Prof. Christian Drosten

„Corona beweist: Du kannst Dich Jahrzehnte mit universitärer Forschung zum Thema beschäftigen, hast nen Professor Doktor erarbeitet und bist mit globaler Wissenschaft vernetzt, um gut Bescheid zu wissen, aber Karl-Günther aus Bottrop klickt 30 Sekunden durch Facebook und weiß es besser.“

Aus der Rede zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Professor Dr. Christian Drosten, zitiert auf der Website www.haeft.de
Foto: Bundespresseamt

Neue Kalender 2021

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehrals 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Und natürlich hat er sich auch für 2021 einiges einfallen lassen.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig
www.peter-butschkow.de

Landgasthof Jüterbog

Ausspannen in Jüterbog

Wer Ruhe sucht, ist hier gut aufgehoben: Im Landgasthof gibt es schlichte Zimmer, ein sehr gutes Restaurant und eine gemütliche Terrasse im Innenhof. Der dazu gehörende Reiterhof bietet Schulpferde und Kutschfahrten, Leihräder und Skates können gemietet werden, und im Streichelzoo freut sich nicht nur Ziege Berta auf liebevolle Hände. Und drumherum kann man viel Natur genießen und mittelalterliche Orte entdecken. DZ ab ca 85 Euro. Foto:  Landgasthof Jüterbog

Stil: Afro Hairstyle

Die Haare dunkelhäutiger Menschen sind anders als die von weißen, aber bei jedem Individuum, ganz gleich welcher Hautfarbe, gehören sie eng zur Identität dazu.
So konnte man im 15. Jahrhundert in Afrika an den oft kunstvollen Frisuren auch vieler Männer die hierarchische Stellung erkennen.
In der Zeit der Sklaverei nutzte man Frisuren auch, um Botschaften an andere zu übermitteln, sogar Karten für Fluchtwege sollen damals in Frisuren eingekämmt gewesen sein. Nach dem Ende der Sklaverei mühten sich Schwarze oft, sich an die weiße Gesellschaft anzupassen, indem sie sich ihre Haare mit Chemikalien oder durch Bügeln glätten ließen. Das Selbstverständnis der „People of Colour“ brachte im letzten Jahrhundert das „Natural Hair Movement“ hervor, der natürliche „Afro“ wurde sogar zu einem politischen Statement,
und heute tragen die meisten Farbigen stolz ihre Haare so wie sie gewachsen sind.
Zu diesem ebenso wichtigen wie spannenden Thema ist Ende 2021 eine große Ausstellung in Kent, Ohio, geplant, und der zugehörige Katalog ist auf Englisch jetzt erschienen. Neben vielen Fotos, Gemälden und Zeichnungen von Frisuren, Kämmen, Plakaten und Skulpturen, Glättungsmitteln und Brennscheren gibt es aufklärende, beeindruckende Essays zur Geschichte der Schwarzen und ihrer Haare.

Text auf Englisch

Tameka Ellington: Textures. The History and Art of Black Hair, 200 S., 150 Abb., 39,90 Euro, Hirmer
Foto: Hirmer
 


Design: Colani, der Überraschende

Wenn das nicht eine steile These ist: Das Werk des exzentrischen Designers Luigi Colani (1928 bis 2019) wird im Berliner Bröhan Museum www.broehan-museum.de  dem Jugendstil gegenüber gestellt; dazu ist dieser informative Katalog erschienen.
Mit seinen skulpturalen, futuristischen Formen, die allerdings meist industriell gefertigt werden konnten, wollte Colani dem Postulat der schlichten Formen der „Form follows function“ – Ära etwas entgegen setzen. „Wie im Jugendstil, als angewandte Künstler, Bildhauer und Designer gegen industrielle Massenware revoltierten, müssen auch wir einen neuen Jugendstil entwickeln,“ meinte Colani.
Und in der Tat, besonders in seinen erotischen Porzellan-Skulpturen und seinen Sitzmöbeln entdeckt man die Vorbilder aus dem Jugendstil.
Die Ausstellung soll noch bis Ende Mai gezeigt werden, ist aber natürlich zur Zeit geschlossen.

Tobias Hoffmann (Hrsg.): Luigi Colani und der Jugendstil 152S. Wienand 29,80 Euro Foto: Wienand
 

Wildvogelrestaurant: Ein Startup, gegründet von Schülern aus Otterndorf, Kiel und Hamburg, bietet nachhaltiges, in der Region angebautes Futter für Wildvögel zum Bestellen an. Und das so erfolgreich, dass immer mehr Schulen in verschiedenen Bundesländern mitmachen. Das Ziel ist, Landwirten einen profitablen und naturschutzfreundlichen Anbau verschiedener Sämereien zu ermöglichen und gleichzeitig das Überleben von Wildvögeln zu sichern.

