„Einer der ersten Schritte auf dem Weg, sich selbst besser zu verstehen, besteht darin, all diese Mythologien und Illusionen über ein individuelles Selbst mit freiem Willen hinter sich zu lassen. Die Leute, die an den freien Willen glauben, sind am einfachsten zu manipulieren.“

Der israelische Historiker und Bestseller-Autor Yuval Noah Harari in einem Interview mit der Zeit vom 20. September 2018.

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

L’Hotel Particulier, Bordeaux

Wie charmant! Vom kleinen Innenhof geht es über verschiedene Stiegen in die Zimmer und Apartments, jedes anders eingerichtet, aber alle mit einer gekonnten Mischung aus modernen Möbeln und Antiquitäten. Die Bäder sind groß und praktisch, das Frühstück akzeptabel. Das Hotel ist sehr ruhig, obwohl es nur hundert Meter bis zur Kathedrale und dem Rathaus von Bordeaux sind. Auf dem schönen Platz davor kann man im Cafe Francais prima mit einem Cafe aux lait sitzen und den Franzosen beim Kirchgang zuschauen. DZ ab ca. 90 Euro.

Foto: L’Hotel Particulier

Pflanzen-Show
Natürlich haben Sie schon davon gehört, dass der rote Fingerhut extrem giftig ist. Weniger als ein Gramm seiner Blätter bringen einen Erwachsenen um. Aber wussten Sie, dass die weiß umrandeten Flecken wie ein Hinweis auf Insekten wirken: Hier gibt’s Nektar? Dabei schaffen es nur die starken Hummeln an die tief sitzenden Staubbeutel zu gelangen.
Bienen sind unglaublicherweise auch in dichten Buchenwäldern unterwegs, denn der zarte kleine Sauerklee mit seinen herzförmigen Blättern produziert reichlich Nektar, den die kleinen Brummer sehr lieben.
Diese und noch viele andere interessante Fakten zu hundert Pflanzen, die man kennen sollte, hat der Schweizer Botaniker Adrian Möhl für sein Buch gesammelt und die Zeichnerin Denise Sonney hat sie alle wunderhübsch porträtiert.
Ein kleiner Nachteil des informativen Buches: Für Nicht-Kenner sind die Pflanzen nach den Zeichnungen kaum zu identifizieren.
Adrian Möhl, Denise Sonney: Deutschlands Flora amabilis – 100 Pflanzen, die Sie kennen sollten, 224 S., Hirmer, 25 Euro Foto: Hirmer

Sterneküche – zum Nachkochen
Der französische Koch Michel Troisgros hält seit 20 Jahren drei Michelin-Sterne und wurde 2018 zum „Besten Koch der Welt“ beim „Chefs World Summit“ gewählt, einem Treffen aller Spitzenköche in Monaco. Ebenfalls vor 20 Jahren hat er neben seinem Sternerestaurant ein „Cafe Central“ in Roanne eröffnet, eine Mischung aus Cafe, Bistrot und Feinkostladen, das längst eine große Schar Stammkunden gewonnen hat. Die Gäste lieben besonders die leichte, einfache Landesküche aus hervorragenden Produkten. 81 der gut nach zu kochenden Rezepte haben Michel Troisgros und seine Frau Marie-Pierre in ihrem Buch zusammengestellt, zum Beispiel ihre Zwiebel-Steinpilz-Tarte, den in Bier geschmorten Ochsenschwanz und den saftigen Grapefruitkuchen. Schöne, klare Fotos der Speisen und des Restaurants und ein paar Basisrezepte wie das für eingelegte Zitronen oder knusprige Kapern ergänzen den Band.

Michel & Marie Pierre Troisgros: Haute Cuisine – ganz einfach, 192 S., Sieveking Verlag, 29 Euro. Foto: Sieveking

Gundermann

Gerhard Gundermann (1955 bis1998) war in der DDR ein bekannter Poet und Liedermacher – und Baggerfahrer. Der Film erzählt sein zerrissenes Leben rund um die Wendezeit, von seinen Auftritten, seiner Skepsis dem Staat gegenüber, seiner großen Liebe und seinem Verrat. Ein stiller, intensiver Film, der den Zuschauern das echte Leben in der DDR nahe bringt.
Wo der Film wann gezeigt wird finden Sie hier: www.gundermann-derfilm.de/

