Dr. Eckart von Hirschhausen

„Wenn ich in den Wald gehe, sehe ich zwar Natur, aber auch sterbende Bäume. Und Menschen, die einen Geländewagen fahren, ohne Gelände in der Nähe….“

Der Arzt, Kabarettist und Entertainer Dr. Eckart von Hirschhausen im Gespräch mit Ildikó von Kürthy in Brigitte 5/2021
Foto: www.hirschhausen.com

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehrals 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Und natürlich hat er sich auch für 2021 einiges einfallen lassen.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
www.peter-butschkow.de

 

Hotel Scandic, Aarhus, Dänemarkt

In der Halle mit der schicken Bar kann man prima abhängen, wenn man den Nachmittag durch die hübschen Altstadt von Aarhus geschlendert ist, die nur wenig Schritte vom Hotel entfernt ist. Ein halbes Stockwerk höher gelangt man ins Restaurant, in dem auch das üppige Frühstücksbüfett aufgebaut wird – wenn denn Corona das wieder zulässt. Die Zimmer sind zweckmäßig und die Bäder schlicht eingerichtet – alles bestens also für einen Städtetrip, der hoffentlich bald wieder möglich ist.
DZ ab ca 130 Euro. Foto: Hotel Scandic
 

Reise:  Die ganze Welt in einer Stadt

Die Pariserin ist stets elegant gekleidet, gut frisiert und perfekt geschminkt, immer verbindlich, höflich und interessiert.
Das ist ein Mythos, ein Klischee und eine Vorstellung des Stadtmarketings, mit dem im Laufe der Zeit auch Parfüms, Kosmetik und Kleidung gut verkauft wurden.
Die Amerikanerin Lindsey Tramuta lebt seit zehn Jahren in Paris
und hat so viele Frauen getroffen, die so viel mehr sind als das Klischee, dass sie daraus unbedingt ein Buch machen wollte.
Für „La Parisienne“ hat sie Autorinnen, Galeristinnen, Fotografinnen, eine Kaffeerösterin und eine Verlegerin, eine Bäckerin und eine Stadtentwicklerin getroffen und zu ihrem Leben in Paris befragt. Entstanden sind höchst aufschlussreiche Gespräche, Porträts und Interviews, jeweils erweitert um ein paar Geheimtipps und viele erklärende Fußnoten.
Wenn man denn mal wieder nach Paris darf, kann man die Stadt mit diesem Buch ganz neu entdecken.

Lindsey Tramuta: La Parisienne – das neue Paris – Stadt der Frauen Midas Verlag. 320 S., zahlr. Abb., 28 Euro
Foto: Midas Verlag


 

Tiere: Ansichtssache

Es gibt sicher nicht viele Menschen, die schon mal einem Weißkopfadler direkt ins Gesicht geschaut oder einen Nashornvogel beim Jagen beobachtet haben. Wir können das jetzt wenigstens in einem großartigen Bildband, in dem die schönsten Tier-Aufnahmen der besten Naturfotografen zu bestaunen sind. Wie die eines Killerwals beim Einkreisen einer Gruppe Pinguine oder der eines Kranichkükens beim Trinken am Gefieder seiner Mutter. Zu allen Bildern gibt es detaillierte Texte über ihre geduldige und auch mal aufregende Entstehung; außerdem wird jeder Fotograf vorgestellt. So erzählt Klaus Nigge aus dem Ruhrgebiet, wie er im russischen Kamtschatka zum Fan der Riesenseeadler wurde, und der Amerikaner Brian Skerry berichtet von der neuen Freiheit in der Unterwasserfotografie durch die Erfindung der Digitalkameras.

Natural History Museum (hrsg.): Die erstaunliche Welt der Tiere. Die besten der besten Naturfotografien. Gerstenberg Verlag. 224 S., 36 Euro  Foto: Gerstenberg

 

Foodwatch: Amazonfresh hat vor Gericht verloren. Auch Online-Lebensmittelhändler müssen sich an die Kennzeichnungsregeln halten, haben die Richter entschieden. Geklagt hatte Foodwatch , ein Verein zum Schutz der Verbraucherrechte, weil Amazon die Herkunftsländer von Obst und Gemüse nur pauschal angab.

