„An Indien mag ich die Kultur der Nachhaltigkeit und des Respekts. Ich kenne niemanden dort, der Schuhe oder einen Toaster wegwirft, weil sie kaputt sind. Stattdessen werden Dinge repariert… Ich frage mich, warum wir im Westen (….) allem huldigen, was neu ist. Warum brauchen wir ein neues Smartphone – nur weil es neu ist?.“   

Die indische Designerin Nipa Doshi, die mit ihrem Mann Jonathan Levien in London lebt und zusammen mit ihm als Duo Yoshi Levien u.a. für B&B Italia entwirft, im ZEIT Magazin vom 17. Januar 2019. Foto: doshilevien

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in  Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Hotel Ayre Astoria, Valencia

Vom Frühstücksraum im siebten Stock sieht man bis zum Mittelmeer, davor die Altstadt von Valencia und am Rand die Spitzen der „Ciutat de les Arts i les Ciències“ (Stadt der Kunst und Wissenschaft), die der Ausnahme-Architekt Santiago Calatrava seiner Heimatstadt gebaut hat.
Auf der anderen Hotelseite blickt man auf die kleine Plaza Rodrigo Botet mit einem hübschen Brunnen unter Platanen.
Die Zimmer des Hotels sind mit dunklen Möbeln gemütlich eingerichtet, das Bad ist groß und praktisch. Das Büfett zum Frühstück ist typisch südeuropäisch mit vielen süßen Teilchen bestückt – aber Toast und Eier gibt es auch. Unbedingt besuchen muss man die Bar im Erdgeschoss, dort laufen auf einer riesigen Leinwand wichtige Fußballspiele, und spanische Großfamilien bewundern die gegenseitigen Schnäppchen aus Unmengen von schicken Tüten.
DZ ab ca. 120 Euro. Foto: Hotel Ayre

Mehr vom Meer

Sie waren die Stars des deutschen Impressionismus: Max Slevogt und Max Liebermann und das nicht zuletzt dank ihres rührigen Berliner Galeristen Paul Cassirer. 1908 besuchten ihn die beiden Maler in seinem Ferienhaus im holländischen Noordwijk, und dieses Treffen (bei dem auch Lovis Corinth noch kurz dabei ist) erwies sich als so ergiebig, dass ihm das Landesmuseum Mainz vergangenes Jahr eine ganze Ausstellung widmete, die von diesem informativen und detailreichen Katalog begleitet wurde. Im Mittelpunkt stand dabei Slevogt, dessen 150. Geburtstag sich 2018 jährte: So tauchte pünktlich zum Jubiläum seine bis dahin unbekannte „Skizze mit Flagge“ auf, eines von vier Gemälden, die der dem Meer und dem Strandleben nicht sonderlich gewogene Slevogt in Noordwijk malte. Sie können mit Arbeiten von Liebermann verglichen werden, der den maritimen Motiven deutlich mehr zugetan war. Fast noch interessanter: Eine ganze Reihe von Grafiken und Zeichnungen und zahlreiche Briefe, die nicht nur eine Sicht auf diesen Sommerurlaub sondern auch Einblicke in das Verhältnis der beiden Künstler untereinander und zu ihrem Händler gewähren. PM

Ein Tag am Meer – Slevogt, Liebermann & Cassirer 200 S., 210 Abb., Hirmer, Verlag, 39,90 Euro Foto: Hirmer


Farbenfroh

Die Unterzeile des Buches – die Farben Afrikas – ist ein bisschen irreführend, denn „wax“ ist so viel mehr. Zu allererst ist es eine Drucktechnik, die ihre Ursprünge möglicherweise in Ägypten, China oder Indien hat und mit der Muster mit Wachs auf Stoffe aufgetragen werden. Als gesichert gilt, dass die Technik im 16. Jahrhundert von den Holländern aus Java nach Europa gebracht und von den Engländern mit nach Afrika genommen wurde. Dem Kontinent ordnet man die fröhlich bunten Waxprints mittlerweile zu, denn dort wurden sie weiter entwickelt. Heute findet man die beidseitig bedruckten Stoffe mit den unterschiedlichsten Motiven – von Blättern und Blumen über wilde Muster bis hin zu Zündkerzen, Statements und selbst Politiker-Porträts. Die Autorin, Anthropologin und Kunsthistorikerin, hat die buchstäblich farbige Geschichte dieser famosen Textilien für dieses Buch erforscht und mit vielen bunten Bildern illustriert.

