Vom kleinen Park zwischen der Kathedrale und dem Fluss Neris aus kann man auf den Gedeminas Berg steigen oder man fährt von der Flussseite aus mit der Standseilbahn hinauf. Der achteckige Gedeminas Turm ist Rest einer Wehranlage und wurde mal als Arsenal, mal als Staatsgefängnis, heute als Museum zur Geschichte der Burg genutzt.
Zu Füßen des Bergs steht der „Palast der Großfürsten von Litauen“, der ursprünglich aus Holz im 13. Jahrhundert erbaut wurde, nach einem Großbrand 1610 zunächst im Stil des Manierismus aus Stein und später als prächtige Barockresidenz ausgebaut wurde. Hier fanden noch vor Paris und London die ersten Opernaufführungen Europas statt. Im 17. Jahrhundert wurde der Palast zerstört und Anfang des 19. Jahrhunderts schließlich ganz abgerissen. Der heutige Nachbau entstand erst von 2002 bis 2009, hier finden Staatsempfänge statt, und ein großartiges Museum zeigt die wechselvolle Geschichte Litauens.
Wir gehen jetzt wieder durch die lebendige Straße Pilles mit ihren verschiedenen Baustilen, kleinen Geschäften, Kunsthandwerkern, Kirchen und Hotels bis zum Rathausplatz, auf dem immer was los ist – mal ist Markt, mal eine Ausstellung, mal ein Fest.
Das Rathaus mit seinen wuchtigen Säulen entstand erst Ende des 18. Jahrhundert nach einem Großbrand, einen ersten Verwaltungssitz soll es hier aber schon im 14. Jahrhundert gegeben haben. Heute gibt es im Rathaus regelmäßig große Veranstaltungen, im Keller kann man noch gruselige Gefängniszellen besichtigen.
Wir folgen nun der Straße Vokieciy vorbei am Contemporary Art Center, dem Vilnius Museum und dem Museum der Illusionen und biegen dann links ein in die Straße Traky, denn dort ist noch ein ganz besonderes Gebäude zu entdecken: das MO – das Museum für zeitgenössische Kunst. Zu sehen ist die Sammlung zweier Privatleute, die litauische Kunst ab den 1960er Jahren zusammentrugen und dafür vom Studio Daniel Libeskind und dem litauischen Architekturbüro Do Architects einen spektakulären, 2018 eröffneten Bau errichten ließen. Der schneeweiße Kubus hat einen verglasten Eingangsbereich und eine breite Treppe, die durch das ganze Gebäude zu einem Innenhof mit Amphitheater führt.
Im Erdgeschoss gibt es ein hübsches Bistro, in dem man bei Kaffee und Kuchen oder auch einer Rote-Beete Suppe gut über das Gesehene schwatzen kann.
Fotos: CO/govilnius