Pantone-Farben 2021: Die Trendfarben des Jahres heißen „Illuminating“ – ein sonniger Gelbton – und „Ultimate Gray“ – ein zarter Grauton. Sie sollen Wärme und Energie, bzw. Stabilität und Widerstandskraft symbolisieren, also genau das, was wir uns alle für das neue Jahr wünschen.

Ab 20. Januar: Das Hamburger Thalia Theater veranstaltet auch in diesem Jahr seine Lessingtage, diesmal aber nur digital. Dazu hat das Thalia andere Theater, die ebenfalls zum Theaternetzwerk Mitos gehören, um ihre Produktionen gebeten. Und die werden unter dem Titel „Stories from Europe“ auf  der Website in voller Länge gezeigt: www.thalia-theater.de/programm/festivals

Fondation Beyeler, Riehen/Basel, bis 16. Mai 2021
Rodin/Arp
Achtung: Bis 22. Januar ist das Museum geschlossen

Gipsfigur von Rodin

Arp: Blumenakt

Der französische Bildhauer Francois-Auguste-René Rodin (1840 bis 1917) und der deutsch-französische Maler und Bildhauer Hans Peter Wilhelm – genannt Jean – Arp (1886 bis 1966) haben sich persönlich nie getroffen, aber Arp hat Rodins Werk gut gekannt und seine Formen weiter entwickelt. In Basel hat man jetzt 110 Skulpturen beider Künstler aus internationalen Museen und Privatsammlungen zusammen getragen und sie einander gegenüber gestellt. Entstanden ist ein spannender Dialog von unterschiedlichen Materialien und ebenso divergierender Formen.

Arp Blumenakt: Marmor (Santelli/Malakoff, mit Tarabella [?],1957/58), 94 x 22 x 23 cm, Centre national des arts plastiques, Frankreich
Depositum im Musée d’Art moderne et contemporain, Strassburg Inv. FNAC 9740
© 2020, ProLitteris, Zürich Foto: Photo Musées de Strasbourg, M. Bertola

Foto: Rodin: Gips, 54 x 26,7 x 20 cm, Musée Rodin, Paris, Inv. S.00680
Foto: © musée Rodin (photo Christian Baraja)

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                       Nachrichten aus dem Tollhaus und Europa   

Als Schulkinder haben wir uns köstlich über eine Kurzgeschichte amüsiert, in der ein findiger Schüler sein schlechtes Zeugnis wortreich und einfallsreich den Eltern erklärt.

Schnitt in die Gegenwart und zu Viktor Orbán: Nachdem er sein Veto gegen den EU-Haushalt für sich behalten hatte, verkündete die staatliche Presse in Ungarn, Orbán habe Europa vor sich selbst gerettet. Ein Held, zweifellos!

Nach einer neuen Umfrage möchten 74 % der Ungarn in der EU bleiben. Alle Umfragen bisher zeigten über 70 %, waren aber noch nie so hoch.

Mehr als hunderttausend Menschen haben in Ungarn (9,773 Millionen Einwohner) durch Corona ihre Arbeit verloren und bekommen keine staatliche Hilfe. Die Obdachlosenheime sind überfüllt. Aber immerhin: Durch die nächtliche Ausgangssperre, zwischen 20 und 6 Uhr, können die Betroffenen von Rowdies unbehelligt in den Parks schlafen.

Das vom Verbot bedrohte oppositionelle Klubradio verkauft inzwischen unter anderem Plüschtiere zum Überleben.

Die Kathedrale von Vac

Ungarns oberste Richter sind die echten Helden. Sie haben bereits 19 Urteile gegen ungarische Politiker gefällt, weil diese staatliche Entscheidungen nicht begründet haben. Etwa: Warum unbedingt eine neue Sportarena gebaut werden muss und ein Super-Luxushotel an einem umwelt-geschützten See im Städtchen Vác.

Eine neue Grundgesetzänderung gab es vor wenigen Tagen: Es ist festzustellen, dass ein Vater immer ein Mann ist und eine Mutter immer eine Frau. Genial! Oder?

Das statistische Amt in Budapest, bzw. die dortigen Angestellten können offenbar nicht richtig zählen: Sie haben mehr an Corona Erkrankte gezählt als die staatlichen Zähler. Wie konnte das passieren?  

