Hotel Mermoz, Toulouse, Frankreich

das Foyer

Die Straße wirkt nicht sehr einladend, aber wenn man durch das Tor in den Innenhof gelangt ist, wird es französisch-charmant. Eine elegante Außentreppe führt ins freundliche Foyer. Die Zimmer sind nicht groß, aber liebevoll ausgestattet. Ein kleiner Innen- und ein etwas größerer Außenpool ergänzen den schmalen Fitnessraum. Frühstücken kann man auf einer ruhigen Terrasse im Grünen.
Und zu Fuß ist man in nicht einmal 10 Minuten im quirligen Zentrum von Toulouse. Hoffentlich kann man bald wieder hin! DZ ab ca 95 Euro. Foto: Mermoz

Sachbuch:

1929 – was war da los?

Das Museum of Modern Art wurde 1929 von Gründungsdirektor Alfred Barr eröffnet, Thomas Mann erhielt den Literatur-Nobelpreis, und Erich Kästners Emil scharte erstmals seine Detektive um sich. In Deutschland wurden die allerersten Fernsehbilder übertragen, und in Hollywood wird Emil Jannings als allerster Schauspieler mit einem Oscar geehrt. Und was war mit den Frauen in jenem Jahr? Was Erika Mann und Vicki Baum, Marlene Dietrich und Helene Weigel und einige andere 1929 alles taten, das hat die Autorin Unda Hörner detailliert recherchiert und in zwölf Monatskapiteln sehr anschaulich beschrieben. Und so sind wir dabei, als die Verlegerin Edith Jacobsohn Kästner zu einem Kinderbuch animiert und die Architektin Marlene Poelzig sich gegen ihren weitaus berühmteren Mann Hans behauptet. Wir erfahren, dass die Schauspielerin Lotte Lenya ihre Karriere mit einem furiosen Auftritt als Seeräuber-Jenny in Brechts Dreigroschenoper beginnt und die Industriellen-Tochter Clärenore Stinnes mit dem Auto um die Welt fährt. Ein wunderbares Buch ist diese Chronik geworden, leicht und locker geschrieben, und vollgepackt mit bemerkenswerten Einzelheiten.

Unda Hörner: 1929 – Frauen im Jahr Babylon 256 S., 22 Euro, Ebersbach & Simon
Foto: Ebersbach & Simon

 


Kinder:
 

Wimmeln mit Mehrwert

Den Eiffelturm kennen schon kleine Kinder, aber wissen sie auch, dass er 324 Meter hoch ist und jede Nacht von 20.000 Glühbirnen erleuchtet wird? Dass der Tokyo Tower noch acht Meter höher ist, erfährt man ebenfalls in diesem bunten Wimmelbuch. Die Autorinnen haben sich zwanzig Städte vorgenommen und alles Wissenswerte in schönen Zeichnungen und lesenswerten Texten untergebracht. Etwa, dass in London seit dem 17. Jahrhundert schwarze Raben im Tower leben, und dass auf dem Mailänder Dom 96 steinerne Höllenmonster als Wasserspeier dienen, weil der Teufel dem Herrscher von Mailand 1386 im Schlaf den Dombau befahl. Ein durch und durch informatives Buch für Kleine und ja, auch für Große.
Miraldo Colombo,Ilaria Faccioli: Atlas der Städte. Eine Reise um die Welt
90 S., Midas. 25 Euro. Foto: Midas

 

Bis 29. Oktober: An Hamburgs Binnen-Alster findet zur Zeit eine Fotoausstellung im öffentlichen Raum statt. Nach dem Vorbild von Caspar David Friedrichs Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ haben sich Menschen in aller Welt in ähnlichen Situationen fotografiert und die Bilder auf Instagram geteilt. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle werden jetzt die spannendsten Aufnahmen am Jungfernstieg kostenlos gezeigt.
3. Oktober: 30 Jahre Wiedervereinigung und Deutschland singt! Um 19 Uhr können Chöre und jeder, der will, wo immer er/sie gerade ist, eine Kerze anzünden und zehn Lieder singen, zum Beispiel „Amazing Grace“ und „Der Mond ist aufgegangen. Ein Livestream aus der Nikolaikirche in Leipzig kann online verfolgt werden: www.3oktober.org/livestream

