Das in der Gastronomie einst kreierte Zauberwort „Regionalität“ hat längst auch den Lebensmittelhandel erreicht. Allerdings führen Produkte, die Label mit anheimelnden Aufschriften wie „Das Beste aus Bayern“ oder „Gutes aus Hessen“ tragen, angesichts der Übermacht global vermarkteter Waren ein sehr überschaubares Nischendasein und müffeln deswegen penetrant nach Greenwashing. Aber lassen wir einmal dahingestellt, ob es sich hier nur um Werbegetöse handelt, weil Marketingexperten erkannt haben wollen, dass Regionales wunderbar die Sehnsucht der Verbraucher nach Verlässlichkeit und Sicherheit bedient – letztlich geht es nur um den Umsatz. Dabei ist nicht überall, wo Region drauf steht, tatsächlich auch Region drin – man vertiefe sich einmal in das Kleingedruckte auf den Verpackungen. Abgesehen davon muss regional Produziertes in qualitativer Hinsicht keinesfalls besser sein als das von weit her Geholte. Und ob die gesamte regionale Wirtschaft davon profitieren kann, wie gern behauptet wird, muss ebenfalls angezweifelt werden. Überhaupt, was ist denn noch oder schon „Region“? Kann man beispielsweise Nordbayern und das vergleichsweise weit entfernte Südbayern noch als eine Region betrachten?
Martin Lagoda, ehemaliger Chefredakteur des Magazins Essen & Trinken, arbeitet frei als Journalist und Buchautor. Kontakt über www.snowdon-lagoda.de. Fotos: Wikipedia/privat