In Ungarn gibt es (immer noch) kein Gesundheitsministerium. Zuständig ist der Innenminister. Die Krankenhäuser leiten hochrangige Militärs. Nicht wirklich lustig. Oder?

Deutsch Tamás, Orban-Vertrauter, Europa-Parlamentarier und Mitglied der Europäischen Volkspartei, darf wegen eines diffamierenden Gestapo-Vergleichs keine seiner Rechte in der EVP wahrnehmen – etwa reden. Das ist ja wohl das Mindeste!    
Fotos: privat/urlaub-ungarn.hu

Die meisten Touristen kommen natürlich in die thüringische Stadt wegen der Wartburg, diesem imposanten Bauwerk hoch auf einem Berg, für das das Wort „trutzig“ erfunden worden zu sein scheint. Aber auch unten gibt es viel zu sehen. Wenn Sie vom Hauptbahnhof  in die Stadt gehen, kommen Sie am Karlsplatz am Lutherdenkmal vorbei, das hier seit 1895 steht und daran erinnert, dass der Reformator von 1498 bis 1501 als Schüler in Eisenach und von 1521 bis 1522 als Junker Jörg auf der Wartburg lebte.
Gehen Sie jetzt die Karlstraße entlang bis zum Marktplatz mit der Georgenkirche vom Ende des 11. Jahrhunderts. Hier predigte Luther – nach dem Wormser Edikt bereits auf der Flucht – am 2. Mai 1521, Johann Sebastian Bach wurde hier 1685 getauft und von 1708 bis 1712 musizierte hier Georg Philipp Telemann.

Das Stadtschloss

Gegenüber vom Gotteshaus steht das Stadtschloss von 1750, in dem seit 1931 das Thüringer Museum untergebracht ist. Außerdem befindet sich dort das Tourismusbüro, in dem man einen kleinen Stadtplan von Eisenach bereit hält.
An der Südseite des Marktplatzes steht das Creutznacher Haus , ein wunderschönes Fachwerkhaus, das der Kaufmann Conrad Creutznacher von 1507 bis 1539 bauen ließ. Nach einer aufwändigen Sanierung von 2002 bis 2005 sind heute Wohnungen und ein Veranstaltungssaal darin.
Ein paar Schritte weiter steht das Lutherhaus, ein ebenfalls schön saniertes Fachwerkhaus, in dem Luther als Schüler von 1498 bis 1501 bei der Familie Cotta gelebt haben soll. Das heutige Museum zeigt eine viel gelobte Dauerausstellung zum Thema „Luther und die Bibel“.

Das Bachhaus

Gehen Sie jetzt die Lutherstraße entlang bis zum Frauenplan, dort steht das Bachhaus und ein Bachdenkmal, denn Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach geboren und erhielt hier seine erste musikalische Ausbildung. Das Bachhaus widmet sich ganz den Lebensstationen des Komponisten und Musikers, ergänzt durch historische Wohnräume und eine Sammlung von etwa 400 Musikinstrumenten.
Wenn Sie jetzt den Frauenberg entlang spazieren, können Sie am Johannisplatz das „Schmale Haus“, auch genannt das „Handtuch“, anschauen. Es ist 2,05 m breit, hat eine Grundfläche von 20 qm und nur zwei Etagen, auf denen heute eine kleine Bildergalerie von der Geschichte des vermutlich im 18. Jahrhundert erbauten Hauses erzählt.
Nun aber hinauf zur Wartburg! Entweder Sie fahren mit dem Auto die gewundene Wartburgallee hinauf oder Sie nehmen den Luthererlebenispfad, der am Predigerplatz beginnt und bis zur Eselstation 950 Meter zum Teil steil hinauf führt. Unterwegs gibt es auf großen Schautafeln Szenen aus