Anne-Marie Bouttiaux: Wax – Die Farben Afrikas, 192 S.,Gerstenberg, 32 Euro. Foto: Gerstenberg

Das besondere Buch des Monats

Diesem Buch wünscht man einfach viele, viele Leser. Denn hier erfährt man, wie es wirklich ist, als Obdachloser in Hamburg zu leben. Ganz nüchtern und ohne Selbstmitleid erzählt Dominik Blog von seinen  Jahren unter den Brücken und in den Parkanlagen der Hansestadt, von dem täglichen Kampf um einen sicheren Schlafplatz, um Essen, um Hygiene und ein bisschen Würde. Dominik Blog ist in dieser Zeit zur Schule gegangen, hat Abitur gemacht und weiter auf der Straße gelebt. Als er sich 2015 für Flüchtlinge engagierte, fand er neue Freunde und Helfer, und heute lebt er in einer eigenen Wohnung, fand einen Job und hat nebenher dieses wichtige, eindringliche Buch geschrieben.

 

Dominik Blog: Unter Palmen aus Stahl, 191 S., Ankerherz Verlag, 20 Euro. Foto: Ankerherz

 

9. bis 14. April: In Mailand findet die Internationale Möbelmesse statt +++++ 20./21. April: Schnuppertauchen in der Ostsee für Kinder ab acht Jahren in Kühlungsborn +++++20./21. April: Drachenflugtage in Büsum –und vom Himmel regnet es Süßigkeiten!+++++ 17. April bis 6. Oktober: Bundesgartenschau in Heilbronn mit viel Natur und 5000Veranstaltungen aus Musik, Tanz, Spot und Kultur.

 

New York: Ab Anfang 2020  wird die Stadt eine weitere Attraktion zu bieten haben: Im neu erbauten Stadtteil „Hudson Yard“ wird es im 100. Stock des Gebäudes 30 Hudson Yard in 335 Metern Höhe eine gläserne

Aussichtsplattform geben, mit dem Namen Edge, denn sie wird offen 20 Meter aus dem Gebäude herausragen. Wagemutige sind in 60 Sekunden mit dem Fahrstuhl oben.  Mehr unter www.HudsonYardsNewYork.com
Jubiläen: Die Firma Weishäupl – das ist die mit den wunderschönen Streifenstoffen auf ihren Gartenmöbeln – feiert in diesem Jahr ihr 50- jähriges Bestehen, mittlerweile unter der Leitung des Firmengründers und sei

 

ner zwei Kinder. Im August wird dann groß gefeiert. Bereits sein 70. Firmenjubiläum begeht der italienische Hersteller Kartell, der mit seinen Kunststoffmöbeln von bekannten Designern wie Ron Brad, Patricia Urquiola und Philippe Starck berühmt wurde. Aus diesem Anlass zeigt Kartell vom 10. April bis 12. Mai in Mailand eine Ausstellung zu seiner Firmengeschichte.
Stuttgart: Ab sofort kann man in der Staatsgalerie das Werk „Love is in the Bin“ von Street Artist Banksy besichtigen, das der Künstler im letzten Oktober während einer Auktion spektakulär sich selbst zerstören ließ und das jetzt als Dauerleihgabe in Stuttgart gezeigt wird.
Nepal, Kenia und mehr: Wenn Frau allein auf Reisen geht, ist sie in einer Frauen-Gruppenreise gut aufgehoben. Zum Beispiel bei Becky, der ersten weiblichen LKW-Fahrerin Ostafrikas,  bei den Bergführerinnen in Nepal oder den Rikschafahrerinnen in Delhi. Detaillierte Infos auf www.intrepidtravel.de

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

                                     Volkssport Selbstmord

Vorbemerkung:
Ungarn führt in Europa in dieser dramatischen Disziplin. Nach der letzten Zählung 2012 waren es 25 von 100.000 Ungarn, die sich das Leben nahmen. Im Vergleich Österreich: 15 Selbsttötungen auf 100.000.

Kapitel 1. Hat er sich schon wieder erhängt? Oder der Selbstmord als Witz
Der ungarische Architekt Imre Makovecz und seine organische Bauweise wurden durch einen Artikel in der Hamburger Zeitschrift ART 1980 auf einen Schlag weltberühmt. Die Italienische Fachpresse lobte besonders seine Kirche in Paks, an der Donau, denn sie hat nicht nur eine Kuppel sondern zwei geradezu weiblich anmutende Rundungen. So wurde sie als das „Gotteshaus mit dem schönsten Hinterteil“ gefeiert.
Aus Anlass seines Erfolgs lud der Meister zum Abendmahl in sein Wochenendhaus ein. Es stand in einem Wäldchen nördlich von Budapest. Auch ich war dabei. Nach dem vielen Essen, Trinken und Singen ging der Hausherr hinaus, in den bereits dunklen Garten. Zum Luftschnappen, dachte ich. Doch er kam nicht wieder. Nach einiger Zeit wurde ich unruhig, ging ihm nach und sah entsetzt den weiß gekleideten Mann unter dem dicken Ast einer Eiche baumeln. Ich war wie versteinert. Da ging die Tür hinter mir auf, das Licht fiel auf ihn, er hörte auf zu schwanken, grinste, und ich hörte eine Frauenstimme aus dem Haus: „Hat er sich schon wieder erhängt?“ Dann strömten die Gäste lachend heraus. Nur die Frauen schimpften, und ich hatte immer noch weiche Knie. Immerhin, es gab einen ordentlichen italienischen Magenbitter im Haus.