Köln: Im Museum Ludwig ist jetzt das fast 10 Meter breite und etwa 7 Meter hohe Bild „Katze“ des früh verstorbenen Künstlers Michel Majerus (1967 bis 2002) zu sehen, das 2017 angekauft wurde. Sein Werk gilt als deutsche Antwort auf die internationale, monumentale Architektur und die expressive Malerei der frühen 1990er Jahre.
New York: Am 3. Dezember hat ein neues Musical am Broadway Premiere: „The Cher Show“ erzählt von 60 Jahren Ruhm, 35 Hits, zwei Ehemännern, einem Grammy, einem Oscar und einem Emmy für die amerikanische Ausnahmekünstlerin Cher.
Berlin: Der Audio Verlag hat gerade die „Edition Simenon“ herausgebracht – sämtliche Maigret-Romane, ungekürzt gelesen von Walter Kreye und andere Romane gelesen von Christian Berkel, Ulrich Noethen und anderen Schauspielern. Preise ab ca. 10 Euro. Am 14. November liest Walter Kreye im Pfefferberg Theater, Schönhauser Allee, Berlin. Anwesend wird auch John Simenon sein, der Sohn Georges Simenons.

 

  9. November, Hamburg: „Grindel leuchtet“ auch in diesem Jahr wieder. Zur Erinnerung an die Progromnacht vor 80 Jahren stellen die Anwohner des Grindelviertels – und alle, die sonst mitmachen möchten – Kerzen neben die Stolpersteine vor ihren Haustüren. Ab 16 Uhr 30 leuchtet Grindel!

Samstags und sonntags 13 Uhr, Weil am Rhein: Das Vitra Schaudepot bietet an Wochenenden immer um 13 Uhr einen geführten Rundgang durch seine Design-Sammlung auf Deutsch und um 14 Uhr auf Englisch. Zu sehen bekommt man Möbel-Entwürfe von u.a. Alvar Aalto, Charles & Ray Eames, Gerrit Rietveld und Ettore Sottsass.

 

 

15. November: Ein ganz ungewöhnliches Weihnachtsheft liegt ab heute am Kiosk: „Weihnachten – heute so schön wie früher“ bietet natürlich Geschenke, Deko-Ideen und Rezepte, aber darüberhinaus erzählt es in spannenden Reportagen, Biografien und Porträts, in Liedern und Gedichten von dem Weihnachtsgefühl, das wir uns alle wünschen – und das völlig anzeigenfrei. Es kostet an gut sortierten Kiosken 5,90 oder über leser-service@steyler.online
15. bis 18. November, Hamburg: Beim „Affordable Art Fair“ in den Messehallen zeigen dieses Mal 80 Galerien Kunst für alle, Gemälde, Grafiken, Fotos und Skulpturen von bekannten und unbekannten Künstlern für Preise zwischen 100 und 7500 Euro. Eintritt 16 Euro, geöffnet Do 11-22 Uhr, Fr 11-20 Uhr, Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr.
Fotos: Veranstalter

Und schon ist es wieder so weit: Weihnachten naht und damit der ewige Geschenke-Terror. Entspannen Sie sich, wir haben schon mal ein paar Vorschläge gesammelt, mit denen Sie sowohl Ihre Mutter, den Liebsten und auch Tante Erika beglücken können:
Ritzenhoff: Ein glänzendes Geschenk nicht nur für Queen Mum – oder Papa, jedenfalls für alle Gin–Freunde. Dieses Glas hat der Designer Shinobu Ito gestaltet, es kostet 24,50 Euro.
Fleur Ami: Die handgefertigten Vasen aus mundgeblasenem Glas in Blau und Violett sind auch ohne Blumen schöne Hingucker. Die kleine kostet 47, die große 84 Euro.
Gmundner Keramik: Die Österreicher schätzen Traditionen, und wir mögen den Toni! Den Skiläufer gibt es in Rot, Grau und Grün, die Espresso-Tasse kostet 30,80 Euro.
Wittkemper living: Ein ziemlich kostbares Geschenk macht man sich vielleicht doch am besten selbst. Die Sterne Caligula aus vernickeltem Edelstahl wiegen 3,5 Kilo und kosten fast 400 Euro. Aber schön sind sie!
Pad: Die große Schwester freut sich bestimmt über das Kissen „Lashes, 30 x 50 cm groß in Pink, Gold oder Aqua für 29,95 Euro.
Karikaturenedition: Bücherfreunde sind dankbare Abnehmer von ganz besonderen Buchstützen, zum Beispiel mit dem Kopf Bob Dylans oder Egon Schieles, von Sigmund Freud oder einem tanzenden Martin Luther. Die wunderbaren Karikaturen gibt es jetzt auch als Lesezeichenkalender und als literarischen Adventskalender.

