Bücher

Keine Bange, wenn Ihnen noch immer kein angemessenes Weihnachtsgeschenk eingefallen ist: Hier kommen Tipps für Bücher, die auch ohne Kerzen in alle Augen ein warmes Leuchten zaubern.

Fotobände:

Vom Zauber eines Anfangs
Heute ist sie natürlich ein Star mit internationalem Kultstatus, deren Fotos sorgfältig arrangierte Kompositionen sind, aber vor genau 50 Jahren, als die blutjunge Kunststudentin Annie Leibovitz den Pinsel mit der Kamera tauschte, entstanden noch ganz andere Bilder. Da ging sie für das US-Magazin „Rolling Stone“ mit zahllosen Bands auf Tournee, beobachtete US-Politiker im Wahlkampf, andere Promis beim Leben, und die Aufnahmen, die sie dabei gleichsam aus der Hüfte schoss, sind bis heute von einer umwerfenden Spontaneität. In diesem Band sind sie versammelt, und schon die Porträts auf dem Umschlag, die auf den Beifahrersitzen Dutzender Autos entstanden, sind großartige Dokumente aus einer Zeit, als Rockmusik noch mit der Hand gemacht wurde – und die Fotos genauso entstanden.

Annie Leibovitz: The Early Years 1970-1983.…

Pflanzen-Show
Natürlich haben Sie schon davon gehört, dass der rote Fingerhut extrem giftig ist. Weniger als ein Gramm seiner Blätter bringen einen Erwachsenen um. Aber wussten Sie, dass die weiß umrandeten Flecken wie ein Hinweis auf Insekten wirken: Hier gibt’s Nektar? Dabei schaffen es nur die starken Hummeln an die tief sitzenden Staubbeutel zu gelangen.
Bienen sind unglaublicherweise auch in dichten Buchenwäldern unterwegs, denn der zarte kleine Sauerklee mit seinen herzförmigen Blättern produziert reichlich Nektar, den die kleinen Brummer sehr lieben.
Diese und noch viele andere interessante Fakten zu hundert Pflanzen, die man kennen sollte, hat der Schweizer Botaniker Adrian Möhl für sein Buch gesammelt und die Zeichnerin Denise Sonney hat sie alle wunderhübsch porträtiert.
Ein kleiner Nachteil des informativen Buches: Für Nicht-Kenner sind die Pflanzen nach den Zeichnungen kaum zu identifizieren.
Adrian Möhl, Denise Sonney: Deutschlands Flora amabilis – 100 Pflanzen, die Sie kennen sollten, 224 S., Hirmer, 25 Euro Foto: Hirmer

Sterneküche – zum Nachkochen
Der französische Koch Michel Troisgros hält seit 20 Jahren drei Michelin-Sterne und wurde 2018 zum „Besten Koch der Welt“ beim „Chefs World Summit“ gewählt, einem Treffen aller Spitzenköche in Monaco.…

Havanna ist blau

Die touristischen Highlights von Havanna hat die deutsche Fotografin Eva-Maria Fahrner-Tutsek gleich links liegen gelassen. Weit musste sie nicht gehen, schon im Stadtteil „La Habana Vieja“, dem alten Havanna, fand sie das Kuba der Kubaner. Für ihren Band „Havana – Short Shadows“ hat sie Szenen des alltäglichen Lebens eingefangen, echte Straßenfotografie eben. Da hängen frisch gewaschene, strahlend weiße Laken in einer Ruine, eine Sonnenblumenverkäuferin hockt auf einem Schemel am Straßenrand, ein vergilbtes Foto von Fidel Castro klebt in einem schmutzigen Schaufenster. Die Bilder sind kommentarlos abgedruckt, nur hinten im Buch findet man Angaben zur Straße oder zum Gebäude der jeweiligen Aufnahme. Ergänzt werden die stillen Bilder von einem kleinen Einführungstext der Fotografin und einem Essay über das Wesen und die Geschichte der Dokumentarfotografie von Fotograf Michael Freeman und einem über das Leben in Havanna des Schriftstellers Leonardo Padura, beide sind ein Muss zum Verständnis der Bilder. Denn Leonardo Padura bekennt: “Mein Havanna klingt nach Musik und alten Autos, es riecht nach Gas und Meer, und seine Farbe ist das Blau.“