Das Hotel in einem Berg

Japan: In Maebashi, zwei Stunden nördlich von Tokio, wurde jetzt das Shiroiya Hotel mit je einem Zimmer, eingerichtet von Michele de Lucchi, Jasper Morrison, Leandro Erlich und Sou Fujimoto, eröffnet. Die anderen 21 Zimmer, alle in einem begrünten Hügel, wurden von einheimischen Künstlern ausgestattet. Foto: Hotel Shiroiya
Kettnaker: Der Möbelhersteller aus Oberschwaben mit eigenem Ausbildungszentrum sucht Lehrlinge für den Beruf des Holzmechanikers. Das Familienunternehmen mit 150jähriger Tradition konnte 2020 seinen Umsatz um 9% steigern, deshalb ist eine Kapazitätserweiterung geplant.

Neues Museum Nürnberg

Die imposante Schneckentreppe

Ein Museumsbau soll der Kunst, die gezeigt wird, keine Konkurrenz machen, soll den Werken einen Rahmen geben, aber selbst im Hintergrund bleiben. Jedenfalls innen. Außen ist das ganz etwas anderes.
Der Berliner Architekt Volker Staab, 1957 in Heidelberg geboren, hat sich mit seinem Entwurf für das Neue Museum Nürnberg an diese Maxime gehalten. Mitten in die Altstadt hat er einen 100m langen Kubus mit geschwungener Glasfassade gesetzt, in dem sich die mittelalterliche Stadtmauer spiegelt. Innen ist alles schlicht weiß, aber versetzte Wände bieten überraschende Ausblicke. Besonders markant ist die große Wendeltreppe in der Eingangshalle, die alle Stockwerke verbindet.
Foto: Wikipedia

Brühl: Viktor, der gemütliche Drehsessel, hat eine 108 cm hohe Rückenlehne und steht auf einem grazilen Stahlrohrgestell. Den Bezug gibt es in vielen Farben und auch aus Leder.
Instabilelab: Der italienische Tapetenhersteller holt schon mal den Frühling in die Wohnung. Sehr große Blütenbilder – natürlich nur an einer Wand des Zimmers –
schmücken schlichte Räume.
Fatboy: Bald geht es wieder raus, also können wir schon mal ein tolles Sofa für die Terrasse zeigen. Das Gestell von Paletti besteht aus recyceltem Material, die Rückenlehne ist korrosionsbeständig, die Polster sind wasserabweisend. Fotos: Hersteller

Viktor

Blumen-Tapete

Paletti

 

 

Vitra Design Museum, Weil am Rhein, bis 23. Januar 2022
Memphis, 40 Jahre Kitsch und Eleganz

Die Gruppe Memphis um den italienischen Architekten und Designer Ettore Sottsass wurde Ende 1980 gegründet und hatte bereits im folgenden September eine große Ausstellung in Mailand. Das Ziel der Gruppe hieß: „Das Banale feiern und die Regeln des guten Geschmacks brechen“, und so entstand mit schrillen Farben und wilden Mustern ein neuer Look, der an Werbung und Comics angelehnt war. Der große Durchbruch kam 1982, als Karl Lagerfeld seine Wohnung in Monte Carlo mit Memphis-Möbeln einrichtete. 1987 löste sich die Gruppe auf – das Vitra Design Museum widmet den Stil-Revoluzzern jetzt eine Hommage mit Zeichnungen, Fotos und vielen Original-Möbeln.
Foto: Sessel Bel-Air von Peter Shire von 1982

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                       Klubrádió im Internet-Exil  

Seit Montag, dem 15. Februar hört man auf der Budapester Wellenlänge 92,9 kHz nur noch ein leises Rauschen. Das Klubrádió mit dem Motto Nachrichten und Meinungen sendet nicht mehr. Am ganzen Tag zuvor nahmen die Mitarbeiter Abschied von den Hörern – es war rührend. Dabei fiel mir auf, wie viele Mitarbeiter es waren; darunter allerdings viele freie, die nur einmal in der Woche auf Sendung waren/sind. Meine Favoriten: zwei alte, ehemalige Redakteure der größten Tageszeitung Népszabadság („Volksfreiheit“), deren Blatt schon vor gut zehn Jahren einkassiert wurde. Sie hatten jeden Donnerstag-Abend im Klubrádió ihre Sendung, zu der sie jeweils einen ehemaligen Kollegen oder Volontär mit ins Studio brachten, der inzwischen weit weg arbeitete und Interessantes zu berichten hatte.