   
Kapitel 2. Das Lied zum gefälligen Selbstmord     
Der Pianist Rezsö Seress spielte in den 1930er Jahren in verschiedenen Restaurants des jüdischen Viertel der Budapester Innenstadt. Er komponierte unzählige Melodien und schrieb traurige Texte über Sehnsucht, Liebe und Leid. So vertonte er auch das Poem über einen einsamen Traurigen Sonntag des Dichters László Jávor. Es wurde ein geradezu tod-trauriges Lied, und das mitten der Weltwirtschaftskrise.
Doch dem Direktor des Pariser Olympia, der 1935 Budapest besuchte, gefiel es ganz besonders. Er kaufte die Noten, und bald sang eine Sängerin seines Varietés die morbide Ballade (natürlich auf Französisch), begleitet vom hauseigenen Orchester. Seress wurde als Komponist der „Selbstmörder-Hymne“ weltbekannt; sein Lied war in ganz Europa bis nach St. Petersburg zu hören, in den USA sangen Gloomy Sunday Ray Charles, Louis Armstrong und Frank Sinatra unter vielen anderen. Die New York Times schrieb, dass die Budapester, gleich nach einem ersten Hören, scharenweise in die Donau sprangen – was nicht ganz stimmte.
Tatsache war: Die Menschen hörten das Lied in den Kneipen und Restaurants, spielten es daheim auf dem Klavier (Schallplatten und Plarrenspieler konnten sich die meisten nicht leisten), und vielen setzte die schwermütige Weise so zu, dass sie sich das Leben nahmen.
Wie der Komponist. Im Januar 1968 sprang Seress vom Balkon seiner Budapester Wohnung im siebten Stock. Er starb erst im Krankenhaus.

Kapital 3. Die Ratschläge für werdende Selbstmörder
Selbstverständlich wird in Ungarn viel über Selbstmord geredet. Vor wenigen Tagen erst hörte ich in einem Restaurant einer Tischgesellschaft – zwangsläufig – zu. Es gab viele, oft exotische, Ratschläge, bis schließlich ein alter, in Ungarn bekannter Dichter sagte: „Ich glaube nur einem Selbstmörder, der seine Methode erfolgreich verwirklicht hat.“  

Nachwort. Orbán wieder
Nachdem er die weltweit angesehene Central European University aus Budapest vertrieb, will er die Grundlagenforschung begrenzen. Ein Staatssekretär soll zukünftig darüber entscheiden, über was geforscht werden soll und über was nicht, und für das Richtige das nötige Geld bereitstellen.
Zum Flüchten? Oder sich lieber gleich umbringen?  Foto: privat

Victoria & Albert Museum, London, 6.4.19. bis16.2.2020.:
Mary Quant

Das Zentrum der „Swinging Sixties“, als in Politik, Kultur und Mode so ziemlich alles ins Rutschen kam, war London mit seiner Carnaby Street, dem spargeldünnen Model Twiggy, dem Kultfilm „Blow Up“ – und der Modemacherin Mary Quant (geb. 1934), die mit ihren Miniröcken und Hotpants die Gesellschaft schockte. Ihr hat jetzt das Victoria & Albert Museum eine Ausstellung gewidmet.
Sie erzählt eine spannende Geschichte: Die Lehrertochter eröffnete schon 1955 ihre Boutique „Bazaar“ in der Kings Road, im selben Haus betrieb sie mit Ihrem Mann Alexander Plunkett-Greene und einem Freund das Restaurant „Alexander“, das rasch sehr beliebt wurde. Weil die Standard-Mode, die Quant für ihre Boutique kaufen konnte, sie zunehmend langweilte, begann sie, eigene Entwürfe produzieren zu lassen, die ihr schnell aus den Händen gerissen wurden. Ihre Miniröcke, farbigen Strumpfhosen, ihre Kosmetik-Linie und nicht zuletzt ihre Hot Parts machten sie zum Star Londons.
Und nun zur Heldin einer Retrospektive: ihr Leben und ihre Mode werden anhand von Fotos und etwa 200 Original-Entwürfen gezeigt, die zum Teil aus Quants Privatarchiv stammen.

