„Ohne das Bauhaus gäbe es unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln wahrscheinlich nicht: Wenn man nichts mehr hinzufügen und nichts mehr weglassen kann, ist das Produkt fertig.“

 

Das Designduo Jehs + Laub, genauer Markus Jehs und Jürgen Laub, zu „Hundert Jahre Bauhaus“ im Magazin Arcade, Jan. 2019. Foto: fritz hansen

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in  Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Seehotel Huberhof, Uckermarck

Falls Sie die Uckermarck noch nicht kennen, dann müssen Sie unbedingt hin, wenn Sie sie kennen, wollen Sie sowieso wieder hin. Um zum Beispiel im zauberhaften Garten des Huberhofes direkt am Oberuckersee im Liegestuhl Luft und Licht und Landschaft zu genießen. Die Zimmer des Hotels sind eher rustikal, die Bäder ganz ordentlich, das Frühstück auf der wunderbaren Terrasse aber ist mehr als üppig. Und wenn man einen Sommerabend bei regionalen Spezialitäten draußen erleben möchte, dann sollte man schon mal frühzeitig den Urlaub 2019 planen. DZ ab 70 Euro. Foto: Seehotel Huberhof

Amerika ganz anders

Auch wenn sich die USA als politische Weltmacht gerade verabschieden – eine Weltmacht in Sachen Kunst sind sie seit dem 2. Weltkrieg bis heute geblieben. Aber wie sah es eigentlich davor in den Ateliers zwischen New York und San Francisco aus? Diese Frage beantwortet derzeit eine große Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum, und so opulent wie die museale Retrospektive auf 300 Jahre ist auch der Katalog dazu ausgefallen. Der Rückblick ist spannend: Nach höchst epigonalen Anfängen, einem 19. Jahrhundert voller Stilleben und Historiengemälde (und ein wenig „Native Art“ der Ureinwohner) kam mit der legendären „Armory Show“ von 1913 die große Zäsur: Amerikas Kunst fand zu sich selbst. Der ruppige Realismus der „Ash Can School“ (dt. „Mülleimerschule“) brach als erster mit den aus Europa importierten akademischen Traditionen; mit den dramatischen Anfängen des Abstrakten Expressionismus endet der epische Überblick in diesem mächtigen Wälzer. Zurück bleibt ein Betrachter mit lahmem Arm und der Erkenntnis „Irgendwie schon toll, diese Amis!“

 

Es war einmal in Amerika. 300 Jahre US-Amerikanische Kunst. 576 S., 541 Abb. Wienand. 49,80 Euro Foto: Wienand

 

Zwischen Himmel und Erde

Eissalat (crisphead) heißt das doppelseiten-große Bild in diesem Prachtband, aber es könnten auch Papierschnipsel oder überfrorene Cornflakes sein. Jedenfalls entdeckt man immer mehr schöne Formen und Strukturen, je länger man hinschaut. Die Bildlegende verrät nur, dass das Foto am Lake Abraham in Kanada entstand.

Sieben Kontinente bereiste der Fotograf Tom Jacobi und brachte weiße Bilder von atemberaubenden Landschaften mit, so wie crisphead eben. Mal sind es entlaubte Bäume auf Tasmanien, mal steile Felsen, genannt Seven Sisters, in Sussex, England. Ergänzt werden die beeindruckenden Fotos mit einfühlsamen Texten von Gattin Katharina Jacobi, in denen sie beschreibt, wo und wie die Aufnahmen entstanden.

 

Tom Jacobi: Into the light – between heaven and earth, between light and darkness.144 S., 70 Abb. Hirmer Verlag. 49,90 Euro.  Foto: Hirmer

 

Spielen kann man überall

Düstere Hinterhöfe, trostlose Trümmerhaufen, hässliche Gleisanlagen – egal: Wenn Kinder spielen wollen, dann spielen sie eben. Und die Großstadt Berlin wird unversehens zu einem riesigen Erlebnispark, in dem es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt. Das war um 1900 schon so und am Ende des letzten Jahrhunderts noch immer so. Nur gut, dass Fotografen wie Willy Römer oder Friedrich Seidenstücker das alles – den Karton auf dem Kopf und das Gespritze im Planschbecken – mit ihrer Kamera festgehalten haben: So ist aus ihren Aufnahmen, im redlichen Schwarzweiß versteht sich, jetzt ein bezaubernder kleiner Bildband geworden, der aufs schönste beweist, dass schon ein bisschen Phantasie genügt, um den öden Alltag in ein lustiges Abenteuer zu verwandeln.

 

Kindheit in der großen Stadt. 128 S. 90 Abb. Edition Braus. 14,95 Euro. Foto: Edition Braus

 

1.1.: Traditionell wird am Neujahrstag in Prerow auf dem Darß um 14 Uhr die Badesaison eröffnet. Meist laufen dabei mehr als 500 Teilnehmer in bunten Kostümen ins Meer. Zum Aufwärmen gibt es am Strand Glühwein, Musik und klatschende Bewunderer.

10. bis 12.1.: Das Münchener Hotel Königshof wird neu gebaut. Bevor das alte schließt, gibt es einen Möbelbazar, bei dem Interieur und Weine verkauft werden.