Die Wartburg

Luthers Leben, oft in Beziehung gesetzt zum Weltgeschehen, etwa der Verbreitung des Buchdrucks oder der Entdeckung Amerikas. An der Eselstation standen bisher gut ein Dutzend Tiere bereit, um Kinder den Rest des Wegs zur Burg hinauf zu tragen. Zur Zeit ist der Betrieb eingestellt, und auch die Wartburg ist geschlossen. Mehr dazu: www.wartburg.de
Aber wenn es dann wieder geht, muss man unbedingt hin, denn die Wartburg ist pure tausendjährige Geschichte. Gegründet 1067, und im Hauptteil, dem Palas, im 12. Jahrhundert erbaut, war die Wartburg stets ein Ort der Künste. Im Mittelalter mit Liedern Walthers von der Vogelweide und Dichtungen Wolframs von Eschenbach; dem Sängerkrieg auf der Wartburg im 13. Jahrhundert widmete Richard Wagner seine Oper „Tannhäuser“. Die Heilige Elisabeth von Thüringen, der viele Wunder nachgesagt werden, lebte auf der Wartburg, und Martin Luther übersetzte hier die Bibel aus dem Griechischen ins Deutsche (der Fleck seines Tintenfasswurfes ist übrigens nicht mehr zu sehen). 1817 feierten Studenten ihr berühmtes Wartburgfest, um ihren Willen zu einem freien deutschen Nationalstaat zu dokumentieren.
Auch heute gibt es auf der Burg Feste, Konzerte und Theateraufführungen, in der Gemäldesammlung kann der Besucher Werke von Lucas Cranach d.Ä. entdecken.
Wer nach so viel Kultur hungrig ist, bekommt hier oben selbstverständlich auch was zu essen und zu trinken, zum Beispiel echte Thüringer Klöße und hausgemachte Thüringer Bratwurst,. Und im Museumsshop kann man sich die Wartburg zum Mitnehmen kaufen: als Puzzle, Regenschirm oder im Gestöber einer Schneekugel – mit Esel.

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“

 

Albert Schweitzer, 1875 bis 1965, Arzt, Philosoph, Organist, Theologe, wurde als Urwaldarzt bekannt, denn er gründete 1913 ein Krankenhaus in Labaréné, Gabun. 1952 bekam er den Fridensnobelpreis. Zitiert auf www.studienscheiss.de
Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehrals 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Und natürlich hat er sich auch für 2021 einiges einfallen lassen.

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www.butschkow.de

 

NH Hotel, Bingen

Freuen Sie sich schon mal drauf: Vor den Fenstern plätschert der Rhein vorbei, im Fluß steht in Sichtweite der berühmte Mäuseturm, am anderen Ufer erhebt sich ganz oben auf dem Weinberg das Niederwalddenkmal, und ein Stück weiter ist Rüdesheim zu erkennen. Was für eine Lage!
Das NH Hotel in Bingen bietet alles, was man so braucht, gemütliche Zimmer mit Tee- und Kaffeekocher, Safe und WLan, Flachbildschirm und Minibar, gut ausgestattetem Bad, Spa und gesundem Frühstück. Am Abend findet man wenige Schritte entfernt einige Lokale mit schönen Terrassen, die hoffentlich bald wieder geöffnet sind. DZ ab ca 60 Euro. Foto: NH

Kunst: Kultbild mit Vergangenheit

Ein passenderes Weihnachtsbuch für Freunde alter Kunst könnte es kaum geben: Kein anderes Bildthema hat die Künstler der italienischen Renaissance so fasziniert wie die „Madonna mit Kind“. Bekanntestes Beispiel: die „Sixtinische Madonna“ von Raffael – heute kostbarer Schatz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Die widmen nun, zum 500. Todestag des Meisters, der Geschichte dieses Kunstwerks eine Ausstellung im frisch renovierten Semperbau am Zwinger – und das Begleitbuch dokumentiert die spektakuläre Karriere des Bildes: Raffaels Madonna wurde zum Inbegriff von Schönheit, und die beiden Puttenfiguren am unteren Bildrand tauchten als „Raffaels Engel“ millionenfach in der Werbung oder als Weihnachtsmotiv auf. Neben den anderen Madonnenbildern von einem der größten Maler der Kunstgeschichte sind in dem schönen Band auch Mariendarstellungen von berühmten Zeitgenossen wie Botticelli zu sehen. Ab 8. Dezember ist der Katalog im Buchhandel, selbst wenn die Ausstellung wegen Corona-Beschränkungen verschoben werden sollte. UvS.

