Dre Anonymus

„Je älter man wird, desto früher ist es spät.“

Anonymus, verewigt auf einer Postkarte.
Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Hotel Butz, Schürsdorf, Schleswig Holstein

 

wunderschön restauriert: Das Hotel Butz

Schürsdorf gehört zu den eher unbekannten Orten in Schleswig Holstein, dabei ist es nicht mal 5 km vom gutbesuchten Ostseebad Scharbeutz entfernt. Und ein Besuch lohnt sich allemal: Am idyllischen Dorfteich des hübschen Ortes mit seinen 300 Einwohnern findet man das Hotel/Cafe/Restaurant Butz in einem 200 Jahre alten, wunderbar restaurierten Fachwerkhaus. Oben liegen die mit antiken Bauernmöbeln und knarrenden Holzdielen ausgestatteten Zimmer, unten laden mehrere hübsche Räume an ein üppiges Frühstücksbüffet, zu Kaffee und hausgebackenem Kuchen oder am Abend zu Kutterscholle und Labskaus. Bei schönem Wetter wird auch im Vordergarten serviert.

DZ ab 97 Euro
Foto: Hotel Butz

Eine Stilikone erzählt

Iris Apfel trägt Brille – immer

Sie ist 97 Jahre alt und hat gerade einen Vertrag als Fotomodell unterschrieben – ein neuer Meilenstein im bewegten Leben von Iris Apfel. Die New Yorkerin begann ihr Berufsleben als Journalistin, arbeitete bei einer Inneneinrichterin und bei einem Illustrator, führte 40 Jahre lang mit ihrem Mann Carl Apfel eine Textilfirma und richtete ganze Wohnungen ein. Sie liebte Mode schon als Kind, stöberte auf Flohmärkten und kombinierte ihre Kleidung immer bunt bis schrill, immer auffallend mit eigenem Stil und trägt noch heute eine riesige schwarzgeränderte Brille. 2005 stellte das Metropolitan Museum of Art ihre Mode und ihre Accessoires in einer großen Ausstellung vor, eine gefilmte Dokumentation machte sie 2014 auch international bekannt. Jetzt hat Iris Apfel ihre Biografie vorgelegt, ein fröhliches Buch voller schräger Outfits, kleiner Geschichten und jeder Menge bedenkenswerter Erkenntnisse. So wie dieser: More is more, and less is a bore.
Iris Apfel: Stil ist keine Frage des Alters, 176 S., Midas Verlag, 25 Euro Foto: Midas

 

Rote Lustmacher

 

Die kleinen Roten sind so lecker

Wohl dem, der einen Garten hat und seine eigenen Tomaten anbauen kann. Der weiß, wie wunderbar aromatisch und süß die Früchte dieser Nachtschattengewächse schmecken können. Sogar auf dem Balkon geht das. Also: Nie wieder wässerige, völlig geschmacksneutrale, aber schick aussehende Exemplare aus dem Supermarkt!
Die Tomaten-Fans Ute und Martin Studer haben für ihr Buch nicht nur ihre eigenen Erfahrungen zusammen getragen, sie haben auch andere Tomatologen besucht und ihnen Tipps und Tricks entlockt und alle Lieblingssorten gesammelt. Heraus gekommen sind locker geschriebene Texte über die Herkunft, die Vielfalt, die Sorten-Unterschiede dieser herrlichen Gemüsefrucht, angereichert mit vielen praktischen Hinweisen und jeder Menge appetitmachenden Fotos.
Ute und Martin Studer: Tomatenlust – die Geheimnisse der Tomatenpioniere. 240 S., Haupt Verlag. 39,90 Euro 

Foto: Haupt Verlag

Leid und Herrlichkeit

Antonio Banderas spielt die Hauptrolle

Das Überraschende ist die Stille. Hat man überhaupt schon mal einen so stillen Film von Pedro Almodóvar gesehen?
Es geht um den alternden, schwulen Regisseur Salvador Mallo (grandios gespielt von Antonio Banderas), der nicht mehr arbeiten kann, der unter grässlichen Schmerzen leidet und deshalb drogenabhängig wird, der seine Mutter vermisst (wie immer entzückend: Penélope Cruz) und sich an seine Kindheit, seinen langjährigen ersten Liebhaber und seine Anfänge in der Filmbranche in Madrid erinnert. Die poetische, subtil erzählte Geschichte wird als Biografie des Regisseurs interpretiert. Mehr dazu: www.filmstarts.de/kritiken/264147.html

