Dr. Reyhan Sahin

„Ich bin muslimische Alevitin… Mein Gott ist eine Frau: eine Göttin der Gerechtigkeit!…Letztlich ist es egal, ob jemand Alevitin ist, Christ oder Jüdin. Viel wichtiger ist es doch, gut und gerecht zu bleiben. Ich kenne Atheistinnen, die sind die tollsten Menschen. Und Gläubige, die echt böse sind.“

Die Wissenschaftlerin und Rapperin Dr. Reyhan Sahin, alias Lady Bitch Ray, in Chrismon 2/2019. Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Poggio a Poppi, Italien

Romantisch schlafen

Wenn man es endlich geschafft hat, die immer schmalere, im Sommer meist staubige Sandpiste am Friedhof vorbei hinauf bis zur Hügelkuppe zu fahren, dann liegt einem nicht nur die Toskana zu Füßen, man ist auch in einem überaus charmanten Agriturismo angekommen. Die Zimmer sind groß und typisch toskanisch mit dunklen Holzmöbeln eingerichtet. Die Bäder sind modern und behaglich mit ausreichend Ablageflächen ausgestattet.
Im Pool gibt es im Sommer Wassergymnastik, das Frühstück ist üppig, das Restaurant bietet liebevoll zubereitete Spezialitäten und auch Kochkurse. Die hübschen Orte Poppio und Bibbiena liegen in Sichtweite. DZ ab 80 Euro. Foto: Poggio a Poppi

Vive la France!

Nein, einen normalen Reiseführer mit akkuraten Ortsangaben, Hotel- und Restauranttipps und was dergleichen nützliche Infos mehr sind, den hat Manfred Hammes nicht geschrieben. Aber wer die Kulturlandschaft Südfrankreich kennenlernen will, der stößt in diesem 700-Seiten-Band auf eine Schatzkiste, die im wahrsten Sinne des Wortes überquillt. Denn der Autor, seit über 30 Jahren in der Gegend unterwegs, kennt sie alle: Alle Künstler, Schriftsteller und Musiker, alle Köche, Literaten und Weltenbummler, die sich je an Frankreichs Mittelmeerküste samt Hinterland aufgehalten haben – von den Einheimischen ganz zu schweigen. In 16 lesefreundlichen Postkarten (sprich: Kapiteln) breitet er sein enzyklopädisches Wissen kurzweilig und anekdotenreich aber durchaus nicht systematisch aus, und die einzige Warnung, die angesichts dieser Faktenfülle beherzigt werden sollte: Übers Festlesen nicht vergessen, irgendwann auch loszufahren. PM
Manfred Hammes: Durch den Süden Frankreichs – Literatur, Kunst, Kulinarik. 704 S., ca. 1300 Abb. Nimbus Verlag. 29,80 Euro Foto: Nimbus Verlag

 

Geliebter Garten

Das neue Werk des Autoren Georg Möller und des Fotografen Gary Rogers ist mal ein ganz anderes Gartenbuch. Man lernt nicht, wie man Radieschen zieht oder Geranien vermehrt, stattdessen kommen Schriftstellerinnen wie Ingrid Noll, Charlotte Link, Eva Demski und andere zu Wort, die von ihrer Natur- und Gartenleidenschaft erzählen und in ihre Gärten einladen. Neben ausführlichen Porträts der Schriftstellerinnen stehen kurze Interviews zu den Fragen „Was ist Heimat?“ und „Wie sieht der Schreiballtag aus?“ und sehr lesenswerte Statements von Zsusa Bank, Barbara Frischmuth, Ulla Hahn und weiteren Kolleginnen. Schade ist allerdings, dass die schönen Fotos von Gary Rogers meist nur sehr klein abgedruckt wurden, und dass der Stil des Gartenautors Georg Möller doch weit hinter dem der Schriftstellerinnen zurück bleibt.
Georg Möller, Gary Rogers: Und immer wieder mein Garten…. 240 S., 200 Abb. DVA. 30 Euro Foto: DVA

 

Meister unter sich

Das ist ein Fest für alle Bewunderer der italienischen Renaissance-Malerei: Die Gemälde-Galerie in Berlin und die National Gallery in London haben – neben vielen Werken aus eigenem Besitz – aus Europa und Amerika über 100 Bilder von Andrea Mantegna und Giovanni Bellini zusammengetragen. Über den Winter war die faszinierende Schau in London zu sehen, nun ist sie nach Berlin gereist (1. März bis 30. Juni) – und dazu ist ein opulenter Katalog erschienen, der in großzügigen Abbildungen höchst anschaulich dokumentiert, wie beide Künstler ihre Bilderwelten vorangebracht haben. Zugleich wird Zeitgeschichte lebendig: Sehr spannend ist nachzulesen, wie im 15. Jahrhundert die noble Universitätsstadt Padua und das kultivierte kleine Mantua – die Lebensstationen von Mantegna – und andererseits das elegante, mächtige Handelszentrum Venedig, wo Bellini lebte, die unterschiedliche künstlerische Entwicklung der beiden Maler vorgezeichnet haben. Als Mantegna, Sohn eines Tischlers und später ambitionierter Hofmaler von Mantua, in die angesehene Künstlerfamilie Bellini einheiratet, beginnen die beiden Maler einen wechselseitigen Austausch, der eine bis heute einzigartige Brillanz hervorbringt.