Stephan Koja (Hrsg.): Raffael und die Madonna. Hirmer Verlag. 152 S., zahlr. Abb., 29,90 Euro. Foto: Hirmer

 

Foto: Zeitreise

Das 20. Jahrhundert, das später das „Amerikanische“ genannt werden sollte, hatte noch nicht begonnen, da startete die Detroit Photochrom Company ein kühnes Unternehmen. Sie beschloss, mithilfe des kurz zuvor entwickelten Photochromverfahrens die USA erstmals per Farbfotografien zu erschließen und das Ergebnis auf Tausenden von Postkarten auf den Markt zu bringen. Bis in die 1920er Jahre dauerte diese Bestandsaufnahme, die bald auch größere Formate umfasste – und was für spektakuläre Aufnahmen dabei entstanden, ist in diesem gewaltigen Wälzer zu bewundern, den der Taschen-Verlag jetzt in gewohnter Opulenz veröffentlicht hat. Das üppige Format ist dem Thema durchaus angemessen, denn zwischen den Straßenschluchten von New York und San Francisco erstrecken sich knapp acht Millionen Quadratkilometer, die so ziemlich alles boten, was Natur und Mensch im Laufe der Zeit hervorgebracht hatten. Ob rauschende Flüsse oder riesige Seen, schroffe Gebirge oder endlose Wüsten, ob verlassene Goldgräberdörfer oder boomende Metropolen, elende Slums oder prächtige Herrenhäuser – die USA hatten alles. Und wir können es jetzt von neuem bestaunen – eine Zeitreise, bei der einem die Augen übergehen. PM

Marc Walter, Sabine Arqué: America 1900.588 S.,Taschen Verlag, 50 Euro. Foto: Taschen

 


 

Stil: Feines Futter

1400 Gäste lud der amerikanische Präsident Richard Nixon 1969 in ein Hotel zu einem Staatsbankett nach Los Angeles. Üblich waren eigentlich nicht mehr als 140 Gäste. Aber der erste Mann auf dem Mond war sicherlich ein richtig guter Anlass für ein so riesiges Dinner. Serviert wurden Lachs mit Flusskrebs und Kohlrabi, Filet mit Artischocken und Trüffel, und zum Dessert „Claire de Lune“ aus Baiser, Eiscreme und Fruchtsosse.

Ein bisschen frugaler ging es 22 Jahre vorher zu. Als Kronprinzessin Elisabeth am 20.November 1947 ihren Philip Mountbatten heiratete, wurden Seezunge, Rebhuhn und eine Eisbombe serviert. Die Hochzeitsgeschenke waren der Zeit angemessen eher praktisch: handgestrickte Bettsocken, eine Nähmaschine und 500 Kisten Dosenananas.
Die Autorin Anne Petersen hat für ihr Buch ganz besondere Essen gesammelt und erzählt von aufregenden Vorbereitungen, ungewöhnlichen Dekorationen und auch kleinen Missgeschicken. Sie beschreibt Hochzeitskleider (Grace Kelly) und rauschende Feste (Frida Kahlo), erzählt von friedlichen Weihnachtsessen in Kriegszeiten (Thomas Mann) und Ehen aus Staatsräson (Napoleon Bonaparte). Dazu stellt sie die Rezepte der servierten Menüs. Sehr amüsant!

Anne Petersen: Legendäre Dinner. Unvergessliche Rezepte berühmter Gastgeber, 224 S., 180 Abb., 36 Euro, Prestel. Foto: Prestel

 


 

Kunst: Ganz nah dran

Vor rund 500 Jahren unternahm Albrecht Dürer eine Reise in die Niederlande, die zu einem Höhepunkt seines künstlerischen Lebens wurde. Ob die dazu geplanten Ausstellungen in Aachen und London jetzt stattfinden, ist zwar wg. Corona ungewiss – die Buchprojekte zum Jubiläum werden jedoch erscheinen, darunter diese opulente Publikation des Renaissance-Spezialisten Till-Holger Borchert, Chef der Städtischen Museen von Brügge.

Er lädt den Leser ein, Dürers Kunst – ob in Malerei, Zeichnung, Kupferstich oder Holzschnitt – im Detail in Augenschein zu nehmen: gerade bei dem Meister aus Nürnberg (1471–1528) ein sehr lohnendes Unterfangen. Kaum ein Künstler vor oder nach ihm hat je so detailversessen und wirklichkeitsgetreu gearbeitet; seien es die Fellhaare des vertrauten „Feldhasen“ (1502), die Grashalme aus dem „Großen Rasenstück“ (1503) oder die Locken der „Jungen Venezianerin“ (1505) – der Leser kann die Feinheiten nahezu in Originalgröße betrachten und zudem in ganzseitigen Detailaufnahmen studieren. Dazu kommen kenntnisreiche und dennoch gut verständliche Texte zu Werkphasen und Stilentwicklungen.