 

Ein Karussell designt von Jaime Hayon

Swarovski: Für die österreichische Glitzerfirma hat der spanische Designer Jaime Hayon jetzt ein funkelndes Karussell aus 15 Millionen Kristallen geschaffen, das mitten im großzügigen Garten in Wattens von 28 Gästen gleichzeitig benutzt werden kann. Es ist 6,5 m hoch und 12,5 m lang und wurde in sechs Monaten aufgebaut.
Celle: Die kleine Stadt in der Lüneburger Heide hat seit kurzem in ihrem Zentrum fünf sprechende Laternen, die auf einer 32 qm großen Fläche stehen. Stellt man sich in ihre Mitte, fangen sie an zu erzählen, darunter Anekdoten aus der ehemaligen Residenz und ihren blaublütigen Bewohnern.

Die Bänke wurden versteigert

Ercol: Die britische Firma hat einen Entwurf des italienischen Designers Lucian Ercolani aus dem Jahr 1956 vom Londoner „2LG Studio“ anläßlich des London Pride Month im Juni neu gestalten lassen. Die vier quietschbunten Loveseats wurden versteigert, der Erlös ging an die London Pride und Stonewall, die beiden großen Organisationen der Lesben und Schwulen im Vereinigten Königreich. Schade nur, dass es von diesen hübschen Bänken nicht mehr gibt – bis jetzt. Fotos: Swarovski/Ercol

Sterne über La Palma: In der Nacht auf den 13. August wird man bis zu 110 Sternschnuppen pro Stunde über der kanarischen Insel sehen können. Seit 1988 dürfen Flugzeuge die Insel nicht mehr überfliegen, und es gibt spezielle Straßenbeleuchtungen, deshalb ist der Nachthimmel hier besonders klar. Am besten wird man das am höchsten Punkt der Insel beobachten können, an der Sternwarte Roque de los Muchachos.
Weimarer Sommer: Noch bis zum 7. September gibt es in der thüringischen Stadt jede Menge Veranstaltungen: jiddische Oper zum Beispiel, Tangotanzen auf dem Theaterplatz und radikale Sprachartisten mit ihrem Programm „Otto’s Mops hopst“.

Auf ein Wort:
Meldungen aus einem kleinen Land
Peter Meleghy berichtet aus Ungarn

Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Webseite www.ungarnaktuell.de , außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com 
Die große Dame der ungarischen Philosophie ist tot.

Sie hatte einige Tage im Ferienhaus der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Balatonalmádi am Plattensee verbracht. Am Freitagnachmittag, dem 19. Juli, ging sie schwimmen, einige ihrer Freunde begleiteten sie bis zum Strand. Sie ging ins Wasser, die Freunde warteten. Etwa eine Stunde später meldete die örtliche Wasserpolizei, dass ihre Leiche gefunden wurde. Dann ging die Meldung um die Welt.

Ágnes Heller bleibt ihren Freunden in Erinnerung

Als Ungläubige:
Sie hat nicht an einen Gott geglaubt, sondern an sich.

Als Träumerin:
Nachdem sie die Schriften des Karl Marx und Immanuel Kant studiert hatte, glaubte sie sogar lange an eine „anthropologische Wende“, einer radikalen Änderung des Homo Sapiens. Erst nach dem niedergeschlagenen Volksaufstand 1956 erkannte sie, dass die meisten Menschen sich wie Schafe den Umständen anpassen möchten.