Hier wurde mal gesendet

Ihr Beitrag begann jedes Mal mit dem ominösen Orbán-Satz, den er am 18. September 2018 im Straßburger EU-Parlament auf Ungarisch von sich gab. Die Übersetzung: „Wir würden uns niemals dazu hinreißen lassen, jemanden mundtot zu machen, der nicht unsere Meinung teilt!“ Kaum ist das letzte Wort verklungen, als eine riesige, rauschende Welle von Gelächter, Applaus und Pfiffen der Parlamentarier ertönt.  
Ich habe den Satz inzwischen gut hundertmal gehört, und trotzdem staunte ich jedes Mal wieder über die blitzschnelle Reaktion der Zuhörer damals, nicht zuletzt dank der ungarischen Simultan-Dolmetscher, die den Satz, in mehreren europäischen Sprachen, gleichzeitig mit Orbán beendeten.

Nach 2018 sind mehrere oppositionelle Zeitschriften mit verschiedenen Tricks geschlossen worden, dem Klubrádió sperrte Orbán nacheinander alle Sende-Frequenzen im ganzen Land. Schließlich blieb nur Budapest. Doch dann verklagte der staatliche Medienrat am 11. Februar 2021 den Sender wegen drei zu spät abgelieferter Sendeberichte, und das Gericht beschloss nach gerade mal 2,4 Minuten Beratung den Entzug der Sendelizenz.
Seit Dienstag, dem 16. Februar, kann man das Klubrádió im Internet hören und sehen. Im Prinzip. Die Seiten, die ich aufgesucht habe, z B.: www.klubradio.hu, erscheinen mir wie ein Durcheinander für Schwerhörige, ohne Möglichkeit, die Lautstärke zu mindern.
Ich hoffe, das kommt noch.
Schließlich eine seltene, wirklich gute Nachricht: Wie ich bereits berichtete, hat Viktor Orbán den kleinen und kleinsten Unternehmen – wie meinem Gemüsehändler – die Hälfte der Gewerbesteuer, die eigentlich den Gemeinden zusteht, erlassen, um so oppositionelle Kommunen finanziell auszutrocknen.  
Doch vor wenigen Tagen bat der neue, junge, oppositionelle, fahrradfahrende Budapester Bürgermeister, Gergely Karácsony, die betroffenen Unternehmen, freiwillig weiter die ganze Steuer zu zahlen, wenn sie dazu in der Lage seien. Dafür kann er garantieren, dass (auch) die Müllabfuhr weiterhin funktionieren werde.

Eine Welle der Solidarität kam ins Rollen mit dem Motto: Meine Steuer für meine Stadt!  Und das ist doch schon etwas!  

Ein empfehlenswerter Beitrag mit dem Titel „Hallo Diktator“ ist auf Arte zu sehen:
www.arte.tv/de/videos/099755-000-A/hallo-diktator/   Fotos: privat/hungary today

„Nach Adam Riese macht das….“ Klar, kennt man den Spruch! Aber wer war Adam Riese? In Annaberg im Erzgebirge weiß man das, da gibt es in seinem ehemaligen Wohnhaus sogar ein kleines, sehr hübsches Museum, wo man seine Rechenbücher sehen 

Der Marktplatz

kann. Adam Riese, oder Ries, Ris, Rise, Ryse oder sogar Reyeß (1492 oder 93 bis 1559) gilt als der Vater des modernen Rechnens, des Stellenwertsystems mit arabischen Zahlzeichen. Seine drei dicken Rechenbücher verfasste er, statt im üblichen Latein, in deutscher Sprache, dadurch fanden die Bücher größere Verbreitung. In Annaberg leitete er eine private Rechenschule, war für die sächsische Bergwerksverwaltung tätig und erfand die „Annaberger Brotordnung“, in der das bis dato schwankende Gewicht der Brotlaibe für einen Groschen, zwei Groschen und für Pfennigsemmeln festgelegt wurde.
Gegenüber dem kleinen Museum steht ein Büste Adam Rieses, denn natürlich wird der große Sohn der Stadt mit einem Denkmal geehrt.