Die Aura eines Originals bleibt immer unerreicht, aber gerade bei Dürer ist ein Bildband in so überzeugender Druckqualität dann doch ein respektabler Ersatz – so nahe könnte man im Museum den Werken kaum kommen. UvS
Till-Holger Borchert: Dürer. Meisterwerke im Detail. Verlag Bernd Detsch. 288 S., ca. 200 Abb., 29,95 Euro. Foto: Verlag Bernd Detsch

 


 

Foto: Wahrzeichen

Das „Herz von Paris“ drohte stehenzubleiben, als am 15. April 2019 in der Kathedrale von Notre Dame ein Feuer ausbrach und innerhalb weniger Stunden weite Teile des gotischen Gotteshauses zerstörte. Anderthalb Jahre später versucht der Schirmer/Mosel-Verlag jetzt, in diesem Buch die Geschichte und Bedeutung des berühmten Wahrzeichens, das seit 1991 zum Weltkulturerbe gehört, nachzuzeichnen und zugleich zu dokumentieren, wie sich die Fotografie der Kirche angenommen hat. Das neue Medium kam gerade rechtzeitig, um Mitte des 19. Jahrhunderts die umfangreiche Restaurierung zu begleiten, die der Architekt Eugène Viollet-le-Duc damals durchführte; dass der Bau mit den zwei wuchtigen Türmen auch danach ein attraktives Motiv war, belegen Aufnahmen, die bis zu den Arbeiten von Thomas Struth reichen. Am Ende stehen Fotos vom Brand – sie beschließen nicht nur ein bemerkenswertes Stück Kulturgeschichte sondern auch eine respektvolle Hommage an eines der markantesten Bauwerke Europas. PM

Lothar Schirmer (Hrsg.): Notre Dame de Paris. Bilder einer Kathedrale. 176 S., 99 Tafeln. Schirmer/Mosel. 39,80 Euro. Foto: Schirmer/Mosel

 


 

Stil: Traute Heime

Ein Märchenschloss in der französischen Dordogne hatte es Josephine Baker, einst weltberühmt für ihre frivole Tanznummer mit einem Bananenrock, vor gut 80 Jahren angetan. 1938 zog sie in „Les Milandes“ ein, wenige Jahre später kaufte sie es. Und nach und nach wurde wurde das stattliche Anwesen mit seinen 24 Zimmern, mit Pool, drei Restaurants, einem Nachtclub, einer Bühne und einem Wachsfigurenkabinett für sie und ihre schließlich zwölf adoptierten Kinder aus aller Welt zu ihrem viel besuchten Lebensmittelpunkt, der bis heute besichtigt werden kann.
Das „Russenhaus“ der Malerin Gabriele Münter wiederum im bayrischen Murnau war ihr erst Paradies, in dem sie mit Wassily Kandinsky ihre Liebe lebte, dann wurde es zum Versteck, als der geliebte Mann sie verlassen hatte.
Anhand ihrer Häuser und Wohnungen erzählt die Autorin Gabriele Katz die Biografien von bekannten Künstlerinnen, darunter auch Eileen Gray, Virginia Woolf und Coco Chanel. Das ist detailliert recherchiert und locker aufgeschrieben. Nur ein paar mehr Bilder der Häuser innen und außen, gern auch farbig, hätten dem Büchlein sehr gut getan.

Gabriele Katz: Künstlerinnen und ihre Häuser. 145 S., 99 Tafeln. Ebersbach & Simon. 18 Euro.
Foto: Ebersbach & Simon

 


 

Foto: Sichtweise

Kleiner Tipp vorweg: Ersparen Sie sich den einleitenden, hochgelehrten Essay der Kulturwissen-schaftlerin Elisabeth Bronfen und gucken sich lieber gleich die rund 160 Aufnahmen an. Eine eindrucksvolle Reise durch die Geschichte der Fotografie steht Ihnen bevor, und Ihre Begleiter sind allesamt Frauen, denn alle Frauenbilder des Bandes stammen von Frauen. Schwer zu sagen, ob es einen speziellen „weiblichen Blick“ gibt, doch auffallend ist, mit welcher Anteilnahme sich die Fotografinnen ihren Modellen nähern, wie sie versuchen, die Persönlichkeit der Porträtierten festzuhalten. Die frühesten Aufnahmen stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und zeigen sehr ernste junge Damen; gelächelt oder gar gelacht wurde nie, erst Anfang des 20. Jahrhunderts kam Bewegung in die Porträtierten, und auch Akte entstanden. Ein spannendes Buch ist so zusammengekommen, mit Bildern, die oft von verblüffender Eindringlichkeit sind. PM

Lothar Schirmer (Hrsg.): Frauen sehen Frauen. 280 S., 159 Tafeln. Schirmer/Mosel. 39,80 Euro. Foto: Schirmer/Mosel