Eva-Maria Fahrner-Tutsek: Havana – short shadows, 164 S., Hirmer, 39,90 Euro Foto: Hirmer

Frauen entdecken

Stimmt schon – erfunden hat die Fotografie ein Mann; der Franzose Louis Daguerre.…

Irremachende Tapete

Es ist nur ein kleiner, schmaler Band von nicht mal 100 Seiten – je eine auf Deutsch und das englische Original auf der gegenüberliegenden Seite, aber er hat es in sich. Die Geschichte einer Frau, die in ihrem Raum mit der gelben Tapete langsam verrückt wird, wurde 1892 von der Amerikanerin Charlotte Perkins Gilman aufgeschrieben und basiert wohl auf persönlichen Erfahrungen. Eine beklemmende, lesenswerte Geschichte.

Charlotte Perkins Gilman: Die gelbe Tapete, 96 S., Dörlemann, 14 Euro Foto: Dörlemann

 

 

Lesende Kinder

Die Geschichte der Kindererzählungen beginnt lange vor Erfindung des Drucks. Eltern haben ihren Kindern immer schon etwas erzählt oder ihnen vorgesungen. Zu allererst waren das wahrscheinlich Schlaflieder; das wohl älteste erhaltene ist auf einer Keilschrifttafel der Sumerer gefunden worden, das aus der Zeit 2500 vor Christi stammt. Die beiden Briten Roderick Cave und Sara Awad haben für ihre „Geschichte des Kinderbuchs“ Informationen aus aller Welt zusammen getragen und beschäftigen sich mit hundert Kinderbüchern im Einzelnen – mit Bilderbüchern und Erziehungsratgebern, mit Vorlesebüchern und dem ersten Lesestoff für Kleine, Jugendliche und junge Erwachsene.

 

Mithelfen!

Bienen sind ganz erstaunliche kleine Wesen. Zwei Millionen Blüten fliegen sie für ein 450-Gramm-Glas Honig an und legen dabei etwa 80 000 Kilometer zurück. Und von den weltweit 25 000 bekannten Bienenarten sind nur sieben Arten Honigbienen. Dass die kleinen Brummer für uns lebenswichtig sind, weiß man ja mittlerweile, dass aber jeder Hobby-Gärtner zu ihrem und damit unserem Wohl beitragen kann, ist noch nicht überall bekannt. Die britische Journalistin und Hobby-Imkerin Sarah Wyndham Lewis hat jetzt ein Buch vorgelegt, mit dem jeder seinen Garten, seine Terrasse, seinen Balkon bienenfreundlich bepflanzen kann. Lange Listen von Gewächsen, sortiert nach Standort, Bodenbeschaffenheit und der Jahreszeit, in der sie blühen, ergänzt die Autorin mit vielen Fakten über Honigbienen, Grundlegendem über Nektar, Pollen und Propolis, einer antibiotischen, harzartigen Masse, und einer kurzen Entwicklungsgeschichte der Bienen überhaupt. Dazu gibt es wunderhübsche Illustrationen von James Lewis Weston.

Nach der Lektüre bin ich nicht nur froh, dass ich Lavendel gepflanzt habe und der Schnittlauch gerade Blüten treibt und deshalb nicht mehr im Rührei landen wird, sondern ich freue mich auch, dass die Margeriten auf meinem Nordbalkon keinen doppelten Blütenblätterkranz haben und die Bienen mit ihren kurzen Rüsseln so gut an den Nektar gelangen können.…

Lecker, lecker!