Wer noch weiter in das Werk von Giovanni Bellini eintauchen möchte, dem sei der großformatige Bildband des Bielefelder Kunstwissenschaftlers Johannes Grave empfohlen, der die Lichtvariationen seiner Naturdarstellungen, die Leuchtkraft seiner biblischen Szenen und die Detailversessenheit seiner Porträts ebenso kenntnisreich wie verständlich kommentiert und zugleich erläutert, wie der Venezianer zu einem neuen meditativen Sehen einlädt. UvS

Caroline Campbell u.a. (Hrsg.): Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance. Hirmer Verlag. 304 S., 287 Abb., 39,90 Euro
Johannes Grave: Giovanni Bellini und die Kunst des Betrachtens. Prestel Verlag. 288 S., 230 Abb., 99 Euro Foto: Hirmer/Prestel

16. bis 31.März, Wismar: Zum 17. Mal finden in der Stadt an der Ostsee die Wismarer Heringstage statt. Am Eröffnungstag ziehen die Köche der Stadt – begleitet von einer Blaskapelle – mit dem frischen Fang vom Hafen zum Marktplatz, wo dann die Heringe gebraten und verkauft werden. Alle teilnehmenden Restaurants bieten zudem bis Ende des Monats ganz verschiedene Heringsgerichte an. Mehr dazu: www.heringstage-wismar.de
17.März, Ballinstadt, Hamburg: Jeden 17. März feiern die Iren den St. Patricks Day, bei dem an den Heiligen Patrick (385 bis 461), den ersten Bischof von Irland, erinnert wird, mit dem die Christianisierung des Landes begann. Auch Hamburgs Auswanderer Museum würdigt diesen Tag der Geschichte und den Traditionen der grünen Insel, u.a. mit Vorträgen. Und im Restaurant bekommt man natürlich Irish Stew vorgesetzt.

Ligne Roset: Das neue Sofa von Marie Christine Dorner „L’imprevu“ (das Unerwartete) hat gerade den German Design Award 2019 gewonnen. Schiebt man zwei der Sofas mit den mit Gänsefedern gefüllten Kissen zusammen, hat man eine Liegefläche von 160×200 cm.
Brühl: Der Designerin Kati Meyer-Brühl ist mit dem Sofa „Airy“ und seinen beweglichen Rücken- und Seitenlehnen ein höchst flexibles System zum Sitzen und Liegen gelungen.
Riviera Maison: Der elegante Sessel „Contessa“ hat einen Samtbezug in fünf Farbtönen. Ein passendes kleines Sofa gibt es ebenfalls.
Bonaldo: Die schwungvolle Rückenlehne des Sofas „Lovy“ ziert jetzt auch das „Lovy Bed“ . Heruntergebogen kann sie als Ablagefläche genutzt werden.

L’imprevu von Ligne roset

Airy von Brühl

Contessa von Riviera Maison

Lovy Bed von Bonaldo

100 Jahre KitchenAid: Als der amerikanische Ingenieur Herbert Johnston 1908 einen Bäcker dabei beobachtete, wie der mit einem schweren Eisenlöffel mühsam Brotteig rührte, dachte er sich, das müsse doch einfacher gehen. Also machte er sich ans Werk und erfand die weltweit erste Küchenmaschine. 1919 gab es dann das erste elektrische Modell für Privathaushalte; seit den 50er Jahren ist KitchenAid auch für seine fröhliche Farbpalette bekannt.