 

Fotos: Hersteller

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

Sozialistische Unmoral und die römische Kirche – Gegensätze, die sich sanft
ineinanderfügen – können

Anfang der 1980er Jahre sah ich während meiner ersten Reportagen in Budapest immer wieder kleine Autos der Marke Fiat 500, „Cinquecento“. Sie trugen römische Kennzeichen und viele von ihnen waren feuerrot lackiert. Drinnen saß immer ein junges, offensichtlich glückliches Paar. Sie Ungarin, er Italiener.
Auffällig waren die Gefährte schon deshalb, weil es damals in Budapest wenige Autos gab, und diese wenigen kamen aus der Deutschen, Rumänischen oder der Tschechischen Demokratischen Republik, und waren nicht gerade hübsch oder gar lustig – und schon gar nicht rot. Zudem sah man glückliche Auto-Insassen in der ungarischen Hauptstadt ohnehin selten.

Kultauto „Cinquecento“

Das Glück und des Rätsels Lösung lag in den Genen und der Erziehung der Insassen versteckt. Die jungen Männer, wohlgemerkt die Jungs (!), kamen aus einem Land mit Jahrtausende alter matriarchalischer Tradition, begründet durch die geraubten Sabinerinnen, die zuvor (im heutigen Umbrien) in einer Gynaikokratie, Frauenherrschaft, mit freier Liebe lebten. Als aber um 400 nach Chr. Päpste und Bischöfe in Frauenkleidern(!) auf der Bühne des römischen Herren-Theaters auftraten und unter Androhung von Höllenqualen die außereheliche Liebe verboten, beließen sie den Frauen die volle Macht in der Familie, weil die bereit waren, das Sexverbot (das im Prinzip auch für die Priester galt) bei der Jugend durchzusetzen.
Tatsächlich regierten in Süditalien auch im 20. Jahrhundert die Frauen, besonders die Mütter und Großmütter, und wachten streng über die Unversehrtheit der Jungfernhäutchen ihrer Töchter und Enkelinnen. Mir berichtete in den 1970ern ein Freund, der in Rom Zahnmedizin studierte, dass man dort mit den Mädchen alles machen konnte. Alles, nur keinen Sex. Die italienischen Jungen wiederum lernten, dass man bei Müttern, Tanten, Großmüttern, überhaupt bei Frauen mit Höflichkeit, Freundlichkeit, Lächeln und Witzchen alles erreichen kann. Selbst winzige Geschenke können Wunder wirken.
In Ungarn, wie in anderen Ländern des Sozialismus gab es keinen Religionsunterricht. Und der „Liebe Gott“ kam nicht dazu, Sex zu verbieten bzw. als etwas Böses in die jugendlichen Herzen und Hirne zu impfen. Zudem arbeiteten in den meisten Familien beide Eltern außer Haus, und selbst eine Abtreibung bedeutete kein großes Problem.
So waren die jungen Ungarinnen – Abkömmlinge wilder Reiter und Rinderzüchter, die mit ihren Frauen nicht gerade zimperlich umgingen (umgehen) –, geradezu hingerissen, als sie die sanften, lustigen Italiener kennenlernten. Ihr Männerbild begann zu glänzen. Zumal auf dem schmalen Rücksitz des „Cinquecento“ wie zufällig hübsch verpackte Nylonstrümpfe, Unterwäsche, Nagellack und Ähnliches lagen. Und auch im Sex waren die Italiener anders. Spielerischer, sanfter. Da gab es keine Eile, sondern Streicheleien, Liebesschwüre und tausend Küsse. Dafür waren die Mädchen und jungen Frauen spontan hingebungsvoll – was wiederum für die südländischen Jungs das Paradies bedeutete.
Réka und Domenico (beide um die 60), lernte ich unlängst in einem Budapester Café kennen. Sie sprachen italienisch. Réka betonte die erste Silbe (falsch), Domenico (richtig) die vorletzte. Sie berichteten begeistert, dass sie allein in der Innenstadt über zehn ungarisch-italienische Paare kennen. Und als Ausnahme, um die Regel zu bestätigen, eine junge Frau, die sagt: „Die Italiener sind keine Männer! Die können nicht sagen: ‚das will ich, und das will ich nicht!‘ Die sind Muttersöhnchen.“
Da ist natürlich etwas dran – vielleicht das Wichtigste. Vermutlich halten gerade deshalb die Verbindungen zwischen den selbstbewussten, unternehmerischen Frauen und ihren sanften Männern so überraschend lang. Von den 1980er Jahren bis heute. Auch wenn die Paare keinen „Cinquecento“ mehr fahren.
Fotos: privat/Hersteller

