Lebensgeschichten
Der Architekt und Designer Matteo Thun, geboren 1952 in Südtirol, ist sicher einer der Vielseitigsten seiner Zunft. Er hat nicht nur 1981 die epochemachende Gruppe Memphis mit Ettore Sottsass zusammen gegründet und war Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, er entwarf u.a. auch mit seinem eigenen Büro Uhren für Swatch und Vasen für Tiffany, baute ein Hotel in Venedig und eines in Hamburg.
Kein Wunder, dass ihn eine normale Biografie nicht interessierte – lieber erzählte er der Autorin Sherin Kneifl 72 Geschichten aus seinem Leben. So erfährt man in ihrem gemeinsamen Buch auch Privates über seine Kindheit in einem Schloss bei Bozen, wo im Winter aus Kostengründen nur zwei Zimmer geheizt wurden, über eine seiner Großtanten, die mit Max Ernst und Picasso befreundet war, oder über Karl Lagerfeld, der alle seine ersten Entwürfe für Memphis auf einmal kaufte. Sehr hübsch auch die Anekdote mit Keith Haring, der Thun in Mailand besuchte, bevor er so richtig berühmt wurde und in Thuns Lieblingslokal einen weißen Pasta-Teller mit Filzstift bemalte.…

Welcher Ort für jemanden zum „Soul Place“ wird, ist natürlich ganz individuell. Der eine braucht tiefe Stille oder fröhliche Lebendigkeit, der andere beeindruckende Architektur oder großartige Natur. Der Verlag Reise Know How hat sich das zum Prinzip für seine Reiseführer gemacht. In diesem gibt der Autor Dr. Andreas Drouve, gelernter Germanist, Hispanist und Völkerkundler, seine spanischen Seelenplätze preis – achtzig an der Zahl.Dazu gehören so bekannte wie La Seu, die Kathedrale in Palma de Mallorca, oder Ronda, die kleine Stadt mit dem großen Canyon, aber auch einsame Buchten im Naturpark Cabo de Gata-Nijar oder der Friedhof von Alcoi. Jedem Platz ist eine Doppelseite gewidmet mit Fotos, ausführlicher Beschreibung und Begründung, warum es ein Soul Place ist, und außerdem hilfreichen Adressen, Webseiten und Terminen. In einer Übersichtskarte sind alle „Soul Places“ eingezeichnet – man muss also nur noch hinfahren.
„Für Cottage-Gärten“, schreibt der britische Fotograf und Autor Mark Bolton, „gibt es keine Regeln…..jeder kann so einen wilden, bescheidenen und genügsamen Garten gestalten“. Damit wir Leser aber doch ein bisschen Hilfe bekommen, hat Bolton dieses Buch gemacht. Darin erläutert er, wie er seinen kleinen Garten angelegt und mit viel Geduld zu großer Pracht gebracht hat. Er nimmt uns mit durchs Gartenjahr, erklärt, was wann gemacht werden muss, empfiehlt Werkzeuge und Pflanzgefäße, wirbt für einen Schuppen und einen Komposthaufen, und nicht zuletzt gibt der Fotograf Tipps, wie man sein Paradies im Bild festhält. Ergänzt wird der üppige Band mit vier Reportagen anderer Gärten und einem ausführlichen Pflanzenregister.
Ach, was waren das für Zeiten, als das Glück von Abermillionen Musikfans in einer 30 mal 30 Zentimeter großen Papphülle steckte, die man ebenso stolz wie sorgsam nach Hause brachte, dort noch mal eingehend das Bild vorne drauf betrachtete, um dann eine runde Scheibe hervorzuziehen und sie vorsichtig auf einen Plattenteller zu legen und dann…Vorbei.