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

Die Agentur des Teufels

Blanka Nagy

Im warmen Frühling 2017 wurde Ungarn mit Plakaten übersät, auf denen ein grinsender George Soros zu sehen war. Daneben der Satz: „Lassen wir es nicht zu, dass er zuletzt lacht!“
Auf den ersten Blick dachte ich: Keine überwältigende Kampfansage an die Opposition. Selbst schlichte Gemüter werden kaum darauf hereinfallen – es ging um die Parlamentswahl 2018. Ich hatte mich geirrt. Es war maßgeschneidert schlicht. Denn bald kamen Plakate mit der Botschaft, der Milliardär und gebürtige Ungar Soros habe einen Geheimplan, Europa mit Einwanderern zu fluten. Und das war schon etwas ordentlich Angsteinflößendes. Angstmachen ist zwar nicht gerade neu, aber immer noch wirksam. Orbán siegte denn auch 2018 mit Zweidrittel-Mehrheit.
Die Denker und Autoren hinter der Kampagne waren Arthur J. Finkelstein und George Birnbaum im fernen New York. Sie haben Orbán bereits bei seinem ersten Wahlkampf 2010 geholfen, an die Macht zu kommen. Außerdem dankten Richard Nixon, George W. Busch, Ariel Sharon, Benjamin Netanyahu und viele andere in Albanien, Österreich, Rumänien usw. für die freundliche Verbreitung von Angst und/oder eine gelungene Vernichtungskampagne ihrer jeweiligen Gegner.
Nach dem Tod Finkelsteins im Sommer 2017, als sich Orbáns Sieg schon abzeichnete, soll George Birnbaum der Gedanke an eine öffentliche Beichte gekommen sein. Sie geschah denn auch im Juni 2018 vor Journalisten in Berlin.
Was mich, den Autor dieser Zeilen, bis heute entsetzt, war Finkelsteins Grundthese: Im Land des Auftraggebers jemanden aussuchen, dessen Namen man kennt (George Soros, Universitätsgründer und Ehrenbürger von Budapest 2002), und ihn anpinkeln. Soros etwa sei ein Bösewicht, vor dem Ungarns heldenhafter Ministerpräsident Orbán die Nation retten will. Und kann. Und wird. Dann macht man weiter mit neuen angsteinflößenden Vorwürfen. Und sollte der Gegner in der Presse seine Unschuld beteuern: Wunderbar! Damit brüht er das Thema auf. Diesen Gefallen allerdings hat ihm Soros (mit dessen Stipendium Orbán und nicht nur er einst studiert hat), nicht getan. Trotzdem hat der teuflisch-geniale Plan funktioniert. Und Finkelstein soll noch vor seinem Tod geprahlt haben, der Sieg in Ungarn werde seine Meisterleistung.

Ungarns Opposition hat eine neue Stimme

Und die heißt Blanka Nagy, hat rote Haare, ist hübsch, erfrischend frech und 18 Jahre alt. Sie lebt mit ihren Eltern auf dem Land, in Kiskunfélegyháza, reist aber zu Demos durch Ungarn mit ihrem dicken Notizbuch, woraus sie ihre Texte vorliest.
In einer ihrer ersten Reden nannte sie Orbán, neben anderen ähnlichen Attributen, „ekelhaft“. Darauf erwiderte die Dreckschleuder der Regierung, Zsolt Bayer, im Fernsehen, sie sei eine schlechte Schülerin und eine Proletin. Selbstbewusst antwortete sie bei der nächsten Demo: Ja, sie sei nicht der Primus der Klasse, doch seien ihr auch ihre Reden wichtig, und die rauben eben Zeit – selbst vom Lernen. Außerdem möge er, des „Königs Hofnarr“, bedenken, dass die Stühle und Tische in seinem Studio von einfachen Arbeitern – Proleten – gebaut wurden. Zudem möge er wenigstens einmal nicht in die Kamera, sondern in einen Spiegel schauen, während er die endlosen Lügen von sich gibt. Und sie holt immer wieder aus: Orbáns Partei sei eine Krankheit, er selbst eine böse Zellwucherung. Die regierenden FIDESZ-Politiker seien allesamt durchgefallen in den Fächern Verantwortung und Menschlichkeit. Ihre jüngste öffentliche Rede beendete sie mit dem historischen Ruf der 1848er Revolution: „Bisher waren wir Gefangene. Wollen wir es bleiben? Wählt!“ Sie erntete langen, orkanartigen Beifall.
Ihr vorerst letzter Auftritt war beim Parteikongress der Ungarischen Sozialistischen Partei, am Samstag, dem 16. März. Frans Timmermans, EU-Kommissar und Spitzenkandidat bei der Europa-Wahl im Mai, hatte sie zu einem Gespräch eingeladen. Dabei ging es nicht um die Angriffe gegen sie, sondern um die wichtige Rolle der Jugend in der Politik, und um Blanka Nagys Pläne. Sie werde endlich und fleißig fürs Abi, ebenfalls im Mai, büffeln – was Timmermans mit Bedauern verstand.
Derweil ist es bei der Budapester Jugend und besonders in der Skate-Board-Szene schick geworden, sich selbst als einen Knecht des Buhmanns Soros zu bezeichnen – nur so aus Spaß.

Fotos: privat/magyarnarancs.hu

Tate Britain, 27.3. bis 11.8.2019
Van Gogh und Großbritannien

Die berühmte Sonnenblumen-Serie, die Vincent van Gogh (1853-1890) 1888 in Arles malte und von der heute ein Gemälde der National Gallery in London gehört, werden selten ausgeliehen, da der gelbe Farbton durch UV-Licht langsam bräunlich wird. Aber in dieser Ausstellung, in der 45 Gemälde van Goghs seine Beziehung zu Großbritannien dokumentieren, sind sie dabei. Der Maler hat zwischen 1873 und 1876 in London gelebt und sich dort für britische Kultur begeistert, er ließ sich von Malern wie John Constable und John Everett Millais und Autoren wie William Shakespeare und Charles Dickens inspirieren. Ergänzt wird die Ausstellung mit Bildern von Francis Bacon, die nach dem Selbstportrait van Goghs entstanden sind.