14. bis 20.1.: Die internationale Möbelmesse findet wieder in Köln statt. An den Publikumstagen (Freitag bis Sonntag) kann nach den Fachleuten auch die Öffentlichkeit die neuesten Wohntrends bestaunen.

Lustige Leuchten

Moooi: Das holländische Designer-Duo Kranen/Gille hat für Moooi fünf Wandleuchten „The Party“  aus Keramik entworfen, die verschiedene Gesichter zeigen. Zusammen stellen die fünf eine Familie dar. Ach so, schönes Licht geben sie natürlich auch noch.

Die Stehleuchte Tress

Foscarini: „Tress“  hat der italienische Designer Marc Sadler seine Leuchte für Foscarini genannt. Es gibt sie als Hänge-, Tisch, Wand- und große Stehleuchte. Sie besteht aus einem Geflecht von Verbundmaterial und gibt durch ihre teils geschlossenen, teils offenen Flächen ein sehr interessantes Licht.

 

Farbe des Jahres 2019

Neue Farbe: Und wieder hat das amerikanische Farbinstitut Pantone einen Farbton des Jahres gekürt. 2019 heißt er „Living Coral“ und orientiert sich an Korallenriffen.

Schön frostig!

Kalte Herberge: Seit nunmehr 30 Jahren versammeln sich Künstler im schwedischen Jukkasjärvi in Lappland und bauen ein temporäres Hotel ganz aus Eis. 2018 haben 34 Künstler aus 13 Ländern ganz unterschiedliche Zimmer gebaut, die bis April zu mieten sind, dann fließt das geschmolzene Eis wieder in den Fluss Artic Torne.

Lange Tafel: Wer im Urlaub gerne kocht und mit großer Familie und vielen Freunden tafeln möchte, der braucht ein Ferienhaus mit großem Tisch. Ob in der Schweiz, in Deutschland, Italien oder Spanien, auf www.urlaubsarchitektur.de findet man sie.

 

Meldungen aus einem kleinen Land, Peter Meleghy berichtet aus Ungarn

Unser Autor

Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Webseite www.ungarnaktuell.de , außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com 

Die freiwillige Versklavung – Es reicht, Orban!

 

Der ungarische Ministerpräsident und Vater der Nation hat im Spätherbst entdeckt, dass seine Untertanen mehr arbeiten, mehr Überstunden machen möchten. Und weil sie dies im eigenen Land nicht können, wandern sie ins Ausland ab.

Das galt es, möglichst schnell zu verhindern. Also ließ er ein neues Gesetz schaffen, das Anfang Dezember etwas knirschend, von Pfiffen und Buhrufen begleitet, im Parlament wenn auch nicht abgesegnet, so doch immerhin angenommen wurde.

Danach können Arbeitnehmer und Arbeitgeber – freiwillig – einen Vertrag schließen. Von da an leiht der Arbeitnehmer seinen Lohn für bis zu 400 Überstunden seinem Arbeitgeber. Der Arbeitgeber verspricht den Lohn für die Überstunden innerhalb von drei Jahren zurückzuzahlen. Während dieser Zeit ist es für den fleißig arbeitenden und geduldig wartenden Arbeitnehmer allerdings nicht ratsam, zu kündigen. Denn auch das steht im Gesetz: Dann verliert er sein ausgeliehenes Geld. So soll er an die wesentlich besser bezahlten Jobs im westlichen Ausland möglichst gar nicht erst denken. Das Ziel ist ja, die Abwanderung zu stoppen, die gerade unter der Orbán-Regierung steil angestiegen ist.  

Die Regierung betont die Freiwilligkeit zwischen den (doch etwas ungleichen) Vertragspartnern. Und viele einfache Arbeiter erkennen die Falle nicht. Dafür spricht die Opposition umso lauter über Versklavung, übers Ausgeliefert-sein an die Gnade einer Firma – und geht auf die Straße. Neu ist, dass viele Studenten aus Solidarität mitmarschieren.

Die Demos waren riesig

Am Samstag, dem 15. Dezember, dauerten die Protestmärsche in Budapest bereits drei Tage. Dabei wurden abwechselnd die verschiedenen Donaubrücken für Autos unpassierbar, was die Fahrer jedoch gelassen hinnahmen. Die Polizei sprühte schon mal Tränengas, es gab Verhaftungen, Geldstrafen, immerhin keine Schlagstöcke.

Offensichtlich hat das „Versklavungs-Gesetz“ die Protestparteien endlich zusammengeführt. Am Sonntag, dem 16. Dezember protestierte schließlich das ganze Land gegen die gesamte Politik der Orbán-Regierung, so auch gegen die Ernennung der Richter an Verwaltungsgerichten durch die Regierung. Andererseits war man für den Anschluss Ungarns an die Europäische Staatsanwaltschaft.  

In Budapest zogen ca. 40.000 Menschen vors Parlament. Alle Oppositionsparteien und alle Gewerkschaften waren dabei. Besonders bemerkenswert waren die vielen, insgesamt elf, klugen Reden von Politikerinnen. Die Audi-Gewerkschaft ??? bekundete ihre Solidarität. Aus dem Ausland nahm eine Gruppe teil, die ein Transparent trug: „Wir sind gekommen, um Überstunden machen zu dürfen!“ Es herrschte eine wunderbare Stimmung.

Und selbst in den Provinzstädten protestierten jeweils Hunderte. Motto: Orbán verschwinde! Wir werden keine Sklaven!