Eigentlich ist ja nicht zu fassen – aber es gibt tatsächlich immer mal wieder was Neues, was Intelligentes, noch nicht Dagewesenes, was man gut verschenken kann – ja, ist denn nicht bald Weihnachten – oder man behält es einfach selbst. Ein paar schicke, praktische, leckere Neuheiten haben wir für Sie gefunden:
Ravare: Ein Start-up aus Leipzig fertigt aus buntem Nadelfilz Laptophüllen und Rucksäcke, Taschen und Brillenetuis, Geldbörsen und Smartphonehüllen. Sogar Organizer fürs Homeoffice gibt es in Ihrer Lieblingsfarbe. Alles handgemacht und wunderschön!
Moses: Der Fachverlag für intelligente Spiele hat mit dem Autor Moritz Freiherr Knigge vier Kartenspiele mit je 50 Fragen entwickelt. Zu den Themen Essen, Büro, Smartphone und Umwelt wird je eine Frage auf einer Karte abgedruckt und auf der Rückseite beantwortet und erörtert. Zum Beispiel kann man mit Familie und Freunden darüber diskutieren: „Gibt es intelligente Verschwendung?“
Microplane: Die wunderbaren Reiben kennt man ja schon lange – nun gibt es einen gezahnten Profi-Schäler, mit dem man Tomaten, Paprika, Mangos und Kiwis problemlos von ihrer Haut befreien kann. Funktioniert perfekt!
Seeberger: Was für eine schöne Idee! Ein mit Mandeln, Cashewkernen, Pistazien, Erdnuss- und Kürbiskernen mit Honig oder Sesam gefüllter Adventskalender bringt jeden Morgen eine kleine Freude! Fotos: Ravare/Moses/Microplane/Seeberger

Kompaktes Homeoffice

50 Fragen auf 50 Karten

Tomaten schälen leicht gemacht

24 mal leckere Nüsse

Kunstforum, Wien, 1.10.20 bis 14.2.21
Gerhard Richter: Landschaft

Hoffentlich läßt uns Corona wieder reisen, denn diese einzigartige Schau möchte man nicht versäumen: 150 Arbeiten des als bedeutendster lebender Künstler geltenden Gerhard Richter, geboren 1932 in Dresden, werden in Wien gezeigt. Erstmals beschäftigt sich eine Ausstellung mit Richters Landschaften der vergangenen sechzig Jahre. Die Schau ist in fünf Themen gegliedert, beginnend mit den von Richter selbst als „Kuckuckseier“ bezeichneten Bilder, die romantisch wie Werke von Caspar David Friedrich wirken, bis zu seinen Übermalungen, bei denen er auf Gemälden, Fotos, Drucke von Landschaften Ölfarbe abstrakt aufgetragen hat. Verblüffend verbinden sich die beiden Ebenen zu einer Einheit.
Mit dabei sind Leihgaben des Künstlers und einige Werke, die noch nie öffentlich gezeigt wurden.
Foto: Kunstforum

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                          

                                                   Jagd auf die Wahrheit

Die Orbán-Regierung versucht das Klub-Radio zum Schweigen zu bringen. Deshalb wurden dem oppositionellen Sender die Lizenzen entzogen. Die Begründung: Verbreitung unwahrer Behauptungen.

Zwar tritt das Urteil erst im Februar 2021 in Kraft, doch kocht es in der liberalen europäischen Welt der Medien schon jetzt. Denn das Klub-Radio ist der einzige und letzte freie Sender Ungarns.

Begonnen hat die Jagd auf die Wahrheit schon vor gut zehn Jahren mit der Vernichtung der größten Tageszeitung Népszabadság (dt.:Volksfreiheit): Da hat ein österreichischer Freund Orbáns das Blatt vom damaligen schweizerischen Eigentümer für gutes Geld gekauft und anschließend – wegen Erfolglosigkeit – eingestellt. Bezahlt wurde der Kaufpreis aus ungarischen Steuergeldern und EU-Zuwendungen.
Anschließend hat Orbán die Central-Europäische-Universität, CEU, eine Soros-Stiftung, aus dem Land vertrieben. Wien nahm sie mit Handkuss. Ähnliche Machenschaften folgten.

Allerdings wird das Klub-Radio ein widerspenstiger, ja schwieriger Fang werden. Da der Sender die grundgesetzlich garantierte staatliche Unterstützung nicht bekommt, halten ihn die Hörer (darunter auch ich) mit Spenden am Leben. Zudem sind alle Sendungen im Internet als Ton und Bild zu empfangen – einschließlich aller früherer Sendungen. Und dort sind auch die unwahren Behauptungen zu hören, die es tatsächlich gab und gibt.