Garten-Fans kennen natürlich den Namen Karl Foerster (1874-1970), des legendären Gärtners und Pflanzenzüchters. Und manch einer hat schon seinen prachtvollen Garten in Potsdam-Bornim besucht. Von1990 bis zu ihrem Tod 2010 übernahm Tochter Marianne Foerster, die bei ihrem Vater gelernt hatte und anschließend dreissig Jahre in Belgien arbeitete, die Leitung des Anwesens. Heute gehört es der Marianne-Foerster-Stiftung. Ihr Garten-Tagebuch von 2003 hat der Landschaftsarchitekt Ulrich Timm jetzt ergänzt und aktualisiert, und ausserdem ist der Band mit neuen prächtigen Fotos von Ferdinand Graf Luckner illustriert worden. So kann man den Autoren durchs Gartenjahr folgen, bekommt Tipps zum Bepflanzen verschiedener Stauden, Gräser und Blumen und Empfehlungen für Farbkompositionen, zum Beispiel dieser: „Es gibt niemals genug weiße Blüten in einem Beet, Weiß trennt und verbindet, hebt andere Farben hervor, Weiß ist unerlässlich.“
Erstaunlich, wie viele Literaten sich Gärten anlegten, in der Natur schrieben und gerne Bäume, Stauden, Hecken, Gemüse und Blumen pflanzten.
Von ihr stammt das fast schon ikonische Foto der jungen Amerikanerin, die 1951 ebenso so beklommen wie tapfer auf einer Straße in Florenz an einer Gruppe gaffender und feixender Männer vorbeigeht – doch das ist längst nicht das einzige Bild, mit dem die US-Fotografin Ruth Orkin (1921-1985) das frühe Selbstbewusstsein von Frauen im 20. Jahrhundert dokumentierte. Immer wieder richtete sie in den vierziger und fünfziger Jahren ihre Kamera auf Geschlechtsgenossinnen, die sich in einer ziemlich überheblichen Männerwelt durchzusetzen wussten oder auch einfach ihren eigenen Weg gingen. Und ob es ein Filmstar wie Lauren Bacall war, eine Kellnerin oder eine Stewardess, sie alle hatten mit Konventionen wenig am Hut. Lange galten viele dieser eindrucksvollen Aufnahmen als verschollen – für die Berliner Ausstellung „Women“ (noch bis zum 18. Februar) wurden sie jetzt wiederentdeckt, und der Katalog präsentiert sie für die Zeit danach. PM
Heute, in den Zeiten von GPS und Google Maps, sind sie weitgehend entbehrlich, aber bis vor ein paar Jahrzehnten wurden sie dringend gebraucht, wenn es darum ging, sich in der Welt zurechtzufinden. Und so haben Karten (und Atlanten) denn auch eine lange Karriere hinter sich, wie der britische Historiker Philip Parker in diesem höchst informativen Buch beweist. Sie beginnt um 6000 v. Chr. in der kleinasiatischen Siedlung Çatalhöyük mit einer kruden Zeichnung auf einem Stein, um danach immer wieder neue und oft verblüffende Anläufe zu verzeichnen, die Erde möglichst genau darzustellen, bis dann im 16. Jahrhundert gleich zwei Kartenwerke entstehen, die bis heute als Klassiker gelten: die prächtigen Atlanten der Kartografen Abraham Ortelius und Gerardus Mercartor. Seither wurden die Karten immer präziser – und gelegentlich auch perfider. So wurden aus politischen Gründen Grenzen verschoben oder Namen falsch wiedergegeben. Fazit nach 250 Seiten spannender Lektüre: Karten ersetzen zwar kein Geschichtsbuch, aber wie der Mensch sein Wissen über seinen Planeten erweiterte, darüber geben sie sehr anschaulich Auskunft.
Wer die italienische Kunst liebt, ist sicher schon in der Alten Pinakothek in München gewesen. Derzeit widmet sich das Haus der Kunst Venedigs in der Renaissance. Damals, vor 500 Jahren, erlebte die Lagunenstadt mit Künstlern wie Bellini, Giorgione oder Tintoretto und Tizian eine unnachahmliche Perfektion der figürlichen Malerei. Vor allem Werke von Tizian faszinieren uns bis heute und beeinflussten Maler und Malerinnen bis in die europäische Moderne.
Bücher, Bücher und noch eins!