 


 

Reise: Träumchen

Kann schon sein, dass die Koffer noch einige Zeit auf dem Schrank bleiben  werden – aber muss man deswegen aufs Reisen verzichten? Überhaupt nicht, solange es Bücher wie dieses gibt. Damit kann man sich nämlich – sehr bequem – vom Sofa aus auf den Weg machen. Genau 100 Reisen hat Barbara Ireland, lange Jahre leitende Redakteurin bei der „New York Times“, wo diese Beiträge zum ersten Mal erschienen sind, dafür ausgesucht. Und so folgt man nun amerikanischen Autoren, wie sie über einen Wochenmarkt im Wachantal in Tadschikistan schlendern, an der Küste im südwalisischen Pembrokeshire durch den Regen wandern oder im Sawtooth Park von Idaho die Angel ins Wasser werfen. Ausgelatschte Touristenrouten sucht man hier vergebens, dafür gibt es jede Menge Abenteuer. Und weil der Band auch noch reich illustriert ist, möchte man am liebsten gleich selbst…Wenn es mit der Pandemie doch bald ein Ende hätte! PM

New York Times Explorer: 100 Reisen rund um die Welt. 712 S. Taschen. 30 Euro. Foto: Taschen

 


 

Foto: Schlüsselfertig

Wenn am 17. Dezember der erste Teil des Humboldt Forum im Berliner Schloss  www.humboldtforum.org wenigstens digitel eröffnet wird, dann wird eine lange, komplizierte Baugeschichte ihr gutes Ende finden. So jedenfalls liest sich das Buch „Das Berliner Schloss“ von Rainer Haubrich, in dem er alles über den Palast erzählt. Dessen Anfang liegt im Jahre 1443, als Kurfürst Friedrich II., genannt „Eisenzahn“, das erste burgähnliche Schloss bauen ließ. 1699 begann der Architekt und Bildhauer Andreas Schlüter mit dem Bau des imposanten Schlosses für Friedrich I., den König von Preußen, das in Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde und zu DDR-Zeiten schließlich „Erichs Lampenladen“, dem Palast der Republik, weichen musste. Der wiederum wurde nach der Wiedervereinigung wegen großer Asbestbelastung abgerissen.
Der Platz war frei für einen Neubau.
Doch nun wurde erst einmal diskutiert, was die Berliner haben wollten: Eine Neukonstruktion des alten Schlosses oder einen zeitgemäßen Prachtbau? Auch diesen Ideenstreit dokumentiert Haubrich in seinem lesenswerten Buch, und er zeigt alle Entwürfe, die für einen Wettbewerb eingereicht wurden.
Den Zuschlag bekam schließlich der italienische Architekt Franco Stella mit einer Kombination aus wieder auferstandener Schlossfassade und hochmodernem Innenleben. 2012 war der erste Spatenstich, und als Buch zum Bau kommt Haubrichs Beitrag jetzt gerade richtig.

Rainer Haubrich: Das Berliner Schloss. 144 S., 70 Fotos. Braus. 19,95 Euro. Foto: Braus

 
 

Lyrik: Mögen Sie Gedichte? Lassen Sie sich doch mal ein paar vorlesen, zum Beispiel von Schauspieler und Sprecher Fritz Stavenhagen, der auf seine Website www.deutschelyrik.de mehr als 1400 Gedichte eingelesen hat. Einfach mal zuhören ist wunderschön!

Puppy mit Maske

Jeff Koons Puppy: Vor dem Guggenheim Museum in Bilbao steht die riesige, rundum mit Blumen bewachsene Hundeskulptur des amerikanischen Künstlers Jeff Koons – seit kurzem mit Maske, natürlich auch aus Blumen!

Postkarten: Hätten Sie gedacht, dass Postkarten zu versenden im Trend liegt? Gerade hat die Karte ihr 150. Jubiläum gefeiert, und  66 % der mehr als 2000 Befragten gaben an, dass sie regelmäßig Postkarten verschicken, 2019 waren es erst 57%. Die Studie wurde von dem erfolgreichen Startup MyPostcard.com in Auftrag gegeben.
 