Denn: Einer der Hauptpfeiler des Klub-Radios sind die beliebten Diskussionen des Moderators György Bolgár mit den Hörern, die im Studio anrufen und ihre Meinungen zu aktuellen Themen von sich geben können. Da wird jeder angehört. Auch Freunde und Sympathisanten der Orbán-Regierung. Und die Jungs sind – von der Regierungsseite gesehen – richtig gut. Der Moderator kommt nicht zu Wort, er kann sie nicht bremsen, schon gar nicht stoppen. Sie reden, bis sie all ihre Lobpreisungen und Unwahrheiten losgeworden sind.

Ich dachte Jahre lang, dass diese Toleranz gegenüber dem Gegner der Preis für die Existenz des Senders sei. Doch weit gefehlt! Orbán ist nichts genug. Er will die Andersdenkenden erst zu Wort kommen lassen, wenn er sie vernichtet hat. Wenn das keine Kunst ist!?

Als Nebenspielplatz will er sich zurzeit auch die Theater- und Filmakademie, derzeit noch eine Privatstiftung, einverleiben. Zum Glück sind die jungen Schülerinnen und Schüler ordentlich laut und einfallsreich in ihrem Protest. Erst vor kurzem, am 14. September, haben sie das Erste Demokratische Lehrinstitut ausgerufen.

Am vergangenen Sonntag sagte einer der Professoren bei einer Demo: „Das waren noch Zeiten, als um 1455 der Dichter, Francois Villon, nach einem Apfelklau in Paris von zwei berittenen Polizisten verfolgt, in die  Sorbonne flüchten konnte. Denn dorthin hatte der Staat, somit auch die Polizei keinen Zutritt.“

PS: In wenigen Tagen, bis zum 28. September, sind von den Hörern 50 Millionen Forint, knapp 400.000 Euro, gespendet worden – und es geht weiter für die Nachrichtenfreiheit.

Fotos: privat/Klub-Radio

 

Ist es nicht mal wieder Zeit, ein Wochenende in Hamburg zu verbringen? Genau – und wenn Sie dann hier sind und Elphi, Reeperbahn und Michel erledigt haben, dann nehmen Sie sich mal drei Stunden Zeit und bummeln ein wenig durch Eppendorf. Dieses Dorf, 1140 erstmals als Eppenthorp erwähnt, ist der älteste Stadtteil Hamburgs.
Am besten fahren Sie aus der Innenstadt mit der U1 bis zur Haltestelle Hudtwalckerstraße, dort rechts die Straße entlang, sind Sie gleich am Theater „Komödie Winterhuder Fährhaus“, wo im Oktober Hardy Krüger jr. in „Arthur & Claire“ auf der Bühne steht. Gleich nebenan gibt es immer was zu lachen, im Lustspielhaus „Alma Hoppe“ wird jeden Abend Comedy vom Feinsten gegeben.

Hamburgs Hochzeitskirche

Falls Sie einen goldenen Oktober erwischt haben, gehen Sie gegenüber im Cafe Leinpfad  Kaffeetrinken. Sie sitzen dort direkt am Wasser, und auf dem Alsterkanal tummeln sich Kanus, Tretboote und viele Stand-up-Paddler, es gibt also immer was zu sehen – und oft auch hier zu lachen.
Wenn Sie jetzt weiter über die Brücke gehen, finden Sie links die schöne Kirche St. Johannis , gebaut 1622 auf den Resten zweier Vorgängerbauten und von den Hamburgern seit langem liebevoll Hochzeitskirche genannt. Schauen Sie auf jeden Fall hinein, die Kirche ist sehr hell, die Fenster sind nicht bemalt, die 9 m hohe Tonnendecke ist aus weiß gestrichenem Holz.
Gegenüber geht die Ludolfstraße ab, die sich teilt, nachdem Sie an dem schicken Möbelladen „Clermont“ mit jeder Menge Designklassikern und dem feinen „Dressmaker“ mit herrlichen Hochzeitskleidern vorbei gekommen sind. Wenn Sie die Straße rechts nehmen, kommen Sie bald zum Haynspark direkt am Alsterlauf, und dahinter ist der Fluß Tarpenbek zum Eppendorfer Mühlenteich aufgestaut, wohin im November der Hamburger „Schwanenvater“ die etwa 200 Alsterschwäne per Boot in ihr Winterquartier bringt. Die Höckerschwäne gibt es hier schon seit 1591, sie gelten als ein Wahrzeichen der Hansestadt.
Nehmen Sie die Abzweigung links, dann kommen Sie ins Herz des Stadtteils, zur Eppendorfer Landstraße.
Bummeln Sie hier ganz entspannt entlang, vielleicht finden Sie ja schon das eine oder andere Weihnachtsgeschenk.
Falls Sie gerade Lust auf Süßes haben, die Konditorei Lindner  ist berühmt für ihre Torten, zum Beispiel die „Schoko-Cognac-Torte“, die vergisst man nicht!