Um Mitternacht in den staatlichen Nachrichten im Radio: Kein Wort über die Demonstrationen.    Foto: Daily Hungary

Tate Modern, London, 23.1. – 6.5. 2019:

Pierre Bonnard – The Colour of Memory.

Nach zwanzig Jahren widmet man sich in London wieder einmal dem französischen Maler Pierre Bonnard (1867 bis 1947) und konzentriert sich auf seinen außergewöhnlichen Umgang mit Farben nach 1912. Da Licht eine zentrale Rolle in seinen Gemälden spielte, zählt man ihn zu den Post-Impressionisten, obwohl er eigentlich einen ganz eigenen Stil entwickelte, dem er zeitlebens treu blieb.

Die Ausstellung wurde zusammen mit der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen und dem Kunstforum in Wien organisiert und wird in Wien vom 10.10.2019 bis 12.1.2020 zu sehen sein.

Geöffnet täglich 10-18 Uhr, Fr + Sa bis 22 Uhr. Foto: Tate Modern

Herrlich dieses Angebot! Natürlich gibt es Orangen und Clementinen, Melonen, Ananas und Kiwis, jede Sorte Tomaten, Möhren, Kohl und Zuccinis, nebenan Gewürze und Nüsse, ein Stück weiter Pulpo, Doraden und Scampis, und ganz hinten köstlichen Schinken und würzige Käse. Das muss das Paradies sein!

Markt in einer Jugendstilhalle

Nicht ganz – aber die Markthalle in Valencia hat wirklich ein riesiges, frisches, regionales Angebot, das zudem sehr ästhetisch und pieksauber arrangiert ist. Und die Halle selbst ist ein Kleinod des Jugendstils aus dem Jahre 1928. Der Kuppelbau aus Eisen, Glas und Keramikfliesen ist 30 Meter hoch und beherbergt auf zwei Ebenen 959 Marktstände.

Schräg gegenüber ist gleich das nächste Schmuckstück dieser wunderbaren, geschichtsträchtigen Stadt zu finden. Hinter einer

In der Säulenhalle wurde mit Seide gehandelt

unspektakulären Fassade versteckt sich die Seidenbörse, La Lonja de la Seda , die 1469 als Ölmarkt gegründet wurde. Von 1483 bis 1533 wurde an dem bedeutendsten Gebäude der profanen Gotik in Europa gebaut. Nachdem man den Turm, den mit Zitrusbäumen bepflanzten Innenhof und einen großen Saal mit herrlichem Fußboden-Mosaik bewundert hat, steht man schließlich in einer riesigen, etwa 30m hohen säulengestützten Halle, in der mehrere Jahrhunderte lang mit Seide gehandelt wurde. Die Lonja de la Seda gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die barocke Bemalung der Kirche

Jetzt geht es durch ein paar kleine Gassen zur Calle Caballeros, dort findet man bei Nummer 35 einen versteckten, schmalen Gang zum Eingang der Kirche San Nicolas de Bari y San Pedro Martir . Eine weitere Attrakltion von Valencia: Der ursprüngliche Bau wurde 1238 vollendet und zwischen 1419 und 1455 im gotischen Stil renoviert, zwischen 1690 und 1693 malte und dekorierte man das Innere im barocken Stil, und in den letzten drei Jahren hat man diese Dekorationen auf das Schönste restauriert. Das Ergebnis: Ein überwältigender Bilderrausch!

Schlendern Sie jetzt an den kleinen Läden in der Calle Caballeros vorbei bis zur Plaza de la Virgen mit der Basilika de la Virgen de los Descamparados, der Kathedrale Santa Maria und dem Neptun-Brunnen. Hier tagt jeden Donnerstag mittags um Punkt zwölf das Wassergericht  und das seit dem Jahre 960. Die acht gewählten Laienrichter fällen Urteile zur Verteilung des (einst sehr kostbaren) Wassers aus dem Fluss Turia auf die Valencia umgebenden Felder. Das Wassergericht gilt als die älteste Rechtsinstitution in Europa und wurde einst von den Arabern eingeführt. Heute gibt es nur noch wenige Streitfälle, wie das Wasser genutzt werden soll, trotzdem tagt das Gericht und wird mittlerweile als Touristen-Attraktion geschätzt.

Plaza Rodrigo Botet

Kaffeepause? Da sind Sie an der Plaza de la Reina richtig. Rund um den hübschen Platz gibt es diverse Lokale mit Stühlen draußen. Lassen Sie sich nieder, genießen Sie einen Cortado und schauen Sie den Spaniern beim Leben zu. Hier fahren auch die Hop-on-hop-off-Busse zu allen Sehenswürdigkeiten ab, darunter die spektakuläre City of Arts and Sciences , die der Architekt Santiago Calatrava seiner Heimatstadt gebaut hat, und natürlich geht es auch ans Meer, an die breiten Mittelmeerstrände.

Wenn der Kaffee Sie gestärkt hat, dann sollten Sie sich jetzt gleich um die Ecke die Plaza Redonda ansehen. Der tatsächlich völlig runde Platz entstand 1840 als Fischmarkt, heute gibt es hier Stände mit Kunsthandwerk.

Und nun? Auf in die Carrer San Vicente Martir 6, ins Restaurant Sagardi  .