Die Fußball-WM ist zwar bald vorbei, trotzdem sind kleine Rezepte für nette Abende sehr willkommen. Und da kommt dieses hübsche Büchlein gerade recht: Wer will schließlich den Abend in der Küche verbringen und seine Gäste sich selbst überlassen. Wiener im Schlafrock oder gefüllte Champignons lassen sich prima vorbereiten. Selbst Ofenkartoffeln mit verschiedenen Füllungen kann man fertig haben, bevor die Gäste kommen. Für einen Männerabend empfiehlt US-Koch- und Eventexpertin McMillan Chili-Cheeseburger und gegrillte Rippchen zu Ingwer-Shandy (mit Ginger- und Hoegaarden-Bier) und Mojito mit Minze. Also dann: Guten Appetit.

Kate McMillan: Samstag Abend – Snacks und Drinks zum Teilen – oder auch nicht, 104 S., Callwey, 20 Euro Foto: Callwey

Ganz und gar zauberhaft

Zuerst die Vorgeschichte: Queen Mary von England, Ehefrau von König George V. und Großmutter der jetzigen Queen Elisabeth, besaß ein Puppenhaus im Maßstab 1:12, das heute noch in Windsor Castle besichtigt werden kann. Für die Bibliothek dieses Hauses steuerten 1924 bekannte Autoren wie Rudyard Kipling und Sir Arthur Conan Doyle Texte bei.…

Frühe Karriere

Berühmt haben ihn natürlich seine Filme gemacht: „Uhrwerk Orange“ und „2001: Odyssee im Weltraum“ etwa zählen längst zu den Klassikern der Kino-Kunst. Doch Stanley Kubrick, 1928 in New York geboren, kannte sich nicht nur mit bewegten Bildern aus. Schon als Teenager machte er Aufnahmen für die Schülerzeitung, und nachdem er mit der Schule fertig war, beschloss er, Fotograf zu werden. Dass er es bereits in diesem Metier zu einer bemerkenswerten Karriere brachte, belegt der unermüdliche Taschen-Verlag jetzt mit einem dicken Bildband, der Kubricks Zeit bei der Illustrierten „Look“ zwischen 1945 und 1950 dokumentiert, die zu dieser Zeit eines der führenden Blätter der USA war. Da kam der neue, immer neugierige Mitarbeiter gerade recht – zumal seine Heimatstadt ihm immer neue Motive lieferte. Ob auf der Straße oder im Stadion, ob Zirkusvolk oder Liebespaar, Künstler oder Zeitungsverkäufer: Kubrick war stets zur Stelle, und weil er sich fast immer seinen eigenen Blick bewahrte, haben die meisten (teilweise bislang unveröffentlichten) Aufnahmen bis heute so wenig von ihrer Unmittelbarkeit und Frische eingebüsst, dass man sogar den nur auf Englisch vorliegenden Begleittext in Kauf nimmt.…

Hoch die Tassen!

Auch wenn Fakten nicht gerade überall gefragt sind, hier bekommt man jede Menge. So werden in China jedes Jahr 550 Milliarden Tassen

Tee getrunken, für die eine Wassermenge verbraucht wird, die in 236 588 olympische Schwimmbecken passt. Die Sorte Orange Pekoe heißt nicht so, weil der Tee orange

ist, sondern wahrscheinlich hat sie ihren Namen vom niederländischen Königshaus Oranien-Nassau, das maßgeblich an der Einführung von Tee nach Europa beteiligt war. In Marokkos Suks trinkt man den angebotenen Tee aus, bevor man anfängt zu feilschen.

Alles über ihr Lieblingsgetränk Tee haben die beiden britischen Autoren zusammengetragen und daraus ein großartiges Nachschlagewerk gemacht. So erfährt man, wo welche Sorte wie angebaut und verarbeitet wird, wie man das Heißgetränk in aller Welt zubereitet und woraus man es trinkt. Die riesige Faktensammlung wird ergä

nzt von schönen Fotos, feinen Zeichnungen, interessanten Tabellen und einer großen Zahl von ungewöhnlichen Rezepten. Oder haben Sie schon mal Chai-Maronen-Muffins oder Earl-Grey-Martini probiert?…

Was für Bauten!