Der Maria Jonas Platz

Auf dem Marie Jonas Platz ein paar Schritte weiter findet dienstags, donnerstags und samstags ein kleiner Bio-Wochenmarkt statt. Von hier aus sind es durch die Kümmellstraße nur knapp 500 m bis zum berühmten UKE , dem Universitäts-Klinikum Eppendorf mit dem Medizinhistorischen Museum, in dem die Entstehung der modernen Medizin dokumentiert wird
Gegenüber vom Marie Jonas Platz hat die Köchin Cornelia Poletto ihr Bistrot, wo es angeblich das beste Hühnchen der Stadt gibt.

Imposante Fassaden

Wenn Sie jetzt weiter die Eppendorfer Landstraße entlang schlendern, schauen Sie sich unbedingt die Hausfassaden an, die meist schneeweiß gestrichenen, mit vielen Ornamenten verzierten Prachtbauten beherbergen ziemlich große hochherrschaftliche Wohnungen, sehr gut bürgerlich eben. Vor manchen Eingängen findet man hier viel zu viele Stolpersteine, denn von hier haben die Nazis viele, viele jüdische Mitbürger in ihre KZs deportiert.
Literatur zu diesem Thema – und natürlich zu vielen anderen – findet man in der kleinen, überaus gut sortierten Buchhandlung „Das Buch“, über die der Schweizer Verleger Peter Haag sagt: „Gute Bücher mit so erstklassiger Beratung, das gibt’s sonst nur noch auf dem Grundbuchamt oder in der katholischen Kirche.“
Falls Sie sich hier jetzt mit schweren Büchertüten ausgestattet haben, gibt es auf den nächsten 150 Metern in beide Richtungen diverse Lokalitäten, wo Sie sich bei Pizza und einem Glas Wein, Kaffee oder Eis niederlassen und in Ihren neuen Schätzen schmökern können. Viel Spaß dabei! Fotos: CO

 

„Seit ich weniger Zucker esse, nicht mehr rauche und das Kiffen sein lasse, wird das Gehirn immer schneller. Das ist geil, das genieße ich sehr. Klarer Kopf ist eigentlich die geilste Droge.“

Der Schauspieler und Fotograf Armin Rohde, der eigentlich Armin Kurt Rohde – Baron von Schilling heißt, in einem Interview mit dem Stern vom 13. August 2020.
Foto: Wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Schloss Purschenstein, Neuhausen, Erzgebirge 
Wollten Sie nicht immer schon mal zum Wandern ins Erzgebirge? Vom wunderschönen Hotel Schloß Purschenstein kann man zum Beispiel ein Stück auf der Alten Salzstraße, die von Lübeck bis nach Sizilien führt, und an der idylischen Talsperre Rauschenbach vorbei spazieren, oder der Geschichte des Holzflößens auf einem Naturlehrpfad folgen. Einen Wanderführer stellt Ihnen das Hotel gern zur Verfügung.
So um 1200 wurde das Schloss gebaut, das von etwa 1352 bis 1945 im Besitz der Familie von Schönberg war. Bis 1989 nutzte die DDR das Anwesen als Kinderheim und später als Kulturhaus. Ab 1999 sanierten die neuen Besitzer das Gemäuer aufwendig und detailgenau und eröffneten ein Hotel für alle, die sich mal wie Königs fühlen möchten. Bei Führungen zu verschiedenen Themen wird den Besuchern die Geschichte des Schlosses näher gebracht.
Die Zimmer sind groß und mit schönen Antiquitäten eingerichtet, die Bäder luxuriös. Das Frühstück wird im Schlosssaal serviert, am Abend speist man im edlen Saal der Remise. Für Hochzeiten gibt es ein schönes Trauzimmer.
DZ ab ca 120 Euro. Foto: CO