Geöffnet täglich 10-18 Uhr.
Foto: Fünfzehn Sonnenblumen vom August 1888, National Gallery , London

Die gewaltige Festungsmauer schützt St. Malo

Sie sieht alt aus, die Altstadt von St. Malo, aber sie ist es nur in Teilen. Denn die Alliierten bombardierten die Stadt 1944, weil der deutsche Besatzungskommandant Oberst von Aulock nicht kapitulieren wollte. Dadurch wurden 85% der Altstadt zerstört, nur die gewaltige Festungsmauer blieb praktisch unbeschädigt. Aber die Einwohner von St. Malo bauten ihre Stadt nach alten Plänen sofort wieder auf, so wie sie im 15. und 16. Jahrhundert entstanden war.
Parkplätze gibt es natürlich nur außerhalb der Stadtmauer, aber dort sind sehr viele vorhanden, und das Tourismusbüro an der „Grand Porte“ hält kleine Stadtpläne bereit.
Von hier sind es nur wenige Schritte durch das Große Tor der Stadtmauer zur Place

Übernachten in der Altstadt

Chateaubriand mit dem schönen Hotel France & Chateaubriand von 1882 mit einer einladenden Brasserie. Benannt ist das Hotel nach St. Malos größtem Sohn, dem Dichter und späteren Botschafter u.a. in Berlin, Francois-René de Chateaubriand (1768 bis 1848), der auf eigenen Wunsch auf der seiner Heimatstadt vorgelagerten Insel „Grand Bé“ anonym begraben wurde. Das Grabmal ist heute ein touristischer Anziehungspunkt, denn die 6 ha große, unbewohnte Insel kann bei Ebbe zu Fuß besucht werden. Aber sehen kann man das Eiland natürlich auch bei Flut, wenn man auf der Wehrmauer um die Altstadt spaziert.
Schon vor Christi Geburt gab es hier eine Siedlung, die aber wegen ihrer exponierten Lage häufig angegriffen wurde. Deshalb schützte sich die Stadt im 12. Jahrhundert mit einer gewaltigen Mauer rund um die Altstadt, von der herab man sowohl in die engen Gassen der Stadt als auch aufs offene Meer und in die Mündung des Flusses La Rance schaut. Und natürlich sieht man das Fort National, das König Ludwig XIV. 1689 zum Schutz der Stadt anlegen ließ, die Inseln Grand Bé und Petit Bé, die schönen Strände vor der Stadtmauer und den regen Schiffsverkehr zwischen St. Malo und Portsmouth, Plymouth und Saint Peter auf Guernsey. Und man kommt unterwegs auch an der Statue von Robert Surcouf (1773 bis 1827) vorbei, der als legitimierter Pirat, genannt Kaperer, auf den Weltmeeren britische Schiffe jagte und so zu unermesslichem Reichtum kam.

Schmale Gassen prägen St. Malo

Ist man um die Stadt herum spaziert, dann sollte man noch durch die engen Gassen zur Kathedrale schlendern. Das Gotteshaus stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde 1944 fast vollständig zerstört und 1972 wieder aufgebaut. In einem Seitenschiff befindet sich das Grab von Jacques Cartier (1491 bis 1557), dem Entdecker Kanadas.
Auf dem großen Platz vor der Kathedrale kann man schöne Fassaden anschauen, zum Beispiel von einem der Cafés oder Restaurants aus. Schließlich muss man die Spezialitäten der Bretagne ja probieren, die leckeren Gavottes zum Beispiel, hauchdünne Pfannkuchen mit Schinken, Käse und Ei, oder die süßen Crepes mit Schokolade, Marzipan oder Früchten. Oder die Austern, Jacobsmuscheln und in Schmalz gebratene Makrelen. Und danach: Salzbutterkaramellen vom Chocolatier Henri Leroux. Was für eine Völlerei!

„Mach Dir einen so schönen Plan B, dass Du Dich freust,
wenn Plan A schief geht.“

Die Luxemburger Köchin Lea Linster in Brigitte 2/2019.

Foto: Linster

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Le Moulin des Chennevières, Giverny, Frankreich

Die Mühle aus dem 17. Jahrhundert

Viele Hotels gibt es in dem kleinen Ort Giverny in der Normandie wirklich nicht. Die meisten Besucher des Monet-Gartens kommen mit dem Bus frühmorgens und sind am frühen Abend wieder weg. Und so entgeht ihnen das Hotel in der zauberhaften alten Mühle aus dem 17. Jahrhundert, das nur drei Doppelzimmer hat, durchweg etwas windschief, aber liebevoll eingerichtet. Das Frühstück wird von allen Gästen gemeinsam am großen Tisch in der Küche eingenommen. Sehenswert ist der Garten der Mühle: Auf drei Hektar schlängelt sich ein Flüsschen durch über hundert Jahre alte Bäume, man überquert das Wasser über eine romantische Brücke und kann sogar Wallabies beobachten. Und hier gibt es – im Gegensatz zu Monets Garten – praktisch keine Touristen. DZ ab 115 Euro. Foto: Le Moulin Chennevières