geöffnet täglich  10 -17.45 Uhr, freitags  bis 22 Uhr. Foto: V&A

Er heißt „Bunter Garten“ und das zu Recht. Der Stadtpark von Mönchengladbach bietet gerade jetzt viele farbenprächtige Beete, Büsche, Hecken und Bäume, alles blüht und lockt jede Menge Spaziergänger, Jogger, Gassi-Geher und spielende Kinder an (Auch unsere Hundefreundin Tapsi und ihr Frauchen sind ganz vernarrt in den Garten). Der Park, zu dem auch der Kaisergarten und der Botanische Garten gehören, ist etwa 30 ha groß und wurde schon 1890 angelegt, eine seiner Attraktionen ist eine riesige Vogelvoliere mit 200 Tieren. Die Grünanlage erstreckt sich vom Hauptfriedhof bis zur Kaiser Friedrich Halle, die zur Zeit renoviert wird. Sie wurde 1903 im Jugendstil erbaut, und bietet ab dem Sommer wieder Konzerte, Theater, Lesungen und andere Veranstaltungen an.
Wenn man jetzt durch das nahegelegene Gründerzeitviertel zwischen Schiller- und Adenauerplatz spaziert, dann muss man einfach immer wieder stehen bleiben, den Kopf in den Nacken legen und die wunderschön restaurierten Fassaden bewundern. Damit dieses Viertel so erhalten bleibt und mehr gewürdigt wird, hat sich eine Gruppe Bewohner zum Verein „Initiative Gründerzeitviertel“ zusammengeschlossen, der Feste und andere Aktionen veranstaltet.
Jetzt geht’s durch die Fußgängerzone in der Hindenburgstraße in Richtung Abteiberg. Falls Sie noch etwas besorgen müssen, sind Sie hier richtig, Mönchengladbachs Einkaufszone hat alles, was es auch anderswo, aber nicht so konzentriert gibt.

Eselei? Oder Kunst?

Nun aber schnell die Straße hinauf bis zum Sonnenhausplatz, denn da muss man sich unbedingt die Gruppe der sieben, etwa ein Meter großen Bronze-Esel der Künstlerin Rita Mc Bride anschauen. Die fröhliche Schar hat anfangs für viele Diskussionen in der Stadt gesorgt. Von „Quatsch“ über Eselei bis zu der Interpretation, der „Donkeys Way“ zeige halt den Eigensinn der Tiere im Gegensatz zu der Vereinheitlichung des Kaufangebots, gab es viele Ideen. Wie dem auch sei, die Mönchengladbacher haben ihren Frieden mit den schönen Tieren gemacht.
Ein paar Schritte weiter ist man schon im Skulpturenpark. Unter anderen sehenswerten großen und kleinen Plastiken findet man in den Terrassen der Anlage das „Soft inverted Q“, 1979 von Claes Oldenburg geschaffen.

Museum Abteiberg

Gleich neben dem Park ist der Eingang zum Museum Abteiberg, einem sensationellen postmodernen Bau von Hans Hollein, der 1982 fertiggestellt und für den der Architekt 1985 mit dem Pritzker Preis geehrt wurde. 2016 erhielt das Haus die Auszeichnung „Museum des Jahres“.
Die hellen attraktiven Räume beherbergen eine umfangreiche Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, zu der Werke von Ernst Barlach, Max Beckmann, Joseph Beuys, Alexander Calder, Hanne Darboven, Jim Dine, Max Ernst, Alberto Giacometti, George Grosz, Wenzel Hablik, Horst Janssen, Jasper Johns und Martin Kippenberger gehören.
Nach soviel beeindruckender Kultur braucht man dringend einen Kaffee und einen Imbiss. Wohin also? Wir empfehlen das „Café van Dooren“ in der Kaiserstraße für aromatischen Café Latte und oberleckere Pommes.
Fotos: CO/Museum Abteiberg/bunter Garten

Dr. Reyhan Sahin

„Ich bin muslimische Alevitin… Mein Gott ist eine Frau: eine Göttin der Gerechtigkeit!…Letztlich ist es egal, ob jemand Alevitin ist, Christ oder Jüdin. Viel wichtiger ist es doch, gut und gerecht zu bleiben. Ich kenne Atheistinnen, die sind die tollsten Menschen. Und Gläubige, die echt böse sind.“

Die Wissenschaftlerin und Rapperin Dr. Reyhan Sahin, alias Lady Bitch Ray, in Chrismon 2/2019. Foto: wikipedia