Kochen:
Von Böse-Stiefmutter-Schwarzbrot und mehr

„Die Gerichte in diesem Buch haben mir das Leben gerettet“, schreibt die Autorin in ihrem Vorwort. Eine schwere Depression brachte sie an den Rand des Selbstmords, aber statt sich umzubringen, fing sie lieber an zu kochen. Zuerst das beste Brathuhn aller Zeiten, später dann Jackentaschenkartoffeln, Trüber-Tag-Porridge und Notfallrisotto. Auch bei Gerichten für mitternächtliche Stunden kennt sich die englische Jounalistin Ella Risbridger inzwischen aus, beteuert, dass Essen am besten im Freien schmeckt und man das Alltägliche immer zu etwas Wertvollem machen sollte. Zu ihren durch und durch fröhlichen Texten stellt die vergnügte Hobby-Köchin viele Tipps, was etwa in Küche und Vorratskammer immer vorrätig sein sollte, wie man Picknicks veranstaltet oder langweilige Gerichte interessanter macht. Und zu jedem Rezept gibt es eine Geschichte, zum Beispiel die vom überraschenden Besuch von Harry und dem Anfänger-Hühnchencurry. Viel Spaß dabei – und guten Appetit!
Ella Risbridger: Die Geschichte beginnt mit einem Huhn 288 S., 29,95 Euro, Callwey Verlag, Foto: Callwey

 

 

Kunsthandwerk:

Von indischen Stoffen im Museum

Die Kuratorin Avalon Fotheringham ist Herrin über nahezu 10 000 Stoffe aus Indien im Londoner Victoria and Albert Museum. Dabei sind antike Fragmente und heilige Tempeltücher, Prächtiges von Herrscherhöfen und Kleidung des täglichen Gebrauchs seit Erfindung der Stoffherstellung. Die schönsten Stücke hat die Britin jetzt für ein umfassendes Werk zusammengestellt. Dazu gibt es Essays zu den verschiedenen Techniken, zu floralen, figürlichen und abstrakten Mustern durch die Jahrhunderte. Ein herrlicher Band nicht nur für Menschen, die gern nähen, weben, Stoffe bedrucken oder bemalen.
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Avalon Fotheringham: Der Zauber Indiens. Über 700 Stoffe
400 S., Gerstenberg. 50 Euro.  Foto: Gerstenberg

Michele de Luchi:  Für das Hotel Zirmerhof in Südtirol hat der Mailänder Architekt und Designer Michele de Lucchi zwei „Häuser der Wiese“ ganz aus Holz entworfen, die das Gästehaus um sechs Zimmer erweitern. Eingerichtet sind die hübschen Räume mit speziell entworfenem Design. Das verbaute Holz stammt aus hauseigenen Wäldern, die Ende 2018 zu großen Teilen einem gewaltigen Sturm zum Opfer fielen.
Ikea:  Nachhaltigkeit ist für das schwedische Möbelhaus dieses Jahr zum zentralen Thema geworden. So gibt es dort von nun an nur noch LED-Leuchtmittel, übrigens schon für 1 Euro pro Birne. Aus PET-Flaschen werden Kunststofffolien für Küchenfronten hergestellt, aus schnell nachwachsendem Bambus Körbe, Leuchten, Schneidbretter und Kästen, und aus Wasserhyazinthe entstehen Übertöpfe und Sets. Ab Februar wird es in den deutschen Ikea-Filialen außerdem Teppiche, Körbe und Leuchtenschirme aus Reisstroh geben, das sonst in gigantischen Feuern verbrannt wird und so enorme CO2 Emissionen verursacht. Foto: Zirmerhof

Lladro: Der spanische Porzellanhersteller hat ein handgemachtes Rhinozeros in Knallblau mit goldenem Horn und vergoldeten Ohren herausgebracht. Das beeindruckende Tier ist 22 x 45 x 19cm groß, im Blauton von Yves Klein lackiert, und die Auflage ist auf 500 Exemplare begrenzt. Kostenpunkt: 740 Euro.

 

 

 

Instabilelab: Mustertapeten sind wieder im Trend, und jetzt auch im Badezimmer. Der italienische Hersteller Instabilelab hat dafür wasserbeständige Texturen entwickelt, sodass man etwa im nebeligen Herbstwald in die warme Wanne steigen kann.
Fotos: Lladro/Instabilelab

Barberini, Potsdam, ab 7.September
Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner
 
Allein 34 Werke von Claude Monet hat der Sammler Hasso Plattner jetzt dem Museum Barberini als Dauerleihgabe überlassen. Damit besitzt Potsdam nach Paris weltweit die meisten Bilder des Malers. Außerdem hat der Mäzen Gemälde von Auguste Renoir, Camille Pissaro, Alfred Sisley, Paul Signac und anderen Impressionisten ausgeliehen. So kann das Barberini jetzt etwa hundert wunderbare Landschafts-Bilder in seiner Dauerausstellung zeigen.
Foto: Claude Monet: Getreideschober, 1890, Öl auf Leinwand, 73 x 92,5 cm, Sammlung Hasso Plattner. Photo: Lutz Bertram, Berlin