Im ersten Stock speist man gediegen an rustikalen Holztischen, im Parterre locken herrliche Tapas, die auf dem Tresen immer frisch und sehr appetitlich angeboten werden. Man nimmt sich einen Teller, belädt ihn mit so vielen Köstlichkeiten, wie man essen kann, bestellt dazu einen frischen, knatterkalten Weißwein – und genießt! Foto: CO

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Artikel 1. Zurzeit wird die Würde offen infrage gestellt, sie wird Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Rasse, Religion verwehrt. Auch wenn es ein radikal kleiner Teil ist, der das tut – das ist ein fundamentaler Angriff auf unsere Basis. Wir müssen uns entschieden widersetzen. Wir brauchen eine Massenmobilisierung der Demokraten, einen Aufstand des Anstands.“

 

Der SPD-Politiker Martin Schulz in einem Gespräch mit der Schauspielerin Iris Berben in Chrismon Spezial vom 31. Oktober 2018.

Foto: spd

Unser Lieblings-Cartoonist hat eine neues Buch herausgebracht, und das ist das ideale Geschenk für Menschen jenseits der Fuffzig!…?? Ach nee, eigentlich können auch Middleager darüber lachen, oder sogar noch jüngere, denn „Was geht’n im Alter so ab, Alter?“ finden bestimmt auch Pubertiere lustig.

Carlsen /Lappan Verlag, 9,99 Euro

 

Art Hotel Commercianti, Bologna

Schlafen unter mittelalterlichen Balken

Die Lage des Hotels ist ideal, wenn man die Stadt Bologna zu Fuß anschauen möchte. Die Basilika San Petronio kann man nämlich aus den Zimmerfenstern fast anfassen, und die wunderbare Orgel ist vom Bett aus zu hören. Im Hotel residierte im 12 Jahrhundert das Rathaus, die verkohlten Reste eines verheerenden Feuers im Mittelalter sind heute noch zu sehen.

Die Zimmer sind groß, mit Sitzecke und Schreibtisch im klassischen Stil ausgestattet. Die Bäder haben ausreichend Ablageflächen und natürlich auch ein Bidet.

Das üppige Frühstückbüfett mit frischem Obst, leckeren Brotsorten, Säften und verschiedenem Käse ist für Italien völlig unüblich, wird aber gerne genossen. DZ ab ca. 130 Euro

Foto: Art Hotel Commercianti

Keine Bange, wenn Ihnen noch immer kein angemessenes Weihnachtsgeschenk eingefallen ist: Hier kommen Tipps für Bücher, die auch ohne Kerzen in alle Augen ein warmes Leuchten zaubern.

Fotobände:

Vom Zauber eines Anfangs
Heute ist sie natürlich ein Star mit internationalem Kultstatus, deren Fotos sorgfältig arrangierte Kompositionen sind, aber vor genau 50 Jahren, als die blutjunge Kunststudentin Annie Leibovitz den Pinsel mit der Kamera tauschte, entstanden noch ganz andere Bilder. Da ging sie für das US-Magazin „Rolling Stone“ mit zahllosen Bands auf Tournee, beobachtete US-Politiker im Wahlkampf, andere Promis beim Leben, und die Aufnahmen, die sie dabei gleichsam aus der Hüfte schoss, sind bis heute von einer umwerfenden Spontaneität. In diesem Band sind sie versammelt, und schon die Porträts auf dem Umschlag, die auf den Beifahrersitzen Dutzender Autos entstanden, sind großartige Dokumente aus einer Zeit, als Rockmusik noch mit der Hand gemacht wurde – und die Fotos genauso entstanden.

Annie Leibovitz: The Early Years 1970-1983. 180 Seiten. Taschen. 40 Euro Foto: Taschen

Was heißt denn hier Provinz?
Deutschland? Aber wo liegt es? fragte der Dichter Friedrich Schiller schon vor über 200 Jahren. Das Fotografen-Ehepaar Ute und Werner Mahler, in der DDR zu Ruhm gekommen und 1990 Mitgründer der inzwischen fast legendären Agentur „Ostkreuz“, machte sich auf die Suche und hat sich drei Jahre lang in rund hundert Kleinstädten in Ost und West umgesehen. Das (bewusst in Schwarzweiß aufgenommene) Ergebnis: eine Welt voller Grautöne, dokumentiert mit jener unsentimentalen Lakonik, die längst das Markenzeichen der Mahlers geworden ist. Eng ist es denn auch oft auf diesen Aufnahmen und leer zugleich, und manchmal friert man, wie einst Franz Josef Degenhardt, vor Gemütlichkeit. Ist Provinz Heimat? fragt Ute Mahler einmal. Zumindest ein Teil der – durchaus nicht beschönigenden – Antwort liefern diese Bilder.