Als gefährlich Kluge:
Ihr Ehemann wurde von der Staatspolizei befragt, was sie wohl mit einem Satz in einem ihrer Vorträge gemeint habe, und ob der Satz eventuell als Kritik am Sozialismus verstanden werden könnte. Der Satz lautete: „Auch im Sozialismus existiert eine gewisse Entfremdung.“ Ihr Mann wusste ihn nicht genau zu erklären, war aber sicher, dass er nicht gegen den Sozialismus gerichtet sein könne. Weil dieses Ergebnis der Nachforschung nicht befriedigend war, befragten die Ermittler auch einen ihrer Kollegen von der Budapester Universität. Der war aufgeweckter und antwortete mit einer Gegenfrage: „Weshalb fragen Sie nicht gleich Frau Heller?“
„Ach, wissen Sie, die ist viel zu klug für uns“, kam die ehrliche Antwort – ein Kompliment.

Als Stilistin:
Sie hasste das Wort, „entschlafen“. Sie sagte, wenn sie es hörte: „Ich werde nicht ‚entschlafen‘, ich werde sterben.“
Das ist vor wenigen Tagen geschehen. Und wir – viele Menschen – denken mit Anerkennung und Zuneigung an sie.

Fotos: privat/wikipedia

 

Thea ist ein Loveseat

Fendi Casa : „Thea“ ist für draußen gedacht. Sessel, Loveseat und Sofa sind aus Stahl und Kunstfaser gefertigt, die Bezüge und Kissen wasserabweisend.

BeBop gibt es in mehreren Farben

Kartell: Für „BeBop“, den Sessel aus gebogenen Mehrschichtplatten in Weiß, Grau, Schwarz und nur für drinnen in Gold, hat sich das italienische Designerpaar Ludovica und Roberto Palomba vom gleichnamigen Jazzstil anregen lassen, dessen Kennzeichen – laut Kartell – schnelles Tempo und innovative Harmonien seien. Sei’s drum, der Sessel ist trotzdem schön. Fotos: Hersteller

Kunsthaus, Zürich, 30.8. bis 8.12.2019:
Matisse-
Metamorphosen

Der große Franzose Henri Matisse (1869 bis 1954) war nicht nur Maler, Grafiker, Zeichner und Meister der Scherenschnitts, er schuf auch 82 Skulpturen, die meisten zwischen 1900 und 1910. Er wurde dabei vom Bildhauer Auguste Rodin (1840 bis 1917) inspiriert und nutzte für sein Werk „Der Knecht“ dasselbe Modell wie Kollege Rodin.
Das Kunsthaus Zürich dokumentiert jetzt anhand von über 70 Werken die bildhauerische Methode des Franzosen, der, von einer naturalistischen Darstellung seines Objektes ausgehend, immer weiter abstrahierte und dabei jeden Schritt in einer eigenen Skulptur festhielt. Dieser Verwandlungsprozess seiner Bronzen findet Parallelen in seinen Gemälden und Zeichnungen, die hier auch zu sehen sind. Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotografien des Meisters bei der Arbeit und Fotos seiner Inspirationsquellen aus Afrika und aus der Antike, z.B. Aktbilder.

Fotos: matisse__jeannette_III_paris.jpg

Für viele Urlauber ist die Großstadt Nantes lediglich Ausgangspunkt für eine Schlössertour entlang der Loire. Dabei hat die Stadt selbst auch einiges zu bieten. 250 km Wege am Wasser zum Beispiel, denn hier fliessen die Erdre und die Sèvre in die Loire, und die Stadt liegt zum Teil auf einer großen Loire-Insel.
Oder die beeindruckende Schlossanlage „Chateau des ducs de Bretagne“ von 1466 aus weißem Tuffstein mit sieben massiven Türmen, die mit einem 500m langen Wehrgang verbunden sind. Hier befindet sich heute das Historische Museum.