Denkmal Brbara Uthmann vor dem Rathaus

Auch ein Denkmal – sogar mit Brunnen – direkt am Marktplatz hat Barbara Uthmann  (1514 bis 1575) bekommen. Sie war Unternehmerin, führte erst die Silbermine ihres verstorbenen Mannes weiter, und als sie durch Intrigen der Konkurrenz aus dem Geschäft gedrängt wurde, verlegte sie sich aufs Klöppeln und beschäftigte zeitweilig 900 Bortenwirkerinnen.
Von Barbara Uthmanns Leben erzählt eine Dauerausstellung im Erzgebirgsmuseum in der Großen Kirchgasse, in dem außerdem die Geschichte Annabergs mit Objekten der Zinngießer, Töpfer, Klöppler und Schnitzer lebendig gemacht wird. Im Hof des Museums ist der Zugang zum Silberbergwerk „Im Gößner“, in dem man viel über den Silberabbau früherer Zeiten lernen kann.

Kirche St. Annen

Genau gegenüber steht eine der bedeutendsten spätgotischen Hallenkirchen Deutschlands: St. Annen, erbaut 1499 bis 1525. Die reichhaltigen Silberfunde machten den Bau damals möglich. Gewidmet haben die Annaberger ihre Kirche, die erst katholisch war und seit 1539 evangelisch-lutherisch ist, der heiligen Anna, die angeblich die Großmutter Jesu gewesen ist.
Falls Sie jetzt Hunger haben, gibt es genau gegenüber die Gaststätte „Zum Türmer“  mit einem Biergarten und deftigen Spezialitäten: Schweinshaxe mit Schwarzbiersosse oder Sülze mit Bratkartoffeln und Remouladensoße.
Falls Sie noch die Kraft haben, gehen Sie zurück zum Marktplatz und gleich links in die Buchholzer Straße zum Erlebnismuseum „Manufaktur der Träume“ , in der handgemachtes, typisch erzgebirgisches Spielzeug gezeigt wird – zum Anschauen, Anfassen, Ausprobieren und Bewundern. Ein herrliches Erlebnis nicht nur für Kinder. Zum Schluß müssen Sie unbedingt noch auf die Dachterrasse steigen, denn von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt und die Berge ringsum.
Und jetzt? Bevor Sie die hübsche Stadt verlassen, sollten Sie sich im Hotel „Wilder Mann“ am Markt 13, im Restaurant Silberbaum ein regionales Schmankerl gönnen: sächsische Quarkkeulchen mit Apfelmus und Sahne. Leckerer geht kaum.
Fotos: Tourismus Erzgebirge

 

„Kommt jemand mit rassistischen Sprüchen, darf man nicht denken: Ach, mit Onkel Theo können wir nicht reden. Sondern gerade mit Onkel Theo! Das sind die Momente, in denen man sich entscheiden muss. Am gefährlichsten ist Gleichgültigkeit.“

 

Der Schriftsteller Volker Kutscher, Autor der Roman-Vorlagen zur TV-Serie „Babylon Berlin“, in Chrismon 1/21 zu „Fragen an das Leben“. Foto: wikipedia

 

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehrals 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Und natürlich hat er sich auch für 2021 einiges einfallen lassen.

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www.peter-butschkow.de

 

 

Kulturhotel Fürst Pückler Park, Bad Muskau 

Für Besucher des wunderschönen Fürst Pückler Parks in Bad Muskau ist der Standort des Hotels ideal. Vom Marktplatz sind es nur wenige Schritte zum Schloss und zum riesigen Parkgelände. Die Zimmer sind fürstlich eingerichtet und sehr ruhig, im Restaurant serviert man regionale Spezialitäten. Und das Museum im Schloss muss man gesehen haben! DZ ab ca 105 Euro.
Foto:  Kulturhotel Fürst Pückler

 