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr
als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

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Poggio a Poppi, Italien

Romantisch schlafen

Wenn man es endlich geschafft hat, die immer schmalere, im Sommer meist staubige Sandpiste am Friedhof vorbei hinauf bis zur Hügelkuppe zu fahren, dann liegt einem nicht nur die Toskana zu Füßen, man ist auch in einem überaus charmanten Agriturismo angekommen. Die Zimmer sind groß und typisch toskanisch mit dunklen Holzmöbeln eingerichtet. Die Bäder sind modern und behaglich mit ausreichend Ablageflächen ausgestattet.
Im Pool gibt es im Sommer Wassergymnastik, das Frühstück ist üppig, das Restaurant bietet liebevoll zubereitete Spezialitäten und auch Kochkurse. Die hübschen Orte Poppio und Bibbiena liegen in Sichtweite. DZ ab 80 Euro. Foto: Poggio a Poppi

Vive la France!

Nein, einen normalen Reiseführer mit akkuraten Ortsangaben, Hotel- und Restauranttipps und was dergleichen nützliche Infos mehr sind, den hat Manfred Hammes nicht geschrieben. Aber wer die Kulturlandschaft Südfrankreich kennenlernen will, der stößt in diesem 700-Seiten-Band auf eine Schatzkiste, die im wahrsten Sinne des Wortes überquillt. Denn der Autor, seit über 30 Jahren in der Gegend unterwegs, kennt sie alle: Alle Künstler, Schriftsteller und Musiker, alle Köche, Literaten und Weltenbummler, die sich je an Frankreichs Mittelmeerküste samt Hinterland aufgehalten haben – von den Einheimischen ganz zu schweigen. In 16 lesefreundlichen Postkarten (sprich: Kapiteln) breitet er sein enzyklopädisches Wissen kurzweilig und anekdotenreich aber durchaus nicht systematisch aus, und die einzige Warnung, die angesichts dieser Faktenfülle beherzigt werden sollte: Übers Festlesen nicht vergessen, irgendwann auch loszufahren. PM
Manfred Hammes: Durch den Süden Frankreichs – Literatur, Kunst, Kulinarik. 704 S., ca. 1300 Abb. Nimbus Verlag. 29,80 Euro Foto: Nimbus Verlag

 

Geliebter Garten

Das neue Werk des Autoren Georg Möller und des Fotografen Gary Rogers ist mal ein ganz anderes Gartenbuch. Man lernt nicht, wie man Radieschen zieht oder Geranien vermehrt, stattdessen kommen Schriftstellerinnen wie Ingrid Noll, Charlotte Link, Eva Demski und andere zu Wort, die von ihrer Natur- und Gartenleidenschaft erzählen und in ihre Gärten einladen. Neben ausführlichen Porträts der Schriftstellerinnen stehen kurze Interviews zu den Fragen „Was ist Heimat?“ und „Wie sieht der Schreiballtag aus?“ und sehr lesenswerte Statements von Zsusa Bank, Barbara Frischmuth, Ulla Hahn und weiteren Kolleginnen. Schade ist allerdings, dass die schönen Fotos von Gary Rogers meist nur sehr klein abgedruckt wurden, und dass der Stil des Gartenautors Georg Möller doch weit hinter dem der Schriftstellerinnen zurück bleibt.
Georg Möller, Gary Rogers: Und immer wieder mein Garten…. 240 S., 200 Abb. DVA. 30 Euro Foto: DVA

 

Meister unter sich

Das ist ein Fest für alle Bewunderer der italienischen Renaissance-Malerei: Die Gemälde-Galerie in Berlin und die National Gallery in London haben – neben vielen Werken aus eigenem Besitz – aus Europa und Amerika über 100 Bilder von Andrea Mantegna und Giovanni Bellini zusammengetragen. Über den Winter war die faszinierende Schau in London zu sehen, nun ist sie nach Berlin gereist (1. März bis 30. Juni) – und dazu ist ein opulenter Katalog erschienen, der in großzügigen Abbildungen höchst anschaulich dokumentiert, wie beide Künstler ihre Bilderwelten vorangebracht haben. Zugleich wird Zeitgeschichte lebendig: Sehr spannend ist nachzulesen, wie im 15. Jahrhundert die noble Universitätsstadt Padua und das kultivierte kleine Mantua – die Lebensstationen von Mantegna – und andererseits das elegante, mächtige Handelszentrum Venedig, wo Bellini lebte, die unterschiedliche künstlerische Entwicklung der beiden Maler vorgezeichnet haben. Als Mantegna, Sohn eines Tischlers und später ambitionierter Hofmaler von Mantua, in die angesehene Künstlerfamilie Bellini einheiratet, beginnen die beiden Maler einen wechselseitigen Austausch, der eine bis heute einzigartige Brillanz hervorbringt.