Die Kathedrale von Nantes

Nicht weit davon steht die gotische Kathedrale  von 1434, die auf Resten einer Kirche von 549 entstand. Während der Französischen Revolution diente sie als Pferdestall und Magazin, die Glasfenster und Teile der Ausstattung wurden zerstört. Nach unterbrochenen Bauarbeiten, einem Brand und Zerstörungen im Krieg ist das Gotteshaus seit 1985 wunderbar restauriert wieder anzuschauen.
Direkt dahinter liegt das Musée d’ Arts mit Werken von Rubens, Breughel, Rousseau, Monet, Kandinsky, Tinguely, Richter und vielen anderen.
Wenn Sie nach so viel Kunst verschnaufen wollen: Es sind nur wenige Schritte bis zum botanischen Garten „Jardin des Plantes de Nantes“  mit Bänken zwischen Teichen und Springbrunnen, mit einem künstlichen Berg und vielen Statuen, mit einer Sammlung von 600 Kamelien, einem Palmenhaus und mehreren Gewächshäusern. Ein kleines Paradies mitten in der Stadt.
Sind Sie am frühen Abend in Nantes? Dann müssen Sie unbedingt durch die schmalen Gassen rund ums Hotel de Ville spazieren, denn hier reihen sich jede Menge Bistros, Restaurants und Kneipen aneinander, jederzeit gut gefüllt mit Studenten, von denen es 55000 in der Stadt gibt. Und essen kann man einfach überall ziemlich gut.

Der Elephant ist 12 m hoch

Am nächsten Morgen geht es dann ausgeruht auf die Loire-Insel zu „Les Machines de L’Ile“ . Hier haben sich nämlich zwei verrückte Künstler der Gruppe „La Machine“ am phantastischen Schriftsteller Jules Verne, dem berühmtesten Sohn der Stadt, orientiert und riesige Tiere gebaut, die sich bewegen lassen. Der Elefant etwa ist 12 m hoch und 21 m lang, besteht aus 48 Tonnen Stahl und Holz und trägt ca. 50 Menschen über das ehemalige Werftgelände. In der Galerie gibt es eine mechanische Spinne, die bestiegen und bewegt werden darf, einen fliegenden Reiher von acht Metern Spannweite und seit Neuestem ein mächtiges mechanisches Faultier zu bewundern.

Das Karussel zeigt die Meereswelt

Direkt an der Loire steht das „Carrousel des Mondes Marine“, eine 25 m hohe Meereswelten-Skulptur, eigentlich ein 360 Grad Theater, in dem auf drei Stockwerken mechanische Meeresbewohner zu bewundern und zu bewegen sind. Einen halben Tag sollten Sie schon für diesen wunderbaren Spaß einplanen. Fotos: CO

Alexander von Humboldt

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“

Der Naturforscher und Entdecker Alexander von Humboldt (1769 bis 1859), der ausgedehnte Reisen durch Lateinamerika, in die USA und nach Zentralasien unternahm. Zitiert anlässlich seines 250. Geburtstages vom Tourismusbüro Peru.
Foto: wikipedia

 

Eine Karriere als Steuerberater schlug er aus, lieber mühte er sich jahrelang als freier Grafiker. Schon als Kind hatte er seine Kumpels gern zum Lachen gebracht und komische Porträts von ihnen gezeichnet. Aber bis Peter Butschkow ein gefeierter Cartoonist wurde, musste er erst eine Schriftsetzer-Lehre abbrechen, mit einer Vorgruppe der Rolling Stones Musik machen, beim Boxidol Bubi Scholz Anzeigen und Plakate gestalten und ausufernd Witze erzählen, denen, wie Kollegen fanden, die gesellschaftskritischen Ansätze fehlten. Dann aber druckten immer mehr Magazine seine Cartoons, und der Lappan Verlag veröffentlichte seine ersten Bücher.
Jetzt hat Peter Butschkow seine Biografie geschrieben, kurz und knapp und höchst amüsant. Dazu sind in dem Buch seine besten Cartoons von 1956 bis 2019 zu betrachten. Was für ein Vergnügen!
Peter Butschkow: Cartoons, eine zeichnerische Biografie, 20 Euro (inkl. Porto und Verpackung), zu bestellen bei: p.butschkow@gmail.com,

 

 

