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Stadtspaziergang, diesmal: Leipzig, Plagwitz

31. März 2026 in Allgemein Keine Kommentare

Vielleicht haben Sie ja von Plagwitz noch nie gehört. Die meisten Besucher von Leipzig kennen natürlich die wunderbar restaurierten Passagen, das alte Rathaus, die Thomas- und die Nikolaikirche und natürlich das Gewandhaus, aber Plagwitz?

Dabei ist dieser Stadtteil nicht nur sehenswert, er hat auch eine interessante Geschichte. 1412 wurde der Ort Plochtewitz erstmalig in einer Urkunde erwähnt, bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb er ein eher unscheinbares Dorf mit gerade mal 354 Einwohnern.

Der Karl-Heine-Kanal

Doch dann, ab 1854 kaufte der Rechtsanwalt Carl Heine hier Grundstücke und siedelte Industrieunternehmen an. Bereits zwei Jahre später begann er den Bau eines Kanals, der später nach ihm benannt wurde, damit Waren verschifft werden konnten. Als Heine 1888 starb, lebten 13000 Menschen in Plagwitz, das ab 1891 zu Leipzig gehörte, 105 Industrieunternehmen boten 6000 Menschen Arbeit. 

Mit dem 2. Weltkrieg endete die Erfolgsgeschichte. 1964 musste man zugeben, dass in einem Drittel der Wohnungen unzumutbare Verhältnisse herrschten, weil sie nie saniert worden waren. Die Stadt war kurz davor, den Stadtteil aufzugeben.

Dann kam die Wende. 1991 beschloss man, Plagwitz zu erhalten und behutsam zu sanieren. Wie gut das gelungen ist, kann man mit eigenen Augen überprüfen, wenn man vom Hauptbahnhof aus mit der Straßenbahn Linie 14 in Richtung Plagwitz fährt. Kaum hat man die Elster überquert und fährt die Karl-Heine-Straße entlang, gibt es schon schön restaurierte Gründerzeit-Villen zu sehen. Zum Beispiel in der Karl-Heine Straße 2, wo das Elternhaus des Malers und Bildhauers Max Klinger (1857-1920) steht,  in der Nummer 12 mit der Villa Sack, die sich der Sohn Fritz des Firmengründers Rudolph Sack (Maschinenbau) bauen ließ, oder in der Nummer16 mit einem Anwesen, das der Familie Mey des Textilunternehmens Mey & Edlich gehörte. 

An der Ecke Zschochersche Straße steht der neue Felsenkeller – der originale, den der Brauereibesitzer Carl Wilhelm Naumann 1844 erbaut hatte, weil er im Keller sein Bier gut kühlen konnte, war 1943 zerstört worden. Tausend Menschen konnten einst im Ballsaal feiern oder bekannten Rednern wie Clara Zetkin oder Rosa Luxemburg lauschen. Heute lädt hier das „Naumanns“  in seinen Biergarten und in den Ballsaal ein.

Schaubühne Lindenfels

Ein paar Schritte weiter kommt man zur „Schaubühne Lindenfels“,  die Fenster grün gestrichen, Balkon und Gartenmauer knallrot – also nicht zu übersehen. Ab 1870 stand hier eine Gaststätte, die 1904 zum Schloss Lindenfels erweitert wurde, in dem Theaterstücke, Konzerte und später auch Filme angeboten wurden. Auch heute noch gibt es dort Kunst und Kulturangebote.

Schräg gegenüber, im Casablanca Markt, verkauft man marokkanische Spezialitäten in ausgesuchter Qualität, und im Supermarkt dahinter bekommt man alles, was man im Alltag braucht.

Das Westwerk

In der Karl-Heine-Straße 93 kommt man dann zum „Westwerk“, einst stand hier eine kleine Gießerei für Armaturen, die im Laufe der Zeit bis zu 1000 Beschäftigte hatte und in den 1960er Jahren als modernste Gießerei der DDR galt. In der schönen alten Werkshalle bietet heute ein Konsum Lebensmittel an, und drumherum in den Industriebauten arbeiten Künstler und Kunsthandwerker.

Bevor man sich jetzt auf den Rückweg mit der Straßenbahn macht oder zur S-Bahn Station Plagwitz schlendert oder gar noch zu einem Spaziergang am idyllischen Karl-Heine-Kanal aufbricht, kann man sich vom indischen „Chili-S“ mit Mango Chicken oder im „Kleinen Kaukasus“ mit Piroggen verwöhnen lassen.


Rubrik: Allgemein
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