 
Die dunkle Jahreszeit kann wirklich ein paar Lichtpunkte gebrauchen, um so mehr, da Corona die Festtage vermutlich ganz still werden läßt. Diese schönen und lustigen Leuchten helfen gegen Trübsinn:

Kartell : Toy, das Leuchtbärchen des italienischen Herstellers, war ja schon immer goldig, nun erstrahlt es ganz festlich in Gold.
Piffany : „Mr Watson“ heißt die fröhliche Leuchte aus Kopenhagen, eine handgemachte LED- Lampe mit farbigem, an die Vespa erinnernden Scheinwerfer.
Uyuni : Die LED-Kerzen aus Dänemark haben leicht flackernde Dochte und einen Wachskern. Bedient werden sie mit einer Fernbedienung. Feines Spielzeug!
Fotos: Trendxpress/Kartell

Toy in Gold

Mr Watson

Uyuni

 

Museum Barberini, Potsdam
Die Sammlung Hasso Plattner – online

Wer nicht die Chance hatte, die wunderbare Sammlung von Hasso Plattner in seinem Museum zu sehen, entweder wg. Corona oder aus anderen Gründen, der kann all die herrlichen Bilder auf der Website des Museums anschauen. Über 100 Werke, davon 34 Bilder Claude Monets, gehören zu dieser einzigartigen Sammlung. So kann man einen Museumsbesuch am eigenen Computer absolvieren, in seinem eigenen Rhythmus alle Werke anschauen und dazu Infos über Maler, Entstehungs- und Ausstellungsgeschichte, Provenienz und vertiefende Literatur bekommen.

Foto: Claude Monet, Ortseingang von Giverny im Winter 1885, Museum Barberini

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                       Freies Europa sendet wieder   

Viele Jahre war der Sender Freies Europa in Ungarn das Radio-Hörrohr zur Freiheit – seine Geschichte begann nach Ende des Zweiten Weltkrieg, als die Sowjetunion ihren Einfluss auf Mittel-Ost-Europa dauerhaft behalten wollte und zwischen Ost und West ein Nachrichtenkrieg anfing.
Im Mai 1949 wurde in New York das Committee for Free Europe, für das gleichnamige Radio, gegründet. Im August begannen dort die Versuchssendungen. Ab Oktober 1951 wurde aus München gesendet, die Wortbeiträge wurden allerdings aus Moskau erfolgreich gestört. Ich werde die schrillen Pfeiftöne, die ich als Jugendlicher gehört habe, nie vergessen. Zum Glück hat man bald die Tonbänder mit den Nachrichten per Flugzeug nach Athen geflogen, dann auf ein Schiff gebracht und von dort gesendet. So kam die Botschaft ohne Pfeifen an.    
1956, während der antisowjetischen Revolution in Ungarn, spiegelte die Berichterstattung das Chaos – zumal in Budapest. Nach der Niederschlagung sendete Freies Europa wieder professionell. Insgesamt 49 Jahre lang. 1993 wurde es aufgelöst. Die Demokratie war da.
Sie begann allerdings bald immer schneller zu schwächeln. Und nach der Schließung der größten Tageszeitung Népszabadság (Volksfreiheit) 2016 schrieb die Budapester Népszava (Volkswort), ein oppositionelles Online-Radio werde wohl bald wieder kommen, zumal die Gelder in Washington bereits bewilligt waren.
So lebte Freies Europe am 8. August 2020 wieder auf: zeitgemäß liefert es jetzt multimedial Nachrichten, Podcasts, Videos etc. (www.rferl.org>latestNews).
Und jetzt ist es wieder so weit: Objektive Nachrichten für Ungarn über Ungarn gibt es nur noch aus dem Ausland – was für eine Katastrophe. Und im Land selbst wird die Nachrichten-Diktatur des Viktor Orbán immer erdrückender. Fotos: privat/Radio Freies Europa

 

„Genau wie beim Nudelkochen ist es mit den Sorgen – wir machen uns immer zu viele davon“

Sinnspruch – zitiert in „Leben jetzt“ Nr 9/20, dem Magazin der Steyler Missionare .. und Variationen. Foto: Häfft Verlag

Ein Aufstellkalender

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehrals 2 Millioen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.
Und natürlich hat er sich auch für 2021 einiges einfallen lassen.

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Hotel Amano Grand Central, Berlin

Die Dachterrasse

Zentraler geht es gar nicht: Direkt dem Hauptbahnhof gegenüber liegt das Hotel Amano mit schicker Bar und einer tollen Dachterrasse, die jedoch nur im Sommer geöffnet ist. Die Zimmer sind vom Bad durch Glasscheiben getrennt, alles ist schwarz-weiß eingerichtet und mit zarten Farbsprenkeln dekoriert. Das Frühstücks-Büfett ist lecker und einladend arrangiert.
DZ ab ca 63 Euro. Foto: Amano