My Place, Wien

Relaxen im My Place

Städtetrips können oft anstrengend sein, wenn man ein schönes Ziel zu Fuß erkundet. Da ist es gut, wenn man im Hotel eine ausgiebige Pause machen kann. Besonders fein ist das natürlich, wenn man ein ganzes Apartment wie im ziemlich zentral gelegenen Hotel My Place zur Verfügung hat. Ein großer Wohnraum mit Küchenzeile, Esstisch und Sofaecke neben einem großzügigen Schlafzimmer mit angeschlossenem Bad hat einfach alles, was man zur Erholung braucht. Und den Sonnenuntergang mit Blick auf den Stephansdom, den Donaukanal und das Riesenrad im Prater kann man auf der Dachterrasse genießen.
Suite für zwei Personen ab ca. 115 Euro. Foto: My Place

Inselglück

Man möchte sofort zum Flughafen und endlich mal wieder nach Mallorca fliegen: Was für Häuser, wie wunderschön eingerichtet, der Traum vom Wohnen schlechthin!
Der Autor lebt selbst auf der Sehnsuchtsinsel aller Deutschen und zeigt in diesem Buch sein eigenes Haus und die anderer Architekten und Designer. Der Stil ist (fast) überall puristisch, luxuriös und naturverbunden. Ein Buch für den Coffee Table, in dem man immer wieder gern blättert. Ein paar wenige Tipps für Geschäfte, Galerien und Bezugsquellen für Möbel und Accessoires ergänzen die großzügigen Fotos und die architekturlastigen Texte. Um die Häuser allerdings ganz zu verstehen, wären Grundrisse schon hilfreich gewesen.

 

Thomas NIederste-Werbeck: Mallorca mit Stil, 192 S., Callwey, 39,95 Euro. Foto: Callwey

 


Natürlich mit Geschichte

Sie haben bestimmt auch ein absolutes Lieblingsstück in Ihrer Wohnung. Und natürlich hat das Möbel, Accessoire, Buch oder einfach nur Stehrümchen eine ganz persönliche Geschichte. 60 der schönsten dieser Geschichten, die als Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen sind, hat die zuständige Redakteurin Birgit Ochs in einem Buch zusammengefasst. Und so erfährt man von der Fotografin Gabo, wie sie in Arizona für 50 Dollar einen Ledersattel erstand und ihn nach Europa schleifte, oder wie die Schauspielerin und bekennende Vegetarierin Luise Kinseher zu einem Weißwurstheber kam und warum der Youtuber Mirko Drotschmann sein CD-Regal liebt, obwohl er keinen Player mehr besitzt. Auch der Designer Tobias Grau, der hochmoderne Leuchten entwirft, ist dabei und schwärmt von seinem chinesischen Paravent, den sein Urgroßvater 1896 nach Europa brachte.
Ein vergnüglicher Leseabend ist garantiert!

Birgit Ochs (Hg.): Mein Lieblingsstück. 160 S., Busse Seewald. 16,95 Euro. Foto: Busse Seewald

Die Tapeten sind wieder da! Nach den sterilen weißen Wänden – erst mit simpler Raufaser, dann verputzt und gestrichen und schließlich gespachtelt – werden jetzt wieder bunte Bilder geklebt. Heute tapeziert  man aber nicht mehr einen ganzen Raum, das wirkt viel zu leicht wild, man setzt die Papierrollen schmückend ein, beklebt mal eine Wand, mal einen Teil, manchmal rahmt man sie mit einer Leiste ein.
Besonders schöne Exemplare gibt es bei Photowall www.photowall.de und Rebel Walls www.rebelwalls.de  

 

 

Provenienzforschung: In Stuttgart wird seit April zwei Jahre lang die Herkunft von 183 Werken erforscht, die zwischen 1933 und 1945 in die Sammlung von inzwischen über 2000 Kunstwerken des Vereins „Freunde der Staatsgalerie“ kamen. Der Verein existiert seit 1906 und fördert seither die Kunstvermittlung in Stuttgart, finanziert Ausstellungen und bereichert die Sammlung der Staatsgalerie mit gezielten Ankäufen. 2018 stellte der Verein einen Antrag auf Förderung der Provenienzforschung, der jetzt genehmigt wurde.