Stil: Danksagung

Was da alles drinsteckt, in dem schlichten Wort „Geschenk“. Natürlich Geburtstags-, Weihnachts- und Hochzeitsgeschenke, die man gibt oder bekommt, mit denen man sich auch manchmal selbst beschenkt. Nebenher wird dem einen oder anderen auch mal einer eingeschenkt und viel ausgeschenkt. Das, was man verschenkt, sind Gaben, gelegentlich sogar Zugaben, für die man sich ohne Begabung dann verausgaben muss, will man Präsente mit Hingabe und ohne Angabe machen.
Sie sehen schon, in dem Thema steckt unendlich viel. Und das hat die Autorin Susanne Kippenberger, Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel, für ihr neues Buch detailversessen zusammengetragen. Auf über 250 Seiten erzählt sie ebenso lustvoll wie charmant von gelungenen, überraschenden, auch verstörenden Geschenken und wie man sie macht oder besser nicht; dabei beschäftigt sie sich auch mit Gastgeschenken, Goodybags, dem Euro für den Obdachlosen, Organspenden und Erbschaften. Und weil die Autorin selbst leidenschaftliche Schenkerin und Verpackerin ist, kann sie selbstironisch und humorvoll Familiengeheimnisse (siehe auch unser Ausstellungstipp unten) und Erlebnisse von und mit Freunden, Verwandten, Nachbarn und Kollegen preisgeben. Ein wundervolles Buch, nach dessen Lektüre man sich wirklich großzügig beschenkt fühlt!
Susanne Kippenberger: Die Kunst der Großzügigkeit. , 255 S., 24 Euro, Hanser Foto: Hanser
 

 

 

Reise: Royal wandern

Als Corona noch kein Thema war, erfüllte sich die schwedische Kronprinzessin Victoria einen Herzenswunsch und wanderte innerhalb von zwei Jahren durch alle 25 Provinzen ihres Heimatlandes. Mit dabei waren der Journalist Johan Erséus und verschiedene Fotografen, und so entstand ein prächtiger Band mit vielen großformatigen Bildern und interessanten Geschichten über Land und Leute, der sofort Lust macht, Victoria zu folgen und die herrlichen Landschaften, die üppige Natur und die abwechslungsreichen Ortschaften selbst zu erleben.

Johan Erséus: Schweden entdecken mit Kronprinzessin Victoria 320 S., Gerstenberg 40 Euro Foto: Gerstenberg

 


 

Fotos: Wasser auf allen Wegen

Der Titel ist eine Mogelpackung: Höchstens die Hälfte der hier versammelten Aufnahmen zeigen Brücken; erst der Untertitel verrät, worum es hier wirklich geht, um „Berliner Wasserwege in historischen Fotografien“. Und die lohnen das Anschauen durchaus. Durchweg in Schwarzweiß aufgenommen, belegen die 140 Bilder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die erste Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wie viele Flüsse, Seen und andere Gewässer die deutsche Hauptstadt hat. Das ergibt eine höchst abwechslungsreiche Mischung, die von Badefreuden im Wannsee über Prachtbauten an der Spree bis zu grauen Industrieanlagen an scheußlichen Kanälen reicht.

Boris von Brauchitsch (Hg.): Über tausend Brücken. 128 S. Edition Braus. 24,95 Euro Foto: Braus

 

Alles grün!: „Einfach grün – greening the city“ heißt eine Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt bis zum 11. Juli, zur Zeit natürlich nur online: https://dam-online.de. Für eine interaktive Karte nach der man dann alle Begrünungen finden kann, fordert das Museum auf, eigene Projekte einzureichen. Also Fassaden-Begrünungen, Wälder auf Dächern, Gemüsebeete in Hinterhöfen, Anmeldung unter www.einfach-gruen.jetzt