Ute und Werner Mahler: Kleinstadt. 144 S., 69 Abb. Hartmann Projects Verlag. 49 Euro Foto: HartmanProjects

 

Kunstbände:

Auf den Spuren eines Genies
Eigentlich ist der „Gauguin Atlas“ gar kein Atlas, sondern eher eine illustrierte Reise durch das bewegte Leben des Malers Paul Gauguin (1848 -1903), der mal in Paris, mal in Kopenhagen, in der Bretagne oder auf Tahiti lebte. Gauguin gab eine Karriere als Börsenmakler mit sehr großem Gehalt auf, um frei zu sein und zu malen. Seine Frau Mette ließ er mit vier Kindern mittellos in Kopenhagen sitzen, lebte eine Weile mit Vincent van Gogh in Arles, dann wieder in der Bretagne, in Paris und schließlich auf Tahiti, hatte überall Frauen und ließ sie mit gemeinsamen Kindern sitzen, lebte oft von Zuwendungen, verschwieg gelgentliche Einnahmen und machte sich immer und überall Feinde. Seine kraftvolle Malerei wurde erst nach seinem Tod erfolgreich. Der Gauguin Atlas zeichnet seine Leben in aller Welt detailliert und schwungvoll nach und bietet darüber hinaus alte Karten, Bilder, Zeichnungen, Briefe und Stadtpläne und natürlich Gauguins Gemälde als Illustration. Ein wunderbares Geschenk auch für Kunst-Anfänger.

Nienke Denekamp: Der Gauguin Atlas. 160 S., 350 Abb. Sieveking. 29 Euro. Foto: Sieveking

Eine Epoche der Sehnsucht
In den „Jungen Mann“, dessen Porträt das Buchcover ziert, möchten sich alle auf der Stelle verlieben – Frauen wie Männer. Und wer glaubt, so viel Schönheit sei einmalig, der irrt sich. Blättert man durch diesen großformatigen Katalog, dann geht es nämlich einfach so weiter – mit 120 Meisterwerken von Giotto, Botticelli oder Leonardo da Vinci.
Die Münchner Alte Pinakothek hat hinreißende Zeugnisse Florentiner Renaissancemalerei vom Arno an die Isar geholt. Denn im Florenz des 15. Jahrhunderts wurde die Malerei neu erfunden. Ermutigt und unterstützt durch die Mäzene aus der Medici-Familie experimentierten Künstler in dieser Zeit mit Themen, Formen und Techniken. Wie es dazu kam, dass sie dabei eine so facettenreiche Opulenz gewannen, die uns bis heute fasziniert und überrascht, kann man in ebenso anspruchsvollen wie verständlichen Aufsätzen nachlesen.
Das Florenz der Medici ist und bleibt eine Sehnsuchtsepoche: bis 27. Januar 2019 zu erleben in der Ausstellung und als Lese- und Schaugenuss im Katalog. Ein kostbares Geschenk.
Andreas Schumacher: Florenz und seine Maler: Von Giotto bis Leonardo da Vinci. Hirmer Verlag, 320 S., ca. 170 Abb., 45 Euro. Foto: Hirmer

Als Schlendern noch eine Kunst war
Gedankenlosigkeit? Unvermögen? Da erscheint ein famoser Katalog zu einer famosen Bonner Ausstellung mit dem famosen Titel „Der Flaneur“, und was ist auf dem Umschlag zu sehen? Eine Dame. Aber man sollte sich nicht zu lange über diesen ärgerlichen Lapsus aufregen, denn wenn man sich das Buch dann anschaut, entdeckt man eine faszinierende Welt: die des Schlenderns und Umherschweifens in der Großstadt. Kapitale dieses Müßiggangs war natürlich das Paris des 19. Jahrhunderts mit seinen breiten Boulevards und eleganten Passagen. Später lieferte Berlin eine dunklere, nervösere Version dieser ganz eigenen „Lektüre der Straße“, und so waren es nach den Impressionisten Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner und George Grosz, die sich des Menschen im Dschungel der Großstadt annahmen. Doch je weiter das 20.Jahrhundert fortschritt, desto mehr verschwand der Flaneur. Der Street Photography gelangen noch ein paar eindrucksvolle Bilder – inzwischen ist der ziellose Passant zu einer Sehnsuchtsfigur aus der Vergangenheit geworden.

Volker Adolphs und Stephan Berg: Der Flaneur. Vom Impressionismus bis zur Gegenwart. 344 S., 230 Abb. Wienand. 39,80 Euro. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bonn ist noch bis zum 13. Januar 2019 zu sehen. Foto: Wienand

Wenn der Schein trügt
Jemanden hinters Licht führen gilt nicht gerade als die feinste aller Umgangsformen. Dass es aber Ausdruck delikatester Kunstfertigkeit sein kann, belegt dieser informative Katalog, der zu einer Ausstellung in der Münchner Kunsthalle der Hypo-Stiftung erschienen ist. Über vier Jahrtausende, von der Antike bis in die Gegenwart, und an so gut wie allen Disziplinen der Kunst wird die „Lust der Täuschung“ dokumentiert, und ob nun auf einem pompejanischen Wandgemälde aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. erlegte Tiere wie zum Anfassen abgebildet sind, ob Raffael sein Fresko „Schule von Athen“ gleichsam in 3D malte oder die Brüder Lumière rund 4 Jahrhunderte später einen Zug von der Filmleinwand auf das Publikum zurasen ließen – soviel schöner Schein, wie jetzt in diesem Buch (und noch bis zum 13. Januar in der Ausstellung) zu bewundern ist, war selten in letzter Zeit.