Wer noch weiter in das Werk von Giovanni Bellini eintauchen möchte, dem sei der großformatige Bildband des Bielefelder Kunstwissenschaftlers Johannes Grave empfohlen, der die Lichtvariationen seiner Naturdarstellungen, die Leuchtkraft seiner biblischen Szenen und die Detailversessenheit seiner Porträts ebenso kenntnisreich wie verständlich kommentiert und zugleich erläutert, wie der Venezianer zu einem neuen meditativen Sehen einlädt. UvS

Caroline Campbell u.a. (Hrsg.): Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance. Hirmer Verlag. 304 S., 287 Abb., 39,90 Euro
Johannes Grave: Giovanni Bellini und die Kunst des Betrachtens. Prestel Verlag. 288 S., 230 Abb., 99 Euro Foto: Hirmer/Prestel

16. bis 31.März, Wismar: Zum 17. Mal finden in der Stadt an der Ostsee die Wismarer Heringstage statt. Am Eröffnungstag ziehen die Köche der Stadt – begleitet von einer Blaskapelle – mit dem frischen Fang vom Hafen zum Marktplatz, wo dann die Heringe gebraten und verkauft werden. Alle teilnehmenden Restaurants bieten zudem bis Ende des Monats ganz verschiedene Heringsgerichte an. Mehr dazu: www.heringstage-wismar.de
17.März, Ballinstadt, Hamburg: Jeden 17. März feiern die Iren den St. Patricks Day, bei dem an den Heiligen Patrick (385 bis 461), den ersten Bischof von Irland, erinnert wird, mit dem die Christianisierung des Landes begann. Auch Hamburgs Auswanderer Museum würdigt diesen Tag der Geschichte und den Traditionen der grünen Insel, u.a. mit Vorträgen. Und im Restaurant bekommt man natürlich Irish Stew vorgesetzt.

Ligne Roset: Das neue Sofa von Marie Christine Dorner „L’imprevu“ (das Unerwartete) hat gerade den German Design Award 2019 gewonnen. Schiebt man zwei der Sofas mit den mit Gänsefedern gefüllten Kissen zusammen, hat man eine Liegefläche von 160×200 cm.
Brühl: Der Designerin Kati Meyer-Brühl ist mit dem Sofa „Airy“ und seinen beweglichen Rücken- und Seitenlehnen ein höchst flexibles System zum Sitzen und Liegen gelungen.
Riviera Maison: Der elegante Sessel „Contessa“ hat einen Samtbezug in fünf Farbtönen. Ein passendes kleines Sofa gibt es ebenfalls.
Bonaldo: Die schwungvolle Rückenlehne des Sofas „Lovy“ ziert jetzt auch das „Lovy Bed“ . Heruntergebogen kann sie als Ablagefläche genutzt werden.

L’imprevu von Ligne roset

Airy von Brühl

Contessa von Riviera Maison

Lovy Bed von Bonaldo

100 Jahre KitchenAid: Als der amerikanische Ingenieur Herbert Johnston 1908 einen Bäcker dabei beobachtete, wie der mit einem schweren Eisenlöffel mühsam Brotteig rührte, dachte er sich, das müsse doch einfacher gehen. Also machte er sich ans Werk und erfand die weltweit erste Küchenmaschine. 1919 gab es dann das erste elektrische Modell für Privathaushalte; seit den 50er Jahren ist KitchenAid auch für seine fröhliche Farbpalette bekannt.