Unser Autor

Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Webseite www.ungarnaktuell.de , außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com 

Für eine bessere Zigeunerwelt

Der Bürgermeister László Bogdán kam von ganz unten. Die Mutter war Putzfrau, der Vater Bergmann. Die Erinnerung an seine Jugend hieß Hunger. Nach der Grundschule wollte auch er in die Kohlemine, doch sie wurde unrentabel und geschlossen.
László Bogdán fegte Fabrikhallen, arbeitete am Laufband, packte Monitore ein und kämpfte sich mit Fleiß und Verstand ins mittlere Management der Firma Elcoteq im südungarischen Fünfkirchen hoch.
Im Frühling 2002 zog er zurück in sein Geburtsdorf Cserdi (sprich: Tscherdi): zwei Straßen, 411 Einwohner, weit mehr als die Hälfte Roma, die sich als Zigeuner bezeichnen, und auch Romani sprechen. „Das häufigste Wort, das ich hörte“, sagte er, „war ‚Dema!‘“ – Lass’ mich in Ruhe! Nur wenn er fragte: „Hast du Geld für Brot?“ kam eine andere Antwort.
Bogdán war entsetzt: Jährlich gab es in dem kleinen Ort rund 200 Einbrüche. Die Jungen und jungen Männer hatten keine Arbeit, kein Geld, also stahlen sie. Der Knast war voll, bereits 12-Jährige saßen dort ein. Und waren sogar stolz darauf: Ein richtiger Mann war schon mal im Knast gewesen. Wenn sie draußen waren, saßen sie in der Kneipe.

László Bogdán

Als neuer Bürgermeister – wer wollte schon den Job haben –, ließ Bogdán zu allererst die Kneipe schließen, und dann zeigte er allen Dorfbewohnern den Knast. Das half schon ein wenig.
Dann, bei der ersten Vollversammlung aller mehr oder weniger Erwachsenen, die über Arbeitsmangel in der Umgebung klagten, kam er mit der Lösung: „Arbeitet nicht für Andere gegen einen Hungerlohn! Arbeitet für euch selbst!“
Das hat eingeleuchtet. Seine Mitbürger begannen mit 3000 Paprika-Pflänzchen, die täglich zwei Liter Wasser brauchten, dann pflanzten sie Kartoffeln.
Bogdán startete unterdes ein Unterrichtsprogramm, war allerdings kein netter Lehrer, kein netter Chef. Er überwachte streng, dass bei der Kartoffel-Ernte auch alle Knollen aus der Erde geholt wurden – mit bloßen Händen.
„Die Menschen haben es begriffen“, sagte er. Und es ging aufwärts: 2006 versorgten sie die nahe und weitere Umgebung mit frischem Obst und Gemüse. 20 Hektar Wald wurden gepflanzt. Und zu Beginn der Corona-Virus-Epidemie im März 2020 haben die Familien in Cserdi den Menschen in den Nachbardörfern insgesamt 20 Tonnen Kartoffeln und Zwiebeln geschenkt.
Und als im Nachbardorf eine farbige Mutter mit drei Kindern bei ihren weißen Freunden einige Tage ausruhen wollte, was angeblich eine Panik auslöste, luden die Cserdianer die kleine Familie einfach zu sich ein.
Langsam wurde das ganze Land auf das Wunder von Cserdi aufmerksam; Bogdán bekam 2020 , als Anerkennung seiner Arbeit für die Roma-Minderheit vom Europarat den mit 10.000 Euro dotierten Raoul-Wallenberg-Preis für außergewöhnliche humanitäre Leistungen. Der Namensgeber des Preises, der schwedische Diplomat Wallenberg, rettete im Zweiten Weltkrieg vielen ungarischen Juden das Leben. Des Bürgermeisters Hoffnung: „Ich glaube daran, dass auch in Ungarn die Zeit kommt, wenn es egal ist, ob einer Zigeuner oder Weißer ist.“
Das Ende. Am 13. Juli 2020 wurde László Bogdán tot in einem leeren Lagerhaus gefunden. Er war 46 Jahre alt. Die Todesursache ist nicht bekannt.
 