Man muss nur kurz in diesem Reiseführer blättern, um daran erinnert zu werden, wie aufregend Paris ist. Und dabei geht es hier bloß um die Architektur! Der Autor gibt einen Überblick über Pariser Bauten von 1898 bis heute. Er beginnt mit Hector Guimard und seinem Art Nouveau-Stil, den er zum Beispiel beim Hotel Guimard in der Avenue Mozart verwirklicht hat, und beschreibt in sieben Kapiteln anhand von 250 zum Teil ganz unbekannten Bauwerken die spektakuläre Geschichte der Architektur in Frankreichs Metropole. Das Buch endet mit dem missglückten Projekt „La Canopée“ von 2016, dem „Dach im Garten“ über einem Einkaufzentrum im Stadtteil Les Halles.
Jedes Gebäude wird mit Foto, Text und Adresse vorgestellt, und ein Stadtplan hilft beim Finden. Also sollte man eigentlich sofort losfahren und sich die schöne, aufregende und ja, auch die hässliche Architektur in Paris selbst anschauen.

Jean-Philippe Hugron: Architekturführer Paris. 312 S. DOM Publishers.…

Mord in Grün

Woran ist Kaiser Napoléon Bonaparte eigentlich gestorben? Schließlich wurde er nur 51 Jahr alt, da kann man doch schon mal fragen. In Frankreich glaubte man lange an eine Arsen-Vergiftung, denn bei der Exhumierung wurde das Gift in seinem Körper gefunden, und er hatte auf St. Helena in einem Raum mit grüngemusterter Tapete geschlafen. Deren intensives Grün konnte aber nur mit Arsen-Pigmenten hergestellt werden, mit denen der deutsch-schwedische Chemiker Carl Scheele 1775 zur Begeisterung aller Stoff- und Tapetenhersteller die bis dahin magere Palette von Grüntönen erweitert hatte.

Die Autorin Lucinda Hawksley, Expertin für die Kunst der Präraffaeliten, erzählt in ihrem neuen Buch die Geschichte des Arsens, seine Gewinnung, Verarbeitung und Verwendung im täglichen Leben im 19. Jahrhundert, wobei ihm der Einsatz als Mordwaffe den Beinamen Erbschaftspulver eintrug. Illustriert werden die unterhaltsamen Texte mit jeder Menge wunderschöner Tapeten-Beispiele u.a. von William Morris (1834-1896), dem Gründer der Arts and Crafts Bewegung in England.…

Bemerkenswertes Bauen

Nicht alles, was zur Zeit in Deutschland gebaut wird, sieht von außen spektakulär aus. Sicher, da sind Hamburgs ganzer Stolz, die Elbphilharmonie, und die nicht so geliebte Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin. Aber es gibt auch jede Menge Neubauten, sanierte Altbauten und clevere Umbauten, die ihre Qualitäten im Innern entfalten. Da ist zum Beispiel die Aktivhaus-Siedlung in Winnenden aus 38 in Holzrahmenbauweise gefertigten Modulen, die erst für Flüchtlinge, später als Sozialwohnungen vergeben werden. Oder – ganz anders – das winzige Haus in einer Baulücke in einer denkmalgeschützten Hauszeile in Köln, das nur eine Grundfläche von 10 x 3,5 m hat.
95 der auf der Nominierungsliste für das Deutsche Architektur Jahrbuch versammelten Bauten haben die drei Herausgeber kurz und knapp mit je zwei Fotos, Grundriss, Umgebungsplan und kompaktem Text für diesen Führer zusammengefasst. Mit dem ebenfalls abgedruckten QR Code lässt sich jedes Bauwerk auch ohne Buch finden.

Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal: Architekturführer Deutschland.

 

 

Ja, Weihnachten kommt auch in diesem Jahr wieder so plötzlich, und die Frage, was schenkt man wem, ist wie immer noch lange nicht beantwortet. Doch Hilfe ist nah. Wir haben eine Auswahl für Sie getroffen, wobei wir finden: Kunst geht immer, sei sie von alten oder neuen Meistern, gepinselt oder geknipst, gesammelt oder gekocht.

