte, musste er ins Schweizer Exil fliehen. Unter den 85 gezeigten Gemälden sind auch sein Selbstporträt „Le Désespéré“ (der Verzweifelte) und „L’Origine du Monde“ (der Ursprung der Welt) von 1866, das eine unverhüllte Vulva zeigt und mit dem Courbet. Foto: Wikipedia

Amphitheater, Nimes, Frankreich

Eigentlich unglaublich: Seit 2000 Jahren steht das Amphitheater in Nimes, erbaut nach dem Vorbild des römischen Kolosseums aus zu Quadern geformten 50 000 Tonnen Kalkstein von 5000 Arbeitern in fünf Jahren – ganz ohne Beton, Mörtel, Kräne oder Lastwagen.
Von außen sieht man zwei Etagen mit je 60 über einander liegenden Arkaden. Die Arena ist oval, 133m lang, 101m breit und 21m hoch. 25 000 Zuschauer konnten damals Platz nehmen und den Gladiatoren zujubeln, heute schauen bis zu 13000 Besucher Stierkämpfen zu oder lauschen Konzerten. In der Spätantike diente das Amphitheater zu Kriegszeiten auch als Schutzraum für die Bevölkerung, dazu baute man zwei Kirchen und 220 Häuschen in die Arena. Foto: CO

Kunsthalle Rostock, noch bis 6.9.2026
Olaf Heine: Human Conditions

Er hat Iggy Pop, Rammstein, Sting und Bono fotografiert, Thomas Kretschman, Nick Cave, Kate Blanchett und Daniel Brühl. Der Berliner Fotograf Olaf Heine, 1968 in Hannover geboren, inszeniert seine kunstvollen Bilder am liebsten in Schwarz/Weiß. Auch für seine Architektur-Aufnahmen in Brasilien verzichtete er auf Farbe, zeigte den großen Architekten Oscar Niemeyer (1907 – 2012) und dessen spektakuläre Bauten in klarem Schwarz/Weiß. Nebenher begann er Filme zu drehen, sein wichtigster – natürlich auch monochrom – ist die zwölfminutige Hommage an das Tacheles, das einst besetzte, dann abgerissene Kulturzentrum in der Berliner Oranienburger Straße.
Fast 200 seiner Bilder, mehrere Filme und auch ein paar Objekte von Olaf Heine sind jetzt in Rostock zu entdecken. Unbedingt anschauen!

Foto: Olaf Heine

Schillerhaus, Leipzig

Museum der Arbeit, Hamburg

Seit 1997 beschäftigt sich das Museum im Stadtteil Barmbek auf dem Gelände der ehemaligen New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie (NYH) mit Entwicklungen in der Welt der Arbeit. Nun wurde das Torhaus saniert und umgestaltet und soll sich der Frage „Wie wollen wir Arbeit in Zukunft gestalten?“ widmen. Dazu können sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen mit digitalen Spielstationen, Medien, Ideenboards und klassischen Hands-On-Elementen beschäftigen. Der Eintritt ist kostenlos. Foto: shmh

Bundeskunsthalle, Bonn, noch bis 23. August:

Peter Hujar – eyes open in the dark

Zu Lebzeiten waren seine Arbeiten nicht vielen Menschen bekannt. Dabei war der amerikanisch-ukrainische Fotograf Peter Hujar (geb. 1934), der 1987 an den Folgen seiner Aidserkrankung starb, eine zentrale Figur der New Yorker Downtown-Szene, die überwiegend Porträts von Freunden, Liebhabern und gern auch von sich selbst machte. Doch erst nach seinem Tod wurde er als Chronist gesellschaftlicher und sexueller Veränderungen der 70er und 80er Jahre erkannt.Die Bundeskunsthalle stellt sein Werk erstmals in Deutschland aus; gleichzeitig (19.3. bis 28.6.) zeigt auch der Gropius Bau in Berlin Bilder des Fotografen.

Foto: Peter Hujar, Gary Schneider Contortion (II), 1979 © The Peter Hujar Archive / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy of The Peter Hujar Archive / ARS, New York, and Pace Gallery, Fraenkel Gallery, Maureen Paley, and Mai36

Fondation Beyeler, Riehen/Basel noch bis 25.5.

                   Cézanne

Er gilt als Wegbereiter der klassischen Moderne, der Maler Paul Cézanne (1839-1906), der in der Provence lebte. Seine Zeitgenossen reagierten allerdings mit Unverständnis auf seine eigenwillige, den Kubismus vorwegnehmende Kunst, erst der Galerist Ambroise Vollard verhalf ihm 1895 mit einer Einzelausstellung in Paris zu größerer Bekanntheit.

Die Fondation Beyeler zeigt jetzt 80 Werke aus Cezannes Spätphase, Porträts, Landschaften und Ansichten seines Lieblingsbergs Montagne Sainte-Victoire.