Der Braunschweiger Löwe

Die zweitgrößte Stadt Niedersachsens ist weit über tausend Jahre alt; kein Wunder also, dass sie einiges zu bieten hat. Zum Beispiel die erste freistehende Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen: den Braunschweiger Löwen , den Herzog Heinrich, genannt der Löwe, um 1170 auf dem Domplatz aufstellen ließ. Die Bronzeplastik wiegt 880 kg und ist wohl ursprünglich vergoldet gewesen.
1173 begann der Bau des Doms nebenan www.braunschweigerdom.de , den Heinrich der Löwe als seine Grablege stiftete. Seine Frau Mathilde wurde dort 1189 und Heinrich selbst 1195 bestattet. Das Grabmal hat deren Sohn erst später in Auftrag gegeben, es wird wohl erst 1240 fertig geworden sein. Das bedeutendste Kunstwerk im Dom ist das sogenannte Imervard-Kreuz, sowohl sein Entstehungsjahr als auch die Identität des Künstlers Imervard sind unbekannt.
Gegenüber vom Gotteshaus steht die Burg Dankwarderrode, ein Nachbau vom Ende des 19. Jahrhunderts, der die niedergebrannte Burg von 1175 ersetzte. Heute residiert dort die mittelalterliche Abteilung des Herzog Anton Ulrich-Museums.

Der Platz der Deutschen Einheit

Überquert man jetzt die Münzstraße, steht man gleich auf dem Platz der Deutschen Einheit mit Bänken, einem Mauerfragment und Wasserfontänen, die regelmäßig aus dem ebenerdigen Boden schießen. Dort befindet sich auch das Rathaus  von 1894, das im Stil der Neogotik errichtet wurde. Der fünfspitzige Turm ist 61 Meter hoch, und die doppelflügeligen Glastüren haben Griffe, die Bauwerke, Szenen und Personen aus der Geschichte der Stadt darstellen, darunter Till Eulenspiegel, der aus der Gegend stammt, Harfen-Agnes und Rechen-August.

Die Schlossfassade mit Einkaufszentrum

Durch die Straße Langer Hof erreicht man jetzt den Schlossplatz mit Reiterstandbildern und der schönen Schlossfassade, die allerdings eine Nachkonstruktion von 2007 ist, dahinter verbirgt sich ein Einkaufszentrum.  Ziemlich befremdlich!
Lassen Sie den Konsumtempel lieber links liegen und gehen durch die Georg-Eckert-Str. zum Herzog Anton Ulrich-Museum, das rund 4000 Arbeiten besitzt und vor allem durch seine Sammlung alter Kunst bekannt ist.
Hinter dem Museum erstrecken sich direkt an der Oker Museums- und Theaterpark , die schon 1780 in anderer Form angelegt wurden. Hier gibt es genug Bänke und Aussichtspunkte, damit man sich nach der Stadtbesichtigung ausruhen kann.

Der Brunnen auf dem Kohlmarkt

Anschließend sollte man zurück schlendern über die Georg-Eckert-Str., vorbei am Rizzihaus, einem von dem New Yorker Künstler James Rizzi quietschbunt bemalten Mehrfamilienhaus, durch Damm und Hutfiltern zum Kohlmarkt , der ursprünglich mal Kohlenmarkt hieß, weil hier nicht Kohl sondern Kohle gelagert und verkauft wurde. Dort steht das wunderschön restaurierte Haus zum Stern  von 1894, das ein gleichnamiges Haus von 1356 ersetzt, daneben befindet sich das ebenso hübsche Haus Zur Rose von 1590. In der Mitte des Platzes steht ein herrlicher Brunnen, der 1865 anstelle eines Trinkwasserbrunnen von 1391 errichtet wurde.
Lassen Sie sich in einem der Cafés und Restaurants mit jeder Menge Sitzplätzen im Freien nieder und genießen Sie das Treiben!
Fotos: CO /myheimat

„In meinem Leben hat mich nichts mehr inspiriert und bewegt als Menschen. Das Gefühl zu teilen brauche ich wie die Luft zum Atmen. „Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen.“ Dieser Satz von Beethoven ist mir heilig, weil er einfach genau das beschreibt: Es geht um teilen, nicht ums Besitzen.“

Der deutsch-russische Pianist Igor Levit in Chrismon 7/8 2020 in der Rubrik „Fragen an das Leben“. Levit stammt aus einer jüdischen Familie, ist Mitglied der Grünen und engagiert sich für Fridays for Future. Er ist Professor in Hannover und lebt in Berlin.
 

Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
www.butschkow.de

 
 

Hotel Al Capello Rosso, Bologna

Die Lage ist geradezu ideal: Kaum 200 Meter vom Dom und der Piazza Maggiore entfernt steht in einer ruhigen Gasse das kleine, feine Hotel – nicht nur für Rothaarige. Alle Hotelzimmer sind unterschiedlich dekoriert, von knallblauen Wänden mit weißer Schrift über sattrote mit jeder Menge gerahmter Schwarzweiß-Porträts bis zu wandgroßen Comics. Die Bäder hat man praktisch und unspektakulär ausgestattet. Das Frühstücksbüfett war vor Corona recht einladend. Das Hotel öffnet wieder ab 23. August. DZ ab ca 110 Euro.
Foto: Al Capello Rosso

Kochen:

Nur ne Suppe?

Wer bloß schnell ne Suppe auf den Tisch bringen möchte, der ist hier falsch. Der Trend zu den japanischen „Ramen“ hat nichts mit Schnelligkeit zu tun.  Ramen zu servieren erfordert Zeit, denn die Grundlage sind Knochen, die über viele Stunden ausgekocht werden müssen. Diese Brühe wird dann gewürzt, mit sogenanntem „Tare“, das aus Soja, Salz, Sake, Reisessig und vielem anderen hergestellt wird. Zuletzt bereitet man die Toppings zu, z.B. Huhn oder Schweinebauch, verschiedene Gemüse oder Eier.
In ihrem Buch „Ramen Otaku“ erzählt die Amerikanerin Sarah Gavigan wie sie zum Fan wurde, erklärt die komplizierten Rezepte und gibt auch einen Rat, wie Ramen zu essen ist:  Aroma schnuppern, genussvoll die langen Nudeln schlürfen, Topping probieren – und zum Schluss hoch mit der Schüssel und austrinken.

Sarah Gavigan: Ramen Otaku – Japans Spezialitäten für Nudel-Nerds
232 S., 22,80 Euro, Unimedica Verlag. Foto: Unimedica
 

Kunst:
 

Nur Papier

Profaner geht es eigentlich kaum: ein großer Bogen Papier, auf dem eine Mitteilung steht. Doch dass sich hinter dieser eher schlichten Definition des Plakats ein gewaltiger Kosmos auftut, war in diesem Frühjahr im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu besichtigen. Mit knapp 500 Postern dokumentierte das Haus, das mit rund 100000 Exemplaren eine der größten Plakatsammlungen Deutschland besitzt, die spektakuläre Karriere der bunten Blätter. Sie begann (nach einigen sporadischen Vorläufen) Anfang des 19. Jahrhunderts, und schon nach rund 80 Jahren erreichte sie ihren, bis heute nicht wieder erreichten, Höhepunkt: Künstler wie Henri Toulouse-Lautrec oder Alfons Mucha entwarfen im Frankreich des Jugendstils Blätter, die immer noch viele Wohnzimmer schmücken. Aber auch danach entstanden bis heute zahlreiche eindrucksvolle Exemplare, und ob es nun um das jüngste Theaterstück, das neueste Auto oder die nächste Wahl ging – gute Plakate waren (und sind) einfach famose Hingucker. Auch in diesem Katalog, obwohl er die farbige Vielfalt notgedrungen nur verkleinert abbilden kann. PM

Jürgen Döring: Das Plakat. 200 Jahre Kunst und Geschichte.
384 S., 480 farbige Abb. Prestel. 49 Euro. Foto: Prestel
 

Nur Frauen

Wer die großartige Ausstellung der Schirn in Frankfurt versäumt hat, der hat mit dem Katalog die Chance, richtig in das Thema einzutauchen: Die „Fantastischen Frauen“ sind 36 Künstlerinnen mit ihren rund 260 surrealistischen Werken. Mit dabei sind bekannte  Frauen wie Dorothea Tanning oder Meret Oppenheim, Frida Kahlo oder Louise Bourgeois, aber auch viele zu Unrecht (fast) vergessene Künstlerinnen aus aller Welt. Neben der Abbildung der wahrlich phantastischen Bilder bietet der Katalog lesenswerte Essays zu einzelnen Protagonistinnen, zu Fotografinnen, zu Surrealismus in Belgien, Mexiko und den USA. Die Herausgeberin Ingrid Pfeiffer ordnet in ihrem exzellenten Beitrag die einzelnen Künstlerinnen in die Bewegung ein, bewertet ihre Arbeiten und stellt klug ihre jeweilige Bedeutung heraus. Am Ende des Bandes stehen kurze Biografien der 36 Künstlerinnen.

Ingrid Pfeiffer (hrsg.): Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo
420 S., 350 farbige Abb. Hirmer. 49,90 Euro. Foto: Hirmer