100 Jahre Bauhaus ist für uns Anlass, ein paar Neuerscheinungen
zu seinem Jubiläum vorzustellen:

Das Bauhaus für Anfänger

Für die, die noch nicht viel über das Bauhaus wissen, ist dieses Buch ein idealer Einstieg. Es beginnt mit einem kurzen Überblick, was das Bauhaus überhaupt war, gefolgt von 24 Kurz-Biografien aller wichtigen Bauhäusler, danach gibt es jeweils ein Kapitel zu den Bauhaus-Standorten in Weimar, Dessau und Berlin. Das Buch endet mit einem Überblick über die tatsächlich gebaute Bauhaus-Architektur und einem kurzen Exkurs, was aus Lehrern und Schülern im und nach dem Krieg wurde.
Nach der Lektüre weiß man, was der Architekt Mies van der Rohe meinte, als er in seiner Rede zum 70. Geburtstag des ersten Bauhaus-Direktors Walter Gropius (bis 1928) am 18. Mai 1953 sagte: „Das Bauhaus war eine Idee, und ich glaube, dass die Ursache für den ungeheuren Einfluss, den das Bauhaus auf jede fortschrittliche Schule in der Welt gehabt hat, in der Tatsache zu suchen ist, dass es eine Idee war. Eine solche Resonanz kann man nicht mit Organisation erreichen und nicht mit Propaganda. Nur eine Idee hat die Kraft, sich soweit zu verbreiten.“

Christiane Kruse: Das Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin – Leben, Werke, Wirkung, 144 S., 148 Abb. Edition Braus. 19,95 Euro. Foto: Edition Braus

Das Haus des Bauhauses

Natürlich gibt es auch ein Gebäude, das zum Inbegriff des Bauhauses wurde. Walter Gropius (1883 bis 1969) baute „das Bauhaus“ 1925/26 in Dessau, in dem die „Hochschule für Gestaltung Bauhaus Dessau“ bis 1932 residierte. Die Stiftung Bauhaus Dessau hat jetzt ein Buch herausgegeben, in dem mit vielen stillen Fotos und kurzen Texten dokumentiert wird, wie das Haus heute nach den vollständigen Restaurierungen 1972 und 2006 aussieht. Im Anhang werden die unterschiedlichen Ausbildungs-Werkstätten und viele Bauhäusler in Kurzbiografien dargestellt.

Bauhaus Dessau – Architektur – Gestaltung – Idee. 144 S., 82 Abb. Jovis. 25 Euro Foto: Jovis

Auerbachs Bauhaus

Walter Gropius hatte schon einige Häuser gebaut, als er 1924 von dem Physiker Prof. Felix Auerbach und seiner Frau Anna den Auftrag für ihr privates Wohnhaus in Jena erhielt und hier erstmals alle Bauhaus-Kriterien umsetzen konnte. Das Gebäude wurde 1994/95 grundlegend restauriert und kann nach Absprache besichtigt werden.
Wer mehr wissen will, sollte zu diesem Buch greifen, in dem die Autoren neben Fotos, Zeichnungen und Grundrissen auch Abbildungen von Original-Briefen, Postkarten und Zeitungs-Annoncen zeigen. Dazu erzählen sie detailliert die Geschichte des Hauses von den ersten Plänen, über die Auswahl der Möbel bis hin zur Farbgestaltung. Einen großen Teil des Buches nimmt schließlich die Geschichte der Bewohner ein, die mit einem gemeinsamen Suizid nach der Machtergreifung 1933 endete.

Barbara Happe, Martin S. Fischer: Haus Auerbach von Walter Gropius, 136 S., Jovis. 39,90 Euro. Foto: Jovis

 

Die Meinung der Fachleute
Die klare Sachlichkeit und schnörkellose Strenge des Bauhaus-Stils – das war 1919 etwas völlig Neues und Faszinierendes. Und auch der Versuch, Architektur, Kunst und Kunsthandwerk zusammenzuführen, elektrisierte seinerzeit viele. Und heute? Dr. Sandra Hofmeister, Chefredakteurin der „Edition Detail“, hat weltweit hundert Statements von hundert Architekten eingesammelt. So erklärt der Südtiroler Architekt und Designer Matteo Thun, dass die Gruppe Memphis ohne das Bauhaus nicht entstanden wäre: Er und seine Mitstreiter wollten der „grauen Bauhaus-Maus“ damals „bunte mit Emotionen gefüllte Objekte“ entgegen setzen. Kollege Daniel Libeskind wiederum, polnisch-amerikanischer Architekt u.a. des Jüdischen Museums Berlin, betrachtet die Prinzipien von einst noch immer als kategorischen Imperativ: „Noch heute verstehe ich Gestaltung im Sinne des Bauhauses als eine ethische Herausforderung und einen grundlegenden Ansatz für den Aufbau einer besseren Gesellschaft.“
Ergänzt wird der lesenswerte Band durch eine Einführung der Autorin und hundert Mini-Biografien der Architekten.