Kalender des Jahres

Sie glauben, Sie kennen das Meer? Weil es immerhin gut zwei Drittel unseres Planeten bedeckt? Dann sehen Sie sich doch mal an, was der Hamburger Fotograf Harald Schmitt mit seiner Kamera auf See beobachtet hat. Auf zwölf großformatigen Blättern zeigt er in diesem Kalender für 2018, in welch vielfältiger und wahrhaft atemberaubender Form uns das nasse Element begegnet. Denn ob es nun das sanfte Kräuseln vieler kleiner Wellen ist, die düstere Majestät des Meeresspiegels bei einem fernen Sonnenuntergang oder das Funkeln des Tageslichts auf munteren Wogen: viel mehr Romantik und Drama war nie und viel mehr Magie auch nicht.…

Zum Sammeln

In der „Kleinen Reihe der Künstlerbiografien“ des Wienand Verlages sind jetzt die Bände 9 und 10 „Max Liebermann“ und „Egon Schiele“ erschienen. Und hoch willkommen sind sie, denn die erfolgreiche Serie bringt uns Nicht-Fachleuten die Lebensgeschichten bekannter Künstler näher, ordnet ihre Arbeiten ein und erklärt ihre Bedeutung auf ebenso kurze wie unterhaltsame Weise. Kleine Exkurse etwa zur „Wiener Secession“ (Egon Schiele) oder zur „Liebermann Villa als Künstlerhaus“ ergänzen die knapp 100 Seiten umfassenden Bücher. Formatbedingt (9,5 x 6,5 cm) sind die Abbildungen der Gemälde natürlich begrenzt. Aber wenn die Bände ihre Leser dazu bringen, mal wieder ins Museum zu gehen, haben sie ihr Ziel doch wirklich erreicht.

Martin Fass: Max Liebermann, ca. 98 S., Wienand Verlag, 12,95 Euro
Martina Padberg: Egon Schiele, ca. 98 S., Wienand Verlag, 12,95 Euro
Foto: Wienand Verlag

Aufklärend

Wer von uns Wessies weiß schon, was Tempoerbsen waren (verkürzte Garzeit). Oder wie die Schrankwand „Carat“ aussah (mit künstlichem Rüsterdekor) und der SR1 funktionierte (der Schulrechner). Das DDR Museum in Berlin hat jetzt einen Führer zu seiner ständigen Ausstellung herausgebracht, der eine gute Einführung ins Alltagsleben der einstigen DDR bietet. In knappen, aber reich bebilderten Kapiteln werden Bückware und Trabi, Speicherchip und Wandlitz, Stasi und Westbesuch ebenso erklärt und eingeordnet wie Gleichberechtigung und Kittelschürze oder Ernährung und Mode. Entstanden ist so ein lesenswertes Kompendium, das gerade auch für nach 1989 geborene Menschen ein widriges Stück deutscher Geschichte dokumentiert.

Sören Marotz, Elke Sieber, Dr. Stefan Wolle: DDR MUSEUM FÜHRER – Das Buch zur Dauerausstellung, ca. 200 S., DDR Museum Verlag Verlag, 5,90 Euro

Foto: DDR Museum Verlag

 

 

Sehenswert

Ganz schön üppig, wie dieser neue Band daherkommt. Ist aber auch verlockend zu dokumentieren, wie der Jazz in den vergangenen 150 Jahren die Bildende Kunst inspiriert hat.…

Komisch!

Archie und sein Freund Speck leben in den siebziger Jahren mit Roswitha auf einem Bauernhof in einem kleinen Provinz-Nest. Roswitha ist ein Huhn, das gern zum Supermarkt der Hüschkes läuft. Archie ist Verleger und sein eigener und einziger Autor, aber das darf keiner wissen, weshalb Rebecca alias Paula zwei naiven Schönheiten etwas vorspielt. Alles klar?
Unser Lieblings-Cartoonist Peter Butschkow hat seinen ersten Roman über einen lustigen, komplizierten Verführungsversuch veröffentlicht, angereichert mit pointierten, kleinen Porträts von Freunden, Familienmitgliedern und Dorfbewohnern und natürlich mit den leckeren Schnittchen, die Speck so liebevoll zubereiten kann. Wer in den Siebzigern jung war, wird sich durch die fetzigen Dialoge an Wohngemeinschaftszeiten erinnert fühlen. Allerdings: Ein bisschen mehr straffe Handlung hätte dem Buch gut getan.