Staatsgalerie, Stuttgart, 23.11. bis 10.3. 2019:
Marcel Duchamp
100 Fragen. 100 Antworten.

Henri-Robert-Marcel Duchamp (1887 bis1968) war ein französisch-amerikanischer Maler und Bildhauer, der auch exzessiv Schach spielte.
Besonders bekannt wurde er durch seine Readymades, zum Kunstobjekt erklärte Alltagsgegenstände. In Stuttgart zeigt man jetzt die vielen dem Museum gehörenden Werke wie zum Beispiel den bekannten „Flaschentrockner“ neben bedeutenden Leihgaben aus großen Museen.
Ergänzt wird die spannende Ausstellung mit dem Duchamp-Archiv des Schweizer Forschers Serge Stauffer, der dem Künstler 1960 100 Fragen gestellt, und 100 Antworten erhalten hatte.

Geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr.
Foto: Marcel Duchamp, La Bagarre dÁusterlitz (Die Schlägerei von Austerlitz), 1921. Öl auf Holz, Glas, Objekt: 62,8 x 28,7 x 6,3; Holzsockel: 5x 33 x20,2; Gesamthöhe: 67,8cm, Staatsgalerie Stuttgart,
@ Association Marcel Duchamp/VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Diesmal: Naumburg

Naumburgs Dom

Na endlich! Im dritten Anlauf wurde jetzt der Naumburger Dom als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Wer dieses großartige Ensemble besucht, versteht wirklich nicht, warum es so lange gedauert hat.
Naumburg liegt an der „Straße der Romanik“ mitten in Sachsen-Anhalt, und der Dom ist ein beeindruckendes Beispiel für die Baukunst der Romanik, hat aber auch schon Elemente der Frühgotik. Weltberühmt wurde er wegen der zwölf einzigartigen, lebensgroßen Stifterfiguren, die ein unbekannter Meister geschaffen hat. Unter ihnen die „schönste Frau des Mittelalters“, Uta von Naumburg . Man vermutet, dass es sich um Uta von Ballenstedt (1000? bis 1046), die Ehefrau des Markgrafen Ekkehard II. von Meißen handelt, allerdings sprechen die Krone und ihr Mantel eher dagegen, außerdem war sie schon 200 Jahre tot, als die Figuren geschaffen wurden. Für das 13. Jahrhundert noch völlig unüblich, zeigen alle Stifter realistische Gesichtszüge mit einer außerordentlichen Ausdruckskraft. Utas Gesicht wurde denn auch immer wieder – besonders im Nationalsozialismus – als Sinnbild der reinen, deutschen Frau gesehen. Selbst Umberto Ecco, der italienische Professor für Semiotik und Medienwissenschaften und Romanautor, bekannte in seiner „Geschichte der Schönheit“, Uta sei seine erste Wahl, wenn er mit einer Figur aus der Kunstgeschichte essen gehen könnte.
Der Leipziger Maler Neo Rauch sorgte für ein weiteres Kunstwerk im Dom, er gestaltete drei Fenster in der Elisabethkirche, die in rotem und weißem Glas die Geschichte der heiligen Elisabeth von Thüringen erzählen.
Man sollte nicht versäumen, sich den gut gemachten Film in der Sakristei anzuschauen, der die Geschichte des Doms anschaulich macht. Und dann geht man zur Erholung am besten in den Domgarten, der fast einen Hektar groß ist und neben vielen Bäumen auch Teiche und die Pflanzenwelt des Mittelalters bietet, die dem Naumburger Meister als Vorbild für Kapitelle und Friese diente.