Die Maus ohne Namen

Barberini: Das Museum in Potsdam verlegt seine lang angekündigte Ausstellung „Impressionismus in Russland“ in den Herbst: Sie soll nun vom 28.8.2021 bis zum 9.1.2022 stattfinden, und das Museum ist „hocherfreut“, dass die Abstimmung mit der staatlichen Galerie Tretjakow in Moskau und dem Museum Frieder Burda in Baden Baden geklappt hat.
Geburtstag: Seit Sonntag, dem 7. März 1971, geht die „Sendung mit der Maus mit Lach- und Sachgeschichten“ auf Sendung. Mittlerweile hat die alters-, namen- und sprachlose, orangefarbene Maus eine eigene website  – dort auch auf Englisch, Französisch, Arabisch, Kurdisch und Dari-Pakistanisch. Ihren 50. Geburtstag feiert die Maus mit einer Sondersendung aus allen Lieblings-Mausgeschichten der Zuschauer. Mitmachen kann man noch bis 7. Februar. Foto: wdr

diesmal: Das Bauhaus Museum Dessau
 

Was lange fehlte, gibt es jetzt gleich zweimal: In Weimar wurde 2019 und in Dessau 2020 ein Bauhaus-Museum eröffnet. Vor allem der zweite Bau ist sehenswert. Nach einem internationalen Architektur-Wettbewerb in Dessau mit 831 Teilnehmern, errichtete das Büro „addenda architects“ aus Barcelona ab 2015 seinen prämierten Entwurf. Mitten in der Stadt steht nun ein glitzernder Kubus ganz aus Glas, auf der einen Seite spiegeln sich Häuser, auf der anderen ein Park, das Museum bildet so eine Verbindung zwischen Natur und Stadt.
Der Kubus ist 105 m lang, 25 m breit und 12 m hoch, umschlossen von 571 dreifachverglasten Scheiben. Innen steht ein etwas kleinerer, schwarzer Kubus auf Ständern, genannt „die Blackbox“, als Ausstellungsraum im ersten Stock ohne Fenster. Hier werden auf 2100 qm ausgewählte Stücke der Sammlung der Stiftung Bauhaus gezeigt, die im Ganzen aus 50 000 Exponaten besteht.
Im Parterre gibt es neben den Ticketschaltern, Cafe und Shop eine Fläche für Wechselausstellungen und eine Bühne für Konzerte, Lesungen, Aufführungen und Diskussionen. Denn, sagt der Architekt Roberto Gonzalez vom Büro addenda architects, „Aktivität ist das Herz des Bauhauses.“
Foto: Bauhaus Museum Dessau

Nido : „Culla“, ist eine Wiege auf einem Massivholz- unter einem Stahlrohrgestell, bezogen mit einem feinen Strickgewebe aus Hightech-Material. Für ihre „moderne Ästhetik“, ihren „sozialen Nutzen“ und ihre Nachhaltigkeit ( so die Jury) bekam Culla gerade den Designpreis „Iconic Award 2021“ verliehen.
Hansen : Ganz einfach „NO 2“ hat das japanische Designstudio Nendo, gegründet von Oki Sato, seinen Recycle-Stuhl für den dänischen Hersteller genannt, der aus mitteleuropäischen Kunststoff-Haushaltsabfällen produziert wird und jetzt das Ecolabel der EU verliehen bekam. Fotos: Hersteller

Culla

NO 2

Museum Folkwang und Villa Hügel, Essen, geplant 7.2. bis 2. Mai
2X Kippenberger

Er gilt als einer der wichtigsten Künstler des späten 20. Jahrhunderts: Martin Kippenberger (1953 bis 1997) aufgewachsen in Essen mit vier Schwestern (siehe auch Buchtipp oben) wurde schon früh von seiner kunstinteressierten Familie inspiriert und an Literatur herangeführt. Seine Arbeiten umfassen Gemälde und Skulpturen, Zeichnungen und Fotos, Plakate, Installationen und Bücher. Eine seiner wichtigsten, selten gezeigten Arbeiten ist die Installation „The Happy End of Franz Kafkas „Amerika“, einem dreidimensionalen Bild, bestehend aus 50 Tisch-Stuhl Ensembles, arrangiert wie ein Großraumbüro. Im Museum Folkwang wird das Werk, an dem Kippenberger drei Jahre gearbeitet hat, jetzt eins zu eins wieder aufgebaut.
Gleichzeitig zeigt die Villa Hügel etwa 120 Bücher und 140 Plakate des Künstlers unter dem Titel „Vergessene Einrichtungsprobleme“ , unter dem schon 1996 eine Ausstellung in der Villa Merkel in Esslingen zu sehen war.