Lust der Täuschung. 264 S., 200 Abb. Hirmer. 39.90 Euro Foto: Hirmer

Lesen von allen Seiten
Wer sich nicht entscheiden möchte, ob er lieber liest oder Gemälde betrachtet – dem seien diese zwei Bücher empfohlen. Sie bieten nämlich beides.
Über alle Kulturen und Epochen hinweg blieb die Faszination des Lesens ungebrochen. Daher verwundert es nicht, dass der Reiz der Bücher auch immer ein bevorzugtes Motiv der Maler war: So findet sich verschwenderische Hingabe bei Alex Katz, stille Versunkenheit bei Suzanne Valadon, laszive Selbstvergessenheit bei Pablo Picasso oder konzentrierte Ernsthaftigkeit bei El Greco.
Die „Kunst des Lesens“ (Prestel Verlag) präsentiert 280 Gemälde, keines gleicht dem anderen, aber alle eint das Motiv von der Leidenschaft zu lesen – eingefangen in Kunstwerken von Fresken aus Pompeji bis zu Installationen von Anselm Kiefer – und versehen mit kenntnisreichen Kommentaren.
Als Geschenk ebenfalls gut geeignet für Lesende, die Sie zur Kunst locken möchten, ist der Band „Lektüre“ (Schirmer/Mosel Verlag). Er versammelt berühmte Bilder von Menschen mit Büchern aus Malerei, Handzeichnung und Druckgrafik von Auguste Renoir bis Gabriele Münter, setzt aber den Schwerpunkt auf Kunst des 20. Jahrhunderts. Dabei widmet sich der elegant gestaltete Bildband auch jenen Künstlern wie Paul Klee und Cy Twombly, die in der Geste des Schreibens ein Hauptmotiv ihrer Kunst fanden, oder er zeigt, wie die Fotografin Candida Höfer Bibliotheken und Lesesäle in Szene setzte.
Mit Essays über das Wesen des Lesens, verfasst von berühmten Autoren wie Marcel Proust, Kurt Tucholsky oder Umberto Eco, reicht das Buch weit über die Ausstellung hinaus, die es im bayerischen Kochel am See im vergangenen Herbst begleitet hat.
Ach, lesen Sie doch einfach selbst.

David Trigg: Die Kunst zu lesen. Prestel Verlag. 352 S., 280 Abb., 22 Euro
Cathrin Klingsöhr-Leroy: Lektüre. Bilder vom Lesen – Vom Lesen der Bilder. Schirmer/Mosel Verlag. 172 S., 81 Abb., 39,80 Euro
Fotos: Prestel/SchirmerMosel

Der Trafikant

Wunderbar besetzt und bis ins Detail liebevoll ausgestattet kommt die Verfilmung des großartigen Buchs von Robert Seethaler „Der Trafikant“ doch nicht an die Vorlage heran. Das liegt an den mythischen Traumsequenzen, die der Regisseur dem Text hinzu gefügt hat, und die in meinen Augen völlig überflüssig, manchmal sogar ärgerlich sind.

Aber Bruno Ganz als Sigmund Freud ist trotzdem absolut sehenswert. https://tobis.de/film/der-trafikant

 

Weihnachtssterne: 2017 verkauften deutsche Züchter im Inland 32 Millionen Weihnachtssterne, 80% davon waren rot. Der Anteil der Mini-Pflanzen von 9 bis 11 cm Toipfgröße stieg in den letzten Jahren auf 57%, denn mit den Kleinen werden offensichtlich in den letzten Jahren immer öfter festliche Tafeln geschmückt.
Weihnachtsriuale: In Japan gehen Familien gern gemeinsam zu Kentucky Fried Chicken und genießen das „Christmas Dinner“, das allerdings Monate vorher reserviert werden muss. Auf Madeira backt man traditionellen Honigkuchen „Bolo del Mel“ am Beginn des Weihnachtsfestes am 8. Dezember, das dann bis zum 15. Januar mit vielen öffentlichen Festen gefeiert wird. Das Städtchen Santa Claus in Georgia hat, seit seine Beowhner den Ort 1941 umbenannten, eine Noel Street, eine Candy Cane Street und einen December Drive, dort am Rathaus werfen Kinder ihre Wünsche in den Briefkasten, die dann bestimmt in Erfüllung gehen.
Weihnachtsheft: Sie können bestimmt noch Ideen für Geschenke und Dekorationen gebrauchen, und auch ein paar leckere Rezepte? Und die Texte der schönen Lieder oder Gedichte werden auch gern mal aufgefrischt, oder? Wenn Sie außerdem noch gerne neue Plätzchen-Rezepte hätten und wissen möchten, warum wir Weihnachten so viel essen und woher die Mode der Baumkugeln kommt, dann sichern Sie sich das Magazin „WEeihnachten …heute so schön wie früher“, da haben Sie alles kompakt und attraktiv und völlig anzeigenfrei. Es kostet an gut sortierten Kiosken 5,90 oder über leser-service@steyler.com

Fotos: Veranstalter/Produzenten

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

 

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

NACHRICHTEN AUS DEM TOLLHAUS

Flucht der Schwestern und Ärzte

Im einzigen Krankenhaus der westungarischen Kleinstadt Ajka haben, wegen andauernder Überlastung und miserabler Ausrüstung, alle Schwestern der Intensiv-Station gekündigt. Ihnen folgten die Narkoseärzte. Eine Katastrophe für die Stadt und Umgebung.
Da es in Ungarn keinen Gesundheitsminister gibt, erhob dazu der zuständige „Minister Für menschliche Kraftquellen“ seine Stimme (die wörtliche Übersetzung seines Titels ist auch auf Ungarisch nicht verständlicher). Er sagte: Die wichtigste Medizin sei das Einhalten der christlichen „Zehn Gebote“.
Immerhin wurde im Parlament die Frage gestellt, welches der Gebote besonders streng einzuhalten sei: Etwa „Du sollst nicht – EU-Gelder –stehlen“? Leider blieb der Minister eine Antwort schuldig.