„Eda Mame“ hat Schwung

NYC xDesign Award 2019: In New York wurde jetzt das Daybed  „Eda Mame“ von Pierro Lissoni für B&B mit dem ersten Preis in der Kategorie „Product – Residential Sofa“ ausgezeichnet. Der Jury gefiel besonders die Form, die an eine Sojabohne erinnert, einer typischen Zutat der orientalischen Küche. Foto: B&B Italia

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                     Schiffskatastrophe auf der Donau. Natürliche Ursache?
                     Ein Schwimmkran in Schwierigkeiten und andere Seltsamkeiten

Blumenmeer am östlichen Donau-Kai in Budapest. Zwischen den verwelkten Rosen und Nelken: Kerzenleuchter, Kinderspielzeug, Plüschaffen und -bären, ein Paar weiße Damenschuhe, Abschiedsbriefe auf Ungarisch und Koreanisch. Rundherum viele Menschen.
Dahinter, auf der breiten Donau dichter Verkehr. Auf ihrer östlichen, also Pester Seite parken kilometerlang weiße Hotelschiffe, je zwei nebeneinander. Der Fluss führt Hochwasser und fließt schneller als sonst, trägt Äste, Laub und Autoreifen mit sich, er bildet Wirbel an den Brückenpfeilern. Die Schiffe auf Bergfahrt schleichen, die auf Talfahrt rasen.
Ein kleines Mädchen von etwa sieben Jahren teilt mir mit, dass ihr Plüschaffe größer und schöner ist als der koreanische zwischen verwelkten Blumen, überhaupt der schönste Affe von allen. Und: Dass ihr Opa das Unglück gesehen habe.
Eine Stunde später sitze ich mit Opa, einige Jahre jünger als ich, in einem Café. Der Schock nach 17 Tagen sitzt immer noch sichtbar tief. „Es war der 29. Mai abends um neun Uhr“, beginnt er. „Ich wartete am Kai auf meine Tochter, dort, wo jetzt die Blumen liegen. Auch da war auf der Donau dichter Verkehr und das Wasser noch höher. Dann sah ich zwei Schiffe, ein großes, langes, weißes Hotelschiff, und ein kleines Ausflugsschiff, nebeneinander zwischen zwei Brückenpfeilern fahren. Plötzlich scherte das kleine aus und geriet vor das große. Dann krachte es entsetzlich. Und das kleine, die „Wassernixe“ (ungarisch „Hableány“) sank in Sekunden. Ich dachte, ich werde ohnmächtig.“ Mein