Foto: Martin Kippenberger, 1994
Wubbo de Jong / MAI (Maria Austria Institut)

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                      

                                       Für einen Sack Kartoffeln  

Als Viktor Orbán 2010 Ungarns Ministerpräsident wurde, verkündete er in einer seiner ersten Reden, er wolle in seinem Land eine neue Mittelklasse erschaffen. Ich hatte schon damals ein unangenehmes Gefühl, als ich das im Radio hörte, denn ich hegte den Verdacht: Meinte er nicht vielleicht erkaufen oder schlicht kaufen?

Der erste (untaugliche) Versuch geschah recht bald. Orbán reiste zu meinen Freunden nach Innsbruck, wo das Land Tirol einen Verein und ein Studentenheim für ungarische Studenten finanziert. Den jeweiligen Vorsitzenden des Vereins wählen die Mitglieder.
Orbán allerdings empfahl einen Mann für den Posten, den er auch mitgebracht und wortreich vorgestellt hatte. Anschließend teilte er den versammelten Mitgliedern mit, dass im Fall seiner Wahl der Verein nie unter Geldmangel leiden werde.
Die Studentinnen und Studenten haben den Mann trotzdem nicht gewählt. So gab es auch kein Geld und keine weiteren Besuche Orbáns bei den Landsleuten in Innsbruck.

Mit der Zeit hat er seinen Kauf-Stil allerdings verbessert, und zwar so: EU-finanzierte Bauaufträge bekamen ohne Ausschreibungen Mitglieder seiner erweiterten Familie. Städte und Gemeinden mit einem Bürgermeister seiner Partei bekamen finanzielle Zuwendungen. So fühlten sich immer mehr, immer reichere Menschen zu ihm hingezogen.    

Dann kam die Idee zur Unterstützung der breiteren Mittelklasse: Für Wohnungs- und Hausbesitzer gab und gibt es für Modernisierung oder Renovierung Darlehen mit verlockend niedrigen Zinsen. Das ist natürlich nett! Schlecht bloß für Menschen, die keine Wohnung und kein Haus haben.

Schließlich kamen die kleinen Unternehmer dran: Orbán hat 2020 per Gesetz die Steuern für kleine und mittlere Betriebe, wie meinen Gemüsehändler in Budapest, halbiert. Das ist aber nun wirklich nett! Obendrein hat er in  Städten wie Budapest die Parkgebühren gestrichen.

Um freilich die unermessliche Güte richtig ermessen zu können, ist es gut zu wissen, dass diese Steuern den Städten und Gemeinden zustehen. Eigentlich und gesetzmäßig. Und so hat Orbán denn auch den Gemeinden mit Bürgermeistern, die seiner Partei zugehören, den entstandenen Verlust ausgeglichen.  
 
Schließlich gibt es noch die Hilfe ganz unten, zumal bei den Parlamentswahlen. Da nur wenige Roma einen Professoren- oder auch nur Doktor-Titel haben und einige angeblich weder schreiben noch denken können, brauchen sie einen Helfer in der Wahlkabine, damit sie das Kreuz an der richtigen Stelle setzen. Dafür wurden sie bei der letzten Parlamentswahl mit staatlicher Hilfe zu den Wahlbüros gefahren und bekamen nach dem Akt einen großen Sack Kartoffeln.
Als allerdings ein oppositioneller Abgeordneter einen ähnlich großen Sack voller Kartoffeln im Plenarsaal dem Parlaments-Präsidenten schenken wollte, bekam er eine recht hohe Geldstrafe – wegen Beleidigung des Hohen Hauses. Vermutlich mag der Parlaments-Präsident keine Kartoffeln.
Anders die minderbemittelten Roma. Für einen Sack Kartoffeln wählen sie bestimmt gern wieder den Richtigen.         
Immerhin: Die Oppositionsparteien haben sich für die Parlamentswahl 2022 zusammengerauft – gemeinsam gegen Orbáns Fidesz. Und es gibt gegen die staatliche Übermacht bei Radios, Fernsehen und Plakatwerbung immer mehr unabhängige Internet-Medien, die von den Hörern und Zuschauern am Leben erhalten werden.
Auf ein gutes Gelingen!   Fotos: privat/www.kartoffelsack.de
 