Sandra Hofmeister: Mein Bauhaus – 100 Architekten zum 100. Geburtstag eines Mythos. 240 S. Edition Detail. 29,90 Euro Foto: Edition Detail

Lebensläufe
Nicholas Weber leitet seit langem die Albers Foundation in Connecticut und hat viel Zeit mit dem Bauhaus-Künstlerpaar Josef und Anni Albers verbracht. Ihn interessierten die Menschen hinter den Bauhaus-Ikonen, und so hat er für sein Buch die „Bauhaus-Bande“, bestehend aus Walter Gropius, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Ludwig Mies van der Rohe und eben Anni und Josef Albers, detailliert und kenntnisreich porträtiert.
Das flott geschriebene 500-Seiten-Werk ist unterhaltsam zu lesen und hat jede Menge bisher unbekannte Informationen zu bieten.

Nicholas Fox Weber: Die Bauhaus-Bande – Meister der Moderne. 545 S., DOM Publishers. 48 Euro Foto: DOM Publishers

Lustvoll gebaut
Mit dem Bauhaus hat dieses Buch eigentlich gar nichts zu tun, aber es ist sehr unterhaltsam. Das Prinzip ist schnell klar: Auf einer Vorderseite sieht man eine merkwürdige Lebensmittel-Skulptur, zum Beispiel einen dicken Büffelmozzarella, das nächste Foto zeigt, wem der Klops verblüffend ähnelt, nämlich der Allianz Arena in München. Oder man betrachtet Zwiebelviertel aufgeschichtet auf einer Knäckebrotscheibe, und richtig: das erinnert an Sydneys Oper. Fünf im Kreis aufrecht gestellte Bananen stellen die Kathedrale von Brasilia dar.
Schnurrig wie das Buch ist seine Entstehung: Die Autoren suchten nach einem Geschenk für einen Architekten und begannen, Ikonen der Baugeschichte aus Lebensmitteln nachzubauen. So findet man jetzt in dem lustigen Bändchen Haribo-Konfekt als Hundertwasserhaus, eine Weißwurst als schiefen Turm von Pisa, Käse als Elbphilharmonie in Hamburg, Brüssels Atomium aus Weintrauben und Zahnstochern und das Kolosseum in Rom aus Zwieback.

Katharina Empl und andere: Bauschmaus – Ein kulinarisch-architektonisches Rätselbuch. 176 S., DVA. 15 Euro Foto: DVA

100 Jahre Bauhaus wird natürlich in ganz Deutschland das ganze Jahr über mit Ausstellungen und Vorträgen gefeiert. In Halle befasst man sich mit „Wege der Moderne“, in Gera ist man „…der Sachlichkeit verpflichtet“, und in Weimar dreht es sich in einer Ausstellung um die Nationalversammlung: „Demokratie aus Weimar“. Alle Veranstaltungen findet man gesammelt auf der Website https://veranstaltungen.bauhaus100.de/de/widget/calendar/
2019 finden in den Kirchen der Hansestadt wieder Konzerte im Rahmen des Hamburger Orgel-Sommers statt. In diesem Jahr wird dabei an den 300. Todestag Arp Schnitgers (1648 bis 1719) erinnert, des genialen Orgelbauers, der in Norddeutschland viele klangvolle Instrumente hinterlassen hat. Die größte erhaltene Schnitger-Orgel steht in Hamburgs Hauptkirche St. Jacobi. www.orgelstadt-hamburg.de/veranstaltungen/

COR: Auf der Möbelmesse in Köln im Januar stellte Cor das neue Sofa (mit passendem Sessel) „Avalanche“ des Mailänder Designbüros Metrica vor. Das Besondere: Die Rückenlehne lässt sich hochklappen, so wird die Sitztiefe vergrößert.
Bonaldo: Einen großen, schweren Tisch zeigte Bonaldo. „Art“ hat ein stabiles Metalltrapez plus zwei Beine als Untergestell, die Platte gibt es aus verschiedenen Materialien.
Fritz Hansen: Den Stuhl „Drop“ hat Arne Jacobsen schon vor 60 Jahren entworfen, nun hat Fritz Hansen ihn wieder aufgelegt – in vier frischen Farbtönen.
Cane Line: Das schicke Daybed für Terrasse oder Garten heißt „Peacock“, Pfau, obwohl das Möbel nur in Grau zu haben ist. Das Kunststoff-Geflecht ist UV- resistent; der Vogel selbst ist 219 cm breit, 199 cm tief, 96,5 cm hoch und wiegt 44,2 kg.

Avalanche von COR

Art von Bonaldo

Drop von Fritz Hansen

Peacock von Cane Line

 

Stilwerk-Hotels: Der Design-Händler Stilwerk mit Häusern in Hamburg, Berlin und Düsseldorf eröffnet Mitte 2019 sein erstes Hotel in Hamburg, danach folgen je eines in Travemünde und Rotterdam und eines am Wulmsberg in der Lüneburger Heide. Die Hotels werden im Stil von Einzelhäusern mit einer zentralen, für alle Gäste zugänglichen Wohnküche mit erstklassigen Möbeln der Stilwerk-Vertragshändler eingerichtet. So soll Design auf Zeit erlebbar gemacht werden.
Metropolitan Museum of Art: Das New Yorker Museum und seine beiden Dependancen, das Met Cloisters und das Met Breuer, haben im letzten Jahr 7,36 Millionen Besucher gehabt. Allein die David Hockney Ausstellung sahen sich 363 877 Menschen an.