Obdachlosigkeit als Straftat

Das Gesetz wurde vom Parlament gebilligt. Vom Staatspräsidenten unterschrieben. Und somit trat es in Kraft. Tatsächlich verschwanden die Obdachlosen von den Straßen und Plätzen der Städte.
Als erste protestierten dagegen die Richter. Dann die Rechtsanwälte. Dann die Ärzte. Schließlich wurde von einem privaten Meinungsforschungs-Institut eine repräsentative Umfrage veröffentlicht. Danach denken zwei Drittel der Befragten, dass Obdachlosigkeit keine Straftat sei. Allerdings möchten etwa ebenso viele Obdachlose ungern in den Straßen ihrer Stadt sehen. Mich hat damals, als dies noch möglich war, ein wenig getröstet, dass die Obdachlosen recht gut mit Kissen und Decken durch Passanten aus der Nachbarschaft versorgt waren. Dazu landeten regelmäßig Münzen und Geldscheine in den bereitgestellten Pappbechern.
Wenn ich mir Obdachlose heute in den feuchten und kalten Wäldern vorstelle, denn viele wollen nicht in die überfüllten Heime gehen, tun sie mir umso mehr leid.
Dafür ist das Problem unsichtbar geworden.

Strafe für einen Bücherwurm

Der zweite Vorsitzende der Partei Demokratische Koalition Ungarns, Csaba Czeglédy, sitzt im Knast. Er soll den ungarischen Rechtstaat lächerlich gemacht haben. Ein Kunststück: Wie kann man etwas lächerlich machen, das nicht existiert? Zweifellos ein weiterer Versuch der Regierung, die Opposition zu zermürben.
Kürzlich ereilte den Politiker selbst hinter Gittern eine Strafe. Weil er für die Gefängnisleitung „zu viele“ Bücher in seiner Zelle aufgehäuft habe, darf er bei den Kulturveranstaltungen der Strafanstalt künftig nicht teilnehmen. „Wunderbar!“, soll er gesagt haben, „so bleibt mir mehr Zeit zum Lesen“.

Busfahren in Budapest – mit Überraschungen

Busfahren in Budapest

Der Sommer war nicht nur heiß sondern auch turbulent: Einerseits Proteste gegen den Kahlschlag im Stadtwäldchen, dazu Aufmärsche gegen die Regierung. Andererseits Musik- und Theaterfestivals im Freien, bei denen auch der Ministerpräsident das Wort ergriff – und es nicht wieder loslassen wollte.
All dies bedeutete Straßensperren. Und was in Budapest noch schwerwiegender ist, Sperren einer oder gar zwei Donaubrücken.
An einem solchen Tag saß ich im Bus 105, der mich gewöhnlich von Pest über die Kettenbrücke nach Buda und zu meinem Lieblings-Schwimmbad, (mit 29° warmem Quellwasser) Rudas fürdö, bringt.
Ich saß am offenen Fenster, direkt hinter der Fahrerkabine. Zunächst erreichten wir ohne Schwierigkeiten den Pester Brückenkopf der Kettenbrücke, wo allerdings ein unübersichtliches Schild die Überquerung verhinderte. Immerhin, als Beweis von Voraussicht des Leiters der Budapester Verkehrsbetriebe* stand (zur Fahrerseite des Busses) eine Polizistin. Eine Riesin. Mit etwa 2,20 Meter so hoch, dass sie kaum den Kopf heben musste, um mit dem (erstaunten) Fahrer zu plaudern. Der fragte denn auch etwas kleinlaut, wie er (mit uns Fahrgästen) auf die andere Seite der Donau komme. Darauf die selbstbewusste Beamtin: „Sie sehen dort vorn den Bus Nummer 19. Fahren Sie dem nach. Dem habe ich gerade den Weg erklärt.“
Es wurde eine hübsche, etwas längere Reise an der Donau entlang, denn auch die nächste, die Elisabeth Brücke, war gesperrt. Ich erreichte trotzdem noch rechtzeitig das Schwimmbad.

*Über die Budapester Busfahrer lohnt es sich zu wissen, dass sie nicht ihr Arbeitsleben lang eine Tour fahren. Als ich davon das erste Mal hörte, war ich begeistert, dass sie nicht, wie alte Esel in einer Weizenmühle, immer dieselbe Runde drehen müssen. Bald aber sah ich Busse, deren Fahrer offensichtlich in der letzten Minute entdeckten, dass sie rechts oder links abbiegen mussten. Ja, nichts ist vollkommen.
Fotos: privat/budapestbylocals

Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, noch bis 24.3. 2019:

Es war einmal in Amerika

300 Jahre US-Amerikanische Kunst

Edward Hopper: Hoogan‘ House

120 Werke aus dreihundert Jahren amerikanischer Kunst-Geschichte – von 1650 bis 1950 – zeigt man jetzt in Köln erstmals in Deutschland. Mit dabei sind Gemälde von Edward Hopper, Mark Rothko, George Bellows, Jackson Pollock und Georgia o´Keeffe, Fotografien von Alfred Stieglitz und Skulpturen von Quincy Adams Ward und vielen anderen mehr. 130 Werke sind Leihgaben aus den USA, gezeigt werden auch Beispiele der Native American Art. Eine wirklich sehenswerte Show.

