Was für eine Geschichte! Vermutlich schon während der Bronzezeit war dieser riesige Felsen mitten in der Provence besiedelt: Auf der einen Seite begrenzt durch eine weite Ebene, auf der anderen von sanften Hügeln, bot er sich als natürliche Festung an. Dokumentiert ist seine Historie seit dem Mittelalter: Die Familie der „Baux“, die der Legende nach von Balthasar, einem der „Heiligen Drei Könige“ abstammt, residierte hier spätestens ab 1030.
Um 1200 ließ die Familie, die zu der Zeit über 79 Städte der Provence herrschte, das mächtige Chateau errichten, das heute nur noch eine Ruine ist. Zweihundert Jahre später rebellierte ein Baux, Raymond von Turenne, gegen König und Papst und ließ Städte und Dörfer niederbrennen, so wurde er 1398 zur „Geißel der Provence“. Mit dem Tod der letzten Baux gingen der malerische Ort und die gesamte Provence schließlich 1426 in den Besitz des französischen Königs über.
Danach verlor die Region an Bedeutung. Lebten im 13. Jahrhundert in Les Baux noch 3000 Menschen, waren es 500 Jahre später nur noch etwa 400.
Erst 1821 begann für Les Baux eine neue, friedlichere Ära: Ein Chemiker entdeckte in einem Fels ein braunrotes Mineral, aus dem Aluminium gewonnen werden kann. Er nannte es Bauxit. Die Vorkommen sind inzwischen längst erschöpft, dafür zieht der mittelalterliche Ort auf dem hohen Felsen heute jedes Jahr bis zu 2 Millionen Touristen an.
Bevor man von einem der Parkplätze entlang der Route d´Àrles oder der Route des Oliviers zum Eingang zum Chateau kommt, schlendert man erst einmal gemütlich durch das mittelalterliche Dorf vorbei am Tourismusbüro in einem stattlichen Gebäude von 1499, in dem vor der französischen Revolution die Gerichte tagten. An der Grand Rue Frederick Mistral sollte man unbedingt ins Hotel de Manville schauen, dem heutigen Rathaus, einem Renaissance Herrenhaus aus dem Jahre 1571. Am Place Francois de Herain steht die sehenswerte Kirche Saint Vincent aus dem 12. Jahrhundert und gegenüber die Kapelle des Penitents Blancs aus dem 17. Jahrhundert.
Über die Rue du Trencat geht es dann ins Chateau, das sich über 5 ha erstreckte und von dessen höchsten Punkten man eine phantastische Aussicht in die Weite hat. Die Überreste eines Hospitals aus dem 16. Jahrhundert und ein angrenzender Garten, in dem schon im Mittelalter Heilpflanzen gezogen wurden, sind zu entdecken. Auch die Ruinen von diversen Vorhöfen, in denen Bedienstete, Handwerker und Bauern mit ihren Tieren lebten, kann man noch sehen. Genau wie einige Wehrtürme und den großen „Donjon“, in dem die Herrscherfamilie residierte.
Besonders interessant: das „Hasenloch“, eine schräge, in den Fels gehauene Treppe, die als todbringende Falle für Feinde diente, und ein Taubenschlag: Nischen im Felsen für bis zu 2000 Tauben, die Fleisch und Eier lieferten.
Auf dem Rückweg durch das Dorf kann man sich noch mit Andenken eindecken: Schokolade und Kekse, Olivenöl und Lavendelseife, T Shirts mit provencalischen Mustern und Postkarten. Und einkehren kann man natürlich auch noch.