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

PROTEST, PROTEST, PROTEST!

Wie zwei ehemalige Freunde des ungarischen Ministerpräsidenten immer wieder schmunzelnd berichten, kamen sie zu dritt nach dem Abitur zusammen aus ihrem Dorf nach Budapest. Froh, in der Großstadt zu sein, betranken sie sich und zertrümmerten ihr Zimmer im Studentenheim.
Ich habe die böse Befürchtung, dass Viktor Orbán Ähnliches mit ganz Ungarn im Sinn hat. Ein neuerliches trauriges Beispiel ist das sinnlose „Versklavungsgesetz“ (bis zu 400 Überstunden im Jahr, die innerhalb von drei Jahren bezahlt werden sollen – wenn der Arbeitnehmer bis dahin weder stirbt noch kündigt. Ist eines davon eingetreten, braucht der Unternehmer nicht zu zahlen).

Dagegen protestiert inzwischen das ganze Land. Wie bei einer Veranstaltung im ostungarischen Debrecen der Gewerkschafts-Sprecher einer großen Gummifabrik berichtete, arbeiten er und seine Kollegen täglich bis zu zwölf Stunden, zudem leisten sie Überstunden. Dabei machen sie wegen der Übermüdung Fehler über Fehler: Unfälle, Verletzte, unbrauchbare Maschinen. Das kostet immens viel Geld – und durch das neue Gesetz kann es noch schlimmer werden. So flüchtet, wer nur kann. Selbst ohne die Familie.

Demo in Budapest

Das bemerkenswert Neue in Ungarn: Auch Lehrer und Studenten halten nicht mehr den Mund. Anfang Januar gab es eine Feier in der renommierten Wissenschafts-Uni Eötvös Loránt, kurz ELTE:
Voller Festsaal, viel Prominenz. Eine Professorin begrüßt die verehrten Gäste. Doch kaum hat sie ihren Mund geschlossen, stehen ca. 30 Studenten von ihren (recht früh besetzten) Stühlen in der ersten Reihe auf und skandieren (gut eingeübt, klar, verständlich und laut) ihre Kritik an der Vertreibung der international anerkannten Central Europayen University aus Budapest nach Wien (dort wurde der George-Soros-Stiftung freudig Asyl gewehrt). Anschließend folgten die studentischen Forderungen: Korrekte staatliche Stipendien (in Ungarn nennt man den Gebührenerlass bei Bedürftigkeit „Stipendium“); bewohnbare Studentenheime; echte Hilfen zum Studentenleben. Die Veranstalter beendeten das studentische Intermezzo mit ohrenbetäubender Musik.

Beim Hinausgehen winkten mir drei der (ELTE-) Studenten zu, die ich wenige Tage zuvor bei ihrer Belobigung kennen gelernt hatte. Ihre Dreiergruppe im zweiten Semester Ökonomie war bei einem internationalen Wettbewerb durch mehrere Runden hindurch – Wirtschaftssimulation, Mikroökonomie, Spielelemente, Marktelemente, Benimmökonomie und Umweltökonomie – unter 87 ähnlichen Gruppen aus 32 Ländern auf Platz 1 gelandet. Ob die drei Herren nach ihrem Abschluss in Ungarn bleiben werden?
Und noch eine Demo: In der südungarischen Stadt Szeged wurden kürzlich bei einer Protestveranstaltung Aufnahmen von früheren Reden Orbáns (als er und seine Partei noch in der Opposition waren) vorgespielt. Darunter der Satz: „In einer Demokratie hat das Volk das Recht, eine unwürdige Regierung davon zu jagen.“Der Haken: In Ungarn gibt es keine Demokratie mehr.
Fotos: privat

Fondation Beyeler, Basel/Riehen, 13.1. bis 26.5. 2019:
Picasso Panorama (13.1. bis 5.5.) und
Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode (3.2. bis 26.5.)

Pablo Picassos „Femme en chemise

Über dreissig Werke des Ausnahme-Künstlers Pablo Picasso (1883 bis 1973) besitzt die Fondation Beyeler und hat damit eine der besten Picasso-Sammlungen überhaupt. Seit dem 13. Januar (noch bis 5. Mai) wird sie bei Beyeler prominent gezeigt. In der zweiten Ausstellung werden Werke aus der Blauen und der Rosa Periode zu sehen sein, die zwischen 1901 und 1906 entstanden sind und zu den bedeutendsten Bildern am Anfang der Klassischen Moderne zählen.
Geöffnet täglich 10-18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.
Foto: Pablo Picasso, Femme en chemise (Madeleine), 1904–1905, Öl auf Leinwand, 72,7 x 60 cm, London, Tate, Hinterlassen C. Frank Stoop, 1933 © Succession Picasso / 2018, ProLitteris, Zürich, Foto: © Tate, London 2018