Man ist sich nicht sicher, woher der Name Zwickau kommt. Entweder leitet er sich aus dem sorbischen Begriff „Swikawa“ ab, der wiederum angelehnt ist an den Namen Svarozic, den slawischen Gott der Sonne und des Feuers, denn am Fluss Mulde, an dem Zwickau liegt, gibt es auch heute noch Steinkohleflöze. Die andere Theorie geht auf eine Schrift von 1650 zurück, in der das Gebiet an der Mulde als „Schwanenfeld“ bezeichnet wurde, lateinisch „Cygnau“ (Cygnus = Schwan), als Beweis wird das Stadtwappen angeführt, in dem schon seit 1560 Schwäne zu sehen sind.

der Brunen „spielende Kinder“

Das Stadtwappen kann man sich unter anderem im Museum „Priesterhäuser“ am Domhof anschauen. Das älteste der Priesterhäuser stammt von 1264, das gesamte Ensemble wurde 1466 fertiggestellt. Wie die Geistlichen und ihre Familien, Lehrer und Kirchenmitarbeiter dort damals lebten, wird im Museum sehr anschaulich gezeigt: Rußküchen, Sitzsteine und Kielbogentüren sind noch im Original erhalten. Außerdem zeigt das Museum Exponate aus 600 Jahren Stadtgeschichte.
Gegenüber steht der Dom oder besser St. Marien, erbaut 1180, zur gotischen Hallenkirche umgebaut 1453 und 1563. Der 87m hohe Kirchturm ist 1672 im Barockstil gestaltet worden. Sehenswert sind eine Piéta von 1502, der spätgotische Hochaltar von 1479 und die Kanzel von 1538.
Gleich um die Ecke in der Münzstraße/Ecke Hauptmarkt steht schon das nächste interessante Museum: Das Robert Schumann Haus Zwickau, in dem der Komponist 1810 geboren wurde (er starb 1856 in einer Heilanstalt in Bonn) und das ihm und seiner Frau, der Pianistin und Komponistin Clara Schumann (1819 bis 1896) seit 1956 gewidmet ist. Neben Ausstellungsräumen gibt es einen Konzertsaal und eine Kinder-Musikschule. August Schumann, der Vater des Komponisten, gilt als Erfinder des Taschenbuchs und betrieb hier im Haus eine Verlagsbuchhandlung, etliche seiner Bücher kann man heute noch in dem Gebäude finden.

Das Rathaus

Gegenüber steht das „Hotel und Gasthaus zur alten Münze“, dessen Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert stammen. Bei der liebevollen Restaurierung im Jahre 2010 fand man eine historische Holzdecke, Wandsäulen aus der Renaissance und entdeckte ein „Steinhus“, das im Mittelalter als Münze diente. Hinter dem alten Gebäude mit einer Fassadengestaltung von 1926 steht jetzt ein hochmodernes Hotel mit eleganten Zimmern, die Gaststube ist im Stil der Zwanziger Jahre eingerichtet.

das Gewandhaus

Am Hauptmarkt um die Ecke befindet sich das imposante Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, mit einer 1866 im neogotischen Stil erneuerten Fassade. 1522 soll Martin Luther aus einem der Fenster vor 10 000 Zuhörern gepredigt haben.
Gleich daneben sieht man ein wunderschönes Gebäude mit spätgotischer Giebelfassade. Es wurde von 1522 bis 1525 gebaut und diente als Zunfthaus der Tuchmacherinnung. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gewandhaus zum Theater für Oper, Ballett, Schauspiel und Konzerte, 1847spielte hier Clara Schumann das hochgerühmte Klavierkonzert op. 54 ihres Mannes.

Vor dem Theater hat man 1968 zur 850-Jahr-Feier der Stadt den Brunnen „Spielende Kinder“ des Bildhauer Berthold Dietzs aufgestellt.
Am Hauptmarkt finden Sie übrigens mehrere Cafés und Restaurants, wo Sie sich jetzt niederlassen und dem Treiben der Einheimischen zuschauen können.
Fotos: CO