Peter Butschkow: Rebecca, Roswitha und die wilden Siebziger. Die Geschichte eines Betruges. 380 S., Konkursbuch Verlag, 14,90 Euro

Foto: Konkursbuch Verlag

Mutig!

Sie haben sich mit Trachten und Kindermode, mit Spielzeug und Papieren, mit Wohnaccessoires und Blumen selbständig gemacht und einen eigenen Laden eröffnet: 28 Frauen, die sich den Traum von der Eigenständigkeit erfüllt haben, zeigen in diesem Buch ihre Geschäfte, berichten von ihren Erfahrungen und geben Tipps für Gleichgesinnte.…

Aufregend!

Da denkt man, die größte deutsche Insel kenne ich eigentlich ganz gut, und dann schaut man in das Buch „Rügen neu entdecken“ und lernt einen Haflingerzüchter und einen Abraham-Lincoln-Bartträger kennen, erfährt die Geheimnisse des René „Kräuter-Geyer“ und darf dem Nationalparkranger Frank Meyer ins Gelände folgen. Autor Maik Brandenburg ist gebürtiger Rügener und hat seine Heimat spät, aber intensiv lieben gelernt; der langjährige Stern-Fotograf Harald Schmitt ist seit bald dreißig Jahren immer wieder auf seiner Lieblingsinsel. Zusammen haben sie auch den Sternekoch Ralf Haug und den Whiskey-Brenner Thomas Kliesow besucht und dem Rohrdachdecker Stefan Rolinski über die Schulter geschaut. Entstanden ist kein Reiseführer im eigentlichen Sinne, sondern ein frisches, unterhaltsames Lesebuch mit großartigen, lebendigen Bildern, die Rügen ebenso ungewöhnlich wie liebevoll präsentieren.

Maik Brandenburg, Harald Schmit: Rügen neu entdecken. 160 S., Delius Klasing Verlag, 24,90 Euro

 Foto: Delius Klasing Verlag

 

Falsch!

Erster Eindruck bei der Lektüre dieses unterhaltsamen Geschichts-Thrillers: Was hat es nicht alles an Fälschungen gegeben im Laufe der Jahrhunderte!…

Köstlich.

In der Reihe „kleine gourmandisen“ des österreichischen Mandelbaum Verlags sind schon viele hübsche Bändchen erschienen, über Quitten, Spargel oder Holunder zum Beispiel. Nun hat die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit eigenhändig in die Tastatur gegriffen und ihrer großen Liebe ein Büchlein gewidmet – der Avocado. Neben herrlichen Rezepten, wie Avocadoeis mit Kokosmilch, Avocado-Spinat-Smoothie und natürlich Guacomole, erläutert sie alles Wissenswerte über die gesunde Frucht, die wohl schon seit 10 000 Jahren gegessen wird. Sehr unterhaltsam berichtet die Autorin von der Geschichte der Dunkelgrünen, wie begeistert zum Beispiel die spanischen Eroberer in Mexiko auf die butterweiche Avocado reagierten; sie erzählt von den vielen verschiedenen Sorten und deren Inhaltsstoffen, sie notiert, dass 2015  bereits 45 000 Tonnen nach Deutschland importiert wurden, für deren Gedeihen pro Kilo allerdings bis zu 1100 Liter Wasser notwendig sind. Außerdem gibt sie Tipps zum Einkauf von und zum Umgang mit Avocados und macht sogar einen Exkurs in die Kunst: Die amerikanische Malerin Georgia O’Keefe porträtierte die Avocado nämlich mehrfach.

 

Hübsch & lecker.