Am Markt

Vom Domplatz aus schlendert man dann am besten durch die Fußgängerzone, dem Steinweg und der Herrenstraße zum Marktplatz von Naumburg mit seinem Rathaus von 1528 und dem wunderschönen Renaissance-Portal. Direkt hinter dem „Schlösschen am Markt“ steht die Wenzelkirche von 1426 mit einer barocken Innenausstattung. Die schöne Orgel wurde 1746 von Zacharias Hildebrandt erbaut und von

Die wunderbare Hildebrandt-Orgel

Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann eingeweiht. Der Turm der Wenzelkirche ist 72m hoch und hat eine Wohnung, in der von 1513 bis 1987 insgesamt 36 Türmer lebten. Heute gibt es dort eine öffentliche Aussichtsplattform.
Geht man abschließend durch die Wenzelstraße und die Wenzelsgasse, dann erreicht man in der Straße Weingarten das Nietzsche Haus, in dem Friedrich Nietzsche (1844 bis1900) zeitweise mit seiner Mutter und seinen Geschwistern lebte. Heute ist dort ein Dokumentationszentrum zu seinem Leben und Werk untergebracht.
Von dort schlendert man an der Wenzelsmauer entlang, den Resten der Stadtbefestigung, und erreicht über den Kramerplatz mit der Kirsche St. Peter und Paul und über den Othmarsplatz mit der Othmarskirche wieder den Dom. Spätestens jetzt sollte man sich auf dem Domplatz in einem Cafe niederlassen und das gewaltige Bauwerk noch einmal auf sich wirken lassen.
Fotos: CO

Elisabeth Raether

Auch in der Küche kann es nicht schaden, wenn das Selbstbewusstsein ein kleines bisschen größer ist als das Talent.

Die Redakteurin Elisabeth Raether im Zeit Magazin Nr. 36/2018 vom 29. August zum Thema „Hühnchen für Geduldige.“
Foto: m-vg

Peter Butschkow, der Berliner Zeichner, lebt und arbeitet in Nordfriesland und hat schon weit mehr als 2 Millionen Bücher, Kalender und unzählige Postkarten verkauft.

Cartoon-Abdruck kostenpflichtig www.butschkow.de

Spree Balance, Burg im Spreewald

Hotel Spree Balance

Wer den ganzen Tag durch die romantischen Kanäle des Spreewalds gepaddelt ist, der braucht sicher eine ergiebige Dusche, ein behagliches Bett, herrliche Ruhe und was Leckeres auf dem Teller. Im Hotel Spree Balance am Rande von Burg wird all das geboten, übrigens auch für Nichtpaddler, die sich lieber durch die Kanäle staken lassen. Die Zimmer sind groß und in warmen Farben eingerichtet, die Bäder einladend, die Betten breit, die Matratzen genau richtig hart und im Restaurant gibt es ein reichhaltiges Frühstück. Abends kann man sich einen „Spreewälder Gurkenteller“ mit Griebenschmalzstulle oder ein Meerrettichschnitzel mit Bratkartoffeln gönnen.
DZ ab ca. 130 Euro. Foto: spree balance

Havanna ist blau

Havana-short shadows

Die touristischen Highlights von Havanna hat die deutsche Fotografin Eva-Maria Fahrner-Tutsek gleich links liegen gelassen. Weit musste sie nicht gehen, schon im Stadtteil „La Habana Vieja“, dem alten Havanna, fand sie das Kuba der Kubaner. Für ihren Band „Havana – Short Shadows“ hat sie Szenen des alltäglichen Lebens eingefangen, echte Straßenfotografie eben. Da hängen frisch gewaschene, strahlend weiße Laken in einer Ruine, eine Sonnenblumenverkäuferin hockt auf einem Schemel am Straßenrand, ein vergilbtes Foto von Fidel Castro klebt in einem schmutzigen Schaufenster. Die Bilder sind kommentarlos abgedruckt, nur hinten im Buch findet man Angaben zur Straße oder zum Gebäude der jeweiligen Aufnahme. Ergänzt werden die stillen Bilder von einem kleinen Einführungstext der Fotografin und einem Essay über das Wesen und die Geschichte der Dokumentarfotografie von Fotograf Michael Freeman und einem über das Leben in Havanna des Schriftstellers Leonardo Padura, beide sind ein Muss zum Verständnis der Bilder. Denn Leonardo Padura bekennt: “Mein Havanna klingt nach Musik und alten Autos, es riecht nach Gas und Meer, und seine Farbe ist das Blau.“

Eva-Maria Fahrner-Tutsek: Havana – short shadows, 164 S., Hirmer, 39,90 Euro Foto: Hirmer