Die Helfer waren schnell da

Gegenüber putzt sich die Nase und sagt: „Ich war völlig durcheinander. Soll ich die Rettung rufen? Die wissen es doch schon, dachte ich. Dann aber: Woher sollen die das wissen? Ich rief an. Ich berichtete vom Schiffsunglück und wo das war. Der Mensch in der Leitung hörte zu und fragte, ob ich getrunken habe. Dann brüllte ich: ‘Mann, hier sterben jetzt Menschen!‘ ‚Gut‘‚ wir kommen,‘ sagte er. Und tatsächlich hörte ich sofort die Sirenen. Aber noch schneller war die Bereitschaft der Wasserrettung. Die kamen mit zwei großen schwarzen Schlauchbooten, die Taucher, schon in Anzug und mit Sauerstoff-Flaschen, glitten ins Wasser und holten die ersten Überlebenden aus dem Wrack.“ Der alte Herr putzte sich wieder umständlich die Nase, und ich quälte ihn nicht weiter. Wir tranken je einen doppelten Aprikosen-Schnaps, da kamen auch schon seine Tochter und die zauberhafte Enkelin, um ihn abzuholen.
In den Abendnachrichten des 29. Mai hörte ich, dass an Bord der „Wassernixe“ fünf ungarische Besatzungsmitglieder und 30 südkoreanische Touristen waren, von denen sieben gerettet wurden. Also befanden sich noch 28 Tote im kleinen Ausflugsschiff. Dann kam die Meldung, dass der ukrainische Kapitän des Hotelschiffes, „Viking Sigyn“ wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs mit Todesfolge festgenommen wurde.  
Einen Tag später hörte ich den Kommentar einer Hydrologin, die offensichtlich anderer Meinung war: Durch die sintflutartigen Regenfälle der letzten Tage habe sich der Pegel der Donau enorm erhöht. Die Fließgeschwindigkeit ebenfalls. Sie betrug 4000 Liter in der Minute und damit das Doppelte des Üblichen. Es sei also mit Fug anzunehmen, dass die „Wassernixe“ durch den enormen Wasserdruck von einem Brückenpfeiler vor die „Viking Sigyn“ gedrückt worden sei. Mir leuchtete das – im Gegensatz zu den Behörden – ein.
Leider konnten erst einmal keine weiteren Opfer der Tragödie durch die Taucher geborgen werden, weil die „Wassernixe“ zu sehr beschädigt worden war. Das Schiff musste gehoben werden.
Dafür ist die Donau-Schifffahrts-Direktion mit einem Schwimmkran eigentlich auch ausgerüstet. Allerdings befand sich das Monstrum am Donauknie im Norden Ungarns. Das allein wäre kein Problem gewesen, denn ein Schwimmkran kann ja schwimmen, doch durch den hohen Wasserpegel konnte er unter vielen Brücken nicht hindurchkommen.     
Da half der nördliche Nachbar, Slowakei. Das Land betreibt gleich hinter der Grenze ein Wasserkraftwerk an der Donau. Es ist möglich, das Wasser für maximal drei Tage in einem riesigen Becken zu speichern, was auch getan wurde. Der Pegel der Donau sank ein wenig, aber gerade weit genug, dass „Clark Adam“, der Schwimmkran, nach Budapest kam, die „Wassernixe“ hob und in einen Reparaturhafen südlich von Budapest brachte. Dort begann der letzte Akt des Dramas: Die Bergung der 28 Leichen, unter ihnen die ungarische Besatzung. Als eine der letzten wurde eine südkoreanische Mutter gefunden, die ihre kleine Tochter noch im Tod festhielt.
Und schließlich geschah etwas wahrhaft Gespenstisches: Als alle Leichen von Bord waren, schlug der leichte Wind ein loses Stahlseil gegen die Schiffsglocke. Nur einmal. Ende der Arbeit? Totenglocke? „Da hatten manche von uns plötzlich einen Fussel im Auge“, sagte mir einer der großen, kräftigen Jungs der Wasserpolizei.
Als Nachtrag noch etwas Bemerkenswertes: Während  der Ermittlungen gegen den ukrainischen Kapitän der „Viking Sinyn“ stellte sich heraus, dass er am 1. April diesen Jahres in einem Kanal in Holland, nahe der Stadt Terneuzen, mit einem Hotelschiff der Familie Viking einen Öltanker gerammt hatte. So ermittelt gegen ihn auch die holländische Schifffahrtsbehörde, wie die europäische Justizbehörde Eurojust bestätigte.
Indessen scheint man in Ungarn nichts Schwerwiegendes gegen ihn zu finden. Gut: er hat kurz nach der Havarie einige Daten von seinem I-Phone gelöscht. Der Mann sitzt im Gefängnis und könnte gegen Kaution bald auf freien Fuß gesetzt werden. Fotos: privat/ungarnheute    

 

 

Metropolitan Museum, New York, 3.7. bis 22.9.2019.:
Apollo’s Muse
The moon in the age of photography
                       und
Museum der Moderne, Salzburg, 20.7. bis 3.11.2019:
Fly me to the moon. 50 Jahre Mondlandung

 

Caspar David Friedrich: Zwei Männer, den Mond betrachtend, ca. 1825-30

In New York feiert man den 50. Jahrestag der Mondlandung am 20. Juli 1969 mit einer großen Foto-Ausstellung, in der Bilder des Erdtrabanten vom Beginn der Fotografie an bis heute gezeigt werden. Ergänzt werden die beeindruckenden Aufnahmen mit Drucken, Gemälden, Filmen und astronomischen Geräten.