Bastler, Selbermacher, Hobbyköche – aufgepasst! Dieses Buch ist was für Euch! Wer immer schon mal Zucchini einlegen, Löwenzahngelee kochen und Saattüten verschenken wollte, der ist hier richtig. Bringen Sie doch mal als Gastgeschenk samtig-vanilliges Birnenmus oder Wiesenkräuterbutter mit. Ist gar nicht besonders schwer, denn die beiden Autorinnen haben ihre Garten-, Ernte- und Bastelbegeisterung in ein ebenso hübsches wie praktikables Buch umgesetzt, mit vielen Erklärungstexten, Rezepten, Tippkästen und schönen Fotos. Und am Ende gibt es sogar noch Vorlagen für dekorative Etiketten.

Clara Moring, Hanna Charlotte Erhorn: Schönes aus dem Garten mit Liebe verschenkt. 128 S., Dorling Kindersley, 12,95 Euro

Foto: Dorling Kindersley


 

 Idyllisch & satirisch.

Im ersten Moment verblüffend, aber im zweiten durchaus einleuchtend: die Kombination Carl Spitzweg/Erwin Wurm, die das Wiener Leopold Museum in diesem Frühjahr präsentierte. Denn den 1885 gestorbenen Biedermeier-Maler und den mittlerweile 62-jährigen Plastiker und Performance-Künstler (siehe auch weiter unten) verbindet ein ebenso präziser wie sarkastischer Blick auf menschliche Verhältnisse.

Ziemlich windig. Erfunden wurden sie, um den Menschen abzukühlen: die ersten Fächer der frühen Hochkulturen, die aus Blättern und Vogelfedern entstanden. Bald aber entdeckte man, dass mit ihnen auch Gefühle ausgedrückt und schlechte Zähne verborgen werden konnten. Königin Elisabeth I. von England (1533-1603) besaß eine Sammlung von 27 Fächern und ließ sich meist mit einem der schönsten Exemplare porträtieren. Zur gleichen Zeit brachten portugiesische Seefahrer aus Fernost die ersten Faltfächer mit nach Europa, wahrscheinlich aus Elfenbein, denn Papier hätte die lange Fahrt übers Meer wohl nicht überstanden. Die exotischen Windmacher waren sofort sehr begehrt, so dass die Produktion in China speziell für den Export angekurbelt wurde.
In seinem Buch „Mehr Wind!“ stellt der Autor Hans Merkle seine beachtliche Sammlung wunderschöner Exemplare vor und erzählt die spannende Kultur-Geschichte dieses kleinen Accessoires.
 
Hans Merkle (Hg.): Mehr Wind! Ein Streifzug durch die Welt der Fächer. 200 S., 189Abb. Hirmer. 34,90 Euro
Foto: Hirmer                                                                                                                                                                                               

Ziemlich berühmt.

Bücher Sibylle 2017-03-17 um 15.05.44Glanzlicht des Ostens. Stimmt schon: An Biederkeit und Langeweile ließ sich die DDR schwer übertreffen. Dem ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaat war eben mehr an Aufmärschen und Kampfgeist gelegen als an Parties und Spaß. Aber halt: Mitten im spießigen Ost-Berlin erschien ab 1956 ein Blatt, das sich wenig scherte um Linientreue und Fünf-Jahres-Plan und statt dessen lieber versuchte, dem real-sozialistischen Alltag ein paar Farbtupfer und Glanzlichter abzugewinnen – und das gelang der Frauenzeitschrift „Sibylle“ so gut, dass sie bis heute einen geradezu legendären Ruf genießt. Vor allem Fotografinnen wie Ute Mahler und Sibylle Bergemann prägten, mit Kollegen wie Arno Fischer und Roger Melis, einen ganz eigenen, oft kessen, manchmal sogar frechen Stil, der neben der westlichen Konkurrenz locker bestehen konnte. Die Kunsthalle Rostock erinnert noch bis zum 17. April an das 1995 eingestellte Blatt – danach geht die Ausstellung nach Rüsselsheim; im schönen, großformatigen Katalog kann man die Geschichte der „Sibylle“ auch daheim betrachten und nachlesen.…