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

Die Agentur des Teufels

Blanka Nagy

Im warmen Frühling 2017 wurde Ungarn mit Plakaten übersät, auf denen ein grinsender George Soros zu sehen war. Daneben der Satz: „Lassen wir es nicht zu, dass er zuletzt lacht!“
Auf den ersten Blick dachte ich: Keine überwältigende Kampfansage an die Opposition. Selbst schlichte Gemüter werden kaum darauf hereinfallen – es ging um die Parlamentswahl 2018. Ich hatte mich geirrt. Es war maßgeschneidert schlicht. Denn bald kamen Plakate mit der Botschaft, der Milliardär und gebürtige Ungar Soros habe einen Geheimplan, Europa mit Einwanderern zu fluten. Und das war schon etwas ordentlich Angsteinflößendes. Angstmachen ist zwar nicht gerade neu, aber immer noch wirksam. Orbán siegte denn auch 2018 mit Zweidrittel-Mehrheit.
Die Denker und Autoren hinter der Kampagne waren Arthur J. Finkelstein und George Birnbaum im fernen New York. Sie haben Orbán bereits bei seinem ersten Wahlkampf 2010 geholfen, an die Macht zu kommen. Außerdem dankten Richard Nixon, George W. Busch, Ariel Sharon, Benjamin Netanyahu und viele andere in Albanien, Österreich, Rumänien usw. für die freundliche Verbreitung von Angst und/oder eine gelungene Vernichtungskampagne ihrer jeweiligen Gegner.
Nach dem Tod Finkelsteins im Sommer 2017, als sich Orbáns Sieg schon abzeichnete, soll George Birnbaum der Gedanke an eine öffentliche Beichte gekommen sein. Sie geschah denn auch im Juni 2018 vor Journalisten in Berlin.
Was mich, den Autor dieser Zeilen, bis heute entsetzt, war Finkelsteins Grundthese: Im Land des Auftraggebers jemanden aussuchen, dessen Namen man kennt (George Soros, Universitätsgründer und Ehrenbürger von Budapest 2002), und ihn anpinkeln. Soros etwa sei ein Bösewicht, vor dem Ungarns heldenhafter Ministerpräsident Orbán die Nation retten will. Und kann. Und wird. Dann macht man weiter mit neuen angsteinflößenden Vorwürfen. Und sollte der Gegner in der Presse seine Unschuld beteuern: Wunderbar! Damit brüht er das Thema auf. Diesen Gefallen allerdings hat ihm Soros (mit dessen Stipendium Orbán und nicht nur er einst studiert hat), nicht getan. Trotzdem hat der teuflisch-geniale Plan funktioniert. Und Finkelstein soll noch vor seinem Tod geprahlt haben, der Sieg in Ungarn werde seine Meisterleistung.

Ungarns Opposition hat eine neue Stimme

Und die heißt Blanka Nagy, hat rote Haare, ist hübsch, erfrischend frech und 18 Jahre alt. Sie lebt mit ihren Eltern auf dem Land, in Kiskunfélegyháza, reist aber zu Demos durch Ungarn mit ihrem dicken Notizbuch, woraus sie ihre Texte vorliest.
In einer ihrer ersten Reden nannte sie Orbán, neben anderen ähnlichen Attributen, „ekelhaft“. Darauf erwiderte die Dreckschleuder der Regierung, Zsolt Bayer, im Fernsehen, sie sei eine schlechte Schülerin und eine Proletin. Selbstbewusst antwortete sie bei der nächsten Demo: Ja, sie sei nicht der Primus der Klasse, doch seien ihr auch ihre Reden wichtig, und die rauben eben Zeit – selbst vom Lernen. Außerdem möge er, des „Königs Hofnarr“, bedenken, dass die Stühle und Tische in seinem Studio von einfachen Arbeitern – Proleten – gebaut wurden. Zudem möge er wenigstens einmal nicht in die Kamera, sondern in einen Spiegel schauen, während er die endlosen Lügen von sich gibt. Und sie holt immer wieder aus: Orbáns Partei sei eine Krankheit, er selbst eine böse Zellwucherung. Die regierenden FIDESZ-Politiker seien allesamt durchgefallen in den Fächern Verantwortung und Menschlichkeit. Ihre jüngste öffentliche Rede beendete sie mit dem historischen Ruf der 1848er Revolution: „Bisher waren wir Gefangene. Wollen wir es bleiben? Wählt!“ Sie erntete langen, orkanartigen Beifall.
Ihr vorerst letzter Auftritt war beim Parteikongress der Ungarischen Sozialistischen Partei, am Samstag, dem 16. März. Frans Timmermans, EU-Kommissar und Spitzenkandidat bei der Europa-Wahl im Mai, hatte sie zu einem Gespräch eingeladen. Dabei ging es nicht um die Angriffe gegen sie, sondern um die wichtige Rolle der Jugend in der Politik, und um Blanka Nagys Pläne. Sie werde endlich und fleißig fürs Abi, ebenfalls im Mai, büffeln – was Timmermans mit Bedauern verstand.
Derweil ist es bei der Budapester Jugend und besonders in der Skate-Board-Szene schick geworden, sich selbst als einen Knecht des Buhmanns Soros zu bezeichnen – nur so aus Spaß.