Jetzt ist es an der Zeit für den nächsten Frühling vorzusorgen: Tulpenzwiebeln zum Beispiel sollten im Oktober/November
Wer einmal dort war, der vergisst sie nie wieder – die Amalfi-Küste.
Tava bezeichnet eigentlich eine Pfanne, in der man Fladenbrot backt. Als Titel des Kochbuchs von Irina Georgescu meint es aber ein Serviertablett, auf dem die Autorin uns 80 süße Rezepte anbietet.
Endlich eine Toilette mit Wasseranschluss in der eigenen Wohnung! Als die Familie Schwartz am 1. April 1871 in ihr Haus in Berlin einzieht, freut sich auch der siebenjährige Karl über ein eigenes Zimmer. Das wunderbare Wimmelbuch von Autorin Kathrin Wolf und Zeichnerin Isabel Kreitz folgt der Familie die nächsten 150 Jahre durch das Deutsche Kaiserreich, die Weltkriege, der Weimarer Republik und der Nazizeit, dem Wirtschaftswunder in den 1950er-Jahren und dem geteilten Berlin, der Wiedervereinigung und schließlich der Corona-Zeit.
Der Journalist Richard Schneider, der seit 17 Jahren in Tel Aviv lebt und für die ARD und den Spiegel aus Israel berichtet, stellt sich in seinem neuen Buch gleich mehrere Fragen: Ist Israel eine Demokratie, ein Apartheidsstaat oder ein fundamentalistischer Staat. Ist Kritik an Israel antisemitisch, und gehört Palästina den Palästinensern?
Die beiden Autorinnen, die zusammen ein Atelier in Lwiw in der Ukraine betreiben, haben schon mehrere Bücher für Kinder und Erwachsene veröffentlicht, z.B.
Sicher haben Sie schon mal vom Bingelkraut gehört und vom Natternkopf. Nein? Gesehen haben Sie diese kleinen, tapferen Pflänzchen, die sich durch Pflasterfugen und Mauerritzen zwängen, aber bestimmt schon. Wahrscheinlich nur nicht so richtig bemerkt.
Im Großen und Ganzen kennen wir uns ja alle einigermaßen aus in der Kunst – aber was ist eigentlich mit den Einzelheiten?
Von Flensburg über Lübeck und Wismar bis nach Usedom sind die Autorin Marianne von Waldenfels und die Fotografin Julia Marie Werner gereist und haben unter anderen Bens Fischhütte, den Koseler Hof, Gut Immenhof und das Rote Haus besucht und dabei den Chefköchen ihre Lieblingsrezepte abgelockt. So kann man in ihrem Buch lernen, wie man im Restaurant Specht in Grödensby Galloway Frikadellen zubereitet und auf Gut Panker im Restaurant Ole Liese Ostseedorsch sanft gart und mit Spinat, Steinpilzen und Kartoffelschaum serviert. Zu jedem Kapitel gibt es kurze Texte über die Köche und ihren Werdegang, und ein paar Geheimtipps werden auch ausgeplaudert, zum Beispiel über das KranichHotel bei Ribnitz-Damgarten (https://kranichhotel.de), das auch ein Kunstmuseum geworden ist, und das Wasserschloss Mellenthin auf Usedom, in dem seit 1575 Bier gebraut wird.
Kein Bauerngarten ohne Levkojen, schon im 16.