Das Amphitheater der Anatomie

Etwas gruselig ist es schon! In der Mitte des rundum und an der Decke mit Holz getäfelten gar nicht besonders großen Raumes steht ein Marmortisch hinter einem Holzgeländer. Dort wurden schon im 17. Jahrhundert Leichen seziert, von einem Schlachter unter Aufsicht eines Medizin-Professors und unter den wachsamen Augen eines Kirchenvertreters. Das fand aber nur im Winter und nachts statt, denn sonst war es in Bologna einfach zu heiß. Die Holzwände sollten die Gerüche absorbieren, damit die rundum sitzenden und stehenden Medizinstudenten nicht umfielen. Zu riechen gibt es heute nichts mehr, aber die Vorstellung, wie hier einst seziert wurde, ist doch gewöhnungsbedürftig.
Das „Amphitheater der Anatomie“, dekoriert mit Wappen und geschnitzten, großen Figuren berühmter Chirurgen, die hier gelehrt haben, befindet sich in den kunstvoll ausgestatteten Räumen des Palazzo dell’ Archiginnasio, dessen Baubeginn auf 1564 datiert wird und in dem lange die Universität ihren Sitz hatte. Als offizielles Gründungsjahr des akademischen Lehrbetriebs gilt allerdings schon das Jahr 1088, und damit beherbergt Bologna die älteste Universität der westlichen Welt. Studiert haben hier zum Beispiel Erasmus von Rotterdam und Pier Paolo Pasolini, und als Professoren lehrten Umberto Eco und Romano Prodi.

Die riesige Basilika San Petronio

Schlendert man nun von der Piazza Galvani durch die Arkaden der Via dell’ Archiginnasio, dann erreicht man nach drei Minuten die Piazza Maggiore mit der Basilika San Petronio, dem Palazzo Comunale – heute das Rathaus –, dem Palazzo Podesta von etwa 1200 und um die Ecke dem Neptunbrunnen. Apropos Arkaden: Bologna hat 38 km sehr hohe Arkaden, so konnten auch Reiter im Schatten bleiben!
Die Basilika San Petronio ist mit einem umbauten Raum von 258 000 m3 die weltweit größte Backsteinkirche überhaupt. Baubeginn war 1390, die Fassade ist bis heute unvollendet. In der Basilika wurde Karl V. 1530 zum König von Italien gekrönt.
Der Neptunbrunnen mit seiner 3,35 m hohen Bronzeskulptur auf einem Sockel mit Delphinen und Sirenen wurde 1563 errichtet und wird liebevoll „der Riese“ genannt.
Von der Piazza Maggiore spazieren wir jetzt durch die kleine Gasse Via Pescherie Vecchie. Sollten Sie gerade einen kleinen Hunger verspüren, dann sind sie hier richtig. Viele winzige Lokale haben ihre Tisch vor der Tür stehen, und man serviert überall zumindest eine ordentliche Pasta. Und der Weißwein ist immer gut gekühlt!

Siette Chiese

Danach durch die Gasse, einmal links, einmal rechts über die Piazza della Mercanzia, und schon ist man auf der Piazza Santo Stefano, einem großen dreieckigen Platz ohne Autos, an dem die Kirche Santo Stefano liegt, die aus sieben Kirchen besteht, weshalb sie auch „Siette Chiese“ genannt wird. Geplant wurde sie im 12. Jahrhundert nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem, und bis heute kann man von einer in die nächste wandeln, durch Kreuzgänge, Innenhöfe und kleine Gärten.
Sehr beeindruckend!
Auf dem Rückweg empfehlen wir den Weg durch die Via Caprarie und die Via degli Orefici, und dort sollten Sie dem Shop „Eataly“ einen Besuch abstatten. Wohl dem, der Italienisch lesen kann, denn der kann im Untergeschoss mit der Buchhandlung herrlich stöbern. Alle anderen werden sicher oben fündig, denn dort gibt es wunderbare Pastasoßen, ungewöhnliches Salz, Schokoladen, Bonbons, Nüsse und jede Menge Gewürze, alle sehr hübsch verpackt. Dazu natürlich Wein und Käse. Köstlich!

Asinelli und Garisenda,
die Geschlechtertürme

Um die Ecke stehen die beiden letzten Geschlechtertürme der Stadt: Asinelli (97,20 m hoch) und Garisenda (48 m hoch). Einst sollen es mal 180 in Bologna gewesen sein, durch die jede Familie ihre Bedeutung ausdrücken wollte.
Die beiden schiefen Türme sind das Wahrzeichen Bolognas, und wer gut zu Fuß ist, kann im Asinelli nach etwa 500 Stufen die spektakuläre Aussicht auf einen der schönsten und geschichtsträchtigsten Orte in der Emilia-Romagna genießen.
Alle anderen gehen jetzt auf die Piazza Maggiore und genehmigen sich einen Aperitif. Na dann, cin cin!

Fotos: CO