Frauen entdecken

Meisterinnen des Lichts

Stimmt schon – erfunden hat die Fotografie ein Mann; der Franzose Louis Daguerre. Und es sind Männer wie August Sander, Henri Cartier-Bresson oder Irving Penn, dank derer das neue Medium längst zu einer international anerkannten Kunstform avanciert ist. Aber dass auch Frauen höchst eindrucksvoll mit der Kamera umgehen konnten und können, belegt nun aufs Schönste und Nachdrücklichste dieser Band: „Meisterinnen des Lichts“ heißt er und das völlig zu Recht, denn die Aufnahmen einer Germaine Krull, Gertrude Käsebier oder Susan Meiselas sind in der Tat überragend. Ingesamt 55 Frauen stellt der Kunsthistoriker Boris Friedewald vor, und wenn man auch ein wenig erstaunt feststellt, dass Diane Airbus ebenso fehlt wie Barbara Klemm und Annie Leibowitz – jede Auswahl hat notwendigerweise Lücken, aber die Entdeckungen, die man in diesem informativen Buch machen kann, wiegen den Mangel durchaus auf.

Boris Friedewald: Meisterinnen des Lichts. 240 S., 230 Abb. Prestel. 22 Euro. Foto: Prestel

Menashe

Menashe (rechts) mit Sohn, Rabbi und Gemeinde

Er schlurft etwas nachlässig durch sein schwieriges Leben: Menashe Lustig ist gerade Witwer geworden, hat permanent Ärger mit seinem Chef im Supermarkt und seine jüdische Gemeinde in Brooklyn und sein Rabbi wollen ihn zwingen, schnell neu zu heiraten, sonst muss sein pfiffiger Sohn Lieven in einer Pflegefamilie aufwachsen. Menashe wehrt sich.

Der stille Film des liberalen Juden Joshua Weinstein, der eigentlich Dokumentarfilmer ist, wurde mit Laiendarstellern gedreht, und der unkonventionelle, witzige Menashe Lustig spielt sich selbst. Ein beklemmender Blick in die völlig fremde Welt einer geschlossenen, jüdisch-orthodoxen Gemeinde im heutigen New York.

Wo der Film wann gezeigt wird finden Sie hier: http://mindjazz-pictures.de/kinotermine/

Foto: Veranstalter

Hamburg: Er ist wieder da! Das Gemälde Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ ist zurück in der Kunsthalle, nachdem es – eine große Ausnahme – nach Berlin ausgeliehen war. Das Bild zählt zu den wichtigsten Werken Deutschlands und sein Maler gilt als hervorragender Vertreter der deutschen Romantik. Das Gemälde ist seit 1970 eine Dauerleihgabe der „Stiftung Hamburger Kunstsammlungen“ an die Kunsthalle.

European University Film Award: Zum dritten Mal wird der Filmpreis vergeben, für den eine Jury aus 49 Spielfilmen und 15 Dokumentarfilmen fünf Beiträge nominiert hat. Das sind die Filme „Foxtrot“, eine Gemeinschaftsproduktion aus Israel, Deutschland, Frankreich und der Schweiz; „Glücklich wie Lazzaro“ aus Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz; „Styx“ aus Deutschland und Österreich; „Tarzans Testicles“ aus Rumänien und Frankreich; „Utoya 22. Juli“ aus Norwegen. Die fünf Filme werden jetzt in 23 Universitäten in 23 Ländern angeschaut und der jeweilige Favorit gekürt. Am 15. Dezember wird der Gewinner in Sevilla verkündet. Ziel dieses Wettbewerbs ist es, die europäische Idee zu verbreiten und Studenten das europäische Kino näher zu bringen.

Helsinki: Die Hauptstadt Finnlands ist gerade mit dem Titel – zusammen mit Lyon – „European Capital of Smart Tourism 2019“ von der Europäischen Kommission ausgezeichnet worden. Damit wird der konsequente Einsatz moderner Technologien in den Bereichen Energie, Mobilität, Stadtplanung, Verwaltung und Kommunikation und deren Vernetzung geehrt, der auch für Nachhaltigkeit in der Stadt sorgt, und sie grün und lebenswert macht.