Foto:Paul Cezanne, Baigneurs (Badende), ca. 1890, Öl auf Leinwand, 60,5 × 82,5 cm, Musée d’Orsay, Paris© GrandPalaisRMN (musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski

Luma, Arles

Museé Orsay, Paris

Was für eine Pracht! Und das war einmal ein Bahnhof mitten in Paris!
Entstanden ist er auf einem Grundstück direkt an der Seine, wo einst das Palais d’Orsay stand, das 1871 abbrannte. Am 14. Juli 1900 wurde der pompöse Neubau während der Weltausstellung eingeweiht, samt Hotel, in dem große Bankette und Tagungen stattfanden. Hotel und Bahnhof wurden auch gern als Kulisse genutzt, so drehte Orson Welles 1962 hier seinen Film „Der Prozess“ nach Franz Kafka. 
Der Zugverkehr nahm allerdings – nicht zuletzt dank zu kurzer Bahnsteige – immer mehr ab, sodass man Mitte der siebziger Jahre tatsächlich darüber diskutierte, das Gebäude abzureißen und ein modernes Hotel zu errichten. 1977 dann initiierte der französische Präsident Giscard d’Estaing die Umwandlung in ein Museum, und 1978 wurde das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt.
Das Innere gestaltete die italienische Architektin und Designerin Gae Aulenti sehr behutsam um. Die große Bahnhofshalle bekam mehrere Nebengalerien mit darüber liegenden begehbaren Balkonen; unterm Dach und im ehemaligen Hotel entstanden große Ausstellungssäle.

Fälschermuseum, Wien
 

Sehr groß ist das Museum nicht, aber in dem Souterrain in der Wiener Löwengasse 28 kann man so einige Kleinode entdecken. Da hängt zum Beispiel Rembrandts „Selbstbildnis mit Saskia“ neben Vermeers „Christus und die Ehebrecherin“, und in einer Glasvitrine liegt eine Stradivari-Geige. Was für Schätze!
Und die haben eins gemeinsam: Sie sind allesamt gefälscht.
Auf jede echte Stradivari – so erfährt man hier – sind etwa 200 Kopien in Umlauf. Der Rembrandt etwa stammt von Edgar Mrugalla (1938 bis 2016), der zugab, etwa 3000 Gemälde nachgemalt zu haben. Und den Vermeer malte Han van Meegerens (1889 bis 1947) 1942 und verkaufte ihn an Hermann Göring. Als der Maler nach dem Krieg wegen Feindbegünstigung angeklagt wurde, gestand er seine Fälschungen ein.
Auch Konrad Kujau (1938 bis 2000) , dem Fälscher der Hitler-Tagebücher für das Magazin Stern von 1983, ist eine Vitrine gewidmet.
Ein durchaus interessanter, vielfältiger Museums-Besuch also, der mit einem Einkauf lustiger Postkarten, Accessoires und Bücher im Shop ergänzt werden kann.

Grand Palais, Paris, noch bis 4. Januar 2026
Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely, Pontus Hulten
       
Alle zehn Minuten rasselt, klingelt, schnarrt die zimmergroße kinetische Skulptur los. Da drehen sich Räder, heben sich Gießkannen und Puppenköpfe, scheppern Blechdosen, Licht geht an und wieder aus.
Das Werk des Schweizer Künstlers Jean Tinguely (1925 – 1991) ist derzeit im Grand Palais in Paris zu sehen, kombiniert mit  Arbeiten seiner Frau Niki de Saint Phalle (1939 – 2002), ihren fröhlich bunten Skulpturen und ihren Nanas aus Polyester. Dritter in dieser Ausstellung ist Pontus Hulten (1924 – 2006), der Gründungsdirektor des Moderna Museet in Stockholm und später des Centre Georges Pompidou in Paris, der das kreative Paar von Beginn an förderte und hier mit gewürdigt wird.
Noch bis zum 4. Januar 2026 ist diese muntere Ausstellung, die so richtig Spaß macht, zu sehen. Foto: Grand Palais

Industriemuseum, Chemnitz

Was für eine Vielfalt: Gleich am Eingang stehen Autos auf einem silbernen Band, darunter ein Trabbi mit Zelt auf dem Dach neben einem Cabrio vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Untergeschoss kann man später eine Textilstraße mit den unterschiedlichsten Spinnmaschinen und Webstühlen besichtigen.
Das großartige Industriemuseum in Chemnitz residiert in einer ehemaligen Giesserei, 3500 qm groß, das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. Zu besichtigen in dem 1992 eröffneten Museum ist die 220jährige sächsische Industriegeschichte mit einer Lokomotive, einer Karosserieschweißanlage, mit der Melitta-Filtertüte, einem Knopfannähautomaten und vielen anderen erstaunlichen Dingen. Unbedingt besuchen! Foto: CO

Bundeskunsthalle, Bonn, 1. August bis 11. Januar 2026
W.I.M. Die Kunst des Sehens
      
Zum 80. Geburtstag des Filmemachers und Fotografen Wim Wenders (am 14. August) widmet ihm die Bundeskunsthalle eine große Ausstellung, in der Szenen seiner Filme, Fotoarbeiten und auch Collagen und Zeichnungen von ihm gezeigt werden.
Und so kann man noch einmal Ausschnitte aus „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ von 1972 sehen, „Der Amerikanische Freund“ von 1977, „Der Himmel über Berlin“ von 1987 und den mit einer Oscar-Nominierung geehrten Film „Buena Vista Social Club“ von 1999, aber auch aus seiner Dokumentation über Anselm Kiefer „Anselm – das Rauschen der Zeit“ von 2023. Requisiten, Produktionsunterlagen und ein „Audiowalk“, in dem Wenders einzelne Stationen seiner Karriere kommentiert, runden den Überblick über ein eindrucksvolles Werk ab, das nun schon mehr als fünf Jahrzehnte umfasst. Foto: Bruno Ganz im „Der Himmel über Berlin“