Das Märchen Peterchens Mondfahrt in Salzburg

In Salzburg zeigt man aus dem selben Anlass die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Mond durch die Jahrhunderte, beginnend in der Zeit Galileo Galileis und der Erfindung des Teleskops. Ein wichtiger Teil beschäftigt sich aber auch mit der politischen Situation, die der Mondlandung voraus ging, also zum Beispiel der ersten Erdumkreisung des sowjetischen Sputniks 1957, die eindrucksvoll Moskaus damaligen Vorsprung in der Raumfahrt zeigte. Zu sehen sind u.a. Werke von Coop Himmelb(l)au, Max Ernst, Hannah Höch, Andy Warhol, Niki de Saint Phalle, Pipilotti Rist, René Magritte, Fritz Lang und Ernst Ludwig Kirchner. Fotos: Museen

Blick auf den See

Wer mit dem Zug in Plön ankommt, steht gleich am größten See Schleswig Holsteins, über 28 qkm erstreckt sich der Große Plöner See, der in der letzten Eiszeit entstand und bis zu 58m tief ist. Seit 1992 liegt er zum größten Teil in einem Naturschutzgebiet, in dem Seeadler, Schellenden, Gänsesäger und Graugänse leben.  Im Bahnhofsgebäude ist das Tourismusbüro angesiedelt, dort gibt man Ihnen gerne einen kleinen Stadtplan. Aber erst einmal: Platz nehmen auf einer der Bänke und den Blick über den See genießen.
Und dann schlendern Sie den Strohberg/ die Lübecker Straße entlang, schauen vielleicht in die Buchhandlung Schneider mit seiner guten Auswahl und dem sehr freundlichem Service und in die Wegwarte, einen netten Feinkost-Shop mit ausgesuchten Spezialitäten aus der Region. Am Markt angekommen, sollten Sie wenn möglich einen Blick in die wirklich hübsche Nikolai Kirche werfen, die 1868 auf den Resten der nach einem Blitzschlag 1864 ausgebrannten Kirche entstand.
Gleich dahinter steht das Backstein Rathaus von 1816 mit dem niedlichen Gänselieselbrunnen davor, den der Künstler Bernhard Butzke 1922 aus Muschelkalk schuf.
Jetzt den kleinen Berg hoch – und schon steht man auf der Schlossterrasse. Was für ein Blick!

Das Schloss ist heute eine Akademie

Das schneeweiße Schloss aus dem 17. Jahrhundert kann leider nicht besichtigt werden, denn das Land Schleswig-Holstein musste es aus Kostengründen 2002 verkaufen. Heute gehört es der Fielmann Akademie, ist also nach einer aufwendigen Sanierung eine Bildungsstätte unter Denkmalschutz.

Dsa Restaurant Pförtnerhaus

Aber man kann auf der großen Terrasse im Restaurant Pförtnerhaus mit einem  Cocktail den Sonnenuntergang am See erleben und danach Oldenburger Entenbrust oder Rücken vom Wasserbüffel probieren.
Sollte es noch nicht Abend sein, dann laufen Sie den Berg einfach auf der anderen Seite wieder hinunter vorbei am Kulturforum, in einer 1909 im Jugendstil errichteten Schwimmhalle, in der heute Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen stattfinden. Ein paar Schritte weiter erreicht man die ehemalige Reitbahn und dann das Naturparkhaus, in dem man sich über Wasserlebewesen, Zugvögel, Fledermäuse und Co. informieren kann.

Die Altstadt mit Nikolai Kirche

Und dann steht man vor dem Prinzenhaus, einem Gartenschlösschen aus dem Rokoko, erbaut um 1750 für den Plöner Herzog Friedrich Carl. Später wurden hier die sechs Söhne Kaiser Wilhelms II. erzogen, deshalb Prinzenhaus. Heute kann man es besichtigen oder für Events mieten.
Für Märchenhochzeiten zum Beispiel!
Wer jetzt noch Lust hat weiter zu gehen (oder zu radeln), kann die Prinzeninsel besuchen, eine zwei Kilometer lange Halbinsel mit Sandstrand, Wald und einem Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, in dem man sehr gut essen kann.
Oder aber man spaziert zurück zum Bahnhof, besteigt den Bus Nr. 331 und fährt bis zum Anleger Fegetasche. Dort beginnt die 5-Seen-Fahrt über Timmdorf, Niederkleevitz, nach Malente und zurück. Für belebende Getränke an Bord ist natürlich gesorgt.

Fotos: CO