7. bis 13. 10., Helsinki: Falls Sie nach einem zweiten Grund suchen – der erste siehe oben -, mal nach Helsinki zu fahren, hier ist er: Der „Baltic Herring Market“ findet seit 1743 statt und auch in diesem Jahr gibt es wieder Hering-Verkostungen in verschiedenen Restaurants, eine Paddel-Tour von Fischern direkt von ihren Fischerbooten aus, eine Ruderregatta begleitet von einer Blaskapelle und Vorträge, Diskussionen und Kochshows rund um den Hering und das Meer.

Kartell: „Venice“ heißt der neue Stuhl von Philippe Starck, den er dem Besitzer von Harrys Bar in Venedig gewidmet hat. Das Sitzmöbel ist aus Kunststoff gegossen, in Weiß, Grau, Grün, Rot und Schwarz lieferbar und sieht so selbstverständlich aus, als wäre es schon immer da gewesen.

Intertime: Der Sessel „Kite“ von Designer This Weber wird vollständig von Hand in der Schweiz produziert. Kite ist um 360 Grad drehbar, mit Chrom-, Aluminium- oder Holzfüßen und in mehreren pudrigen Farbtönen lieferbar.

Varier: Genau, den kennt man! Den Sessel „Ekstrem“ gibt es nämlich schon seit 1984, entworfen von dem Norweger Terje Ekstrom, Schreiner, Polsterer und Designer und schnell zur Ikone aufgestiegen. Nun hat der Produzent Varier ihn in fünf neuen Farben vorgestellt.

Torquato: Er erinnert an die Formen der 50er Jahre – der Cocktail-Sessel „Madison“ ist 77 cm hoch, in drei Farben lieferbar und hat Füße aus dunklem Gummibaumholz.

Fritz Hansen: Das Sofa „Plenum“ hat der spanische Designer Jaime Hayon für Hotelhallen, Lounges und Büros entworfen. Als Zwei- oder Dreisitzer und auch als Einzelsessel lieferbar und für diskrete Gespräche oder konzentriertes Arbeiten geeignet.

Venice von Kartell

Kite von Intertime

Ekstrem von Varier

Madison von Torquato

Plenum von Fritz Hansen

Nachrichten aus einem kleinen Land

Unser Autor

Unser Kolumnist, der Ungar Péter Pál Meleghy, ist Autor vieler Reiseführer und Kochbücher und schreibt für verschiedene deutsche Zeitschriften. Er lebt in Hamburg und Budapest und betreibt die Website www.ungarnaktuell.de, außerdem die beiden Literaturseiten www.phantastisch-realistische-literatur.de und www.ein-oscar-fuer-hitler.com

Roma, Zigeuner, Statistik 2018, Julikas Traum, Menuhin und die Gänseleber:

Hurra, die Zigeuner kommen!

Mein Großvater mütterlicherseits war der Gutsverwalter des Grafen Bethlen in Sesarma, Siebenbürgen. Die schönste Erinnerung an ihre Kindheit war für meine Mutter der regelmäßige Besuch einer Zigeunersippe. Jeweils etwa 20 – 25 Menschen zogen in den baumbeschatteten weiten Gutshof, umgeben von den ebenerdigen weißen Gebäuden, der Ställe und den Behausungen der Bauern.

Vorne marschierte der Zigeuner-Baron, der älteste Mann der Sippe, auf zwei seiner Töchter gestützt, dahinter die Musiker, dann die Frauen und die lärmenden schwarzhaarigen und dunkelhäutigen Kinder. Je nach Jahreszeit wurden Lämmer, Schweine und Hühner geschlachtet, viel Brot gebacken. Jeweils etwa eine Woche lang gab es für alle Essen, Trinken, Musik, Tanz und Spiele. Dann bekam der Baron etwas Geld und die Gruppe zog zum nächsten größeren Gut.

Etwas Statistik: die Roma in Ungarn 2018

In Ungarn leben etwa 800.000 Roma. Die meisten auf dem Land, in tiefer Armut, viele in Waldhütten. Von dort begleiten Großeltern ihre Enkel zu Fuß zur Schule. Die Schulpflicht gilt bis zum 16. Lebensjahr – zumal für die Roma. Für Reiche-Leute-Kinder gibt es Privatschulen. Besonders begehrt sind die konfessionellen. Die Roma sind öfter krank und leben kürzer als die übrige Bevölkerung. Viele arbeiten im staatlichen Arbeitsprogramm für den Minimallohn, den sie voll versteuern müssen. So bleiben ihnen am Ende umgerechnet ca. 300.- Euro im Monat. Kein Wunder, dass die meisten von ihnen ihre Stimmen bei der Parlamentswahl im Frühjahr 2018 für ca. 70.- € an die Regierungspartei verkauften. Sie wurden mit Bussen eingesammelt, in die Wahlbüros gefahren und haben dort unter Aufsicht (das Wahlgesetz erlaubt bei geistig Minderbemittelten eine Wahlhilfe) ihre Stimmen abgegeben.