Gibt es viele andere Tätigkeiten, die wir Menschen seit eh und je so einträchtig erledigen wie die Verrichtung der Notdurft? Wohl kaum, wie dieser ziemlich bunte Streifzug durch die „stillen Örtchen“ rund um den Globus und quer durch die Jahrhunderte beweist. Wobei sich herausstellt, dass es gar nicht immer so diskret zuging auf den Toiletten. Im alten Rom etwa hockte man sich durchaus gemeinsam hin, um sein Geschäft zu machen. Auch in den Klöstern des Mittelalters ging es oft gesellig zu, beim Militär sogar bis in die Neuzeit, vor allem, wenn die Truppen in den Krieg zogen. Erst das prüde 19. Jahrhundert sorgte zumindest in Europa flächendeckend für Abgeschlossenheit und Vereinzelung. In vielen Gegenden der Welt ist es allerdings immer noch nicht weit her mit Abstand und Hygiene, und so bleibt die Kulturgeschichte der Toiletten bis heute ein ebenso aktuelles wie anrüchiges Thema. PM
Immerhin rund 400 Jahre haben die ältesten schon hinter sich (von ein paar noch älteren Vorläufern abgesehen), richtig attraktiv sind unsere Museen indes erst seit gut 50 Jahren. Und auch ihre Zukunft könnte spannend werden, vermutet jedenfalls der britische Architekturhistoriker Owen Hopkins in diesem höchst informativen und reich illustrierten Buch. Einst meist aus fürstlichen Wunderkammern und anderen Kollektionen hervorgegangen, ist das Sammeln und Bewahren für viele Häuser inzwischen nur noch ein Teil ihrer Aufgaben. Herausforderungen, die mit den Stichworten „digitale Revolution“ und „Dekolonialisierung“ zusammenhängen, zwingen nicht zuletzt alt etablierte Institutionen dazu, ihre Berechtigung und ihr Konzept zu überprüfen. Unterdes sind in den letzten Jahrzehnten rund um den Globus immer mehr neue Museen entstanden: Wo diese Entwicklung einst etwa mit dem Louvre im Frankreich des 16. Jahrhunderts begann und mit dem 2017 eröffneten Louvre in Abu Dhabi (siehe auch unten) sicher nicht ihr Ende gefunden hat, dokumentiert Hopkins anhand von 111 Museen ebenso umfassend wie unterhaltsam.
Wenn Wurzeln wandern
Jetzt ist die Zeit, den nächsten Urlaub zu planen! Wie wären denn mal fast touristenfreie Städte in Spanien? In diesem neuen Buch kann man sechzig spannende Orte entdecken von Santander über Burgos und Tarragona bis Ronda. Jeder Stadt sind ein oder zwei Doppelseiten gewidmet mit schönen Fotos, einem informativen Text, einem Extra-Tipp und wichtigen Websites. Eine Karte und ein paar grundlegende Fakten über Land und Leute runden den Band ab. Also, auf zum Beispiel in die „Stadt der drei Kulturen“, wie Toledo wegen des friedlichen Zusammenlebens von Christen, Juden und Muslimen über Jahrhunderte genannt wird!
Schon vor 2500 Jahren gab es Gärten, in denen Äpfel wuchsen, die sich kaum von denen unterschieden, die wir heute im Supermarkt finden. Tiere wie Bären, Pferde und auch Kamele, denen die Früchte gut schmeckten, sorgten für eine weite Verbreitung, und weil Äpfel nicht nur gesund sind und sich gut lagern lassen, begeisterten sich Menschen in aller Welt.…
Gesichter erzählen Geschichten: So wie Schriftsteller häufig eigene Spuren in ihren Romane hinterlassen, so erkunden bildende Künstler das eigene Ich im Selbstporträt. Die zahlreichen Selbstbildnisse von Vincent van Gogh etwa lassen sich wie ein autobiografischer Befund lesen. Auch Pablo Picasso, so der Kunsthistoriker Uwe M. Schneede in seinem neuen Buch, wählte regelmäßig das Selbstporträt, um seine Lebenskapitel zu kennzeichnen: Es sind „Ich-Botschaften“, die Auskunft geben über jugendliches „Aufbegehren“, über „Selbstbehauptung“ in späten Jahren bis hin zur „Selbstergründung“ gelebter Herausforderungen. Bei Marina Abramovic mündet sie in Performance-Arbeiten mit dem ganzen Körper.
Unser Lieblings-Cartoonist Peter Butschkow hat soeben seinen zweiten Roman vorgelegt. Wenig überraschend bei einem gelernten Graphiker und Zeichner, der in Berlin aufgewachsen ist und seit langem in Nordfriesland lebt, geht es auch hier um Schrift. Genauer um die Brand-Antiqua und deren Schöpfer, der zwei Studenten nach der verschwundenen Emilia suchen läßt und sie so in ein Abenteuer schickt, um zu klären: „Wo ist Emilia?“