 

Geöffnet Di-So 10-18 Uhr, 1. + 3. Do bis 22 Uhr.

Der Schwebende

Da schwebt er! Der Bronzeengel mit dem Gesicht der Malerin Käthe Kollwitz hängt in einer dunklen
Ecke des Domes und ist viel größer als erwartet. Ernst Barlach hat ihn zur 700-Jahr-Feier des Güstrower Domes 1927 geschaffen, er sollte als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges dienen. „Für mich hat während des Krieges die Zeit stillgestanden. Sie war in nichts anderes Irdisches einfügbar. Sie schwebte. Von diesem Gefühl wollte ich in dieser im Leeren schwebenden Schicksalsgestalt etwas wiedergeben,“ kommentierte Barlach (1870 – 1938) sein Werk. Das Gesicht seiner Kollegin sei ihm eher zufällig auf die Skulptur geraten, behauptete er auch gern. 1937 verunglimpften die Nazis den Schwebenden als ‚entartete Kunst‘, 1941 ließen sie ihn einschmelzen. Die Original-Gussform wurde im Krieg versteckt, und so konnten Nachgüsse entstehen, einer hängt heute in Köln, einer in Schleswig und eben dieser im Güstrower Dom.
Gegenüber steht das John Brinckmann-Gymnasium, in dem der Schriftsteller Uwe Johnson (1934 – 1984) 1952 sein Abitur machte, nachdem er mit Mutter und Schwester fünf Jahre in Güstrow gelebt hatte. Vor der Schule steht heute eine Büste des Dichters.

Das Renaissance-Schloss

Geht man jetzt vom Domplatz durch die Philipp-Brandin-Straße, erreicht man den Franz-Parr-Platz mit dem Regionalmuseum in einem Bürgerhaus von 1765, dem Amtsgericht, dem Barlach-Theater von 1828, in dem 1912/13 Hans Albers seine Karriere begann, und natürlich dem Renaissance-Schloss, in dem heute ein Museum für mittelalterliche Kunst residiert. Im Festsaal sollte man die mit Jagdszenen dekorierte Stuckdecke beachten. Von 1626 bis 1630 lebte Feldherr Albrecht von Wallenstein im Schloss, bis der Kaiser ihn entmachtete. Besonders sehenswert ist auch der Schlossgarten, der 1570 angelegt und seither häufig umgestaltet wurde.

Nur wenige Schritte entfernt, in der Heilig-Geist-Kirche, findet man das Norddeutsche Krippenmuseum, in dem ganzjährig Weihnachskrippen zu beschauen sind. Vierzig Jahre lang hat die Hamburgerin Mechthild Ringguth etwa 500 Krippen in siebzig Ländern gesammelt, die meisten von einheimischen Künstlern gefertigt. Hundert davon sind im Krippenmuseum zu sehen.

Marktplatz mit Giebelhäusern

Am besten geht man jetzt durch die Domstraße zum Marktplatz mit seinen vielen klassizistischen Bauten und vier mittelalterlichen Giebelhäusern. In der Mitte des Platzes steht die Pfarrkirche St. Marien aus dem 16. Jahrhundert. Besonders sehenswert ist hier der Flügelaltar des Brüsseler Bildschnitzers Jan Borman von 1522. Im Sommer kann man übrigens den 53m hohen Turm besteigen und hat dann einen herrlichen Rundumblick.

Das Rathaus

Auch das Rathaus steht am Marktplatz. Ein gotisches entstand bereits im 13. Jahrhundert, nachdem Güstrow das Stadtrecht erhalten hatte, brannte aber 1503 ab. Der heutige Bau mit der wunderschönen klassizistischen Fassade stammt aus des Ende des 19. Jahrhunderts.

Vom Marktplatz spaziert man am besten die Hageböcker Straße zur Gertrudenstraße und besucht die Gertrudenkapelle aus dem 15. Jahrhundert. Dort ist seit 1953 ein Barlach-Museum untergebracht, in dem seine Skulpturen „der Zweifler“, „Frau im Wind“ und „gefessete Hexe“ zu sehen sind.

Übrigens: Natürlich hat das Tourismusbüro verschiedene Führungen im Angebot. Eine zweistündige Gruppenführung gibt es zum Beispiel auf Plattdeutsch, denn „Güstrow bietet mennig taun ankieken.“

Fotos: Tourismus Güstrow

„Einer der ersten Schritte auf dem Weg, sich selbst besser zu verstehen, besteht darin, all diese Mythologien und Illusionen über ein individuelles Selbst mit freiem Willen hinter sich zu lassen. Die Leute, die an den freien Willen glauben, sind am einfachsten zu manipulieren.“

Der israelische Historiker und Bestseller-Autor Yuval Noah Harari in einem Interview mit der Zeit vom 20. September 2018.