Julikas Traum von der Verwandtschaft

Die junge Roma Julika hat eine warme Altstimme. Sie singt allein beim Kochen und Putzen, aber auch mit verschiedenen ungarischen und serbischen Roma-Gruppen. Sie träumte lange davon, Indien und damit die Urheimat der Roma zu besuchen. Nach einer erfolgreichen Konzertreihe war sie im Frühling 2018 mit insgesamt sieben Freunden und Freundinnen in Mumbai. „Es war wunderbar!“, sagt sie begeistert. „Alles Zigeuner, genau wie wir.“ Bald aber fiel ihnen auf, dass die Menschen sie fremdelnd ansahen. Endlich wagte Julika in ihrem besten Englisch eine junge Frau zu fragen, was denn an ihnen nicht in Ordnung sei. „Eure Kleidung“, kam die spontane Antwort. „Ihr seht aus, wie indische Männer bei Besprechungen mit Europäern. Oder am Flughafen. Aber selbst da kleiden sich Frauen niemals so.“ Julika und ihre Freunde staunten mit offenen Mündern, die Inderin lachte. Dann führte sie sie zum Markt nebenan, wo sie für wenig Geld leichte, luftige Saris, Hosen und Sandalen kauften. „Da waren wir endlich richtige Inder“, sagte Julika mit ihrer warmen Altstimme. Und lächelte.

Yehudi Menuhin, der junge Roma-Geiger und die Gänseleber

Yehudi Menuhin

Der jüdisch-amerikanische Geiger bekam seinen Vornamen (Bedeutung: Judäer, Jude) von seiner Mutter als Rache an der Vermieterin ihrer Wohnung und Nachbarin in New York. Die Frau hielt sich mit ihrer antisemitischen Meinung ganz und gar nicht zurück. Dafür musste sie nun ständig hören: „Judäer hör auf zu brüllen, komm zum Essen“ und ähnliches mehr.

Als erwachsener weltberühmter Geiger mochte Menuhin Ungarn, die Musik, die Zigeuner, wie sie damals hießen, und kam verhältnismäßig oft und besonders gern nach Budapest. Er wohnte immer im Hotel Gellért, mit Blick auf die Donau, und aß auch im Restaurant des Hauses. Neben dem Geiger Roby Lakatos war sein bester Freund, der Zymbal*-Spieler Rácz Aladár, der manchmal (für besondere Gäste) im Speisesaal spielte. Bei einem der Besuche in den 1980-er Jahren, stellte Rácz dem amerikanischen Freund einen unbekannten jungen Roma-Geiger, Horváth Jóska, vor.

Der kam denn auch, wie es sich in Ungarn gehört, zusammen mit der Vorspeise zu Menuhins Tisch. Und spielte. Da geschah etwas, das bis dahin, aber auch danach, in einem ungarischen Restaurant niemals geschah: Nach dem ersten Bissen vom kalten Zander im leichten Zitronenmus hörte der Gast auf zu essen, legte sein Besteck hin, lehnte sich zurück und schloss die Augen. Das sah der Oberkellner (der mir die Geschichte erzählte) und war entsetzt. Er rannte in die Küche und brüllte: „Aufhören mit Menuhins Gänseleber! Eine neue aus der Kühlung holen und warten!“ Dann rannte er wieder in den Speisesaal und gab nach einiger Zeit Joska ein Zeichen mit dem Inhalt: In etwa fünf Minuten aufhören zu spielen!

Die Geschichte ging gut aus. Menuhin verbeugte sich im Sitzen vor dem Jungen Roma, aß den Zander, da war die Gänseleber mit gedünsteten Apfelscheiben gerade fertig.

Und wieder daheim stiftete er ein Stipendium für das Geigentalent, das heute in einem der großen amerikanischen Symphonieorchester spielt.

*Zymbal, ungarisch Cimbalom, ist ein oben offenes Instrument, dessen Seiten mit weichen Stöcken geschlagen werden. Fotos: privat/wikipedia