Fotos: privat/magyarnarancs.hu

Tate Britain, 27.3. bis 11.8.2019
Van Gogh und Großbritannien

Die berühmte Sonnenblumen-Serie, die Vincent van Gogh (1853-1890) 1888 in Arles malte und von der heute ein Gemälde der National Gallery in London gehört, werden selten ausgeliehen, da der gelbe Farbton durch UV-Licht langsam bräunlich wird. Aber in dieser Ausstellung, in der 45 Gemälde van Goghs seine Beziehung zu Großbritannien dokumentieren, sind sie dabei. Der Maler hat zwischen 1873 und 1876 in London gelebt und sich dort für britische Kultur begeistert, er ließ sich von Malern wie John Constable und John Everett Millais und Autoren wie William Shakespeare und Charles Dickens inspirieren. Ergänzt wird die Ausstellung mit Bildern von Francis Bacon, die nach dem Selbstportrait van Goghs entstanden sind.

Geöffnet täglich 10-18 Uhr.
Foto: Fünfzehn Sonnenblumen vom August 1888, National Gallery , London

Die gewaltige Festungsmauer schützt St. Malo

Sie sieht alt aus, die Altstadt von St. Malo, aber sie ist es nur in Teilen. Denn die Alliierten bombardierten die Stadt 1944, weil der deutsche Besatzungskommandant Oberst von Aulock nicht kapitulieren wollte. Dadurch wurden 85% der Altstadt zerstört, nur die gewaltige Festungsmauer blieb praktisch unbeschädigt. Aber die Einwohner von St. Malo bauten ihre Stadt nach alten Plänen sofort wieder auf, so wie sie im 15. und 16. Jahrhundert entstanden war.
Parkplätze gibt es natürlich nur außerhalb der Stadtmauer, aber dort sind sehr viele vorhanden, und das Tourismusbüro an der „Grand Porte“ hält kleine Stadtpläne bereit.
Von hier sind es nur wenige Schritte durch das Große Tor der Stadtmauer zur Place

Übernachten in der Altstadt

Chateaubriand mit dem schönen Hotel France & Chateaubriand von 1882 mit einer einladenden Brasserie. Benannt ist das Hotel nach St. Malos größtem Sohn, dem Dichter und späteren Botschafter u.a. in Berlin, Francois-René de Chateaubriand (1768 bis 1848), der auf eigenen Wunsch auf der seiner Heimatstadt vorgelagerten Insel „Grand Bé“ anonym begraben wurde. Das Grabmal ist heute ein touristischer Anziehungspunkt, denn die 6 ha große, unbewohnte Insel kann bei Ebbe zu Fuß besucht werden. Aber sehen kann man das Eiland natürlich auch bei Flut, wenn man auf der Wehrmauer um die Altstadt spaziert.
Schon vor Christi Geburt gab es hier eine Siedlung, die aber wegen ihrer exponierten Lage häufig angegriffen wurde. Deshalb schützte sich die Stadt im 12. Jahrhundert mit einer gewaltigen Mauer rund um die Altstadt, von der herab man sowohl in die engen Gassen der Stadt als auch aufs offene Meer und in die Mündung des Flusses La Rance schaut. Und natürlich sieht man das Fort National, das König Ludwig XIV. 1689 zum Schutz der Stadt anlegen ließ, die Inseln Grand Bé und Petit Bé, die schönen Strände vor der Stadtmauer und den regen Schiffsverkehr zwischen St. Malo und Portsmouth, Plymouth und Saint Peter auf Guernsey. Und man kommt unterwegs auch an der Statue von Robert Surcouf (1773 bis 1827) vorbei, der als legitimierter Pirat, genannt Kaperer, auf den Weltmeeren britische Schiffe jagte und so zu unermesslichem Reichtum kam.

Schmale Gassen prägen St. Malo

Ist man um die Stadt herum spaziert, dann sollte man noch durch die engen Gassen zur Kathedrale schlendern. Das Gotteshaus stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde 1944 fast vollständig zerstört und 1972 wieder aufgebaut. In einem Seitenschiff befindet sich das Grab von Jacques Cartier (1491 bis 1557), dem Entdecker Kanadas.
Auf dem großen Platz vor der Kathedrale kann man schöne Fassaden anschauen, zum Beispiel von einem der Cafés oder Restaurants aus. Schließlich muss man die Spezialitäten der Bretagne ja probieren, die leckeren Gavottes zum Beispiel, hauchdünne Pfannkuchen mit Schinken, Käse und Ei, oder die süßen Crepes mit Schokolade, Marzipan oder Früchten. Oder die Austern, Jacobsmuscheln und in Schmalz gebratene Makrelen. Und danach: Salzbutterkaramellen vom Chocolatier Henri Leroux. Was für eine Völlerei!

„Mach Dir einen so schönen Plan B, dass Du Dich freust,
wenn Plan A schief geht.“

Die Luxemburger Köchin Lea Linster in Brigitte 2/2019.

Foto: Linster